KN: Rätselraten an der Förde

Bundesliga
Freitag, 21.04.2017 // 09:01 Uhr

Kiel. Wetzlar, Paris, Lemgo - Koordinaten der Kieler Auswärtsdesaster in der aktuellen Handball-Spielzeit. Am Mittwochabend setzte der THW Kiel mit dem 23:23 gegen GWD Minden seine ostwestfälische Durststrecke fort. Ist das Pulver der Zebras nach dem Einzug ins Champions-League-Viertelfinale und dem Pokalsieg in Hamburg verschossen? In der Bundesliga gerät die erneute Qualifikation für die Königsklasse zusehends in Gefahr, hätten die Füchse Berlin (28:28 in Melsungen) fast zum Rekordmeister aufgeschlossen, der zudem selbst als Tabellendritter auf eine weitere Wild Card des europäischen Handballverbandes EHF angewiesen wäre. Rätselraten an der Förde.

"Es gelingt uns nicht, zwischen diesen ganzen Events, zwischen Hamburg und Barcelona und Bundesliga in Lemgo und gegen Minden, den Schalter umzulegen. Das gelingt auch den Top-Spielern nicht", brachte es THW-Geschäftsführer Thorsten Storm nach 60 enttäuschenden Minuten auf den Punkt, während GWD-Trainer Frank Carstens seinen Gefühlen freien Lauf ließ. Ein "Stein im Schuh des THW" hatte er sein wollen, zumindest ein kleiner ist es geworden, der die Zebras einen Punkt kostete. "Ich habe ein Wirrwarr in Herz und Kopf, so richtig weiß ich nicht, was ich fühlen soll. Ich habe in der Kabine der Mannschaft verboten, sich zu ärgern, schließlich haben wir einen Punkt in Kiel geholt - das hat aber nicht funktioniert."

Gegen die Löwen im Champions-League-Achtelfinale und im Pokal-Finale gegen Flensburg auf den Punkt fokussiert, im Liga-Alltag weit hinter den Erwartungen, den FC Barcelona am Sonntag (17.30 Uhr, Sparkassen-Arena) auf dem Weg nach Köln vor der Brust. "Wir hatten gegen Minden keinen Punkt verdient", gestand THW-Coach Alfred Gislason ein. "Man sieht, dass der eine oder andere sehr müde ist, aber es hilft ja nichts, wir haben dieses Programm. Ich kann meiner Mannschaft keinen Vorwurf machen, sie haben alles gegeben und gekämpft. Wir müssen am Sonntag besser spielen, vor allem mit mehr Lockerheit, müssen unsere Chancen nutzen und sehen, dass es aufwärts geht."

Seit dem triumphalen Final Four in Hamburg geht es jedoch eher abwärts, in Lemgo in der Defensive, gegen Minden in der Offensive. "Wir haben insgesamt kein schlechtes Spiel gemacht - nur wenn du 25 Bälle verwirfst, kannst du in der Bundesliga gegen keinen Gegner gewinnen. Am Sonntag müssen wir viel mehr zeigen und alles in die Waagschale werfen", sagte Christian Dissinger. Und Linksaußen Rune Dahmke, der nach dem Ausfall von Kapitän Domagoj Duvnjak (Knie-OP) auch als Mittelmann zur Option avancierte, gewinnt dem Top-Spiel gegen den katalanischen Mega-Rivalen Positives ab: "Am Sonntag wird alles anders sein, vielleicht ist es in der momentanen Situation sogar gut, dass jetzt so ein Kracher kommt."

Die Kräfte bei den Zebras haben sich durch den Ausfall des kroatischen Spielmachers verschoben, ein angeschlagener Nikola Bilyk (Ellenbogen), der genesene Steffen Weinhold und eben Rune Dahmke sind die drei Steuermann-Kandidaten, die das Kieler Flaggschiff zum sechsten Mal in Folge ins Halbfinale der Champions League führen können. "Uns fehlen noch ein paar Trainingseinheiten, um Dule (Domagoj Duvnjak, d. Red.) besser ersetzen zu können. Aber wir haben genug gute Leute, um das bald zu schaffen", so THW-Rechtsaußen Niclas Ekberg, am Mittwoch mit drei verworfenen Strafwürfen Symbol für die eigentlich schon überwundene Siebenmeterschwäche. "Das war einfach schlecht, das darf nicht passieren. Ich hatte immer ein gutes Gefühl, wenn ich dort stand. Ich versuche dann, locker zu bleiben, weil es eine Kopfsache ist. Aber vielleicht war ich auch dort zu angespannt", sagte der Schwede selbstkritisch. Der ansonsten konstanteste Kieler freue sich auf das Duell mit Filip Jicha und Co.: "In das Spiel gehen wir mit viel Energie, das wird ein großes Spiel, ein Highlight. Das Spiel gegen Minden müssen wir jetzt schnell abhaken, aber ich bin optimistisch, dass uns das gelingt."

(Von Tamo Schwarz und Niklas Schomburg, aus den Kieler Nachrichten vom 21.04.2017, Foto: Sascha Klahn)

 

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