KN: Keine Angst vor der Delle

Bundesliga
Dienstag, 13.02.2018 // 11:25 Uhr

Gießen/Kiel. Mit dem klaren 37:25-Sieg gegen den TV Hüttenberg im Gepäck verließ der THW Kiel am Sonntagnachmittag das noch immer in fester Karnevalshand befindliche Gießen. Und die Stimmung im Tross der Zebras war ähnlich gut wie unter den verkleideten Jecken, schließlich hatte der Favorit den Aufsteiger im Narrhallamarsch von der Platte gefegt.

Zebras blicken selbstbewusst nach vorn

Ein Kieler allerdings fehlte im Mannschaftsbus, als dieser um 15.15 Uhr das Gelände der Sporthalle Ost verließ - Torhüter Niklas Landin brachte An- und Abreise im eigenen Auto hinter sich. "Ich bin für alle Fälle selbst gefahren, falls ich einen Anruf aus Kiel bekomme", erklärte der Däne, der mit Ehefrau Liv noch immer auf die Geburt von Baby Nummer zwei wartet. Der Stichtag liegt nun schon eine ganze Woche zurück. "Ich spiele schon seit dem 15. Januar mit diesem Gedanken im Hinterkopf. Das ist schon etwas komisch", sagte Landin, der seine Arbeit im THW-Tor (acht Paraden in 30 Minuten) dennoch gewohnt souverän und stark verrichtete. "Zum Glück haben wir am Donnerstag ein Heimspiel, dann bin ich in Kiel", blickt Landin froh auf die Rückkehr.

Die Zebras waren nach dem Zwölf-Tore-Sieg locker und gelöst. Und dazu hatten sie auch allen Grund, nachdem es optimal gelungen war, die Konzentration nach dem Veszprém-Kracher auch für das Gastspiel beim Underdog aus Mittelhessen hochzuhalten. "Auf dieses Spiel umzuschalten, war kein Problem", sagte Rechtsaußen Ole Rahmel. "Wir haben ja auch in der Bundesliga Ziele, müssen jedes Spiel mit dem gleichen Fokus angehen." Dennoch zeigten sich THW-Coach Alfred Gislason und der Sportliche Leiter Viktor Szilagyi erleichtert, dass der Wechsel von Champions-League-Highlight auf Liga-Alltag reibungslos verlaufen war. "Heute war nicht weniger wichtig als Mittwoch", sagte Szilagyi nach dem Abpfiff am Sonntag. "Es war wichtig, dass wir das Spiel ab der 15. Minute unter Kontrolle hatten, damit es nicht eng wird." Und Gislason zeigte sich hochzufrieden, "dass wir das beibehalten konnten, was wir seit Mitte November spielen - trotz der EM und der Verletzten."

Dass ein großes Turnier den Lauf und die Konstanz einer Vereinsmannschaft aus dem Tritt bringen kann, haben die letzten Jahre zur Genüge bewiesen. "Manchmal kommt auch ein paar Wochen später noch eine Delle, alle Topteams eint ja, dass sie viele Spieler für EM oder WM abstellen", sagt THW-Rechtsaußen Niclas Ekberg. "Aber ich habe keine Angst davor, dass wir einknicken. Wir werden weiter dranbleiben." Ekberg und Landsmann Nilsson haben die Silbermedaille aus Kroatien mental mit nach Kiel gebracht, "bei uns ist das Selbstvertrauen dadurch nochmal gestiegen", sagt der Kapitän der schwedischen Auswahl. Das war auch bei einem erneut famosen Auftritt Nilssons deutlich zu sehen.

Den THW der aktuellen Form zeichnet aber auch aus, dass die Breite des Kaders voll zum Tragen kommt. Als Nilsson nach einer Weltklasse-Viertelstunde kurz verschnaufen musste, sprang Nikola Bilyk ein und knüpfte da an, wo der Schwede aufgehört hatte; in der zweiten Hälfte wirbelten beide Youngster zeitweise gemeinsam im Kieler Rückraum. "Niko hat den Ball sogar noch besser nach vorn getrieben. Das haben wir gebraucht, weil Sebastian Firnhaber mit Miha Zarabec wechseln musste", erklärte Gislason, der sich ganz leise Kritik am Österreicher aber nicht verkneifen konnte. "Niko hat gut gedeckt - aber er hat auch drei Mal die Dinger von meinem Landsmann genau über den Kopf bekommen, das hat mich etwas geärgert", sagte der THW-Coach mit Blick auf die Rückraumtore des Hüttenbergers Ragnar Jóhansson. Es war nicht mehr als ein kleiner Seitenhieb des ansonsten hochzufriedenen Gislason, der schon ein klein wenig nach vorn sah: "Zusätzlich zu den gerade starken Jungs habe ich im Optimalfall im Laufe der nächsten Wochen noch einen fitten Domagoj Duvnjak und einen fitten Christian Dissinger - dann wird es durch den Konkurrenzkampf im Rückraum noch besser. Und da kommt mir der 16er-Kader in der Bundesliga natürlich sehr zu Gute."

(Von Niklas Schomburg, aus den Kieler Nachrichten vom 13.02.2018, Foto: Archiv/Sascha Klahn)