KN: Fahrkarten-Könige

Bundesliga
Freitag, 08.09.2017 // 11:47 Uhr

Kiel. Früher Nackenschlag für den THW Kiel in der Handball-Bundesliga. Am Donnerstagabend unterlagen die Zebras im dritten Saisonspiel der TSV Hannover-Burgdorf mit 29:31 (14:16) – und scheiterten dabei gegen starke Burgdorfer, die die Tabellenführung übernahmen, in erster Linie doch an sich selbst.

29:31-Pleite des THW gegen TSV Hannover-Burgdorf

Ein gemütliches Handball-Kränzchen anlässlich des 58. Geburtstages von THW-Trainer Alfred Gislason lassen die Niedersachsen von Beginn an nicht zu. Ein bisschen von Carlos Ortega verordnete spanische Langsamkeit, eine große Portion defensive Härte, dazu ein phänomenaler Kapitän Kai Häfner auf Halbrechts - Burgdorf kehrt wie verwandelt aus dem Sommer nach Kiel zurück. Für Geburtstagskind Gislason wird es ein harter Arbeitstag. Dabei hat er seinen Weltklasse-Mittelblock wieder beisammen. René Toft Hansen ist wieder da mit seiner Aura, steht etwas überraschend neben Patrick Wiencek in der Anfangsformation und macht seine Sache "sehr gut" (Gislason). Nach einer Viertelstunde geht der Däne absprachegemäß raus, und Sebastian Firnhaber macht seine Sache weniger gut. Auch Nikola Bilyk auf der linken Seite lässt sich vom starken Häfner ein ums andere Mal narren. Vorne überdreht Miha Zarabec etwas, wird schnell durch den klugen, ordnenden Steffen Weinhold in der Rückraum-Mitte ersetzt. Mit Weinhold kommt Marko Vujin, in der Abwehr dann auch Christian Zeitz und Sebastian Firnhaber.

Zufrieden kann Gislason nicht sein, die Gäste überfordern zuweilen seine Deckung. Das schafft Raum für TSV-Linkshänder Kai Häfner. Niklas Landin und Andreas Wolff bekommen bis zur Pause kaum einen Ball zu packen, sind von ihren Vorderleuten im Stich gelassen. Kein schönes Spiel. Vor allem eines, in dem die Zebras ihre – ebenfalls behäbig in Fahrt kommenden - Fans wie schon im vorherigen Spiel gegen Magdeburg ganz schön auf die Folter spannen. In Abschnitt zwei steht Zarabec wieder auf dem Feld, Toft beginnt seine zweite Viertelstunde (und noch mehr). Lukas Nilsson fängt nun auch an, partiell zu glänzen, mit dem 21:20 (39.) durch Rune Dahmke holt sich der THW erstmals wieder die Führung zurück. Offensive Deckung mit Christian Dissinger an der Spitze, dann doch nicht, weil Toft wieder eine Pause braucht. Aber die 6:0 mit Wiencek/Dissinger verschiebt jetzt doch besser. Könnte alles so richtig schön ins Laufen kommen, fast so wie am Sonntag. Wäre da nicht die katastrophale Chancenverwertung. 20 Bälle verwerfen die Zebras, scheitern immer wieder an Malte Semisch im Hannoveraner Tor. Dahmke scheitert (42.), Dahmke im Gegenstoß (43.), für ihn kommt Emil Frend Öfors, der zweimal beherzt trifft. Lukas Nilsson macht wichtige Tore und wird doch zum Fahrkarten-König (fünf Fehlwürfe), Niclas Ekberg scheitert an Semisch (46.), Hannover bleibt mit zwei Toren vorn.

Zum Glück findet der wieder eingewechselte Niklas Landin im Kieler Tor besser ins Spiel, hält seine Mannschaft am Leben, die beim 28:27 durch Steffen Weinhold (53.) auf die Siegerstraße biegt. Oder doch nicht? Gislason zürnt, zeigt sich nach Abpfiff "nicht einverstanden damit, dass fast jede Entscheidung am Ende gegen uns ausfällt". Was er meint, sind vier Hannoveraner Siebenmeter ab der 48. Minute und in der Tat strittige Stürmerfouls seiner Spieler. Das letzte - von Lukas Nilsson in der 59. Minute beim Stand von 29:30 - entscheidet das Spiel. Das Top-Schiedsrichtergespann Geipel/Helbig hat nicht seinen besten Tag.

"Am Ende sind es Kleinigkeiten. Aber Burgdorf hat auch wirklich taktisch schlau und ruhig gespielt", analysiert der Kieler Chefcoach. Und Hannovers Kapitän Kai Häfner, mit elf Toren überragender Mann des Spiels, strahlt bis über beide Ohren: "Wie oft bin ich hergefahren und habe nie auch nur einen Punkt gewonnen - aber ich habe heute die ganze Zeit daran geglaubt, dass wir hier gewinnen können."

(Von Tamo Schwarz und Niklas SChomburg, aus den Kieler Nachrichten vom 08.09.2017, Foto: Sascha Klahn)

 

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