THW Kiel verliert beim VfL Gummersbach

Bundesliga
Donnerstag, 23.11.2017 // 19:22 Uhr

Die "Zebras" haben nach zuletzt 11:1 Punkten in Folge in der DKB Handball-Bundesliga eine empfindliche Niederlage kassiert: Beim VfL Gummersbach verlor der THW Kiel am Donnerstagabend verdient mit 27:31 (11:16). Als zu große Hypothek erwies sich dabei eine erste Hälfte, in der die Schwarz-Weißen weder in der Abwehr noch im Angriff ins Spiel fanden. Mit einem 5:0-Lauf zogen die Gummersbacher dann Mitte der zweiten Hälfte auf 27:18 davon, die folgende Kieler Aufholjagd kam zu spät. Auf Seiten der Gastgeber überragten Torhüter Carsten Lichtlein mit 16 Paraden und der siebenfache Torschütze Stanislav Zhukov, für den THW Kiel traf Lukas Nilsson (6) am häufigsten.

Fehlstart der Zebras

Die Kieler legten in der Schwalbe-Arena einen Fehlstart hin - gegen die Gastgeber, die nach dem Ausfall des einzig verbliebenen Linkshänders Baumgärtner nur mit Rechtshändern im Rückraum spielten, lagen sie schnell mit 0:3 hinten. Erst nach viereinhalb Minuten fand Nikola Bilyk erstmals die Lücke zwischen der clever verschiebenden Abwehr und dem starken Torhüter Lichtlein. Und als Marko Vujin eine Unterarm-Fackel ins Tor jagte, schienen die "Zebras" endlich angekommen in der Partie. Doch vergebene Chancen verhinderten den Ausgleich - nahezu jeder in Schwarz-Weiß zog am Fahrkartenschalter, und Lichtlein pushte sich, seine Mitspieler und die Zuschauer mit jeder Glanztat nach vorn. Auf der anderen Seite verhinderte ein in der ersten Hälfte ebenso starker Andreas Wolff Schlimmeres hinter einer Abwehr, die weder in der offensiven Variante noch im 6-0-Verbund Zugriff auf den Gegner bekam. Beim 9:4 durch einen frechen Preuss-Dreher war der VfL erstmals auf fünf Tore enteilt. Zu diesem Zeitpunkt musste Rune Dahmke zuschauen: Er hatte sich den Mittelfinger ausgekugelt, der auf der Bank wieder eingerenkt wurde. 

Fünf-Tore-Rückstand

Zurück auf dem Feld, scheiterte Dahmke in Überzahl nach einem Weltklasse-Anspiel von Lukas Nilsson an Lichtlein. Doch mit einem Zeitz'-Pass auf Toft und Dahmkes Treffer zum 6:9 war der THW wieder an die BLau-Weißen herangerückt. Allerdings verpassten es die Kieler, die acht Minuten Überzahl in der ersten Hälfte effektiv zu nutzen - auch, weil der VfL clever spielte und zumeist nicht mehr als einen THW-Angriff während der Zeitstrafen zuließ. Vorne hakte es weiterhin, und Lichtlein schwang sich gegen die frei vorm ihm auftauchenden "Zebras" zu ganz großer Form auf. Auf der anderen Seite bekamen die Blau-Weißen zu viel Raum - zudem klappte beim Altmeister beinahe alles. Zhukov traf mit links (!) aus dem Rückraum, Pujol mit rechts von Halbrechts. Dem THW fehlte indes bei einigen Holztreffern auch das Glück. In Unterzahl zog der VfL wieder auf 12:7 davon (23.), und nur die Treffer von Nilsson sorgten für Entlastung. Als Lichtlein einen Bilyk-Wurf entschärfte, netzte Preuss zum 16:10 ein. Emil Frend Öfors verkürzte noch vor der Pause, den finalen Bilyk-Wurf blockte Preuss mit einem Hechtsprung.

VfL zieht davon

Nach dem Wechsel sorgten Ekberg und Wiencek für den schnellen Anschluss. Und als Nilsson den Kieler Kreisläufer mit einem fantastischen No-Look-Pass zum 14:17 bediente und Vujin trocken aus neun Metern zum 15:18 traf (36.), hatten die mitgereisten Kieler Fans wieder Hoffnung. Doch näher heran sollten die "Zebras" nicht rücken, weil Gummersbach immer eine passende Antwort parat hatte. Nach Ekbergs Wurf in den Block traf Marvin Sommer im Gegenstoß, nach Bilyks Treffer nach Schnellr Mitte war es Zhukov, der nachlegte. Als Bilyk dann zum 17:20 hochstieg, verhinderte eine Zeitstrafe gegen Dissinger die weitere Aufholjagd. Schlimmer noch: Die Gastgeber spielten sich nach zwei gehaltenen Vujin-Würfen, einem technischen Fehler von Wiencek und den folgenden drei schnellen Schröter-Toren in einen Rausch, sorgten mit einem 7:1-Lauf zum 27:18 für Hochstimmung auf den Rängen. Alfred Gislason zog seine letzte mögliche Auszeit und stoppte damit den Lauf der Gastgeber.

6:0-Lauf kommt zu spät

Mehr noch: Urplötzlich waren die Kieler präsent, schienen wie ausgewechselt. Ein Doppelschlag von Nilsson eröffnete die Aufholjagd, zwei Steals und die Gegenstöße von Wiencek und Ekberg brachten den VfL zum Nachdenken. Selbst von einer Auszeit der Oberbergischen ließen sich die Kieler nicht stoppen: Vujin netzte zum 23:27 ein, Wolff hielt einen freien Ball von Matic, Nilsson bediente Wiencek zum 24:27 - in sechs Minuten hatte sich der THW mit einem 6:0-Lauf wieder in Schlagdistanz gebracht. Dass es dennoch nicht zum Punktgewinn reichte, lag nun auch am aufdrehenden Eivik Köpp: Bei angedrohtem Zeitspiel jagte er den Ball aus elf Metern in den Kieler Kasten, und ließ dreieinhalb Minuten vor dem Ende die Fans nach dem Schock durch Tobias Schröters Verletzung, der Rechtsaußen war beim Kampf um den Ball unglücklich mit Dahmke zusammengeprallt und wurde mit Verdacht auf eine Knieverletzung aus der Halle gebracht, wieder jubeln: Wieder traf Köpp aus großer Distanz zum 29:25 - die Vorentscheidung, ehe Preuss mit dem 30:26 in der 59. Minute entgültig den Deckel drauf machte. Enttäuscht verließen die Kieler das Feld, während die Gastgeber den ersten Heimsieg gegen den THW Kiel nach 14 Jahren mit Karnevalsmusik ausgelassen feierten.

Bereits Samstag Heimspiel gegen Brest

Viel Zeit zum Wunden lecken haben die Kieler nicht: Direkt nach der Partie machten sie sich im Mannschaftsbus auf den langen Weg zurück in die Landeshauptstadt. Denn bereits am Sonnabend, und damit nicht einmal 45 Stunden nach der Partie in Gummersbach, geht es für sie in der VELUX EHF Champions League weiter: Der THW Kiel empfängt ab 17:30 Uhr die routinierte Mannschaft von HC Meshkov Brest um die aus der Bundesliga bekannten Stars Petar Djordjic, Konstantin Igropulo, Pavel Horak und Rastko Stojkovic. Im Hinspiel konnten die "Zebras" Brest nach dramatischem Spielverlauf knapp mit 25:24 besiegen - jetzt sollen im Heimspiel zwei weitere Punkte folgen. "Dafür müssen wir allerdings eine viel bessere Leistung als beim VfL zeigen", blickte Gislason direkt nach dem Abpfiff der Liga-Partie auf die schwere Aufgabe in der Königsklasse. Für das Spiel in der Sparkassen-Arena gibt es noch Karten in allen Kategorien (ab 14,50 Euro) an allen bekannten Vorverkaufsstellen, im Ticketcenter der Sparkassen-Arena, bei CITTI und in den famila-Märkten, telefonisch unter 01806 30 02 34 (0,20 Euro/Anruf aus dem dt. Festnetz, max. 0,60 Euro/Anruf aus dem dt. Mobilfunknetz) und im Internet (unter anderem mit der Print@Home-Variante zum Selbstausdrucken): www.thw-handball.de/tickets. Die Tageskasse öffnet Samstag von 9 bis 13 Uhr und ab 15:30 Uhr. Auf geht's in die Arena, Kiel!

Fotos: Angela Grewe

Statistik, 14. Spieltag, 23.11.17: VfL Gummersbach - THW Kiel: 31:27 (16:11)

VfL Gummersbach: Lichtlein (1.-60., 16/1 Paraden), Puhle (n.e.); Schröter (5), Jäger, Schöneseiffen, Matic (1), Pujol (4), Sommer (2), Köpp (4), Zhukov (7), v. Gruchalla, Becker, Preuss (6), Feuchtmann Perez; Trainer: Bahtigarevic

THW Kiel: Landin (40.-45., 0 Paraden), Wolff (1.-40., 45.-60., 13 Paraden); Toft Hansen (1), Firnhaber (n.e.), Dissinger, Wiencek (5), Ekberg (3/1), Zeitz, Frend Öfors (2), Rahmel, Dahmke (2), Zarabec, Vujin (3), Bilyk (5), Nilsson (6); Trainer: Gislason

Schiedsrichter: Fabian Baumgart / Sascha Wild
Strafzeiten: VfL: 5 (2x Matic (14., 17.), 2x Köpp (19., 22.), Preuss (49.)) / THW: 2 (Wiencek (26.), Dissinger (40.))
Siebenmeter:  VfL: 0 / THW: 2/1 (Lichtlein hält Ekberg (12.))
Spielfilm: 3:0 (4.), 3:2 (6.), 4:3, 6:3 (9.), 6:4, 9:4 (13.), 10:6, 12:7 (23.), 13:9 (25.), 14:10, 16:10 (30.), 16:11;
16:13 (33.), 17:14, 19:16 (38.), 20:17, 25:17 (46.), 25:18, 27:18, 27:24 (54.), 28:25, 30:27 (59.), 31:27.
Zuschauer: 4.132 (ausverkauft) (Schwalbe-Arena, Gummersbach)

Stimmen zum Spiel:

THW-Trainer Alfred Gislason: Wir haben in der ersten Halbzeit sehr schlecht verteidigt und im Angriff sehr viele Chancen verworfen. Allein von Außen haben wir in den ersten 30 Minuten sechs Würfe liegen gelassen. Nur nach dem Acht-Tore-Rückstand haben wir eine Phase, in der wir sehr gut spielen. Doch das kam zu spät. Gummersbach hat verdient gewonnen. Wer so spielt wie wir im Angriff in der ersten Halbzeit gegen einen starken Lichtlein und so eine löchrige Abwehr hat, kann hier nicht gewinnen. Jetzt haben wir keine Zeit das zu analysieren, wir fahren nach Hause, trainieren und müssen uns auf Brest konzentrieren. Da müssen wir sehr viel besser als heute spielen.

VfL-Trainer Denis Bahtijarevic: Ich musste nach dem Abpfiff erst einmal kurz in die Kabine, mich erholen. Es waren da sehr viele Emotionen im Spiel, das heute war nicht normal: Kiel hatte einen schlechten Tag, und wir hatten einen glücklichen. Wir haben eine sehr gute Abwehr gespielt, und auch der Angriff hat sich sehr gut bewegt. Und wir haben alles getroffen - da ist auch viel Glück dabei gewesen. Dass wir nach 14 Jahren mal wieder zu Hause gegen den THW Kiel gewonnen haben, ist egal. Wichtig sind die zwei Punkte.

VfL-Torhüter Carsten Lichtlein: Wir haben uns auf uns konzentriert und wenig Fehler gemacht. Dass wir 31 Tore ohne Linkshänder im Rückraum erzielen können, hätte wohl niemand geglaubt. Aber wir haben mit Emotionen gespielt und mit viel Leidenschaft gekämpft, deshalb haben wir verdient gewonnen.

 

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