THW Kiel fährt Zwölf-Tore-Sieg in Stuttgart ein

Bundesliga
Donnerstag, 09.11.2017 // 19:51 Uhr

Der THW Kiel hat seinen Aufwärtstrend auch beim TVB 1898 Stuttgart fortgesetzt: Am Donnerstagabend siegten die "Zebras" vor 5.500 Zuschauern in der nicht ganz ausverkauften Porsche-Arena klar mit 36:24 (16:9) gegen die ersatzgeschwächten Gastgeber. Den Grundstein für diesen auch in der Höhe verdienten Erfolg in der DKB Handball-Bundesliga legten die Kieler in der ersten Halbzeit: Dank einer beweglichen Defensive mit einem starken Niklas Landin im Tor wurde eine Sieben-Tore-Führung herausgeworfen. Überragend spielte Nikola Bilyk, der acht Treffer erzielte und damit bester THW-Torschütze war. Durch den Auswärtssieg bauten die Kieler ihre Serie auf 9:1-Liga-Punkte in Folge aus.

Stau-Chaos verschiebt den Anwurf

Die Anreise zum Spiel in Stuttgart gestaltete sich weniger für den THW Kiel als für viele Zuschauer kompliziert: Stuttgart machte seinem Ruf als Stau-Hauptstadt der Republik wieder einmal alle Ehre, im Verkehrschaos rund um die Porsche-Arena steckten viele Fans fest. Kurzfristig wurde der Anwurf von den Gastgebern deshalb nach hinten verschoben, mit 13 Minuten Verspätung ging es dann endlich los. In den ersten Minuten schienen die Spieler beider Mannschaften aber noch nicht wirklich auf dem Feld: Fehler reihten sich an Fehler, und auch Landin war davor nicht gefeit: Seine ansonsten so exakt gespielten weiten Pässe landeten dreimal nicht dort, wo sie eigentlich landen sollten. So und mit einigen Paraden von Johannes Bitter blieben die Stuttgarter in der Anfangsphase dran, führten nach sieben Minuten mit 3:2. Dann aber ging es voran aus Sicht der Kieler - angeführt von Miha Zarabec, der den Ausgleich erzielte und ansonsten als Anspieler und "Lückenreißer" glänzte. Hinter einer starken Defensive schwang sich Landin zur Weltklasse-Form auf, und vorne sorgten Bilyk und der an den Kreis eingelaufene Niclas Ekberg für die erste Kieler Zwei-Tore-Führung.

Klare Halbzeitführung

Kurz darauf fiel das 7:4: Landin hatte einen freien Häfner-Wurf gehalten, und Bilyk humorlos aus dem Rückraum vollstreckt. Indes: Der THW ließ in dieser Phase einiges an freien Bällen liegen oder machte Fehler, sodass es nach einem in der Entwicklung kuriosen Toft-Tor, nach einer Bitter-Parade hatte Bilyk im Zurücklaufen den Pass abgefangen und den sich vorn nach seinem Wurf wieder aufrichtenden Dänen bedient, auch nach 16 Minuten "nur" 8:5 stand. Dann schnappte sich Landin einen Wurf des besten Stuttgarters, Marian Orlowski, vorne bediente der quirlige Zarabec mustergültig Dahmke, der mit einem seiner berühmten 90-Grad-Würfe Bitter zum 9:5 überwand. In Unterzahl, der Linksaußen hatte die einzige Kieler Zwei-Minuten-Strafe der Partie kassiert, zeigte Bilyk dann gleich doppelt seine Klasse: Sein 11:7 war der Auftakt von ganz starken sieben Kieler Minuten, in denen die "Zebras" nicht ein Gegentor kassierten. Den dezimierten Gastgebern fiel gegen die bewegliche THW-Abwehrwand und Landin nichts ein, und so setzten sich die "Zebras" ab: Ekberg verwandelte einen Strafwurf, Bilyk bediente Dahmke, und Marko Vujin versenkte einen "Strahl" zum 14:7. Da hatte TVB-Trainer Markus Baur bereits seine zweite Auszeit genommen. Doch das half wenig: Beim 16:9 zur Pause war zumindest eine Vorenscheidung gefallen.

Rotation startet mit Wiederanpfiff

Nach dem Wechsel startete Alfred Gislason seine Rotation mit Ole Rahmel für Ekberg und Rene Toft, der nun auch im Angriff eingesetzt wurde. Der zweite Durchgang begann mit einem Traumanspiel von Zarabec auf den dänischen Olympiasieger, aber auch mit einem vergebenen Wurf des Kreisläufers. Kurios war dann Landins 14. Parade, die er auch dem vielen Harz am Ball verdankte, denn so klebte der Ball förmlich auf der Linie, während sich der Kapitän vorsichtig aufrichtete, um ihm nicht doch noch den entscheidenden "Schubs" zu geben. So blieb die Stuttgarter Aufholjagd förmlich stecken, auf der Gegenseite verwandelte Ekberg einen Siebenmeter gegen den auf die Linie zurückgegangenen Bitter zum 18:10. Baur setzte nun auf den siebten Feldspieler - und das hatte zunächst Erfolg, denn der THW konnte sich nicht weiter absetzen. Allerdings fassten die "Zebras" in der Abwehr nun auch nicht mehr so konsequent zu, die Freiräume wusste vor allem Orlowski zu nutzen. Eine entscheidende Wendung konnte allerdings auch er dem Spiel nicht geben, da die Schwarz-Weißen, angefeuert von einer kleinen wie lautstarken Abordnung von Fans, zumindest im Angriff konzentriert weiter arbeiteten.

Wolff kommt und trifft

Nach Weiss' Anschluss zum 15:22 spielten Bilyk und Vujin die gegnerische Abwehr mit einem Doppelpass auseinander, dann war erneut Ekberg vom "Strich" erfolgreich. Nach etwas mehr als 42 Minuten zog Baur zum letzten Mal den grünen Karton, doch verhindern konnte er mit dieser Auszeit einen noch klareren Erfolg der Kieler nicht. Gislason wechselte nun konsequent durch, jeder mitgereiste Akteur bekam seine Einsatzzeit, und mit Christian Dissinger auf der Spitze spielte der THW erstmals eine offensive Abwehrvariante gegen einen Angriff mit sieben Feldspielern. Und das durchaus mit Erfolg, denn Dahmke vollendete einen Toft-Steal zum 27:18 ins leere Tor, dem Vujin mit einem wuchtigen Hüftwurf erstmals eine Zehn-Tore-Führung folgen ließ. Der TVB konterte, doch nach einem erneuten Traumpass von Zarabec auf Wiencek, einer Parade des inzwischen ins Tor gekommenen Wolff und dem anschließenden "Mondball" in den verwaisten Stuttgarter Kasten stellten den alten Abstand wieder hier. Und die "Zebras" legten nach, schraubten den Vorsprung auf zwölf Tore, den Sebastian Firnhaber mit seinem Treffer zum 36:24-Endstand auch für das Gesamtklassement sicherte.

Heimspiel am Sonntag gegen Celje

Für die "Zebras" geht es am Freitagmorgen zurück in die Landeshauptstadt - denn die nächste Partie steht schon in den Startlöchern. Am Sonntag empfängt der THW Kiel zur familienfreundlichen Anwurfzeit (17 Uhr) den slowenischen Rekordmeister RK Celje Pivovarna Lasko, der mit einer Mannschaft voller schillernder Rohdiamanten anreisen und den THW vor eine große Herausforderung stellen wird. Erfahrenster Akteur im gelb-blauen Trikot ist mit Kreisläufer Igor Anic (30) ein ehemaliges "Zebra". Sonntag können die Schwarz-Weißen nach zuletzt zwei Auswärtsspielen in Folge endlich wieder auf die Unterstützung ihrer "weißen Wand" bauen: Für diese Partie gibt es an allen bekannten Vorverkaufsstellen und online im THW-Ticketshop noch Karten (ab 14,50 Euro). Der Marathon-Monat November erreicht Sonntag Stufe vier: Auf geht's, Kiel! 

Statistik, 12. Spieltag, 09.11.17: TVB 1898 Stuttgart - THW Kiel: 24:36 (9:16)

TVB 1898 Stuttgart: Bitter (1.-43., 9 Paraden), Maier (43.-60. und 1 Siebenmeter, 2 Paraden); Häfner, Salger (5), Weiss (3), Schagen (4/3), Schweikardt, Späth (2), Röthlisberger (1), Burmeister (1), Kretschmer (1), Orlowski (7), Pfattheicher, Kienzle; Trainer: Baur

THW Kiel: Landin (1.-46., 15 Paraden), Wolff (46.-60. und 1 Siebenmeter, 3 Paraden, 1 Tor); Firnhaber (1), Toft Hansen (3), Weinhold, Dissinger, Wiencek (3), Ekberg (6/4), Zeitz, Frend Öfors (1), Rahmel, Dahmke (5), Zarabec (1), Vujin (5), Bilyk (8), Nilsson (2); Trainer: Gislason

Schiedsrichter: Marcus Hurst / Mirko Krag 
Strafzeiten: TVB: 1 (Schweickardt (53.))/ THW: 1 (Dahmke (20.))
Siebenmeter:  TVB: 2/2 / THW: 4/4
Spielfilm: 1:0 (3.), 1:2 (4.), 3:2, 3:5 (10.), 4:5, 4:7 (12.), 5:7 (13.), 5:9 (19.), 7:10 (21.), 7:14 (28.), 8:16 (30.), 9:16;
9:17, 10:18 (35.), 13:20 (38.), 13:22 (40.), 15:22, 15:24 (43.), 18:26 (46.), 18:28 (48.), 20:28 (50.), 20:32 (54.), 21:33, 23:35 (59.), 24:36.
Zuschauer: 5.521 (Porsche-Arena, Stuttgart)

Stimmen zum Spiel:

THW-Trainer Alfred Gislason: Wir hatten gehofft, dass Domagoj Duvnjak uns bereits jetzt wieder würde helfen können. Aber nach solch einer Operation kann es eben manchmal länger dauern. Ich denke, wir werden leider noch einige Wochen auf ihn verzichten müssen.

THW-Toptorschütze Nikola Bilyk: Wir haben uns sehr gut auf heute vorbereitet und haben souverän und vorne wie hinten sehr diszipliniert gespielt. Jeder hatte seinen Anteil an diesem Sieg. Wir müssen einfach im Hier und Jetzt leben und uns von Tag zu Tag verbessern, hart weiter an uns arbeiten und nach vorn schauen. Der Weg ist noch sehr lang, aber wir haben ein klares Ziel: Das wollen wir weiter verfolgen und dann sehen, was dabei herauskommt.

TVB-Trainer Markus Baur: Wenn Kiel gut spielt, hast du keine Chance. Und wir haben Kiel gut spielen lassen. Ich hatte mir mehr Gegenwehr erhofft, um das Ergebnis angenehmer gestalten zu können. 36 Gegentore zu Hause ist ein No Go, wir haben die Kompaktheit in der Abwehr nicht hinbekommen. Wir wussten auch um Bilyks Eins-gegen-Eins-Situationen, konnten sie trotzdem nicht verhindern.

 

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