Niclas Ekberg führt den THW Kiel zum Sieg in Lemgo

Bundesliga
Sonntag, 20.05.2018 // 14:11 Uhr

Niclas Ekberg hat mit einer furiosen Torejagd den THW Kiel zu zwei Auswärtspunken geführt: Der schwedische Rechtsaußen erzielte beim 31:27 (17:14)-Sieg beim TBV Lemgo 12/4 Treffer und stellte damit seinen persönlichen Tore-Rekord im THW-Dress ein. Im vergangenen Jahr war Ekberg im Pokal-Halbfinale schon einmal zwölf Mal erfolgreich. Vor 4.398 Zuschauern in der nahezu ausverkauften Lipperlandhalle hatten die "Zebras" die Partie weitestgehend im Griff. Nur kurz nach der Pause gerieten die Kieler in Bedrängnis, fuhren am Ende aber souverän die Zähler ein.

Guter THW-Start

Tolle Anspiele und drei Tore: Domagoj Duvnjak

Die Kieler gingen einmal mehr ohne Rene Toft Hansen in die Partie, Patrick Wiencek stand hingegen trotz seines im Derby erlittenen Außenband-Anrisses im Sprunggelenk in der Startformation, die defensiv mit der 3-2-1-Variante auftrumpfte. Die Kieler Verteidigung war mit vielen Ballgewinnen maßgeblich daran beteiligt, dass sich die "Zebras" nach dem 1:2 (3.) schnell absetzen konnten. In Überzahl traf Ekberg zum 2:2 ins leere Tor, dann traf der schwedische Rechtsaußen per Siebenmeter zur Führung, ehe Domagoj Duvnjak Ekberg mit einem Traumpass zum 4:2 bediente. Dem Ekberg-Dreierpack folgte Nikola Bilyks 5:2, der gegen den zurückeilenden Wyszomirski traf. Mit einem 3:0-Lauf waren die Ostwestfalen aber schnell wieder dran, verkürzten in Überzahl zum 6:7.

Wiencek früh belastet

Zwei frühe Zeitstrafen konnten Patrick Wiencek nicht stoppen

Der THW reagierte mit einem feinen Pass auf Wiencek, 15 Sekunden später schnappte sich Emil Frend Öfors in der Abwehr den Ball und leitete den Gegenstoß ein, den Ekberg mit einem fantastischen Dreher zum 9:6 einnetzte. Weiter absetzten konnten sich die Kieler aber nicht, Wiencek kassierte bereits nach 20 Minuten seine zweite Zeitstrafe. Die Gut, dass Duvnjak gerade in diesen Unterzahl-Phasen den Überblick behielt, als Kopf der Abwehr für Unruhe in den Lemgoer Reihen sorgte und selbst traf: Der THW-Kapitän erzielte das 11:8 und das 13:10, dem der TBV aber sofort das 11:13 folgen ließ, weil Klimek den Anwurf direkt ins verwaiste Kieler Tor werfen konnte. Kaum zurück auf der Platte machte Wiencek dann einen richtig wichtigen Treffer: Bei drohendem Zeitspiel fing der gnadenlos ausgepfiffene Kreisläufer den letzten Pass und vollstreckte im Fallen zum 14:11.

Drei-Tore-Führung

Vier Tore in Lemgo: Emil Frend Öfors

Diesen Treffer bejubelte nicht nur Wiencek, sondern riss auch die lautstarken, gut 150 mitgereisten Fans aus ihren Sitzen. Denn er markierte den Auftakt zu einem weiteren Zwischenspurt: Ekberg traf in Überzahl, dann bediente Weinhold Emil Frend Öfors mit einem weiten Ball, und der Schwede traf per Kempa zum 16:11. Allerdings: Die Fünf-Tore-Führung nahmen die Kieler nicht mit in die Pause, weil sich auch der THW technische Fehler leistete. Und weil sie direkt nach der Halbzeit-Sirene noch einen Treffer der Marke "Tor des Jahres" kassierten: Mit einem direkt verwandelten Freiwurf, bei dem Fabian van Olphen die THW-Mauer und Torhüter Niklas Landin mit einem Aufsetzer narrte, kamen die Lemgoer auf 14:17 heran.

Offener Schlagabtausch

Fünf Treffer steuerte Steffen Weinhold zum Sieg bei

Den Neustart nach der Pause verschliefen die Kieler dann komplett: Wyszomirski im Lemgoer Kasten entschärfte Würfe von Duvnjak und Weinhold, und der TBV robbte sich heran. Nach Sutons 16:17 (33.) träumten die Fans in der Lipperlandhalle von einer Wiederholung des Erfolgs im Vorjahr, doch dieses Mal behielten die Schwarz-Weißen die Köpfe oben. Weinhold traf mit einem furiosen Dreher zum 17:19, und Ekberg nagelte einen weiteren Konter nach Suton-Fehlwurf zum 20:17 in die Maschen. Was folgte, war ein offener Schlagabtausch: Der THW legte in Person von Weinhold, Bilyk und Wiencek vor, Lemgo zog mit Ebner und Klimek stets nach. Die Vorentscheidung fiel dann mit einem weiteren Ekberg-Dreierpack: Erst verwandelte er nach feinem Nilsson-Pass vom Kreis, dann setzte er zwei Siebenmeter sicher in die Maschen.

THW bestraft siebten Feldspieler

Nach dem 27:22 für den THW setzte TBV-Trainer Kehrmann mit dem zusätzlichen Feldspieler alles auf eine Karte - und hatte damit zunächst Erfolg. Auch, weil Ekberg mit seinem einzigen Fehlwurf des Tages den leeren Kasten der Gastgeber nicht traf. Und auch, weil van Olphen und Hornke sich nicht mit der Niederlage abfinden konnten. Dann aber machten die "Zebras" kurzen Prozess: Wiencek traf vom eigenen Kreis, und kurz darauf gelang dieses Kunststück auch Emil Frend Öfors: Das 29:24 (54.) bereinigte alle Zweifel an einem Auswärtssieg, und mit dem artistisch verwandelten Abpralle von Nikola Bilyk zum 31:27-Endstand ging es für die "Zebras" und ihre Fans auf die Heimreise nach Kiel.

Statistik, 32. Spieltag, 20.05.18: TBV Lemgo - THW Kiel: 27:31 (14:17)

TBV Lemgo: Wyszomirski (1.-60., 9 Paraden), van den Beucken (1 Siebenmeter, 0 Paraden); Kogut, Guradiola (2), Ebner (2), van Olphen (5), Theuerkauf (1), Hornke (5/1), Hangstein, Hübscher, Suton (5), Zerbe, Engelhardt, Bartok (3), Klimek (4), Zieker; Trainer: Kehrmann

THW Kiel: Landin (1.-40., 7/1 Paraden), Wolff (40.-60., 4 Paraden); Duvnjak (3), Firnhaber, Weinhold (5), Dissinger, Wiencek (4), Ekberg (12/4), Frend Öfors (4), Rahmel (n.e.), Dahmke (n.e.), Zarabec, Vujin, Bilyk (3), Nilsson, Santos (n.e.); Trainer: Gislason

Schiedsrichter: Lars Geipel / Marcus Helbigr
Strafzeiten: Lemgo: 3 (2x Suton (3., 6.), Engelhardt (23.)) / THW: 4 (Bilyk (12.), 2x Wiencek (17., 20.), Weinhold (59.))
Siebenmeter:  Lemgo: 2/1 (Landin hält Hornke (26.)) / THW: 4/4
Spielfilm: 0:1, 2:1 (3.), 2:5 (8.), 3:6, 5:6 (12.), 6:7, 6:9 (14.), 8:11 (18.), 9:12, 11:13 (22.), 11:16 (27.), 13:17 (29.), 14:17;
16:17, 16:18 (34.), 17:18, 17:20 (37.), 18:21, 20:23, 22:24 (44.), 22:27 (48.), 24:27 (52.), 24:29 (54.), 25:30 (56.), 27:30, 27:31.
Zuschauer: 4.398 (Lipperlandhalle, Lemgo)

Stimmen zum Spiel:

THW-Torhüter Niklas Landin: Entscheidend war, dass wir viele einfache Tore machen konnten, obwohl wir nicht richtig gut in der Abwehr gestanden haben. Wir möchten gerne in Europa spielen, dafür war das heute ein wichtiger Sieg. Wir wollen jetzt die beiden letzten Spiele noch gewinnen und sehen dann, wofür es reichen wird.

TBV-Routinier Fabian van Olphen: In der ersten Halbzeit haben wir zuviele technische Fehler gemacht, da haben wir die Punkte liegengelassen. Trotzdem waren wir Anfang der zweiten Halbzeit dran, mussten dann aber sukzessive abreißen lassen, weil wir selbst das Tor nicht mehr getroffen haben. Mein Freiwurf-Tor war mehr Glück als Weisheit, von 100 Versuchen geht vielleicht einer rein.

THW-Rechtsaußen Niclas Ekberg: Die zwei Punkte waren heute wichtig, und ich habe meinen Teil dazu beitragen können. Das freut mich natürlich. Insgesamt sind wir mit der Saison nicht zufrieden. Wir wollten auch im nächsten Jahr Champions League spielen, weil das der größte Wettbewerb ist. Dafür waren wir aber nicht stabil genug, wir hatten viele Probleme. Aber wir haben jetzt eine ganz andere Mannschaft als noch vor ein paar Jahren, das Durchschnittsalter ist jetzt viel jünger. Und unsere jungen Spieler werden immer erfahrener - nächstes Jahr wollen wir wieder angreifen.

 

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