KN: Verhältnismäßig souverän

Bundesliga
Freitag, 06.10.2017 // 09:43 Uhr

Nürnberg. War das der Startschuss zur Trendwende? Oder einfach nur ein Sieg gegen einen nicht optimal aufgelegten Gegner? Dem THW Kiel dürfte das erst mal egal sein. Mit 31:20 (14:10) gewannen die Zebras ihr Bundesliga-Auswärtsspiel in Nürnberg gegen den HC Erlangen. Und zeigten dabei aufsteigende Form.

Der THW gewinnt sein Auswärtsspiel beim HC Erlangen

Der THW begann in der Deckung mit Patrick Wiencek und Christian Dissinger im Mittelblock sowie Steffen Weinhold und Nikola Bilyk auf den Halbpositionen. In der Offensive brachte Trainer Alfred Gislason Spielmacher Miha Zarabec und Linkshänder Marko Vujin für Dissinger und Weinhold. Und trotz des Doppelwechsels legten die Zebras gleich mächtig los: Rune Dahmke und Wiencek sorgten mit dem 2:1 für die erste Führung, die der THW sukzessive ausbauen konnte. Das lag vor allem an den nur drei Gegentoren in der ersten Viertelstunde des Spiels. Die knappe Ausbeute für den HCE war zwar durch eigene Fehler mitverschuldet, doch die Kieler Deckung trug durch aggressives und bewegliches Spiel maßgeblich dazu bei. Und dahinter spielte sich Keeper Niklas Landin von Beginn an beinahe in einen Rausch.

Der Däne hielt einen Rückraumwurf von Nikolai Link fest (5.), parierte in derselben Spielminute einen Tempogegenstoß von Christoph Steinert und hatte in der Folge an so gut wie jedem HCE-Abschluss die Finger dran. Beim Stand von 2:6 (12.) nahm Erlangens Coach Robert Andersson die erste Auszeit. Sein Gegenüber, Alfred Gislason, konnte dagegen zufrieden sein – zumindest im Vergleich zu den Vorwochen. 8:3, 10:6, 12:8 (26.) - die Kieler lagen weiter souverän vorn, auch wenn die Fehlerquote wie in den vergangenen Partien hoch blieb. Elf THW-Fehlwürfe bis zur Pause waren ein deutliches Signal, dass noch längst nicht wieder alles gut ist bei den Zebras. Doch auch die Gastgeber kämpften mit Missgeschicken und Fahrkarten. Als Marko Vujin an HCE-Keeper Gorazd Skof scheiterte und Nicolai Theilinger den Abpraller direkt in die Arme von René Toft Hansen spielte, stönte die Halle auf. Es war nicht der erste Fehler dieser Art auf Erlanger Seite. Doch der zwei Minuten zuvor eingewechselte Kreisläufer konnte davon nicht profitieren, scheiterte frei an Skof (24.). Es war ein kleines Sinnbild für den THW Kiel im Herbst 2017.

Nichtsdestotrotz machten die Zebras ein ordentliches Spiel. Zur Halbzeit lagen die Gäste mit 14:10 vorn, auch nach dem Seitenwechsel blieben die Kieler verhältnismäßig souverän in Front. Waren sie in der ersten Hälfte noch hin und wieder zu einfachen und schnellen Toren auch aus dem Rückraum gekommen, zogen sich nun die meisten Angriffe bis ins Zeitspiel hin. Doch weil der THW im letzten Moment zumeist doch noch eine Lösung fand und die eigene Abwehr aus dem Erlanger Positionsangriff auch nur wenig zuließ, schlug das Pendel weiterhin zugunsten der Zebras aus. Ein wurfgewaltiger Marko Vujin (der aber nur eine Wurfquote von 50 Prozent aufwies), ein sicherer Siebenmeterschütze Niclas Ekberg (der zusätzlich nur einmal aus dem Feld traf) und ein mutiger Steffen Weinhold (der auch nicht immer die richtige Entscheidung fällte) brachten den THW über zu einem Sechs-Tore-Vorsprung.

Ab der 40. Minute brachten sich die Kieler aber nochmal selbst in Bedrängnis. Erst kassierten Ekberg, Toft Hansen und Weinhold innerhalb von drei Minuten drei Zeitstrafen, Nährboden für die grassierende Unsicherheit. Doch mithilfe des auf die Platte zurückgekehrten Zarabec, eines wuchtigen Wienceks und von Nerven wie Drahtseile ließ sich der THW auch davon nicht aus der Ruhe bringen. Während Erlanger Spieler, Trainer und Zuschauer mit dem eigenen Unvermögen, unglücklichen Aktionen und dem einen oder anderen zweifelhaften Pfiff der Schiedsrichter haderten, sich schlicht aufgaben, spielten die Zebras ihren Stiefel herunter. Auch Ole Rahmel durfte sich bei der Rückkehr an alte Wirkungsstätte noch in die Torschützenliste eintragen, am Ende siegte der THW in Nürnberg deutlich mit 31:20.

(Von Niklas Schomburg, aus den Kieler Nachrichten vom 06.10.2017, Foto: Archiv/Sascha Klahn)

 

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