KN: Mit Biss aus der Mini-Krise

Bundesliga
Dienstag, 12.09.2017 // 12:18 Uhr

Kiel. Machen die Zebras des Handball-Erstligisten THW Kiel da weiter, wo sie in der vergangenen Saison aufgehört haben? Vier Spiele, zwei Niederlagen, am Tag nach dem 25:29 bei der MT Melsungen griff in Kiel Enttäuschung um sich. Manager Thorsten Storm fand am Montag dennoch deutliche Worte: "Es ist schon eine Mini-Krise. Jeder Einzelne ruft nicht ab, was er kann."

Zwei Niederlagen in den ersten vier Spielen

Das Spiel in Melsungen offenbarte vergessen geglaubte Defizite, technische Fehler, sich Bahn brechende Verunsicherung und indiskutable Torhüter-Leistungen. Doch wo anfangen? Die Analyse von Coach Alfred Gislason zielte nach den Pleiten gegen Hannover und Melsungen eher in eine taktische denn mentale Richtung: "Die Probleme in beiden Spielen sind größtenteils selbstverschuldet. Wir waren in den Spielen anfangs immer zu passiv in der Abwehr, hatten große Probleme auf der Torhüterposition. Das ist eine Wechselwirkung. Außerdem war die Chancenauswertung mangelhaft. Gegen Melsungen haben wir zudem wenig Druck aus dem Rückraum entwickelt", so der Isländer.

Während Steffen Weinhold bislang echte Führungsqualitäten an den Tag legte, hat die Saison für Marko Vujin scheinbar noch nicht begonnen, konnte Neuzugang Miha Zarabec - insbesondere gegen die große, defensive Deckung der MT - die Vorschusslorbeeren des Sommers nicht bestätigen, musste Christian Dissinger aufgrund von Ellenbogenproblemen offensiv bisher nahezu ganz passen. "Zarabec braucht noch Zeit, von ihm war es kein gutes Spiel. Außerdem kommt Marko Vujin mit Zarabec' Spielweise weniger gut klar. Wir haben allein vor der Pause sieben technische Fehler gemacht. Insgesamt haben wir Nachholbedarf im Angriff. Wir müssen unsere Taktiken effektiver spielen. Gegen Burgdorf haben wir uns das Spiel mit unseren vielen vergebenen Chancen kaputt gemacht. Gegen Melsungen haben wir immer unnötige Tore kassiert, wenn wir einigermaßen wieder dran waren", sagte Gislason.

Die Zebras selbst sind konsterniert. "Miha ist nicht ins Spiel gekommen, danach haben wir viele Varianten versucht, die alle nicht so richtig funktioniert haben", sagte Rune Dahmke. "Vier Minuspunkte sind ein Brett, vor allem weil das die Spiele waren, die du gewinnen musst. Die Löwen und Flensburg kommen ja erst noch. Aber vielleicht ist das sogar gut. Wir müssen erst einmal nur auf uns schauen und uns freischwimmen." Torwart und Interims-Kapitän Niklas Landin sparte am Montag nicht an Selbstkritik: "Das Zusammenspiel mit der Abwehr hat in Melsungen überhaupt nicht geklappt. Wir sind nie ins Spiel gekommen. Aber wir Torhüter arbeiten jeden Tag hart, und ich glaube, dass das bald wieder kommt. Eigentlich kennen wir uns ja alle schon gut, aber wenn von uns keine Paraden kommen, wird die Abwehr unsicher - und umgekehrt." Der Däne, dem in Melsungen in einer Viertelstunde nicht eine einzige Parade gelungen war, war nach einer unruhigen Nacht "sehr enttäuscht". "Wir sind es nicht gewohnt, zwei Spiele in Folge zu verlieren. Aber wir haben viele Spieler mit Erfahrung. Und Dule (Kapitän Domagoj Duvnjak, d. Red.) ist auch nah an der Mannschaft. Die Unruhe um Andreas Wolff ist aber kein Thema für mich. Das habe ich den Sommer über nicht verfolgt."

Geschäftsführer Thorsten Storm sieht das Kollektiv in der Pflicht, richtet den Blick auch auf die Mentalität der Mannschaft, die nach 60 durchwachsenen Minuten in Melsungen ein paralysiertes Bild abgab. "Für mich", so Storm, "ist es ein Eins-zu-eins-Problem: Der Linksaußen muss besser sein als der Rechtsaußen des Gegners, der Torwart besser als der Torwart gegenüber. Diese Kleinkämpfe muss jeder Spieler gewinnen, egal, ob er fünf oder 55 Minuten für uns auf dem Feld steht." Jeder müsse sich, so der 52-Jährige weiter, zusammenreißen, "sonst wird es nicht besser".

Ganz frei von Sorge, der angeschlagene Rekordmeister könne wie in der Vorsaison in eine Abwärtsspirale geraten, ist Storm nicht ("Die Bedenken sind da, darauf muss man vorbereitet sein"), schließt eine Trainerdiskussion indes aus. "Gegen Hannover und Melsungen - das war nicht genug. Wir brauchen mehr Bereitschaft zum Kratzen, Beißen, Sich wehren. Alle müssen sich in die Pflicht nehmen, das fängt bei mir selbst an. Und natürlich ist die Trainerfrage der erste Mechanismus von außen: Aber was soll ein Trainer machen, wenn die Spieler Zweikämpfe verlieren oder klare Chancen auslassen. Taktisch sehe ich Mannschaft und Trainer nicht falsch davor. Es wird sehr hart gearbeitet. Darum gibt es keine Personaldiskussion."

(Von Tamo Schwarz, aus den Kieler Nachrichten vom 12.09.2017, Foto: Angela Grewe)

 

Mehr zum Thema

Der THW Kiel wird sein Auswärtsspiel in der VELUX EHF Champions League am Sonntag bei PGE Vive Kielce ohne seinen Trainer Alfred Gislason bestreiten müssen: Der 58-jährige Isländer wurde am Freitag vom Wirbelsäulen-Spezialisten Dr. Philipp Lübke erfolgreich an der Bandscheibe operiert.

22.09.2017

Das fünfte Jahr in Folge engagieren sich die star Tankstellen und der Handball-Rekordmeister THW Kiel für die kleinen Patienten der Kinderkrebsstation des Universitäts-klinikums Schleswig-Holstein (UKSH): Mit den 10.000 Euro, die dank der Spielerpatenschaft mit dem THW-Profi Patrick Wiencek in der vergangenen Jubiläumssaison gesammelt wurden, kann der eigens errichtete Geräteraum der Station...

21.09.2017

Die beiden "Zebras" Rune Dahmke und Steffen Weinhold vom THW Kiel sind gemeinsam mit den Special-Olympics-Athleten Michaela Harder (Leichtathletik), Pierre Petersen (Fußball) und Christoph Bertow (Unified Basketball) die "Gesichter der Spiele" der Special Olympics Kiel 2018. Unter dem inklusiven Motto "Gemeinsam stark" werben sie für diese nationalen Spiele für Menschen mit geistiger Behinderung...

13.09.2017

Kiel. Das hatte sich René Toft Hansen wahrscheinlich anders vorgestellt. Nach rund fünfmonatiger Verletzungspause feierte der 32-jährige Däne vor einer Woche endlich sein Comeback im Team des Handball-Rekordmeisters THW Kiel. Einer mit dem Charisma des 2,00 Meter großen Abwehrspezialisten ist schnell wieder heimisch im Innenblock an der Seite von Patrick Wiencek. Doch Toft Hansen schlitterte...

13.09.2017

Das erste Heimspiel des THW Kiel in der neuen Serie der DKB-Handball-Bundesliga stand gleich unter einem ganz besonderen Stern: Alfred Gislason saß exakt neun Jahre nach seinem ersten Spiel als Trainer des THW Kiel ausgerechnet gegen seinen Ex-Club SC Magdeburg zum 500. Mal in einem Pflichtspiel auf der Bank bei den Zebras.

04.09.2017

Eine Premiere, die Lust auf eine spannende Saison machte: Gemeinsam mit über 300 geladenen Gästen aus Wirtschaft, Medien und Sport feierte der THW Kiel am Samstagabend im festlich gestalteten Showroom des neuen Mobilitätspartners Süverkrüp-Gruppe einen Saison-Auftakt nach Maß. Gänsehaut-Momente wechselten sich mit Comedy ab, gut gelaunte "Zebras" offenbarten im Gespräch mit Moderatorin Anett...

27.08.2017

Stuttgart/Kiel. So richtig gelang den meisten Zebras das Lächeln nicht, als sie auf der kleinen Bühne standen und die Ehrung für den Verlierer des Supercup-Duells entgegennahmen. Ein paar Minuten später war bei vielen Akteuren des THW Kiel allerdings der größte Frust über die unglückliche wie letztlich vermeidbare Niederlage im Siebenmeterwerfen verflogen.

25.08.2017

Es geht wieder los! Mit großer Vorfreude blicken die Handball-Fans auf die kommende Saison, die nach Ansicht vieler Experten die vielleicht spannendste des vergangenen Jahrzehnts werden könnte. Einstimmen auf die Spielzeit können sich die Kieler und Segeberger Handball-Fans mit dem "Zebra Journal" der Kieler Nachrichten, die am Sonnabend 26. August, als kostenlose Beilage der Zeitung erscheint. 

25.08.2017