KN: So will Biegler die Zebras bändigen

Bundesliga
Donnerstag, 26.04.2018 // 11:22 Uhr

Leipzig/Kiel. Vor knapp einem Jahr schafften die Bundesliga-Handballer des DHfK Leipzig mit dem 34:25-Heimerfolg gegen den THW Kiel das - so Manager Karsten Günther - "dickste Ding des Jahres". Was im Mai 2017 mit Bundestrainer Christian Prokop gelang, würde Neu-Trainer Michael Biegler nur zu gerne wiederholen - heute ab 19 Uhr (siehe Vorbericht) beim Bundesliga-Kracher gegen den THW Kiel.

THW heute in Leipzig

Der 57-jährige Biegler, der bis Dezember vergangenen Jahres noch die DHB-Frauen-Nationalmannschaft coachte, sagt: "Wir gehen als Außenseiter in die Partie und wollen mit der Hallenunterstützung einen guten Fight liefern." Doch er hat einen Plan. "Entscheidend ist die Anfangsphase. Es gilt, die erste Welle von Kiel aufzuhalten." Sollte sein Team im Laufe der Partie mal hinten liegen, sei das kein Problem. Biegler: "Mit Rückständen können unsere Jungs umgehen. Sie wissen, dass sie hinten raus noch mal zulegen können. Nur darf der Abstand nicht zu groß werden." Darüber hinaus sei es wichtig, Angriffe diszipliniert zu Ende spielen, um nicht in einen Konter zu geraten. "Wir müssen unsere Abschlüsse besser kreieren und besonders die einfachen Tore erzielen", so Biegler.

Für den THW indes ist die Partie bei den Sachsen nach dem enttäuschenden 28:29 im Viertelfinal-Hinspiel der Champions League gegen Vardar Skopje die Chance, zurück in die Erfolgsspur zu finden und mit breiter Brust am Wochenende zum Rückspiel nach Mazedonien zu fahren. "Wir müssen Vardar schnell aus dem Kopf bekommen und die Konzentration vollends auf Leipzig richten", sagt deshalb THW-Trainer Alfred Gislason. "Das wird eine richtig schwierige Partie, und wir brauchen diese beiden Punkte unbedingt." Viktor Szilagyi, der sportliche Leiter der Zebras, ergänzt: "Unsere Mannschaft hat es punktgenau geschafft, sich auf die jeweils anstehende Partie zu fokussieren - auch wenn wir aktuell in zwei Wettbewerben extrem gefordert sind."

Das Spiel in Leipzig bezeichnet Szylagyi als "vielleicht eines der schwierigsten Auswärtsspiele in der Liga überhaupt." Er erklärt: "Leipzig hat eine Mannschaft, die immer Vollgas gibt. Und gerade zu Hause ist der SC DHfK in der Lage, jedes Team zu schlagen. Auch wenn wir als Favorit anreisen, sind wir weit davon entfernt, Leipzig zu unterschätzen." Beim Rekordmeister fehlt neben Rune Dahmke und Kreisläufer Rene Toft Hansen (beide Schambeinentzündung) auch Steffen Weinhold. Der Nationalspieler hat sich gegen Vardar Skopje eine Zerrung im Oberschenkel zugezogen, muss pausieren.

Mit dem sechsten Bundesligasieg in Folge würden die Zebras weiter Boden auf die Europapokal-Plätze gut machen. "Wir wollen im nächsten Jahr international spielen. Dafür brauchen wir bis zum Saisonende jeden Punkt. Wir fahren nach Leipzig, um dort zu gewinnen", sagt THW-Kreisläufer Patrick Wiencek.

"Auch wenn die Saison für den THW nicht so gelaufen ist, wie sich Verein und Fans das vorstellen, ist Kiel momentan in einer Top-Verfassung", meint DHfK-Coach Biegler. "Sie werden die Partie nutzen, um Selbstvertrauen für Mazedonien zu tanken." Biegler weiter: "Wenn wir eine Chance gegen den THW haben wollen, müssen einige Komponenten passen." Und sich das Lazarett bestenfalls noch etwas lichten. Bei den Leipzigern droht Rückraumstar Andreas Rojewski wegen Knie-Beschwerden auszufallen. Biegler sagte am Dienstag: "Ich gehe nicht davon aus, dass Roje dabei sein wird." Angeschlagen sind zudem Aivis Jurdzs, Philipp Weber, Lucas Krzikalla, Tobias Rivesjö und Gregor Remke. Damit könnten beim Tabellenachten alle Linkshänder im Rückraum fehlen.

Manager Günther freut sich dennoch wahnsinnig auf das sechste Bundesliga-Aufeinandertreffen mit dem Rekordchampion. Für ihn ist es eine ganz besondere Partie. Günther: "Die Duelle mit dem THW zeigen uns immer, wie viel wir auf unserem Weg geschafft haben - und wie viel noch vor uns liegt. Schließlich hat Kiel eine der besten Mannschaften der Welt."

(Von Matthias Klöppel, aus den Kieler Nachrichten vom 26.04.2018, Foto: Sascha Klahn)