KN: THW verabschiedet sich aus Meisterrennen

Bundesliga
Freitag, 03.03.2017 // 08:40 Uhr

Magdeburg. Der THW Kiel hat in Magdeburg leicht ansteigende Form bewiesen - die Punkte blieben trotzdem in der Domstadt an der Elbe. Auch wenn sich die Zebras beim 26:27 (15:15) kämpferisch und spielerisch verbessert zeigten, stecken sie in der Krise.

Titel futsch - die Gründe

Diese Krise ist mindestens eine Ergebniskrise. Vier von sieben Spielen nach der WM-"Pause" gingen verloren. "Die knappen Spiele in dieser Saison haben wir fast alle verloren", sagte ein enttäuschter René Toft Hansen nach der Partie. "Wir haben alles versucht, aber wir haben einfach Probleme, Tore zu werfen."

Der Däne trifft damit einen wunden Punkt: Die Kieler Abwehr steht solide, der Mittelblock aus Toft Hansen und Patrick Wiencek nebst den auf Halb deckenden Christian Zeitz, Domagoj Duvnjak, Christian Dissinger oder Nikola Bilyk: alles im Lot. Aber die Vorwärtsbewegung macht Probleme. Dabei war die Spielanlage des THW in Magdeburg deutlich breiter als etwa im Spiel gegen Silkeborg. "Wir haben versucht, lange Angriffe zu spielen, um den Ball nach außen durchzugeben - um nicht in der Mitte dahin zu werfen, wo der große Finn Lemke steht", sagt Christian Zeitz. "Das hat am Anfang gut geklappt, aber in der zweiten Halbzeit haben wir zu viele einfache Fehler gemacht und überhastet geworfen."

Zum gleichen Schluss kommt THW-Trainer Alfred Gislason. "In jeder Halbzeit haben wir fünf Minuten, in denen wir dumme Entscheidungen treffen", sagt der Isländer. "Da haben wir unsere Linie verloren.

Überhastete Wurfaktionen und vergebene Chancen brachten Magdeburg trotz eines Kieler Drei-Tore-Vorsprungs zurück in die Partie. Auf THW-Seite passte die Ausbeute nicht, vor allem von den Außenpositionen, wo Rune Dahmke und Niclas Ekberg je drei Mal an SCM-Keeper Jannick Green scheiterten. Dazu kam, dass Domagoj Duvnjak im Kieler Angriffsspiel zwar gewohnt präsent war, er aber mit seinen Würfen einen schwarzen Tag erwischte. Drei Tore bei acht Versuchen – eine ungewohnte Quote beim kroatischen Spielmacher. "Ich versuche immer, alles zu geben. Manchmal ist es gut, manchmal ist es schlecht", sagt Duvnjak und ergänzt: "Beim THW ist jeder Spieler wichtig."

Doch genau hier liegt ein großes Problem: Am wichtigsten ist der Kapitän selbst, und wenn er im stressigen Drei-Tage-Spiel-Rhythmus mal einen (völlig normalen) Hänger hat, wird es finster. "Wir sind abhängig von Dule", sagt Toft Hansen. "Es lastet zu viel auf seinen Schultern. Er muss fast immer 60 Minuten spielen - das kann ja gar nicht funktionieren, wir sind schließlich eine Mannschaft."

Problem erkannt, Gefahr gebannt? Am Mittwochabend zeigte Lukas Nilsson nach holpriger erster Halbzeit eine gute Leistung, hielt den THW mit drei Treffern im zweiten Durchgang im Spiel, konnte am Ende die fehlende Duvnjak-Ausbeute aber nicht kompensieren. Nikola Bilyk erwischte keinen Sahne-Tag, Christian Dissinger spielte gut, Marko Vujin auch. Und doch hing und hängt alles an Duvnjak.

Beim Kroaten selbst wie in der gesamten Mannschaft scheint es ein weiteres Problem zu geben: Wenn Plan A nicht funktioniert, gibt es keinen adäquaten Plan B. Sinnbildlich die Szene in der 50. Minute, als Duvnjak händeringend eine Anspielstation suchte, die in seinem Sichtfeld aber nicht fand, den Ball herschenkte. Das Spiel des THW funktioniert, solange die Abläufe wie geplant klappen. "Wir schaffen es nicht, angemessen zu reagieren, wenn der Gegner etwas umstellt", sagt Dissinger. "Und das würde ich auch nicht alles auf das Nicht-Eingespieltsein schieben - es passt momentan einfach nicht."

Und so schlitterten die Zebras trotz ordentlicher Leistung und einer starken Aufholjagd in den letzten Minuten noch tiefer hinein in die Krise. Bei acht Minuspunkten "muss man kein Prophet sein, um zu erkennen, dass es sehr schlecht aussieht mit der Meisterschaft", sagt Gislason. "Die Meisterschaft ist wohl weg", sagte auch Christian Zeitz. "Aber das heißt noch lange nicht, dass wir uns jetzt aufgeben und Spiele abschenken."

Am Sonntag empfängt der THW den FC Barcelona, nicht gerade ein Aufbaugegner. Bei einer Niederlage wäre die Pleitenquote fünf aus acht - diese Krise ist nicht wegzudiskutieren.

(von Niklas Schomburg, aus den Kieler Nachrichten vom 03.03.2017, Foto: Archiv/Sascha Klahn)

 

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