KN: Mit Fans, Herz und Charakter

Bundesliga
Montag, 04.09.2017 // 12:05 Uhr

Kiel. Mit einer Energieleistung in der zweiten Halbzeit hat der THW Kiel beim ersten Heimspiel der Handball-Bundesliga-Saison den Kopf noch aus der Schlinge gezogen und gegen den SC Magdeburg mit 34:32 (17:20) die Oberhand behalten. Der optimale Saisonstart für die Zebras bedeutete für die Gäste die erste Liga-Niederlage seit dem 11. Dezember 2016.

THW Kiel dreht Sechs-Tore-Rückstand

Der THW begann vor ausverkauftem Haus schwungvoll, mehrfach fand Spielmacher Miha Zarabec Kreisläufer Patrick Wiencek mit sehenswerten Anspielen. Doch die 3:2-Führung (5.) sollte vorerst die letzte bleiben. Die Gäste nämlich nutzten in der Folge die schwache Abwehrleistung der Zebras aus, deren Deckung insgesamt zu passiv blieb, vor allem Matthias Musche und Robert Weber über die Außen sowie Michael Damgaard aus dem Rückraum erzielten einfache Tore. Der THW blieb zwar dran, aber auch dauerhaft in Rückstand, auch weil Rune Dahmke per Tempogegenstoß frei an Jannick Green scheiterte (9:10/17.).

Spätestens danach kam die Hitze und Aggressivität in die Partie, wie sie von einem Duell THW gegen SCM zu erwarten war. Bezjak prallte auf seinem Laufweg entlang der Deckung an Steffen Weinhold ab, seine Theatralik und die Zeitstrafe gegen den Kieler sorgten für laute Pfiffe der THW-Fans. Das Pfeifkonzert schwoll weiter an, nachdem Musche von Außen an das Bein von Christian Zeitz gesprungen war und einen Siebenmeter sowie eine weitere Strafe provoziert hatte. Als Magdeburgs Kreisläufer Zeljko Musa nach Foul an Niclas Ekberg auf die Bank musste, dem besten THW-Torschützen noch einige unfreundliche Worte hinterherrief und sich dann auch noch mit dem Publikum anlegte, war endgültig Stimmung in der Bude.

Am Spielverlauf indes änderte das wenig. Zwar hielt der eingewechselte Andreas Wolff gleich den ersten Ball gegen Musche und schaffte der THW beim 14:14 erstmals wieder den Ausgleich (25.), das kleine Strohfeuer war bis zur Halbzeit allerdings schon wieder aus. Nach 30 Minuten hieß es 17:20.

Wer dachte, die Zebras würden mit einer starken Reaktion aus der Kabine kommen, sah sich zunächst getäuscht. Die ersten fünf Minuten der zweiten Halbzeit waren nahezu katastrophal, Magdeburg zog davon, führte mit sechs Toren (25:19). Dann stellte THW-Coach Alfred Gislason auf eine offensivere Deckungsvariante um, zog Sebastian Firnhaber kurzzeitig etwas nach vorn. Auch Wolff war nun da. Angetrieben von der besseren Deckung und den lautstark antreibenden Fans, legte der THW einen Zwischenspurt ein. Linkshänder Steffen Weinhold wirbelte gemeinsam mit Zarabec und Nikola Bilyk im Rückraum, über Außen kamen immer wieder Dahmke und Ekberg zum Zug. Gepaart mit einem starken Wiencek, der die Halle immer wieder anheizte, stellten die Kieler den Kontakt wieder her. Zwischen 40. und 47. Minute erzielte Magdeburg kein Tor, der THW aber brannte.

Eine Viertelstunde vor dem Ende stand alles wieder auf Anfang, der THW war zurück und erzielte die Führung zum 27:26. Die Zebras ließen sich auch vom schnellen SCM-Ausgleich nicht mehr verunsichern. Zu stark war der Kieler Charakter, der Wille, dieses Spiel trotz über weite Strecken schwache Leistung zu gewinnen. Beim 30:28 (51.) lagen sie erstmals in dieser Partie mit zwei Toren vorn. Die zuvor so ruhig und abgeklärt wirkenden Gäste schienen mental überfordert mit dieser Aufholjagd, spät aber rechtzeitig kontrollierte der THW die Partie. Am Ende siegten die Zebras mit 34:32, feierten einen perfekten Einstand in die Bundesligasaison und beendeten nebenbei noch die knapp neun Monaten andauernde Serie ohne Niederlage der Magdeburger. Und so durfte Alfred Gislason ein gelungenes Jubiläum feiern, erhielt die für das 500. Pflichtspiel als THW-Trainer fällige Sektflasche mitten im laufenden Sky-Interview. Nach dieser Partie ließ sich THW-Maskottchen Hein Daddel auch von der roten Aufnahmelampe nicht aufhalten.

(Von Niklas Schomburg, aus den Kieler Nachrichten vom 04.09.2017, Foto: Sascha Klahn)

Stimmen in den KN zur Partie:

Rune Dahmke, THW-Linksaußen: Das Spiel war unglaublich schnell und intensiv. Die erste Halbzeit lief in der Abwehr nicht so, wie wir wollten. Magdeburg war sehr geduldig und hat jeden Schlagwurf durch den Mittelblock bekommen. Anfang der zweiten Halbzeit dachten wir: "Sch..., was ist hier denn los?" Aber dann hat uns das Publikum super unterstützt, über den Kampf sind wir zurückgekommen. Auf einmal stand der Block, und alle zusammen haben es irgendwie gedreht.

Lukas Nilsson, THW-Rückraumspieler: Das war richtig anstrengend gegen einen starken Gegner. Wir waren in der ersten Halbzeit nicht gut in der Abwehr, vorne war das ok. In der zweiten Halbzeit war es am Anfang ein bisschen wackelig, dann sind wir mit Hilfe der Zuschauer zurückgekommen. Wir haben eine etwas offensivere Deckung gespielt mit Sebastian Firnhaber als vorgezogenem Spieler. Damit haben wir Magdeburg vielleicht ein bisschen überrascht.

Robert Weber, SCM-Rechtsaußen: Trotz der Niederlage hat es richtig Spaß gemacht, es war ein Riesenfight in einer tosenden Halle. 50 Minuten lang haben wir gut mitgehalten, aber dann haben wir den Kopf verloren, vor allem in der Defensive. Vielleicht hatten wir auch ein bisschen Angst zu gewinnen. Wir wollten den Vorsprung über die Zeit bringen und haben uns nicht auf unser Spiel konzentriert. Dann kam auch Andi Wolff ins Spiel, und der THW kam zu vielen Gegenstößen.

 

Mehr zum Thema

Hannover/Kiel. Der erlösende Anruf für Christian Prokop kam am Montagnachmittag um kurz nach drei. Trotz des desolaten EM-Auftritts in Kroatien und interner Verwerfungen bleibt der Bundestrainer im Amt und soll die deutschen Handballer bei der Heim-WM 2019 zu einer Medaille führen. "Er war sehr erfreut über die Entscheidung", berichtete DHB-Sportvorstand Axel Kromer über das Telefonat mit Prokop....

20.02.2018

Kiel/Hannover. Heute entscheidet die Spitze des Deutschen Handballbundes (DHB) in einem Hannoveraner Flughafenhotel über die Zukunft von Bundestrainer Christian Prokop. Im Mittelpunkt des Handball-Gipfels steht das Ergebnis der Analyse des desaströsen EM-Abschneidens, die Sportvorstand Axel Kromer nach Informationen unserer Zeitung mittags dem zehnköpfigen DHB-Präsidium vorstellen wird. Alles...

19.02.2018

Der THW Kiel hat mit Christian Zeitz im Sommer 2016 eine schriftliche Vereinbarung über den Abschluss eines bis zum 30.06.2018 befristeten Spielervertrages geschlossen. Dieser zweijährigen Befristung entsprechend, haben der THW Kiel und Christian Zeitz gemeinsam das Spielrecht bis zum 30.06.2018 beantragt. Die Eingehung von befristeten Vertragsbeziehungen ist im Profisport üblich.

16.02.2018

Kiel. Lucas Firnhaber wird den THW Kiel am Saisonende verlassen und zum Zweitligisten TuSEM Essen wechseln. Der 20-jährige Rückraum-Linkshänder unterschrieb dort einen Vertrag bis 2020, das teilte der Revierklub am Donnerstag mit.

16.02.2018

Kiel. So ein paar Kilo im Arm - da strahlt Patrick Wiencek. Seit ein paar Tagen kann der 28-Jährige den kleinen Paul (geboren am 30. Januar) an sein Herz drücken. Und jetzt kommt auch noch die "Sportler des Jahres"-Trophäe hinzu. Da kommt der Abwehrchef des Handball-Rekordmeisters THW Kiel aus dem Strahlen gar nicht mehr heraus: "Das ist eine Riesen-Ehre."

13.02.2018

Patrick Wiencek ist Kiels "Sportler des Jahres 2017"! Zum ersten Mal überhaupt wurde der Kieler Kreisläufer bei der prestigeträchtigen Abstimmung der Kieler Nachrichten zum beliebtesten Sportler der Landeshauptstadt gewählt. Mit 4318 Punkten setzte sich der 28-Jährige klar gegen seinen Teamkollegen Domagoj Duvnjak (3535) durch. Beide setzten damit eine Tradition fort: Zum 14. Mal in Folge gewann...

12.02.2018

Große Ehre für Domagoj Duvnjak: Der Kieler Spielmacher wurde von der Internationalen Handballföderation (IHF) für die Wahl zum "Welthandballer des Jahres 2017" nominiert. Bis zum 20. Februar haben Fans die Gelegenheit, ihre Stimme für "Dule" online auf der Seite der IHF abzugeben! Für Duvnjak ist es die ingesamt fünfte Nominierung in Folge, 2013 hatte der kroatische Nationalspieler den...

06.02.2018

Kiel. Die Nachwirkungen der Europameisterschaft beim deutschen Handball-Rekordmeister THW Kiel sind schlimmer als erwartet. Herrschte zu Wochenbeginn noch Vorfreude bei Trainer Alfred Gislason auf den Punktspielstart ins Jahr 2018, stellte sich jetzt heraus, dass Kapitän Domagoj Duvnjak für weitere zwei Wochen ausfällt. Die Zebra-Verantwortlichen üben darum scharfe Kritik am kroatischen Verband.

04.02.2018