29:19: THW mit deutlichem Heimsieg gegen Lemgo

Bundesliga
Donnerstag, 16.11.2017 // 19:51 Uhr

Die "Zebras" haben die Erfolgsspur wiedergefunden: Am Donnerstagabend besiegte der THW Kiel den gut in die Saison gestarteten TBV Lemgo auch in der Höhe verdient mit 29:19 (16:12). Dabei ließen sich die Kieler von einigen ausgelassenen Möglichkeiten im ersten Durchgang nicht irritieren und zogen nach dem Wechsel schnell entscheidend davon. Großen Anteil an dem klaren Erfolg hatten die beiden besten Torschützen: Nikola Bilyk und Marko Vujin trafen je sechs Mal und erzielten in wichtigen Phasen ihre Treffer. Stark verbessert im Vergleich zum Celje-Spiel präsentierte sich die THW-Abwehr, hinter der Niklas Landin mit zwölf Paraden und zwei Treffern eine ebenfalls tolle Partie ablieferte. Durch den Sieg gegen Lemgo bauten die Kieler ihre Serie in der DKB Handball-Bundesliga auf 11:1 Punkte aus den letzten sechs Spielen aus.

Drei verletzte Zebras und ein angeschlagenes

Geburtstags-"Party" mit vier Toren: Lukas Nilsson

Der THW Kiel musste vor 10.285 Zuschauern in der ausverkauften Sparkassen-Arena neben den Langzeitverletzten Domagoj Duvnjak und Raul Santos auch Steffen Weinhold ersetzen, zudem plagt sich Christian Dissinger seit dem Heimspiel gegen die "Eulen" aus Ludwigshafen mit hartnäckigen Knieproblemen herum. Der am Mittwoch 26 Jahre alt gewordenen Europameister bedeutete Alfred Gislason jedoch nach dem Warmmachen, dass er einsetzbar sei - der Trainer schonte Dissinger aber weitestgehend und brachte ihn nur in der Schlussphase. Gislason hatte seine Mannschaft im Vergleich zum Spiel gegen Celje auf einigen Positionen verändert: So gab er Emil Frend Öfors den Vorzug vor Rune Dahmke, und im Angriff sollte es die eingespielte Achse aus Geburtstagskind Lukas Nilsson, der seinen 21. Geburtstag auf der Platte feierte, dem Noch-20-jährigen Nikola Bilyk und Routinier Marko Vujin richten. Und die Kieler starteten gut in die Partie, wobei ihnen die Lemgoer mit einigen schnellen Fehlern auch halfen, die trüben Gedanken an die Celje-Niederlage zu vertreiben. 

Zebras setzen sich ab

Stark: Nikola Bilyk erzielte sechs Tore

Diese nutzten die Zebras aber auch konsequent: Bilyk klaute hinten den Ball und traf zum 1:1, Christian Zeitz spritzte in einen Pass und verwandelte den Gegenstoß, Bilyk bediente Frend Öfors zum 3:1. Kurz darauf zog Bilyk unnachahmlich davon und machte aus halblinker Position und mit 101 km/h das 4:2, während Lemgo im eigenen Angriff durch die bewegliche Abwehr ein ums andere Mal ins angedrohte Zeitspiel gezwungen wurde. Nach Sutons 3:4-Anschluss gab es den ersten Zwischenspurt der "Zebras": Nilsson mit Wucht, Ekberg nach feinem Zeitz-Pass und erneut Bilyk mit einem Wurf ins lange Eck schraubten das Resultat auf 7:3 (12.). Da hatte Lemgos Trainer Florian Kehrmann bereits seine erste Auszeit genommen und versucht, seine Reihen zu ordnen. Doch das gelang nur kurz, weil beim THW kurzzeitig der Fehlerteufel zurückkehrte. 

"Nur" vier Tore vorn

Marko Vujin packte sechsmal die "Fackel" aus

Doch der THW ließ sich auch davon nicht lange beirren. Frend Öfors' Gegenstoß, kurz darauf ein Steal des Schweden mit einem exakten Pass auf den durchstartenden Patrick Wiencek - und schon stand es 10:5 für die Kieler, die nun auch ihre anfangs verhaltenen Fans mitrissen, die fortan jede gelungene Situation feierten und ihre Mannschaft auch in der Abwehr unterstützen. Die Fünf-Tore-Führung hielt, auch weil Vujin einige seiner gefürchteten "Fackeln" abfeuerte und Niklas Landin einige tolle Paraden zeigte. Aber auch, weil Lemgo Chancen liegen ließ - so wie Isaias Guardiola, der am leeren Kasten vorbeiwarf. Nach einer guten ersten Halbzeit konnte man den "Zebras" kaum einen Vorwurf machen - außer vielleicht, dass sie zur Pause "nur" mit 16:12 führten.

Landin mit persönlichem Torrekord

Ein Umstand, der nach der Pause noch ärgerlicher werden sollte, denn der TBV traf durch Bartok direkt zum 13:16. Dieses Mal ließen sich die "Zebras" davon aber nicht aus der Ruhe bringen - und legten schnell nach. Bilyk bediente Wiencek, Landin hielt zweimal gegen Valiullin, was Ekberg und Bilyk zum 19:13 nutzten. Nach 210 Sekunden der zweiten Hälfte zog Kehrmann wieder den grünen Karton - doch es stoppte den THW-Express nur kurz. Vujin nagelte den Ball zum 20:14 in die Maschen, die Zuschauer halfen dem Schiedsrichter-Gespann dann beim folgenden TBV-Angriff lautstark beim Zählen der Pässe nach dem gehobenen Arm. Bei "Sieben" war Schluss, und Vujin legte das 21:14 nach, erzielte kurz darauf auch das 22:15, was Kehrmann nach 39:32 Minuten dazu bewog, seine letzte Möglichkeit der einminütigen Einflussnahme wahrzunehmen. Er brachte den siebten Feldspieler, was direkt funktionierte: Zieker netzte zum 16:22 ein, dann zog der THW mit einer schnellen Passfolge und Bilyk die gegnerische Defensive auseinander, ehe Bilyk zum 23:16 traf. Und dann wurde es deutlich: Niklas Landin hielt hinter der starken Abwehr den Suton-Wurf fest und traf ins verwaiste Tor, das Wiencek Sekunden später mit einem Heber allerdings knapp verfehlte. Besser machte es wieder der dänische THW-Torhüter, der mit viel Spin das 25:16 markierte. Und ganz nebenbei einen persönlichen Rekord in der DKB Handball-Bundesliga aufstellte, denn noch nie zuvor hatte er in deutschen Hallen zweimal in einer Begegnung getroffen. 

Ständchen für Lukas Nilsson

Wir sind Kiel!

Als dann Ole Rahmel und Bilyk im Teamwork einen Gegenstoß-Pass abfingen, der Österreicher kurz darauf einen Wurf aufs leere Kieler Tor am Kreis fing, gab es einmal mehr Szenenapplaus für den THW Kiel, der zweitweise wie befreit aufspielte und durch Bilyk beim 26:16 (47.) erstmals mit zehn Toren führte. Die klaren Verhältnisse auf der Platte nutzte Gislason, um das Spiel mit dem siebten Feldspieler unter Wettkampfbedingungen zu proben und durchzuwechseln. Das brachte kurzfristig ein wenig Sand ins Getriebe, brachte die Lipperländer aber auch nicht bedeutend näher, da diese gegen den inzwischen in den Kasten gekommenen Andreas Wolff gleich drei Siebenmeter und zwei freie Bälle liegen ließen. Nach dem 19:27 durch den besten TBV-Torschützen Patrick Zieker (5) machte Geburtstagskind Lukas Nilsson mit zwei blitzsauberen Toren den Vorsprung rechtzeitig vor dem Schlusspfiff doch noch zweistellig - und freute sich beim Autogrammeschreiben nach dem Spiel über ein Ständchen der "Zebraskottchen"-Einlaufkinder. Ein "runder" 21. Geburtstag mit einem Sieg, der Fans und Zebras viel Spaß gemacht haben dürfte.

Sonntag gegen Celje

Für die "Zebras" geht der Wechsel zwischen Bundesliga und Königsklasse unverändert weiter: Am Sonntag (17 Uhr, live auf Sky) sind sie im Rückspiel bei RK Celje Pivovarna Lasko gefordert - jener Mannschaft, gegen die der THW Kiel am Sonntag in eigener Halle mit 26:29 verloren hatte. "Wir haben dort etwas gut zu machen", sagt Niclas Ekberg. "Wir reisen nach Slowenien, um uns gegen diese starke Mannschaft die zwei Punkte wieder zu holen." Nach einer weiteren Auswärtsbegegnung, am Donnerstag spielen die "Zebras" um 19 Uhr in Gummersbach (live auf Sky), kehren sie schließlich am Sonnabend, 25. November, endlich wieder zurück in ihre Arena: Gegner ist dann der weißrussische Topclub HC Meshkov Brest. Für diese Partie, die um 17:30 Uhr angepfiffen wird, gibt es noch Karten in allen Kategorien. Diese sind an allen bekannten Vorverkaufsstellen und online im THW-Ticketshop erhältlich. Weiter geht's, Kiel! 

Statistik, 13. Spieltag, 16.11.17: THW Kiel - TBV Lemgo: 29:19 (16:12)

THW Kiel: Landin (1.-49., 12 Paraden, 2 Tore), Wolff (49.-60., 4/1 Paraden); Toft Hansen, Firnhaber, Dissinger, Wiencek (2), Ekberg (5), Zeitz (1), Frend Öfors (3), Rahmel, Dahmke, Zarabec (n.e.), Vujin (6), Bilyk (6), Nilsson (4); Trainer: Gislason

TBV Lemgo: Wyszomirski (23.-42., 2 Paraden), Johannesson (1.-23., 421.-60., 6/1 Paraden); Kogut, Guradiola, Ebner, van Olphen, Theuerkauf (3/1), Hornke (2/2), Hübscher, Suton (3), Zerbe, Lemke, Bartok (2), Valiullin (3), Klimek, Zieker (5); Trainer: Kehrmann

Schiedsrichter: Michael Kilp / Christoph Maier
Strafzeiten: THW: 2 (Frend Öfors (27.), Zeitz (50.))/ TBV: 3 (Bartok (36., Wyszomirski (42.), van Olphen (51.))
Siebenmeter:  THW: 4/2 (Johannesson hält Ekberg (45.), Vujin neben das Tor (50.))/ TBV: 6/3 (Wolff hält Hornke (46.), Theuerkauf überweg (55.), Theuerkauf an die Latte (60.))
Spielfilm: 0:1, 3:1 (4.), 4:2, 5:3, 7:3 (12.), 8:5 (14.), 10:5 (19.), 11:6, 12:7 (22.), 13:8, 15:10 (29.), 16:12;
16:13, 19:13 (34.), 21:14 (37.), 22:16 (41.), 26:16 (49.), 27:17, 27:19 (58.), 29:19.
Zuschauer: 10.285 (ausverkauft) (Sparkassen-Arena, Kiel)

Stimmen zum Spiel:

THW-Trainer Alfred Gislason: Wir waren vor Lemgo gewarnt, weilt die Mannschaft zuletzt ganz stark gespielt hat und bis auf die Partie in Berlin auch bei den so genannten Top-Mannschaften gut ausgesehen hat. Ich habe mich heute sehr über die Leistung meiner jungen Spieler gefreut. Ich wollte die Achse Nilsson/Bilyk/Vujin lange spielen lassen, weil sie uns in der vergangenen Saison schon gute Dienste erwiesen hat. Und ich hatte auf ein wenig mehr Lockerheit gehofft - das hat sich erfüllt. Die Abwehr stand gut, die Torhüter haben eine sehr gute Leistung gezeigt - gefühlt hätten wir zur Pause höher als mit vier Toren führen müssen, weil wir gut gespielt haben. Dieses Mal sind wir nach dem Drei-Tore-Vorsprung aber nicht nervös geworden, die Spielfreude und Lockerheit blieb. Das hat mich gefreut!

TBV-Trainer Florian Kehrmann: Glückwunsch an den THW für die gute Leistung, wir haben hingegen unsere nicht gebracht. Wir spielen einen guten Angriff, es folgen drei technische Fehler - und der THW Kiel hat heute jeden Fehler bestraft. Wir haben uns in den ersten 20 Minuten sehr schwer im Angriff getan, haben dann ein wenig mehr Ordnung gehabt und gehen "nur" mit vier Toren Rückstand in die Pause. Dann nehmen wir uns vor, so weiter zu machen. Und dieser Plan funktioniert nur einen Angriff. Dann nehmen wir uns Halbchancen und haben Angst vor der Kieler Abwehr. Am Ende haben wir das teilweise ordentlich verteidigt, insgesamt bin ich aber angefressen von unserer Leistung. Auf der anderen Seite: Wir haben gegen den THW Kiel gespielt, der mit Nationalspielern gespickt ist und zuletzt 9:1 Punkte, jetzt 11:1 Punkte, geholt hat. Und es macht Spaß zu sehen, wie sich junge Spieler wie Nikola Bilyk und Lukas Nilsson bei Alfred Gislason entwickeln. Ich bin mir sicher, dass Alfred diese großen, jungen Talente in seiner Mannschaft zu einer Einheit formen wird. Aber das braucht eben seine Zeit, und die sollte man dieser Mannschaft geben.

TBV-Manager Jörg Zereike: Wir wollten ein knappes Spiel liefern und dann sehen, was dabei heraus kommt. Aber davon waren wir nicht überzeugt genug. So gewinnt man gegen keine Mannschaft, und erst Recht nicht gegen den THW Kiel, der am Ende sogar einiges probieren und das Spiel im ersten Gang nach Hause schaukeln konnte.

THW-Geschäftsführer Thorsten Storm: Dieser Sieg in dieser Höhe tut sehr gut. Wir hatten viel Respekt vor Lemgo, weil wir sehen, was "Flo" in Lemgo für eine gute Arbeit macht. Ich freue mich für Alfred und die Jungs über diesen Erfolg, so ein Ergebnis gibt Sicherheit. Ein Lob möchte ich unseren jungen Spielern und Marko Vujin aussprechen. Gerade Marko wird oft kritisiert, heute macht er sechs Tore in Situationen, wo wir sie gebraucht haben.

 

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