THW Kiel gewinnt das Top-Spiel gegen dezimierte Füchse

Bundesliga
Donnerstag, 22.11.2018 // 20:35 Uhr

Der THW Kiel hat in der DKB Handball-Bundesliga zwei ganz wichtige Punkte eingefahren: Gegen die dezimierten Füchse Berlin gewannen die Zebras am Donnerstagabend das Top-Spiel der DKB Handball-Bundesliga mit 26:22 (14:13). Die Gäste, die angesichts ihres jungen Kaders auf lang vorgetragene Angriffe setzten, hatten in Hans Lindberg (9/5) den besten Torschützen der Partie. Für die Kieler, bei denen Andreas Wolff mit starken Paraden vor allem in der zweiten Halbzeit den Grundstein fürs THW-Tempospiel legte, traf Lukas Nilsson acht Mal. Nach dem elften bundesliga-Sieg in Folge richten die Schwarz-Weißen jetzt ihren Blick auf die Begegnungen im EHF-Pokal am Sonntag in Drammen und im DHB-Pokal-Viertelfinale am Dienstag in der Sparkassen-Arena (jetzt Tickets sichern!) gegen die MT Melsungen.

Intensives Ringen

Zwei Treffer im Comeback-Spiel: Nikola Bilyk

Beim THW Kiel freute man sich über die Rückkehr von Nikola Bilyk nach seinem Außenbandriss, bei den Füchsen Berlin kehrte mit Nationalspieler Fabian Wiede einer von insgesamt zehn verletzten Akteuren zurück auf die Platte. Während Wiede zunächst draußen blieb, stand Bilyk direkt in der Startformation und bediente Hendrik Pekeler zum 3:3-Ausgleich. Da waren bereits zehn Minuten gespielt, die irgendwie auch die Richtung für den ersten Durchgang vorgaben. Die Berliner ließen sich Zeit. Viel Zeit. Spielten nach Kieler Toren den Ball in aller Seelenruhe zum Anwurfkreis, holten Freiwurf um Freiwurf heraus und spielten so die Kieler Defensive müde. Weil die Füchse aber im Abschluss kompromisslos waren, blieb es ein enges, intensives Ringen um jedes Tor. Nach Bilyks 106-km/h-Schlagwurf zum 6:5 und Niclas Ekbgers frechem Siebenmeter-Heber gegen Silvio Heinevetter zum 7:6 nutzten die Gäste zwei individuelle Kieler Fehler zur 8:7-Führung. Als Ekberg kurz darauf am Lattenkreuz scheiterte und Holm zum 11:9 für die Hauptstädter traf, drohte Ungemach.

Knappe Pausenführung

Fand eine Lücke im dichten Berliner Defensiv-Verbund: Hendrik Pekeler

Zumal der THW in mehr als 90 Sekunden doppelter Überzahl genau einmal in Ballbesitz kommen durfte, die Füchse clever und von den Unparteiischen geduldet viel Zeit von der Uhr nehmen konnten. Dennoch: Ekberg nutzte den einzigen Ballbesitz in dieser Phase zum 11:11, und dann startete Lukas Nilsson durch. Nilsson traf mit 102 km/h zum 12:12, Lindberg erhöhte nach einem Berliner Steal zum 13:12 für die Gäste. Magnus Landin war der Ausgleich vorbehalten, ehe Nilsson wieder mit viel Druck und 100 km/h das 14:13 erzielte. Weil Wolff im Anschluss kurz vor der Halbzeitsirene einen Wurf parieren konnte, blieb es bei der knappen Führung, zu der der starke und druckvoll spielende Steffen Weinhold gleich vier Treffer beigesteuert hatte.

Wolff dreht auf

Starke Paraden: Andreas Wolff

Über die Pause hinweg konserviert hatte Lukas Nilsson seine starke Form. Er eröffnete den zweiten Durchgang kraftvoll, legte nach Marsenics Tor zum 16:14 nach und jagte den Ball kurz darauf mit 105 km/h zum 17:15 in die Maschen. Fünf Treffer in sieben Minuten: Der THW drückte nun aufs Gaspedal, und die Füchse zogen mit. Ackerten weiter stark in der Abwehr, kamen aber im Angriff nun gegen eine ebenfalls bärenstarke Kieler 6-0-Formation nicht mehr wie in den ersten 30 Minuten zum Zug. Und das hatte auch mit Andreas Wolff zu tun: Erst knüpfte er dem frei vor ihm auftauchenden Holm den Ball ab, was seine Vorderleute durch Weinhold und Pekeler zum Kontertor nutzten, dann hielt er auch gegen Koch: Im Gegenzug erarbeitete sich Patrick Wiencek einen Siebenmeter, den Ekberg sicher zum ersten Vier-Tore-Vorsprung der Partie verwandelte. Langsam aber sicher holten sich die Zebras die Spielführung zurück, zogen die Füchse-Deckung auseinander und trafen sehenswert - wie der an den Kreis eingelaufene Ekberg, der einen Nilsson-Traumpass zum 20:16 verwandelte. Und weil Wolff nun gleich im Doppelpack zwei Riesen-Chancen von Gliese zunichte machte, ging es auf die rasante Staffel-Reise: Wolff zu Magnus Landin, Landin zu Pekeler, Pekeler zu Weinhold, Weinhold zu Ekberg: Tor, 21:16 (44.)!

Kieler holen elften Bundesliga-Sieg in Serie

Konnte sechs Mal jubeln: Niclas Ekberg

Füchse-Trainer Velimir Petkovic reagierte und brachte mit Fredrik Genz einen jungen Keeper, der den glücklos agierenden Heinevetter ersetzte. Und an eben diesem Genz bissen sich die Kieler in den Folgeminuten die Zähne aus: Er hielt unter anderem gegen Domagoj Duvnjak, knüpfte Nilsson einen Wurf ab, parierte einen Siebenmeter von Ekberg, ließ den frei vor ihm auftauchenden Wiencek nicht jubeln und hielt einen Wurf von Weinhold sogar fest. Fünf Paraden, die den Füchsen halfen, im Spiel zu bleiben. Die verkürzten auf 18:21 und 19:22, ehe die Zebras den Sack wirklich zumachen konnten: Weinhold traf in Überzahl zum 23:19, Wolff hielt gegen Simak, und Nilsson brach sieben Minuten vor dem Ende mit seinem 24:19 den bis dato erbitterten Widerstand der jungen Hauptstadt-Mannschaft. Spätestens als der Schwede bei drohendem Zeitspiel seinen siebten Treffer erzielte, konnten die Kieler Fans befreit jubeln: Mit 26:22 hatte der THW ein Kampfspiel gewonnen, das richtig Kraft gekostet hatte. Der Lohn für die Mühen: Bundesliga-Sieg elf in Folge.

Jetzt: EHF-Cup und DHB-Pokal

Für die "Zebras" begann direkt nach der Partie gegen die Füchse die Einstimmung auf die Pokal-Wettbewerbe: Am Sonnabend reist der THW-Tross via Hamburg, Kopenhagen und Oslo nach Drammen. Dort fällt nach dem 34:23-Hinspiel-Erfolg der Kieler über den norwegischen Pokalsieger Drammen HK die Entscheidung über die Qualifikation für die Gruppenphase des EHF-Pokals. Mehr als 50 schwarz-weiße Fans werden den THW Kiel am Sonntag (16 Uhr, live im Stream unter ehftv.com) in der "Drammenshalle" unterstützen. Montagmittag besteigen die Kieler dann in Oslo die Maschine nach Hamburg, ehe am Montagabend das Abschlusstraining vor dem "alles oder nichts"-Spiel gegen die MT Melsungen stattfindet: Am Dienstag um 19 Uhr empfängt der THW Kiel die Hessen im Viertelfinale zum ultimativen Pokal-Duell, bei dem Fans von 6 bis 16 Jahren und Studierende 5 Euro Rabatt auf ihr Ticket erhalten. Kinder unter sechs Jahren zahlen gar keinen Eintritt: Für sie gibt es bei allen Spielen die kostenlosen Kinderkarten (ohne Sitzplatzanspruch, nur solange der Vorrat reicht) im Onlineshop unter www.thw-handball.de/tickets und an der telefonischen Hotline 01806 / 300 234 (gebührenpflichtig). Eintrittskarten gibt es an allen bekannten Vorverkaufsstellen, bei den Kieler Nachrichten, bei CITTI, in den famila-Märkten und im Ticketcenter der Sparkassen-Arena, das am Spieltag bis zum Anpfiff geöffnet hat, sowie online unter www.thw-handball.de/tickets. Weiter geht's im Hammer-November, Kiel!

Statistik: DKB Handball-Bundesliga, 14. Spieltag, 22.11.18: THW Kiel - Füchse Berlin: 26:22 (14:13)

THW Kiel: N. Landin (1.-20., 1 Parade), Wolff (20.-60., 11 Paraden); Duvnjak , Reinkind, M. Landin (2/1), Firnhaber (n.e.), Weinhold (5), Wiencek (1), Ekberg (6/3), Rahmel (n.e.), Dahmke (n.e.), Zarabec, Vujin (n.e.), Bilyk (2), Pekeler (2), Nilsson (8); Trainer: Gislason

Füchse Berlin: Genz (40.-60., 5/1 Paraden), Heinevetter (1.-40., 3 Paraden); Wiede, Elisson (1), Holm (4), Gojun, Genty, Lindberg (9/5), Simak (2), Schmidt, Matthes (1), Koch (1), Marsenic (2), Gliese (2); Trainer: Petkovic

Schiedsrichter: Christoph Immel / Ronald Klein
Strafzeiten: THW: 3 (Bilyk (19.), Weinhold (34.), Wiencek (59.)) / Füchse: 6 (2x Koch (20., 25.), Wiede (24.), Gojun (37.), Simak (48.), Marsenic (51.))
Siebenmeter: THW: 5/4 (Genz hält Ekberg (46.)) / Füchse: 5/5
Spielfilm: 0:1, 1:2 (7.), 2:3 (10.), 5:3 (12.), 5:5 (13.), 8:7 (17.), 8:9 (19.), 9:11 (22.), 11:11 (26.), 12:13 (28.), 14:13;
15:13, 16:15 (36.), 19:15 (40.), 19:16, 21:16 (44.), 21:18 (47.), 22:19, 24:19 (53.), 25:20 (55.), 25:22 (59.), 26:22. 
Zuschauer: 10.285 (ausverkauft) (Sparkassen-Arena, Kiel)

Stimmen zum Spiel:

THW-Trainer Alfred Gislason: Wenn man es mit den letzten Jahren vergleicht, haben wir derzeit natürlich viel Glück und müssen keine Verletzten beklagen. Wir sind breit aufgestellt und man sieht, dass eine Mannschaft auf dem Feld steht, die ideal zusammen funktioniert. Bald geht es in die Winterpause und Flensburg steht bisher ungeschlagen an der Spitze. Wir denken nur von Spiel zu Spiel, aber ich glaube, es wird am Ende ein Drei- oder Vierkampf um den Titel. Heute war es das erwartet schwere Spiel, ich hätte die Füchse lieber mit der kompletten Mannschaft heute als Gegner gehabt. Die Berliner Abwehr stand gut, auf der anderen Seite haben wir keinen Zugriff auf den Füchse-Angriff bekommen. So wurde es ein zähes Spiel, in dem wir die Berliner mit unseren Fehlern zu Gegenstößen eingeladen haben. Nach der Pause haben wir uns gesteigert, die 6-0 hat gut funktioniert, Andi hat gut gehalten, und Lukas hat ein sehr starkes Spiel gemacht. Berlin hat richtig gut gespielt, wir waren auch nicht schlecht, so war es ein gutes Spiel für die Zuschauer. 

Füchse-Trainer Velimir Petkovic: Der THW Kiel hat verdient gewonnen. Es war ein gutes Spiel in einer tollen Atmosphäre. Ich glaube, die Zuschauer haben einen richtigen Kampf gesehen, den wir angeboten haben und den der THW angenommen hat. Wir haben 60 Minuten einen guten Handball gespielt, und der THW hat uns nicht unterschätzt. Wir haben richtig gut in der Deckung gestanden, ich freue mich, dass wir solche Charaktere in der Mannschaft haben. 

Viktor Szilagyi, Sportlicher Leiter THW Kiel: Man hat gesehen, dass wir zurecht vor den Füchsen gewarnt haben. Es war ein sehr intensives Spiel gegen eine kompakte Abwehr. Mit der 6-0-Abwehr und einer in der zweiten Halbzeit sehr guten Torhüterleistung konnten wir uns ein kleines Polster erarbeiten, das uns Sicherheit gegeben hat. Jetzt richten wir den Blick nach vorn: In Drammen wollen wir mit einem seriösen Auftritt unser Ziel erreichen, und dann folgt am Dienstag schon das nächste Highlight: Wr alle wollen nach Hamburg, dafür brauchen wir jeden THW-Fan und eine fantastische Kulisse.

Füchse-Sportkoordinator Volker Zerbe: Kiel war heute eine hohe Hürde. Kompliment an unsere Mannschaft, die das heute sehr gut vorbereitet und konzentriert angegangen ist. Die Abwehr stand sehr stabil, und unsere Jungs haben von A bis Z alles gegeben. Ein toller Auftritt, von dem wir den Rückenwind mitnehmen wollen.

Füchse-Spieler Fabian Wiede: Unser Team hat lange gut gekämpft und konnte gegen Kiel lange Zeit gut dagegenhalten. Aber am Ende haben uns dann die Kräfte verlassen. Ich freue mich, zurück zu sein, aber nach nur einer Trainingseinheit kann man noch nicht viel von mir erwarten. Allerdings fühle ich mich gut und denke, dass ich am Wochenende wieder auf dem Feld stehen kann.