KN: Nächster Gegner: MT Deutschland

Bundesliga
Samstag, 09.09.2017 // 14:42 Uhr

Kiel/Melsungen. Der eine (Trainer Alfred Gislason) hatte keine Lust mehr, seinen 58. Geburtstag feierlich ausklingen zu lassen. Die anderen (die Spieler des Handball-Rekordmeisters THW Kiel) verkrochen sich schnell in ihrer Kabine. Der Schock nach dem nicht erwarteten 29:31 gegen die TSV Hannover-Burgdorf saß tief bei den Zebras. "Wir sind total enttäuscht", sagte Rechtsaußen Niclas Ekberg. Nach Magdeburg und Hannover wartet nun schon am Sonntag (12.30 Uhr) ein ähnliches Kaliber auf den THW, der in Kassel gegen die MT Melsungen antritt.

THW Kiel am Sonntag in Kassel gegen Melsungen

"Wir haben einfach zu viele freie Bälle verworfen", analysierte Abwehr-Spezialist René Toft Hansen am Freitag. Der Däne hatte nach seinem Comeback nach mehr als viermonatiger Pause außer einem Muskelkater keine größeren Probleme zu verzeichnen und soll nun, geht es nach Alfred Gislason und den Teamärzten, weiter "dosiert" eingesetzt werden. Das ist auch gut so. Denn trotz der insgesamt 20 Fehlwürfe im Spiel gegen den neuen Tabellenführer Hannover sieht Gislason "die größeren Probleme in der Abwehr". Sebastian Firnhabers Leistung stufte der Chefcoach einerseits als "Katastrophe" ein, relativierte dann allerdings sofort: "Man darf nicht zu viel erwarten. Er zahlt noch Lehrgeld, ich muss Geduld mit ihm haben."

Defensiv überraschend schwach auf der halblinken Deckungsposition agierte auch Nikola Bilyk. Auf die Option, den elfmal erfolgreichen Kai Häfner in Manndeckung zu nehmen, verzichtete Gislason dennoch: "Das hätte größere Räume für Morten Olsen und die Kreisläufer geschaffen." In jedem Fall fühlten sich die Zebras auch am Tag danach noch vom Schiedsrichtergespann benachteiligt, das beispielsweise beim Stand von 29:30 in der Schlussphase ein zweifelhaftes Stürmerfoul gegen Lukas Nilsson geahndet, ein vorausgegangenes Foul gegen Steffen Weinhold allerdings nicht gepfiffen hatte. "Natürlich haben wir viele Bälle verworfen, aber die Schiedsrichter sollen trotzdem unparteiisch bleiben", so Gislason. Auch THW-Geschäftsführer Thorsten Storm zeigte sich nach dem Studium der Szene auf Video "genervt".

Am Sonntag wartet nun in Kassel die MT Melsungen. Die Hessen müssen kurzfristig auf die Müller-Brüder Philipp (Schultereckgelenkssprengung) und Michael (Knöchelbruch nach Roller-Unfall) verzichten und mühen sich bisher schwerfälliger als erwartet durch die Saison. Denn der "MT Deutschland" wurde nach der Verpflichtung der drei EM-Helden Tobias Reichmann (KS Vive Kielce), Finn Lemke (SC Magdeburg) und Julius Kühn (VfL Gummersbach) die Rolle des Geheimfavoriten zugesprochen. Ein Stempel, der am ersten Spieltag mit dem 27:29 in Stuttgart gleich verblasste. Nur Shooter Kühn ist bei der MT mit 21 Toren bisher voll eingeschlagen, während Lemke in der Abwehr noch fremdelt und Star-Rechtsaußen Reichmann keine Akzente setzte.

Chronische Ladehemmung griff auch bei den knappen Siegen gegen Gummersbach (25:23) und beim Aufsteiger Hüttenberg (28:27) um sich. Im rechten Rückraum muss jetzt Ex-Zebra Dener Jaanimaa für Michael Müller in die Bresche springen. "Und Melsungen hat einen überragenden Kühn. Vielleicht ist durch die Verletzungen nicht mehr die Breite da, aber eine super Qualität", sagt Gislason. Vergleiche zur Vorsaison, die ebenfalls mit einer Niederlage in den ersten drei Partien begann, sieht er nicht. "Die Gegner waren einfach auch sehr gut und wir haben zu viele leichte Fehler in der Abwehr gemacht. Es gab aber auch viel Positives. Gegen Hannover haben nach der Pause beispielsweise zwei 20-Jährige einen guten Job im Angriff gemacht." Von einer veränderten Drucksituation nach der ersten Saisonniederlage will Gislason nichts wissen: "Wir sind es gewohnt, immer gewinnen zu müssen."

(Von Tamo Schwarz, aus den Kieler Nachrichten vom 09.09.2017, Foto: Sascha Klahn)

 

Mehr zum Thema

Kiel/Wetzlar. Bereits im Juni hatten die KN an dieser Stelle vom bevorstehenden Wechsel des dänischen Riesentalents Magnus Landin an die Kieler Förde berichtet. Zunächst war der Transfer an zu hohen Ablöseforderungen gescheitert, doch seit Freitag ist es offiziell: Der 22-jährige dänische National-Linksaußen schließt sich im kommenden Sommer dem THW Kiel an, er unterschrieb bei den Zebras einen...

20.11.2017

Der deutsche Handball-Rekordmeister THW Kiel hat den dänischen Nationalspieler Magnus Landin Jacobsen verpflichtet. Der 22-jährige Linksaußen wird im Sommer vom 14-fachen dänischen Meister KIF Kolding Kopenhagen an die Förde wechseln, wo er einen Zweijahres-Vertrag bis zum 30. Juni 2020 unterschrieben hat.

17.11.2017

Die Fans des THW Kiel haben neben der Begeisterung für ihre "Zebras" auch ein großes Herz. Das unterstrichen die "Auswärts-Fahrer" des Fanclubs "Zebrasprotten" jetzt einmal mehr und spendeten 1800 Euro für das star-Fitnessprogramm zur Förderung der Mobilität krebskranker Kinder am UKSH.

15.11.2017

Kiel. Ernüchterung beim deutschen Handball-Rekordmeister THW Kiel. Ein stabiler Titelkandidat - das hat das 26:29 gegen RK Celje am Sonntag offenbart - werden die Zebras in dieser Saison nicht mehr. Besonders einer fehlt an allen Ecken und Enden: Kapitän Domagoj Duvnjak. Erst im Dezember wird der 29-jährige Kroate, so die Prognose der Ärzte, wieder auf dem Feld stehen. Gleiches gilt für...

14.11.2017

Der THW Kiel stellt sich breiter auf, um mehr in die Tiefe gehen zu können: Manager Thorsten Storm verlängert seinen Vertrag vorzeitig um zwei weitere Jahre bis 2021, der Österreicher Viktor Szilagyi kehrt als sportlicher Leiter zum deutschen Rekordmeister zurück.

02.11.2017

Berlin. Christian Prokop mag es nicht gern, Personalentscheidungen zu rechtfertigen. Vielmehr fordert der Handball-Bundestrainer "den nötigen Respekt" für seine Nominierungen. Für die Länderspiele gegen Spanien hat der Nachfolger von Dagur Sigurdsson auf den Außenpositionen auch der zweiten Reihe eine Chance gegeben, doch der Erkenntnisgewinn durch die Leistungen von Yves Kunkel und Tim Hornke war...

31.10.2017

Berlin. Nach der erfolgreichen Weichenstellung bedankte sich DHB-Präsident Andreas Michelmann an höchster Stelle für das schönste Geschenk zu seiner Wiederwahl. Während des Bundestages der deutschen Handballer hatte Hassan Moustafa, Chef des Weltverbandes IHF, die frohe Kunde von der bevorstehenden Einigung über eine Live-Übertragung der Frauen-WM im Free-TV überbracht.

30.10.2017

Berlin/Magdeburg. Am Sonntagmorgen feierte der Deutsche Handballbund (DHB) sich und "100 Jahre Handball" mit prächtigem Ausblick aus der Humboldt-Box in Richtung Berliner Museumsinsel, während draußen Sturmtief Herwart sein Unwesen trieb. Wenige Stunden später holten sich die Bad Boys von Bundestrainer Christian Prokop gehörigen Rückenwind mit Blick auf die Europameisterschaft im Januar in...

30.10.2017