KN: Hannover mit Insiderwissen gegen den THW Kiel

Bundesliga
Donnerstag, 22.02.2018 // 09:03 Uhr

Kiel. Als der THW Kiel gestern Nachmittag nach Hannover aufbrach, waren bis auf René Toft Hansen alle Zebras an Bord. Auch Domagoj Duvnjak ist wieder dabei. "Er hat sich im Training gut gemacht, ein Kurzeinsatz ist möglich", sagt THW-Trainer Alfred Gislason.

Geheimtipps für das Spitzenspiel

Allerdings ist der Kapitän nur für die Abwehr vorgesehen, etwa als Option für eine 3:2:1-Deckung. Gegen die starken Rückraumschützen der "Recken" ein kleines Ass im Ärmel des isländischen Coaches, zumal neben Linkshänder Kai Häfner - elf Tore im Hinspiel - Neuzugang Pavel Atman nach langer Verletzungspause wieder im Kader der TSV Hannover-Burgdorf steht. "Ihm fehlt noch Spielpraxis, aber er ist ein sehr, sehr guter Spieler", sagt Gislason über den Russen, der vor Saisonbeginn vom Champions-League-Teilnehmer Meshkov Brest an die Leine kam.

Nur wenige hatten Hannover zugetraut, sich nach dem guten Saisonstart dauerhaft an der Tabellenspitze festzusetzen, doch das Team von Trainerfuchs Carlos Ortega belehrte alle Zweifler eines Besseren. Und im Gegensatz zur vergangenen Saison, in der einer starken Hinserie ein beispielloser Einbruch mit 14 Pleiten und nur zwei Remis gegen Coburg und Stuttgart folgte, soll das so weitergehen. "Wir wollen unsere Serie fortsetzen, am liebsten die gesamte Saison zu Hause ungeschlagen bleiben", sagt Mait Patrail.

Der Este ist in Kiel kein Unbekannter, galt einst als eines der größten Talente im europäischen Handball und sagte 2010, sein Weg zu den Zebras sei vorgezeichnet - nicht ohne Grund, schließlich besaß der THW seit 2008 die Transferrechte am Rückraumspieler. Zu einem Wechsel an die Förde aber kam es nie, stattdessen trieb es den 2,01-Meter-Mann von Schaffhausen über Lemgo und Al Sadd Doha (Katar) im Sommer 2012 nach Hannover. Dort ist er sesshaft geworden, die Transferrechte besitzt der THW inzwischen nicht mehr. "Ich fühle mich sehr wohl, mag die Stadt und das ganze Umfeld", sagt Patrail. Das Kapitel THW ist für ihn geschlossen: "Es hat einfach nicht gepasst."

Über die Kieler Vergangenheit will er nicht viel reden, lieber über das Hier und Jetzt: Seine "Recken" gegen den THW. "Es ist unglaublich, dass wir in dieser Saison schon zwei Mal gegen Kiel gewonnen haben", sagt Patrail. "Aber das macht die Aufgabe noch schwerer - sie wollen sicher nicht ein drittes Mal verlieren." Anders als THW-Coach Gislason sieht Patrail die Favoritenrolle trotz vier Punkten Vorsprung und Heimvorteil nicht auf Seiten Hannovers. "Der THW ist immer Favorit. Sie haben mehr Qualität und bessere Leute", meint er. "Bei uns muss alles passen, um gewinnen zu können. Kiel hat so viele gute Rückraumschützen und einen starken Gegenstoß, wir brauchen vor allem eine gute Deckung und dürfen vorne nicht viele Fehler machen."

Nach einer ganzen Woche Vorbereitung wähnt sich Hannover gut eingestellt - auch durch einen Insider. Schließlich spielte Kreisläufer Ilija Brozovic in der vergangenen Saison noch in Kiel. "Natürlich kann Ilija etwas dazu sagen, aber der THW hat einiges verändert", sagt Patrail und verrät dann doch: "Zwei, drei Geheimtipps hat er uns gegeben." Und welche? Patrail lacht. "Die bleiben geheim - vielleicht kann ich nach dem Spiel mehr sagen."

(Von Niklas Schomburg, aus den Kieler Nachrichten vom 22.02.2018, Foto: Archiv/Sascha Klahn)