KN: Rekordmeister unter Druck

Bundesliga
Donnerstag, 14.09.2017 // 12:36 Uhr

Kiel/Leipzig. Der nächste Flensburg-Bezwinger steht vor der Tür: Heute (19 Uhr, Sparkassen-Arena) empfängt der THW Kiel in der Handball-Bundesliga den SC DHfK Leipzig. Der Druck beim Rekordmeister an der Förde ist - und das nach nur vier Spieltagen - nach zwei Niederlagen in Folge ins Unermessliche gestiegen. "Der Druck, gegen Leipzig gewinnen zu müssen, ist schon sehr groß", sagt THW-Coach Alfred Gislason. "Aber das gehört zum Job dazu. Ich weiß, dass ich an Ergebnissen gemessen werde."

Gislason: "Werde an Ergebnissen gemessen"

Magdeburg, Hannover, Melsungen, Leipzig - das sind die vier Emporkömmlinge, die sich momentan an der Spitze der Liga eingenistet haben. Leipzig ist der Vierte in dieser Riege, mit dem sich die Zebras auseinandersetzen müssen. Was gegen Magdeburg noch gerade so klappte, ging gegen Hannover und in Melsungen gehörig schief. "Darum dürfen wir", so Gislason weiter, "nicht so gehemmt wie in Melsungen auftreten. Dort war der Druck für einige scheinbar zu groß." Bei der mentalen Ursachenforschung stößt allerdings auch der isländische Chefcoach an seine Grenzen: "Die Stimmung in der Mannschaft ist gut, die Trainingseindrücke sind wirklich überragend. Was die Spieler jetzt brauchen, ist die nötige Lockerheit im Spiel." Der Kieler Kader ist - abgesehen von den Langzeitverletzten Domagoj Duvnjak und Raul Santos - komplett. Für Christian Dissinger könnte sich nach überstandenen Ellenbogen-Problemen auch die Tür zu seiner Angriffs-Stammposition im halblinken Rückraum wieder öffnen. Gislason: "Es sieht ganz gut aus für ihn."

Leipzig heute, Paris in der Champions League am Sonntag - wie ein Damoklesschwert schwebt die drohende Fehlstart-Katastrophe über der Sparkassen-Arena, und beim Gedanken an den Leipziger Kontrahenten, der seinen Saisonetat noch einmal um 800 000 Euro auf 4,3 Millionen aufstockte, kommen gemischte Gefühle auf. Behielten die Zebras im Pokal-Halbfinale in Hamburg mit 35:32 die Oberhand, erlebten sie in der Punktrunde in Sachsen ein 25:34-Desaster. "Wir haben da noch eine Rechnung offen", sagt Schweden-Youngster Lukas Nilsson. In der Vorsaison saß noch Bundestrainer Christian Prokop beim SC auf der Bank, der nach der Frauen-Weltmeisterschaft im Dezember endgültig von Frauen-Nationaltrainer Michael Biegler beerbt werden soll. Oder etwa doch nicht? Mit Interims-Lösung André Haber (31) rocken die Leipziger wieder die Liga, so dass sich Biegler nach dem 25:22-Sieg gegen Flensburg-Handewitt vor laufenden Fernseh-Kameras zu der Aussage hinreißen ließ: "Ich habe sehr viel Respekt vor der Arbeit von André Haber. Gegebenenfalls werden wir uns noch einmal neu zusammensetzen. Eine Lokomotive, die läuft, muss man nicht aufhalten."

Beim SC DHfK, der auf Linksaußen Lukas Binder (Innen- und Außenbandriss) verzichten muss, ist die Trainerdiskussion also neu entbrannt. Doch die Mannschaft, in der Alfred Gislason besonders den Rückkehrer und Torschützenkönig der vergangenen Saison, Philipp Weber, als "wichtigen Faktor" sieht, wird sich davon kaum beeinflussen lassen. "Die treten als echte Einheit auf, spielen guten Handball, extrem aggressiv in der Deckung und vorne schnell, aber diszipliniert. Und gegen Flensburg war Milos Putera im Tor überragend", hat Gislason beobachtet. Keine leichte Aufgabe in einem Kieler Druckszenario.

(Von Tamo Schwarz, aus den Kieler Nachrichten vom 14.09.2017, Foto: Sascha Klahn)

 

Mehr zum Thema

Kiel/Hannover. Heute entscheidet die Spitze des Deutschen Handballbundes (DHB) in einem Hannoveraner Flughafenhotel über die Zukunft von Bundestrainer Christian Prokop. Im Mittelpunkt des Handball-Gipfels steht das Ergebnis der Analyse des desaströsen EM-Abschneidens, die Sportvorstand Axel Kromer nach Informationen unserer Zeitung mittags dem zehnköpfigen DHB-Präsidium vorstellen wird. Alles...

19.02.2018

Der THW Kiel hat mit Christian Zeitz im Sommer 2016 eine schriftliche Vereinbarung über den Abschluss eines bis zum 30.06.2018 befristeten Spielervertrages geschlossen. Dieser zweijährigen Befristung entsprechend, haben der THW Kiel und Christian Zeitz gemeinsam das Spielrecht bis zum 30.06.2018 beantragt. Die Eingehung von befristeten Vertragsbeziehungen ist im Profisport üblich.

16.02.2018

Kiel. Lucas Firnhaber wird den THW Kiel am Saisonende verlassen und zum Zweitligisten TuSEM Essen wechseln. Der 20-jährige Rückraum-Linkshänder unterschrieb dort einen Vertrag bis 2020, das teilte der Revierklub am Donnerstag mit.

16.02.2018

Kiel. So ein paar Kilo im Arm - da strahlt Patrick Wiencek. Seit ein paar Tagen kann der 28-Jährige den kleinen Paul (geboren am 30. Januar) an sein Herz drücken. Und jetzt kommt auch noch die "Sportler des Jahres"-Trophäe hinzu. Da kommt der Abwehrchef des Handball-Rekordmeisters THW Kiel aus dem Strahlen gar nicht mehr heraus: "Das ist eine Riesen-Ehre."

13.02.2018

Patrick Wiencek ist Kiels "Sportler des Jahres 2017"! Zum ersten Mal überhaupt wurde der Kieler Kreisläufer bei der prestigeträchtigen Abstimmung der Kieler Nachrichten zum beliebtesten Sportler der Landeshauptstadt gewählt. Mit 4318 Punkten setzte sich der 28-Jährige klar gegen seinen Teamkollegen Domagoj Duvnjak (3535) durch. Beide setzten damit eine Tradition fort: Zum 14. Mal in Folge gewann...

12.02.2018

Große Ehre für Domagoj Duvnjak: Der Kieler Spielmacher wurde von der Internationalen Handballföderation (IHF) für die Wahl zum "Welthandballer des Jahres 2017" nominiert. Bis zum 20. Februar haben Fans die Gelegenheit, ihre Stimme für "Dule" online auf der Seite der IHF abzugeben! Für Duvnjak ist es die ingesamt fünfte Nominierung in Folge, 2013 hatte der kroatische Nationalspieler den...

06.02.2018

Kiel. Die Nachwirkungen der Europameisterschaft beim deutschen Handball-Rekordmeister THW Kiel sind schlimmer als erwartet. Herrschte zu Wochenbeginn noch Vorfreude bei Trainer Alfred Gislason auf den Punktspielstart ins Jahr 2018, stellte sich jetzt heraus, dass Kapitän Domagoj Duvnjak für weitere zwei Wochen ausfällt. Die Zebra-Verantwortlichen üben darum scharfe Kritik am kroatischen Verband.

04.02.2018

Eigentlich hatte man sich beim THW Kiel auf das Testspiel beim DHK Flensborg gefreut. Endlich wieder sollte die "Zebraherde" nach der Handball-Europameisterschaft komplett sein, um sich auf den wichtigen Start der Rückrunde vorbereiten zu können. Doch der 47:21-Erfolg gegen den Drittligisten offenbarte schonungslos, dass die Kieler einmal mehr mit den Folgen eines internationalen Turniers zu...

01.02.2018