Spitzenspiel zum Heim-Auftakt: THW ringt SCM nieder

Bundesliga
Sonntag, 03.09.2017 // 08:57 Uhr

Der THW Kiel hat das erste Heimspiel der neuen Saison für sich entschieden: In einem packenden Duell rangen die "Zebras" am Sonntagmittag den bis dato im Kalenderjahr 2017 ungeschlagenen SC Magdeburg mit 34:32 (17:20) nieder. Dabei hatten die Kieler gegen einen bärenstarken Gast 40 Minuten lang das Nachsehen. Mit einem furiosen 13:4-Lauf zwischen der 41. und 59. Minute drehten sie aber einen Sechs-Tore-Rückstand in eine klare Führung, die sie bis zum Schlusspfiff leidenschaftlich verteidigten. Bester Kieler Torschütze war Niclas Ekberg mit 8/4 Toren, bester Feldtorschütze Steffen Weinhold (7). Die ebenfalls starken Patrick Wiencek und Rune Dahmke trafen je sechs Mal. Einen großen Rückhalt hatten die Zebras in Andreas Wolff: 15 Würfe parierte der THW-Torhüter und leitete mit seinen Glanztaten hinter einer zupackenderen Abwehr die Aufholjagd ein.

Gäste agieren ausgeschlafener

Hartes Ringen um jeden Ball: Rune Dahmke und Michael Damgaard

Die 10.285 Zuschauer feierten den ersten Heim-Auftritt ihrer Mannschaft nach beinahe drei Monaten Pause euphorisch - auch zur bisher ungewohnten Mittagszeit. Allerdings schien diese den Zebras mehr zuzusetzen als den Gästen, die von Beginn an wacher wirkten. Vor den Augen von Ministerpräsident Daniel Günther, Bundestrainer Christian Prokop und Liga-Präsident Uwe Schwenker büßte der  THW nach sieben Minuten zum ersten Mal seine knappe Führung ein, die Gäste fanden trotz angedrohtem Zeitspiel immer wieder ihre Außen, die traumwandlerisch sicher verwandelten. Ebenfalls nicht zu stoppen war Olympiasieger Michael Damgaard, der alle seine sechs Treffer vor dem Seitenwechsel erzielte. Und so neigte sich die Partie Stück für Stück in Richtung des SCM - auch, weil der THW nach Zeitstrafen häufig in Unterzahl agieren musste: Nach Wienceks spektakulärem 7:7 (12.) trafen Weber und Musche zum 9:7 für die Magdeburger. 

Halbzeit-Rückstand

Bester Torschütze: Niclas Ekberg

Es wurde nickelig. Bezjak rannte gegen Weinhold und ließ sich spektakulär fallen, wofür der Kieler eine Zeitstrafe erhielt. Bezjak hatte sich damit keine neuen Freunde in Kiel gemacht, was er ohrenbetäubend laut zu hören bekam. Auch Zejko Musa trug nicht zu einer freundlichen Atmosphäre bei, als er Ekberg zu Fall brachte, diesen danach provozierend zur Rede stellen wollte - was auf der Bank mehrere seiner Mitspieler mit kräftigem Körpereinsatz verhindern mussten. Spätestens jetzt war richtig Feuer in der Partie - und dieses fachte auch die Stimmung auf den Rängen an. Gislason brachte Andreas Wolff für den hinter der löchrigen Defensive allein gelassenen Niklas Landin, und der Europameister parierte gleich in seiner ersten Aktion einen Ball von Musche. Auf der anderen Seite hatte Miha Zarabec Pech, als sein Wurf auf der Torlinie entlang trudelte, Jannick Green ihn aber noch zu fassen bekam. Nach Lukas Nilssons Pfostentreffer erhöhte Mads Christiansen auf 13:10 für die Sachsen-Anhaltiner, die sogar in doppelter Unterzahl trafen. Mit einem Anwurf ins leere Tor und Weinholds wuchtigem Wurf glichen die Kieler wieder aus (25.). Weil ihnen aber weiterhin viele Fehler unterliefen, gelang dem SCM sofort wieder der Konter: Nach Dahmkes 15:16 trafen Weber und Damgaard und Musche zur ersten Vier-Tore-Führung für die Gäste, die Dahmke mit seinem Tor zum 17:20 vor dem Halbzeitpfiff immerhin noch um einen Treffer reduzieren konnte.

Arena wird zum Tollhaus

Ganz stark: Steffen Weinhold glänzte mit sieben Toren

Doch das Leiden der THW-Fans war damit nicht beendet: Der SCM erwischte den deutlich besseren Neustart, und nach fünf Minuten im zweiten Durchgang war es richtig deutlich: Weber hatte einmal mehr bei angedrohtem Zeitspiel die Lücke gefunden und zum 24:18 eingenetzt. Egal, was die Zebras auch anstellten: Der SCM hatte immer eine passende Antwort parat. Und doch schien jetzt ein Ruck durch die THW-Reihen zu gehen. In der Abwehr wurde aufmerksamer gearbeitet, und immer wieder feuerten sich die Schwarz-Weißen nach gelungenen Aktionen an, rissen so auch ihre Fans wieder mit. Nach O'Sullivans 26:21 (41.) begann das große Comeback des THW - zunächst unspektakulär mit Nikola Bilyks Wurf, dann zunehmend leidenschaftlicher in der Abwehr mit einem großartigen Andreas Wolff dahinter. Ekberg traf vom Siebenmeterstrich, Zarabec wühlte sich durch, zwischendurch verpasste Wiencek aus der eigenen Hälfte das leere Tor - aber die Zebras waren urplötzlich drin in dieser Partie. Und mit ihnen ihre Fans, die nun ein Heidenspektakel auf den Rängen veranstalteten. Erst recht, als Wiencek es besser als zuvor machte und ins leere Tor traf: 25:26. Mit stehenden Ovationen wurde der Ausgleich von Ekberg gefeiert, und als der immer mehr aufdrehende Bilyk zum 27:26 einnetzte (47.) war aus der Sparkassen-Arena längst ein Tollhaus geworden.

Kampf um jeden Zentimeter

Leidenschaft pur: Nikola Bilyk

Mit zwei schnellen Toren ging der SCM seinerseits wieder in Führung, doch die Zebras zeigten nun mit jeder Faser, dass sie dieses Spiel gewinnen wollen. Packten beherzt zu, kämpften um jeden Abpraller, ließen den zuvor so starken Magdeburger Angriff mit einer Beton-6:0 nicht mehr zur Entfaltung kommen. Weinhold traf bei angedrohtem Zeitspiel mit viel Willen zum Ausgleich, Bilyk startete nach einer tollen Abwehraktion seinen Sprint über das Feld und vollendete wuchtig zum 29:28, kassierte hinten aber nach einer Wolff-Parade gegen Musa eine Zwei-Minuten-Strafe. Doch davon ließen sich die Kieler nicht beirren, Zarabec spielte Weinhold grandios frei, der mit einem unfassbaren Dreher das 30:28 erzielte. Die Grün-Roten blieben aber dran, verkürzten nach Schneller Mitte. Bilyk erhöhte, Weber traf.

Sieg zum 500. Pflichtspiel für Alfred Gislason

Befreiter Jubel: THW-Trainer Alfred Gislason nach dem Sieg gegen den SCM

Sechs Minuten vor dem Ende zog Gislason den Grünen Karton, um seine Mannen auf die letzte Phase des Spiels einzustimmen. Allerdings verzog Zarabec, auf der Gegenseite stand Ekberg bei einem versuchten Pass auf Weber goldrichtig: Er sicherte den Ball, verhinderte damit den Ausgleich und leitete das 32:30 von Dahmke ein. Wolff hielt gegen Bezjak, Dahmke ging von der Außenposition den weiten Weg nach Halbrechts und drosch den Ball zum 33:30 ins Netz - 170 Sekunden vor dem Ende die Vorentscheidung, die Ekberg von Außen endgültig fixierte. Die Fans riss es von den Sitzen - mit großem Einsatz und noch mehr Willen hatte der THW Kiel seinem Trainer Alfred Gislason in dessen 500. Pflichtspiel an der Seitenlinie der Zebras doch noch einen Sieg geschenkt: Auf den Tag genau neun Jahre nach seinem ersten Einsatz für Schwarz-Weiß hatten die junge THW-Mannschaft ein packendes Spitzen-Spiel doch noch gedreht!  

Donnerstag kommt der Flensburg-Bezwinger

Weiter geht's für dei "Zebras" bereits am kommenden Donnerstag: Zu Gast in der Sparkassen-Arena wird dann die TSV Hannover-Burgdorf sein - jene Mannschaft, die unter dem neuen spanischen Coach Carlos Ortega und mit dem ehemaligen Kieler Kreisläufer Ilija Brozovic zuletzt mit einer starken Leistung gegen die SG Flensburg-Handewitt auf sich aufmerksam gemacht hat: Gegen die SG führten die Niedersachsen zeitweise mit neun Toren, gewannen letztlich mit 32:29 und holten sich damit nach langer Durststrecke den ersten Sieg im Kalenderjahr 2017. Die Mannschaft um Nationalspieler Kai Häfner hat sich auch für die Reise nach Kiel einiges vorgenommen - das nächste Spitzenspiel im Handball-Tempel steht vor der Tür! Anwurf ist Donnerstag um 19 Uhr, noch gibt es einige Sitz- und Stehplatztickets an allen bekannten Vorverkaufsstellen und im THW-Onlineshop! Auf geht's, Kiel!

Statistik, 3. Spieltag, 03.09.17: THW Kiel - SC Magdeburg: 34:32 (17:20)

THW Kiel: Landin (1.-18., 4 Paraden), Wolff (18.-60., 15 Paraden); Firnhaber, Weinhold (7), Dissinger, Wiencek (6), Ekberg (8/4), Zeitz, Frend Öfors (n.e.), Rahmel (n.e.), Dahmke (6), Zarabec (2), Vujin, Bilyk (4), Nilsson (1); Trainer: Gislason

SC Magdeburg: Green (1.-46., 6 Paraden), Quenstedt (46.-60. und drei Siebenmeter, 4/1 Paraden); Musa (3), Chrapkowski (1), Musche (6), Molina (n.e.), Pettersson, Christiansen (3), Mertens, O'Sullivan (2), Bezjak (1), Weber (10/4), Kalarash, Damgaard (6), Zelenovic; Trainer: Wiegert

Schiedsrichter: Peter Behrens / Marc Fasthoff 

Strafzeiten: THW: 4 (Zarabec (14.), Weinhold (17.), Zeitz (20.), Bilyk (51.)) / SCM: 4 (Musa (22.), Kalarash (24.), Damgaard (42.), Christiansen (44.))

Siebenmeter: THW: 5/4 (Ekberg scheitert an Quenstedt, verwandelt im Nachwurf (33.)) / SCM: 4/4 

Spielfilm: 1:0 (1.), 2:1, 3:2, 3:4 (7.), 5:6, 7:7 (12.), 7:9 (14.), 10:11 (19.), 10:13 (22.), 12:14 (24.), 14.14 (25.), 15:16, 15:19 (29.), 16:20, 17:20;
17:22 (32.), 18:24 (35.), 19:25, 21:26 (41.), 27:26 (47.), 27:28 (48.), 30:28 (51.), 31:30 (54.), 34:30 (59.), 34:32.

Zuschauer: 10.285 (ausverkauft) (Sparkassen-Arena, Kiel)

Stimmen zum Spiel:

Sechs Treffer und eine Weltklasse-Leistung: Patrick Wiencek

THW-Trainer Alfred Gislason: Es ist ein komisches Gefühl, als Sieger vom Platz zu gehen, nachdem man 40 Minuten lang die schlechtere Mannschaft war. Der SCM war in diesen 40 Minuten deutlich besser, unsere Abwehr war in der ersten Halbzeit katastrophal. In der zweiten Halbzeit geht die Abwehr-Misere gegen diese routinierte Magdeburger Mannschaft weiter, aber dann hat unsere Mannschaft endlich wie eine Mauer zusammengearbeitet. Durch die bessere Abwehr kam Andi richtig gut ins Spiel, und mit Bilyk kam mehr Druck in unseren linken Rückraum. Auch Steffen Weinhold hat sehr gut gearbeitet, gleiches gilt für Miha Zarabec. Insgesamt war ich mit unserem Angriff eigentlich zufrieden.

SCM-Coach Bennet Wiegert: Ich kann kein Geheimnis aus meinem Herzen machen. Ich bin sehr enttäuscht und traurig, dass sich meine Mannschaft nicht belohnen konnte. Ein Sieg war möglich - und durchaus auch ein hoher Erfolg. Aber ab der 40., 45. Minute hatten wir Angst davor, in Kiel zu gewinnen - und wir haben uns aus dem Konzept bringen lassen. In vier Minuten Unterzahl werfen wir unseren Vorsprung weg, und Wolff hat uns das Leben schwer gemacht. Es tat mir sehr leid, mit anzusehen, wie unsere Anker nicht gegriffen haben, und wie der THW so doch noch zu seinen Stärken gefunden hat.

THW-Geschäftsführer Thorsten Storm: Der SCm war heute richtig stark, hat ruhig durchgespielt und kam so immer noch zur Torchance. Unsere Mannschaft hat dann durch Aggressivität ins Spiel gefunden, hat die Fans und sich selbst gepusht. Der Wille unserer Mannschaft hat gezeigt, was gehen kann. Dieser leidenschaftlich erkämpfte Sieg ist mehr wert als ein glatter Erfolg - auch wenn man heute Herztropfen brauchte.

THW-Regisseur Miha Zarabec: Wir haben eine ganz schlechte erste Halbzeit gespielt. Dann war es überragend, wie wir mit Hilfe der Fans ins Spiel zurück gekommen sind. Die Atmosphäre war unglaublich, und wir sind froh, dieses erste Heimspiel gewonnen zu haben. Donnerstag wollen und müssen wir aber besser spielen.

 

Mehr zum Thema

Nach den besinnlichen Festtagen wird es am Donnerstag in der seit Monaten ausverkauften Sparkassen-Arena heiß hergehen. Der THW Kiel empfängt den Pokalsieger, die Zebras treffen auf die Rhein-Neckar Löwen. Ein Spitzenspiel, ein echter Kracher nach dem Fest. "Das ist ein ganz besonderes Spiel für ganz Kiel", sagt Kapitän Domagoj Duvnjak. "Gemeinsam mit unseren Fans wollen wir diese Partie gewinnen,...

25.12.2018

Der THW Kiel hat sich mit dem 17. Erfolg in Serie in die kurze Weihnachts-Pause verabschiedet: Beim Aufsteiger SG BBM Bietigheim gewannen die "Zebras" am Samstagabend die letzte Auswärtspartie des Jahres mit 32:21 (14:11). Nach 16 Tagen ohne Pflichtspiel hatten die Kieler vor 3.527 Zuschauern in der EgeTrans-Arena zunächst Probleme, ins Spiel zu finden. Nach einer leidenschaftlichen Auszeit von...

22.12.2018

Satte 16 Tage lang hatte der THW Kiel seit dem 32:19-Erfolg gegen Stuttgart am Nikolaustag keinen Einsatz mehr - eine ungewohnt lange Pause, die durch den Nationalmannschafts-Lehrgang, fehlende Hallenkapazitäten und damit verbundene Spielverlegungen nötig geworden war. Eine Unterbrechung, die nach zuletzt 17 Kieler Siegen in Folge vielleicht nicht zur passenden Zeit kam. Doch das dürfe am Samstag,...

20.12.2018

Noch ein Heimspiel vor der langen Pause bis kurz vor Weihnachten: Am Nikolaustag empfängt der THW Kiel den TVB 1898 Stuttgart in der Sparkassen-Arena. Nach dem hart erkämpften Auswärts-Sieg in Hannover geht es für die "Zebras" erneut um zwei wichtige Punkte. Nachdem die Kieler Platz zwei erobert haben, wollen sie diesen Rang festigen und dem Tabellenführer aus Flensburg auf den Fersen bleiben....

04.12.2018

Für den THW Kiel geht es nach dem doppelten Pokal-Intermezzo mit dem Erreichen der Gruppenphase im EHF-Cup und der Qualifikation für das "REWE Final Four" in Hamburg am Sonntag um zwei ganz wichtige Auswärtspunkte in der DKB Handball-Bundesliga: Bei der TSV Hannover-Burgdorf, die zuletzt vier Mal in Folge die "Zebras" besiegen konnte, wollen die Kieler mit einem Sieg Tabellenplatz zwei festigen....

30.11.2018

Donnerstag ist Top-Spiel-Zeit in Kiel: Um 19 Uhr (live bei Sky) gastieren die Füchse Berlin in der Sparkassen-Arena. Die Partie gegen die von Verletzungssorgen geplagten Hauptstädter, die zuletzt auch mit dezimiertem Kader starke Leistungen abriefen, ist für die "Zebras" eminent wichtig. Sie wollen ihre Bundesliga-Erfolgsserie ausbauen und gegen den Vorjahres-Dritten wichtige Heimpunkte holen. Im...

20.11.2018

Fünf Spiele in zwölf Tagen - die noch ausstehenden November-Wochen haben es für die Zebras wahrlich in sich. Der Auftakt dieses Hammer-Programms in drei Wettbewerben könnte indes schwieriger kaum sein: Am Donnerstag empfängt der bärenstarke Aufsteiger Bergischer HC den THW Kiel. Anpfiff im Düsseldorfer ISS Dome, in den der BHC für das Top-Spiel gegen die Zebras aufgrund des größeren...

13.11.2018

Sonntag kehren die "Zebras" zurück in ihren Hexenkessel: 21 Tage nach dem bisher letzten Heimspiel in der DKB Handball-Bundesliga will der THW Kiel gegen Frisch Auf! Göppingen seine Erfolgsserie von zuletzt acht Liga-Siegen in Folge ausbauen. "Wir dürfen nicht an die vergangenen Spiele denken und zu zufrieden sein", mahnt Kapitän Niklas Landin. "Wir müssen Sonntag aufpassen: Göppingen ist ein...

09.11.2018