THW dreht Partie in Göppingen: 31:27-Auswärtssieg!

Bundesliga
Mittwoch, 26.04.2017 // 21:45 Uhr

Der THW Kiel hat sich in der DKB Handball-Bundesliga wieder in die Erfolgsspur zurückgekämpft: Nach zuletzt zwei Spielen ohne Sieg drehten die "Zebras" bei Frisch Auf Göppingen einen zwischenzeitlichen Fünf-Tore-Rückstand in der Schluss-Viertelstunde noch in einen 31:27 (14:16)-Sieg. Überragender Akteur war einmal mehr Marko Vujin, der 8/2 Treffer erzielte, als Vorbereiter glänzte und sich einmal vollkommen verausgabte. Stark agierte auch Niclas Ekberg, der sieben Tore auf seinem Konto verbuchte. In der entscheidenden Phase rettete zudem Andreas Wolff mit zahlreichen Glanztaten den Sieg, zudem erzielte der Kieler Torhüter mit seinem Tor kurz vor der Schluss-Sirene den Endstand. 

Sieben Spieler verletzt oder angeschlagen

Mit großen Personalsorgen waren die "Zebras" am Dienstag in das Flugzeug nach Stuttgart gestiegen: Domagoj Duvnjak und Christian Zeitz müssen weiterhin verletzt passen, zudem sorgte das kraftraubende wie intensive Königsklassen-Hinspiel gegen Barcelona für ordentlich Betrieb in der medizinischen Abteilung des Rekordmeisters. Zu den eh schon angeschlagenen Rene Toft Hansen (Schambeinentzündung), Nikola Bilyk (Sehnenreizung an der Ellenbogen-Beugermuskulatur) und Lukas Nilsson (Knie) gesellten sich mit Niclas Ekberg (Reizung im Fuß) und Rune Dahmke (Ellenbogen-Prellung nach dem Foul von Wael Jallouz) doch zwei weitere Kieler hinzu.

Traumstart folgt Torflaute

Durchgesetzt: Blazenko Lackovic trug sich gegen Göppingen zweimal in die Torschützenliste ein

Trotzdem starteten die Kieler stark in die Partie, glichen die frühe 2:1-Führung der Gastgeber nach einem starken Zusammenspiel von Patrick Wiencek und Steffen Weinhold aus, gingen kurz darauf durch den erneut hinten wie vorne ackernden Wiencek in Führung und bauten diese durch Blazenko Lackovic und Ekberg sogar auf 5:2 aus. Ein Traumstart, doch zur Beruhigung trug dieser nicht bei. Weil die "Zebras" schnell wieder in alte Muster verfielen und sich durch die zunehmend aggressiver agierende Göppinger Abwehr zu Fehlern zwingen ließen. Satte sieben Minuten dauerte es, bis Vujin nach schneller Mitte den Torbann brechen konnte - zwischenzeitlich waren die Gastgeber mit einem 4:0-Lauf wieder in Führung gegangen.

THW mit Pausenrückstand

Ilija Brozovic kämpfte wie alle Zebras verbissen um den Erfolg

Mit einem erneuten Doppelschlag brachte Frisch Auf erstmals zwei Tore zwischen sich und den Rekordmeister, der früh mit dem Durchwechseln begonnen hatte, um die enormen Belastungen auf möglichst viele Schultern zu verteilen. Nach 16 Minuten hatte Gislason alle auf der Bank sitzenden schwarz-weißen Feldspieler eingesetzt, doch die Grün-Weißen blieben am Drücker, auch wenn Ekberg beim 11:11 wieder den Ausgleich markieren konnte. Denn zwei technische Fehler des Schweden ließen Göppingen zu zwei Gegenstoß-Toren kommen, fortan lief der THW einem Rückstand hinterher. Dass dieser bis zur Pause auf nicht mehr als zwei Treffer anwuchs, war auch ein Verdienst von Ilija Brozovic: Der Kreisläufer holte einen Siebenmeter heraus, den Vujin verwandelte, traf selbst zum 14:15 und offerierte mit einem erneut erkämpften Strafwurf dem THW die Chance, nach Fontaines Hammer zum 16:14 noch vor dem Wechsel zu verkürzen. Allerdings scheiterte Vujin an Rutschmann - die "Hölle Süd" war on fire.

Göppingen zieht weg

Christian Dissinger spielte in der offensiven Abwehr eine starke Spitze

In den zweiten Abschnitt starteten die Kieler mit Bilyk auf der Regisseurs-Position, allerdings konnte auch Dahmkes toller Treffer nicht verhindern, dass sich Frisch Auf sukzessive absetzte. Prost hielt einen Wurf des unglücklich agierenden Lukas Nilsson fest, aber auch Andreas Wolff zeigte gegen Schiller und Späth seine Klasse. Gegen den Gegenstoß-Heber von Halen hatte er dann aber keine Chance - Göppingen führte mit 19:15 (36.). Sofort nahm Gislason eine Auszeit, brachte Christian Dissinger auf Halblinks, Weinhold für die Mitte und Marko Vujin für den rechten Rückraum - trotzdem tauchte Späth frei vor Wolff auf und netzte zum 20:15 ein. Weil den Kielern auch das Wurfpech treu blieb, bekamen die Gastgeber immer mehr Oberwasser. Doch im Handball kann sich das Blatt schnell wenden: Vujin traf zum Anschluss, Kneule scheiterte am Pfosten, was Ekberg zum Konter nutzte - der THW war urplötzlich wieder auf drei Tore dran.

Direkt nach Barcelona

Für die "Zebras" gilt es, sich schnell von der Partie in der EWS-Arena zu erholen. Denn auch die kommende Aufgabe hat es wahrlich in sich: Am Sonnabend bestreiten die Kieler im legendären Hexenkessel "Palau Blaugrana" das Rückspiel im Viertelfinale der VELUX EHF Champions League. Während sich Barcelona eine Woche lang für das Spiel schonen konnte, haben die "Zebras" neben den 60 intensiven Minuten in Göppingen auch noch den Reisestress in der Vorbereitung. Um diesen so gering wie möglich zu halten, blieben die Kieler nach der Partie in Süddeutschland: Sie reisen am Donnerstag nach einer Trainingseinheit in Göppingen direkt von Stuttgart nach Barcelona.

Barcelona macht Stimmung

Auf die Kieler Abwehr und Andreas Wolff kommt am Sonnabend eine Herkules-Aufgabe zu

Nach dem 28:26-Hinspielerfolg des THW Kiel machten die Katalanen bereits ordentlich Stimmung, um ihre Arena zu füllen: Während sich Trainer Xavier Pascual und Kapitän Victor Tomas in der offiziellen Pressekonferenz nach dem Spiel nicht äußerten, giftete direkt im Anschluss vor allem der Coach via spanische Medien: "Wenn die Schiedsrichter normal gepfiffen hätten, hätten wir dieses Spiel gewonnen", wird Pascual in der Sportzeitung "AS" zitiert, "vielleicht gibt es ein Interesse, dass eine deutsche Mannschaft beim Final4 in Köln auf dem Poster steht." Gegenüber Catalunya Ràdio soll der Coach von einer "Schande" und "Respektlosigkeit der Schiedsrichter" gesprochen haben. Bisher nicht gekanntes Vorgeplänkel des spanischen Rekordchampions vor dem Klassiker, der Sonnabend ab 18:30 Uhr live bei Sky Sport übertragen wird - und ein Vorgeschmack dessen, was den THW im Palau Blaugrana erwarten wird: Eine überhitzte Atmosphäre mit 60 Minuten Dauerdruck.  Auf geht's, Kiel!

Offensive Abwehr zwingt FAG zu Fehlern

In den entscheidenden Momenten hellwach: Nikola Bilyk

Allerdings wehrten sich die Grün-Weißen mit ihrer seit langer Zeit wohl besten Leistung und hielten den Vier-Tore-Vorsprung, legten immer nach. Bis Nikola Bilyk in Unterzahl mit einem großartigen Wackler endlich die Lücke in der FAG-Abwehr fand, Weinhold kurz darauf einen Siebenmeter rausholte, und Ekberg zum 21:23 traf (46.). Eine Viertelstunde vor Schluss kehrte der Kampfgeist endgültig zurück in die müden Kieler Knochen, was sich auch in der aufopferungsvoll ackernden offensiven Abwehr äußerte: An deren Spitze machte Christian Dissinger Meter um Meter, stellte sich dem Frisch-Auf-Angriff schon kurz hinter der Mittellinie in den Weg, zwang die Göppinger, die zuvor viel aus der Bewegung getroffen hatten, zum Standhandball. Und es war ausgerechnet Dissinger, der das wichtige 22:23 erzielte: Nach einem Weinhold-Steal machte die monatelang verletzte Nummer 15 im Gegenstoß kurzen Prozess.

Wolffs Jubel-Urschrei

Starke Paraden, ein Ur-Schrei und das Tor zum Endstand: Andreas Wolff

Und dann kam der Wolff: Erst lenkte der Keeper einen Halen-Wurf an den Pfosten, Dahmke hechtete dem Abpraller hinterher und ermöglichte so das 23:23 durch Ekbergs Siebenmeter. Dann parierte Wolff gegen den frei vor ihm auftauchenden Sesum, doch noch immer war aus Kieler Sicht nicht alles gut. Weil nach einem Pass ins Aus mit dem Kieler Einwurf direkt Halen bedient wurde, der sich mit dem 25:24 für diesen Fauxpas bedankte. Und weil dem THW auch vorn wieder Fehler unterliefen - allerdings wurden die Gastgeber durch die Kieler Defensive zusehends zermürbt. Sechs Minuten vor dem Ende neigte sich das Spiel dann endgültig in schwarz-weiße Richtung: Weinhold traf nach einem FAG-Pass ins Aus mit der zweiten Welle, dann klaute der Linkshänder den Ball und bediente Dahmke zum 26:25. Wolff hielt einen Ball von Kneule und ließ mit seinem folgenden Jubel-Urschrei die EWS-Arena erbeben. Allerdings überwand Pfahl kurz darauf den Keeper. Ausgleich. Noch sechs Minuten zu spielen.

Spiel gedreht

Rune Dahmke brachte den THW mit 26:25 in Führung

Bilyk zog einen Strafwurf, Ekberg war wieder sicher vom "Strich". Göppingen wurde ins Zeitspiel getrieben, Sesum verzog mit dem letzten möglichen Ballkontakt über das Tor. Und vorne zeigte Bilyk mit einer unfassbaren Drehung und dem 28:26 einmal mehr, wie wichtig der 20-Jährige für den THW ist. Frisch Auf zeigte Nerven, Schiller traf nur den Pfosten, im Gegenzug leitete der von zwei Abwehrspielern umklammerte Wiencek den Ball zu Vujin weiter, der mit dem 29:26 (59.) alles klar machte. Danach war Schluss für den Linkshänder, der nach der zweiten Energieleistung innerhalb von 72 Stunden mit einem Krampf behandelt werden musste. So sah der überragende Mann, wie Weinhold gegen die offensive Deckung alles klar machte und Wolff nach seiner zwölften Parade mit seinem vierten Bundesliga-Tor für den THW den Endstand erzielte. Der Jubel der müden Kieler fiel allerdings verhalten aus - zu sehr hatte das 51. Saisonspiel einmal mehr an ihren Kräften gezehrt.

 

Mehr zum Thema

Kiel. Der THW Kiel klettert in der Handball-Bundesliga auf Platz fünf, macht durch ein 25:20 (15:8, siehe auch THW-Spielbericht) am Donnerstagabend gegen die Füchse Berlin weiter Boden im Kampf um einen europäischen Startplatz gut. Der Erfolg gegen den Tabellendritten aus der Hauptstadt gerät zwischenzeitlich zu einer Demonstration Kieler Stärke.

20.04.2018

Mit dem Start des Bundesliga-Dauerkarten-Verkaufs für Stammblatt-Inhaber am 26. Mai beginnt eine neue Ära: Erstmals gibt es nur noch eine Karte für alle 17 Heimspiele. Die Dauerkarte im Scheckkarten-Format ersetzt die 17 Einzeltickets und macht den Heimspiel-Besuch bequemer. Alle Vorteile der bisherigen Dauerkarte bleiben erhalten.

20.04.2018

Der THW Kiel hat in der DKB Handball-Bundesliga zwei ganz wichtige Zähler eingefahren: Vor 10.285 euphorischen Fans in der Sparkassen-Arena besiegten die "Zebras" am Donnerstagabend die Füchse Berlin mit 25:20 (15:8) und zeigten dabei vor allem im ersten Durchgang eine ganz starke Leistung. Nach einem frühen 2:5-Rückstand war es die Kieler Defensive mit einem grandiosen Domagoj Duvnjak und einem...

19.04.2018

Kiel/Berlin. Nicht alles, aber vieles spricht heute Abend (19 Uhr, Sparkassen-Arena, siehe ausführlicher THW-Vorbericht) in der Handball-Bundesliga für den THW Kiel. Die Statistik zum Beispiel oder die personelle Kader-Situation. 18-mal traten die Füchse Berlin an der Förde an, 17-mal setzte es in der Sparkassen-Arena (vormals Ostseehalle) eine Niederlage, nur 1981 - damals firmierte der...

19.04.2018

Kiel. Dem THW Kiel steht in der Handball-Bundesliga das erste entscheidende Spiel der "Wochen der Wahrheit" ins Haus. Gegen den Tabellendritten Füchse Berlin müssen die Zebras am Donnerstag (19 Uhr, siehe ausführlicher THW-Vorbericht) gewinnen, um die Chance auf den europäischen Wettbewerb zu wahren. Doch mit dem Hauptstadtklub kommt ein echter Brocken in die ausverkaufte Sparkassen-Arena, Berlin...

18.04.2018

Sechs Partien stehen für den THW Kiel noch bis zum Saisonende der DKB Handball-Bundesliga auf dem Plan. Sechs Begegnungen, in denen es für die "Zebras" um jeden Zähler geht. "Wir haben jetzt nur noch Endspiele", weiß THW-Mittelmann Miha Zarabec. "Wir wollen alle Begegnungen gewinnen." Der nächste Gegner der Kieler hat es in sich: Am Donnerstag gastieren die Füchse Berlin an der Förde, die mit nur...

17.04.2018

Ludwigshafen/Kiel. Gute Laune auf beiden Seiten, dazu mehr als 20 Grad und strahlender Sonnenschein in der Rheinpfalz: Nach der Bundesligapartie zwischen den Eulen Ludwigshafen und dem THW Kiel strichen am Sonntagnachmittag alle Beteiligten die positiven Aspekte des 25:21-Erfolgs der Zebras ( siehe THW-Spielbericht)  heraus. Doch aufgrund der Schlussphase mischten sich beim Rekordmeister kleine...

17.04.2018

Ludwigshafen. Der THW Kiel hat seine Bundesliga-Pflichtaufgabe beim Tabellenletzten Eulen Ludwigshafen souverän gelöst, sich in den letzten Minuten aber einen unnötigen Einbruch geleistet. Das 25:21 (15:7, siehe THW-Spielbericht) klingt so deutlich knapper, als es der Spielverlauf tatsächlich hergibt.

16.04.2018