Duo Schmid/Pekeler führt Löwen gegen kämpferische Zebras zum Sieg

Bundesliga
Sonntag, 01.10.2017 // 15:51 Uhr

Es hat nicht gereicht: Der THW Kiel hat am Sonntagnachmittag beim Deutschen Meister Rhein-Neckar Löwen knapp mit 28:30 (11:13) verloren. Dabei verpassten es die Kieler vor allem im ersten Durchgang, aus den zahlreichen Paraden von Niklas Landin Profit zu schlagen. Trotzdem bissen sich die "Zebras" in der Partie fest, mussten letztlich aber dem Weltklasse auftrumpfenden Duo Andy Schmid/Hendrik Pekeler, das zusammen 17 Tore erzielte, geschlagen geben. Bester Torschütze auf THW-Seite war Niclas Ekberg, der 8/4 Treffer erzielte. Stark agierte auch Nikola Bilyk, der sechsmal traf.

Starker Beginn - aber zu viele Fehler

Miha Zarabec wurde offensiv gedeckt

Die Kieler begannen in Mannheim engagiert. Und auch wenn gleich der erste Pass ins Aus segelte, gehörte den "Zebras" die Anfangsphase. Gegen die offensive 5-1-Deckung der Gastgeber, die so Miha Zarabec aus dem Spiel nehmen wollten, fand der THW Kiel zunächst gute Lösungen. Der slowenische Spielmacher markierte das 3:1, während die Löwen kaum ein Mittel gegen die THW-Defensive fanden. Es dauerte fast acht Minuten, bis Schmid das erste Feldtor gelang - es war der Anschluss zum 3:4. Mitten drin im Geschehen: Torhüter Niklas Landin, der in den ersten 30 Minuten ein grandioser Rückhalt für die Schwarz-Weißen war, reihenweise Gegenstöße von Groetzki und freie Bälle entschärfte. Allerdings ließ sich auch Landin zwischenzeitlich von der Hektik anstecken - sein erster Wurf auf den verwaisten Löwen-Kasten landete am Pfosten, ein zweiter ging neben das Tor. So profitierte der Meister von den Fehlern der Gäste: Pekeler traf in Überzahl zur ersten Löwen-Führung, die Baena mit der linken Hand ausbaute, und nach einem Steal besorgte Schmid das 8:5 höchstselbst.

Zwei-Tore-Rückstand zur Pause

Doch der THW kämpfte trotz aller Widrigkeiten, ließ die Löwen zunächst nicht davon eilen. Allerdings fehlten den Zebras ein wenig die Ruhe, so wurde ein direkter Anwurf von Rune Dahmke eine Beute des von der Bank zurück eilenden Andreas Palicka, statt eines möglichen Zwei-Tore-Rückstandes wurden es vier Tore, weil Pekeler im Nachwurf zum 10:6 einnetzte. Aber die Zebras blieben dran, Christian Dissinger traf zum 7:10, Ekberg nutzte eine Landin-Parade gegen Pekeler zum 8:10. Doch den entscheidenden Schlag, der Wirkung bei den Gastgebern hätte erzielen können, gelang ihnen nicht. Weil die Löwen immer eine passende Antwort hatten. Wie bei Peterssons 11:8, oder dem "Rebound" nach Palickas Parade, den sich Schmid im Luftduell mit Dissinger und Rene Toft Hansen sicherte. Weil nun auch Palicka zu einem Faktor wurde, konnten die Kieler nicht von den Paraden ihres Torhüter profitieren. Letztlich war es Schmid, der fünf "wilde" Minuten mit gehaltenen Bällen und Fehlpässen auf beiden Seiten mit dem 12:8 beendete. Urplötzlich hatten die Löwen also einen komfortablen Vorsprung, den Nikola Bilyk bis zum Pausenpfiff mit zwei ganz starken Aktionen allerdings wieder auf zwei Treffer zusammenschmelzen ließ.

Palicka sorgt für die Vorentscheidung

Die Wellenbewegungen der ersten Hälfte setzten sich auch in Durchgang zwei fort. Immer wieder zogen die Löwen davon, immer wieder arbeiteten sich die Zebras heran. Wie nach Schmids 15:11 (32.), dem Ekberg einen von insgesamt vier sicher verwandelten Siebenmetern folgen ließ, ehe der immer stärker werdende Bilyk hinten einen Ball stahl, was Dahmke zum 13:15 nutzte. Allerdings gelang dem THW wieder nicht der nächste Treffer, ein Doppelschlag von Pekeler ließ die Löwen wieder oben auf der Welle surfen. In Überzahl sorgten Sigurdsson und Pekeler für das 19:14, erstmals waren die Gastgeber mit fünf Toren vorn. Doch der THW ließ sich nicht abschütteln: Emil Frend Öfors traf in Unterzahl mit einer tollen Aktion über den Kreis zum 18:21 (45.), nach dem 24:18 durch Schmid robbten sich die Schwarz-Weißen durch Christian Zeitz, Patrick Wiencek und Bilyk wieder auf 21:24 heran. Jacobsen nahm die Auszeit - mit Erfolg: Zwar konnte sich Andreas Wolff zweimal auszeichnen, der Abpraller landete aber stets bei den gelben Trikots. Statt eines richtigen Heranrückens verschaffte Schmid seinen Farben doch wieder Luft, den Rest besorgte Palicka: Der Schwede hielt gegen Zeitz, Bilyk und Frend Öfors, traf selbst zum 27:21 und hatte großen Anteil daran, dass die Partie nach Peterssons 28:21 (54.) entschieden war.

Vierte Bundesliga-Niederlage

Rune Dahmke erzielte ein Tor

Der THW gab sich nicht auf, kämpfte weiter um jeden Treffer. Und das brachte am Ende auch noch zumindest einen Teil-Erfolg, denn nach Pekelers 30:24 (57.) waren es Toft, Zeitz, Bilyk und Frend Öfors, die das Resultat wieder mehr dem Spielverlauf entsprechend gestalteten. Der Schlussspurt kam aber zu spät, am Ende mussten die "Zebras" trotz einer insgesamt guten Leistung in ihre vierte Niederlage der laufenden Saison in der DKB Handball-Bundesliga einwilligen - gegen einen Gegner, der in den entscheidenden Momenten einfach cleverer war und abgebrühter agierte.

Donnerstag in Erlangen, Sonntag in Veszprem

Für die Kieler, die noch am Sonntagabend zurück in Kiel erwartet wurden, geht die Terminhatz zum Saisonauftakt mit unverminderter Geschwindigkeit weiter: Am Donnerstag um 20:30 Uhr (live bei Sky) fordert der heimstarke HC Erlangen in der Arena Nürnberger Versicherungen die "Zebras" zum Duell. Von dort reisen die Kieler direkt weiter nach Ungarn, wo sie am Sonntag (17 Uhr, live bei Sky) in einer der lautesten und stimmungsvollsten Arenen der VELUX EHF Champions League antreten: Telekom Veszprem und der ehemalige Flensburger Cocah Ljubomir Vranjes erwarten den THW Kiel zum heißen Kampf um zwei Punkte in der Gruppenphase. Weiter geht's, Kiel!

Fotos: Angela Grewe

Statistik, 7. Spieltag, 29.09.17: Rhein-Neckar Löwen - THW Kiel: 30:28 (13:11)

Rhein-Neckar Löwen: Appelgren (1 Siebenmeter, 0 Paraden), Palicka (1.-60., 13 Paraden, 1 Tor); Schmid (9), Bliznac, Sigurdsson (6/5), Radivojevic, Baena (2), Tollbring, Rnic, Mensah Larsen, Pekeler (8), Groetzki (1), Reinkind, Taleski, Guardiola, Petersson (3); Trainer: Jacobsen

THW Kiel: Landin (1.-46., 13 Paraden), Wolff (46.-60., 2 Siebenmeter, 4 Paraden); Firnhaber (n.e.), Toft Hansen (3), Weinhold (1), Dissinger (2), Wiencek (2), Ekberg (8/4), Zeitz (2), Frend Öfors (2), Rahmel (n.e.), Dahmke (1), Zarabec (1), Vujin, Bilyk (6), Nilsson; Trainer: Gislason

Schiedsrichter: Peter Behrens / Marc Fasthoff

Strafzeiten: RNL: 1 (Sigurdsson (42.)) / THW: 4 (Wiencek (12.), 2x Toft (27., 44.), Dahmke (37.))

Siebenmeter: RNL: 5/5 / THW: 4/4

Spielfilm: 0:2 (2.), 1:2 (4.), 1:3, 2:4 (8.), 4:4 (11.), 4:5, 8:5 (17.), 10:6 (20.), 10:8 (21.), 12:8 (27.), 13:9 (28.), 13:11;
15:11 (32.), 15:13 (34.), 17:13 (36.), 17:14, 19:14 (39.), 20:15, 20:17 (43.), 21:18, 24:18 (46.), 24:21 (50.), 28:21 (54.), 28:23 (55.), 30:24 (57.), 30:28.

Zuschauer: 11.572 (SAP Arena, Mannheim)

Stimmen zum Spiel:

THW-Trainer Alfred Gislason: Wir können auf einiges aufbauen, was wir heute geleistet haben. Uns hat sehr gefreut, dass Bilyk nach schwierigen Wochen wieder da ist. Insgesamt hätten wir aber die erste Halbzeit besser gestalten müssen, da treffen wir dreimal das leere Tor nicht und konnten von der starken Leistung von Landin nicht ausreichend profitieren. Nach der Pause hatten wir nicht den richtigen Zugriff mehr, und Andy Schmid hat jeden Fehler der Abwehr bestraft. Die Löwen spielen momentan einfach besser als wir.

Löwen-Trainer Nikolaj Jacobsen: Ich bin sehr zufrieden, vor allem mit unserer Abwehr. Wir haben die 5-1 teilweise überragend gespielt, und der THW hatte große Probleme, das zu lösen. In der ersten Hälfte haben wir richtig gut Handball gespielt, aber sind zu oft an Niklas Landin gescheitert. Im zweiten Durchgang konnten wir dann etwas wegziehen. Mit dieser Halle im Rücken ist es dann schwer für den Gegner, zurück zu kommen. Pekeler und Schmid waren heute Weltklasse, Mensa Larsen und Petersson haben ihnen für ihr Spiel den Raum verschafft. Außer in den ersten zehn Minuten haben wir heute sehr clever und souverän gespielt.

THW-Geschäftsführer Thorsten Storm: Junge Spieler machen auch mal Fehler, wir sind danach nie wieder richtig in die Vorwärtsbewegung gekommen. Wir haben eben auch keinen Andy Schmid, der uns heute gemeinsam mit Hendrik Pekeler schwindelig gespielt hat. Man kann Alfred nicht für die vielen Fehlwürfe oder dass man sich auch zum vierten Mal durch ein Schmid-Anspiel düpieren lässt, verantwortlich machen. Die Spieler stehen hinter Alfred, und wir gehen alle gemeinsam durch diese schwierige Zeit.
In den KN: Andy Schmid macht neun Tore, dazu neun Assists. Unser Andy Schmid heißt Domagoj Duvnjak, und den hatten wir heute nicht. Unsere Chancenverwertung war nicht konsequent genug. Aber man muss der Mannschaft hoch anrechnen, dass sie bis zum Ende gekämpft hat. Klingt vielleicht blöd, aber: Mit Glück und mehr Konsequenz können wir in Mannheim was holen.

THW-Kreisläufer Patrick Wiencek in den KN: Alles wiederholt sich: Wir fangen gar nicht schlecht an, werfen dann aber vorne die Bälle weg. Das macht unser Spiel kaputt. Wenn Niklas nicht so gut halten würde, lägen wir schon zur Pause höher zurück. Wir müssen jetzt wirklich von Spiel zu Spiel schauen. Aber irgendetwas muss sich ändern. Wir müssen uns selbst noch besser einstellen und dann wieder Spiele gewinnen.

Löwen-Linkshänder Alexander Petersson in den KN: Am Ende haben wir zu früh abgeschaltet, aber wir müssen auch Kräfte sparen für die drei Spiele, die in dieser Woche noch kommen. Nach der Woche können wir den Sieg vielleicht genießen. So wie im Moment habe ich den THW Kiel noch nie erlebt. Einer wie Duvnjak, der ein Spiel entscheiden kann, fehlt. Und es fehlt an der nötigen Erfahrung.

 

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