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KN: Ein Spiel dauert 60 Minuten

Bundesliga

KN: Ein Spiel dauert 60 Minuten

Ludwigshafen. Der THW Kiel hat seine Bundesliga-Pflichtaufgabe beim Tabellenletzten Eulen Ludwigshafen souverän gelöst, sich in den letzten Minuten aber einen unnötigen Einbruch geleistet. Das 25:21 (15:7, siehe THW-Spielbericht) klingt so deutlich knapper, als es der Spielverlauf tatsächlich hergibt.

Zehn Minuten Blackout bei den Eulen

Zwei verschiedene Gesichter zeigten die Zebras in der mit 2350 Zuschauern ausverkauften Friedrich-Ebert-Halle. Erst jenes, das die Spiele vor der Nationalmannschaftspause geprägt hatte. Druckvoll, aggressiv, konzentriert präsentierte sich der THW in Halbzeit eins und mit Abstrichen auch im ersten Teil der zweiten Hälfte. Fahrig, kopflos, hektisch verspielte eine aufgescheuchte Zebraherde einen Großteil ihres zuvor erarbeiteten Vorsprungs in den letzten zehn Minuten.

Begonnen hatten die Kieler mit einer bärenstarken Abwehrleistung. Die 3:2:1-Deckung mit Kapitän Domagoj Duvnjak an der Spitze schmeckte den Gastgebern gar nicht, die Eulen bissen sich an der beweglichen THW-Formation die Zähne aus, wurden ins Zeitspiel und zu technischen Fehlern getrieben. Die Zebras ihrerseits nutzten ihre Gelegenheiten. Lukas Nilsson traf zweimal kompromisslos aus dem Rückraum, per Tempogegenstoß erhöhte Niclas Ekberg auf 5:1. Auch wenn Raul Santos zweimal von Linksaußen an Junioren-Nationalkeeper Stefan Hanemann scheiterte, bauten die Kieler ihren Vorsprung weiter aus. Patrick Wiencek setzte nach einem parierten Wurf von Nikola Bilyk stark nach, faustete den Ball zum 9:3 ins Tor (19.). Die Eulen hatten vor allem aus dem gebundenen Spiel heraus nichts entgegenzusetzen, benötigten für ihre ersten vier Treffer drei Siebenmeter.

Beim THW lief auch nicht alles perfekt, aber doch mehr als ordentlich. Rund um die 20. Minute rotierte THW-Coach Alfred Gislason kräftig durch, ersetzte in der Offensive den kompletten Rückraum mit Bilyk, Nilsson, Weinhold durch Disinger, Zarabec, Vujin und brachte Emil Frend Öfors für Santos auf Linksaußen, stärkte so die linke Deckungsseite, durch die vor allem Eulen-Regisseur Alexander Feld hin und wieder durchgebrochen war. Auch in neuer Formation zogen die Zebras durch, nutzten die Chancen, hatten alles im Griff. Zur Pause stand ein beruhigendes 15:7.

Nach dem Seitenwechsel knüpften die Kieler zunächst an die gute erste Halbzeit an, Sebastian Firnhaber bescherte Wiencek eine Verschnaufpause, traf stark vom Kreis zum 19:10 (39.). In der Folge verwalteten die Gäste den Vorsprung, spielten ihre Angriffe lange aus. Die Eulen spielten ein bisschen mit, konnten aber nicht ernsthaft Paroli bieten - bis zur 52. Minute. Vujin hatte gerade per Strafwurf zum Kieler 23:14 getroffen, als der Schlendrian mit aller Macht zuschlug.

Plötzlich war die Power weg, häuften sich vorn die Fehler und fehlte hinten der Zugriff. Tor um Tor verringerte Ludwigshafen den Rückstand, vor allem durch Azat Valiullin aus dem Rückraum und den sicheren Siebenmeterschützen Denni Djozic, während die Zebras quälende Minuten lang nur Fehlwürfe, Stürmerfouls und passives Spiel produzierten. Jetzt waren die Eulen und auch die Halle da, die stand nach einem 5:0-Lauf bis zum 19:23 Kopf. Knapp drei Minuten vor dem Abpfiff beendete Vujin – erneut per Siebenmeter - den Spuk. Mit 25:21 löste der THW die Aufgabe Ludwigshafen. Und zog in persona Steffen Weinhold in Hinblick auf die kommenden Aufgaben ein simples Fazit: "Wir müssen einfach 60 Minuten lang gut spielen."

(Von Niklas Schomburg, aus den Kieler Nachrichten vom 16.04.2018, Foto: Sascha Klahn)