KN: Die BHC-Löwen rocken die Bundesliga

Bundesliga
Mittwoch, 14.11.2018 // 12:38 Uhr

Solingen. Der Bergische HC ist der Überflieger der Saison in der Handball-Bundesliga. Die „kleinen“ Löwen aus dem Bergischen Land, am Donnerstag (19 Uhr, ISS Dome Düsseldorf, siehe THW-Vorbericht) Gastgeber für den THW Kiel, rocken die Liga mit bisher acht Siegen aus zwölf Spielen, stürmten bis auf Rang fünf der Tabelle. Aber Euphorie ist nicht die Sache von BHC-Coach Sebastian Hinze, der seit sechs Jahren die Geschicke an der Seitenlinie leitet. 

Donnerstag tritt der THW beim Aufsteiger an

Acht Siege, davon sechs in eigener Halle - die Konkurrenz staunt verblüfft, während der BHC in Solingen und Wuppertal Kantersiege gegen Erlangen (35:26) und Lemgo (35:26) feierte, in Stuttgart (31:30) und Wetzlar (27:25) knapp die Oberhand behielt, Leipzig bezwang (27:23) und die großen Rhein-Neckar Löwen beim 29:32 nach Verlängerung im Pokal-Achtelfinale an den Rand einer Niederlage zwang. Die Bilanz in der Bundesliga bis dato: 16:8 Punkte. Zum Vergleich: In der Vorsaison reichten 15 Zähler zum Nichtabstieg. Glückwünsche zum Klassenerhalt will der 39-jährige Hinze dennoch keine annehmen. "Wir bleiben realistisch. Sobald unser Ziel erreicht ist, können wir uns neue Ziele setzen."

Tiefstapelei? Realismus? Wer Hinze kennt, merkt schnell: Der Mann, der schon während seiner Laufbahn als Spieler 2010 die Koordination der BHC-Nachwuchsabteilung übernahm und 2011 als Krönung seiner Karriere mit den Löwen in die Erste Liga aufstieg, ist geerdet, realistisch, detailversessen, arbeitet akribisch. Ein Glückwunsch zum Klassenerhalt nach zwölf Spielen? Das ist zu viel Hype für seinen Geschmack. "Wir stapeln nicht tief, aber entschieden ist alles erst am letzten Spieltag. Und wenn man genauer hinschaut, haben wir viele Spiele knapp gewonnen. Und das weitere Programm in der Hinrunde wird auch hart."

Schon vor der Saison waren sich alle Experten einig: Dieser BHC, der mit 72:6 Punkten als Zweitliga-Meister zurück ins Oberhaus stürmte, ist kein gewöhnlicher Aufsteiger, schraubte im Zweitliga-Jahr nach dem Betriebsunfall Abstieg an einer runderneuerten Mannschaft, die in diesem Sommer mit den Neuzugängen Daniel Fontaine (FA Göppingen), Rafael Baena (Rhein-Neckar Löwen) oder Jeffrey Boomhouwer (MT Melsungen) noch einmal in Sachen Qualität und Erfahrung gefestigt wurde. "Wir profitieren extrem davon, dass sich die neue Mannschaft, die an acht Stellen nach dem Abstieg verändert wurde, in der Zweiten Liga einspielen konnte", weiß auch Hinze. "Wir haben in dem Jahr die Zeit gut genutzt, hatten früh keinen Ergebnisdruck, als klar war, dass wir den Wiederaufstieg als Ziel erreichen würden. Wir hatten also einen langen Zeitraum für die Entwicklung des Teams, haben an Defensivkonzept und Konterspiel gefeilt. Diese Zeit hat man in der Ersten Liga selten."

 Neben Fontaine (Adduktorenteilabriss) und Maximilian Bettin (Kapselverletzung im Sprunggelenk) fallen derzeit allerdings die Rückraum-Linkshänder Maciej Majdzinski (Knie) und Kapitän Kristian Nippes (Außenmeniskuseinriss) aus. Gegen Kiel wird Hinze darum auch Junioren-Nationalspieler Lukas Stutzke (Zweitspielrecht Bayer Dormagen) für seinen Kader nominieren, bleibt angesichts der Verletzungen aber gelassen: "Der Kader ist sehr ausgeglichen, auf einem homogenen Niveau. Immer wieder einmal ragen Spieler heraus." Spieler wie der isländische Rechtsaußen Arnor Thor Gunnarsson beispielsweise, momentan mit 76 Treffern viertbester Schütze der Liga. "Aber wir haben eine breite Qualität“, ergänzt Hinze. "Rafael Baena hat vor kurzem einmal gesagt: 'Unsere Stärke ist das System. Und dem ordnen sich alle unter'."

Die Videoanalyse in dieser Woche habe ihm, sagt Hinze mit Blick auf die Partie am Donnerstag gegen den THW, "einen Riesenspaß gemacht, und das sage ich nicht oft". Es mache ihm Spaß, den Zebras zuzusehen. "Die Truppe hat eine tolle Mentalität, das Defensivkonzept ist überragend, die 6:0-Deckung mit ihren zwei, drei Varianten stellt einen ständig vor neue Aufgaben, dazu die 3:2:1. Da brauchen wir ein fast optimales Spiel, dann sind wir nicht chancenlos."

(Von Tamo Schwarz, aus den Kieler Nachrichten vom 14.11.2018, Foto: Archiv/ Sascha Klahn)

Service: Tickets für die November-Heimspiele

Für alle THW-Heimspiele im November gibt es noch Karten. In der Bundesliga treffen die Kieler am Donnerstag, 22. November, auf die Füchse Berlin. Im EHF-Cup starten sie gegen Drammen HK mit einem Heimspiel am Sonntag, 18. November, das K.o.-Spiel im DHB-Pokal-Viertelfinale gegen die MT Melsungen findet am Dienstag, 27. November (19 Uhr) statt. Bei der Pokal-Partie erhalten Fans von 6 bis 16 Jahren und Studierende 5 Euro Rabatt auf ihr Ticket. Kinder unter sechs Jahren zahlen gar keinen Eintritt: Für sie gibt es bei allen Spielen die kostenlosen Kinderkarten (ohne Sitzplatzanspruch, nur solange der Vorrat reicht) im Onlineshop unter www.thw-handball.de/tickets und an der telefonischen Hotline 01806 / 300 234 (gebührenpflichtig). Eintrittskarten gibt es an allen bekannten Vorverkaufsstellen, bei den Kieler Nachrichten, bei CITTI, in den famila-Märkten und im Ticketcenter der Sparkassen-Arena, das am Spieltag bis zum Anpfiff geöffnet hat, sowie online unter www.thw-handball.de/tickets.