Auf und Ab in Ostwestfalen: THW mit deutlichem Sieg in Minden

Bundesliga
Sonntag, 04.11.2018 // 17:34 Uhr

Der Neubeginn nach der National-Mannschaftspause geriet für den THW Kiel und seine mitgereisten Fans zu einer echten Achterbahnfahrt: Bei GWD Minden legten die Kieler einen Traumstart hin und führten bereits mit fünf Toren, um dann zu Beginn der zweiten Halbzeit einem Zwei-Tore-Rückstand hinterherzulaufen. Am Ende feierten rund 100 laustarke Kieler auf den Tribünen und die Zebras mit einer La Ola den deutlichen 37:29 (19:17)-Erfolg. Angeführt von Kapitän Domagoj Duvnjak und Lukas Nilsson, die beide mit acht Treffern beste Torschützen der Schwarz-Weißen waren, und mit sieben Toren des starken Patrick Wiencek sowie den Paraden des nach dem Wechsel im Tor stehenden Andreas Wolff holten sich die Kieler den achten Liga-Sieg in Folge. 

Weinhold und Vujin wieder im Kader

Trainer Alfred Gislason musste in Minden auf Hendrik Pekeler verzichten: Der Nationalspieler laboriert noch immer an der schmerzhaften Beckenkamm-Prellung auf dem Training bei der DHB-Auswahl. Dafür kehrte Steffen Weinhold nach seinem Muskelfaserriss zurück, und auch Marko Vujin stand nach seiner Operation erstmals wieder im Kader. Aus der starken 3-2-1-Deckung legten die Kieler in der nahezu ausverkauften Kampa-Halle von Beginn an ein hohes Tempo vor. Harald Reinkind und Nikola Bilyk erzielten binnen Sekunden das 2:0, kurz darauf bediente Weinhold Niclas Ekberg, der zum 3:0 einnetzte. Die Gastgeber brauchten 3:31 Minuten bis zum ersten Treffer, spielbestimmend blieben aber die Zebras. Sie standen nicht nur hinten gut, sondern spielten auch offensiv stark. Mit Geduld und Tempowechseln wurde die 6-0-Abwehr der Gastgeber auseinandergezogen, und immer wieder fand einer in Weiß die Lücke.

THW nach Traumstart mit Schwächen

Nach einer Viertelstunde geriet Sand ins Kieler Getriebe

So ließen sich die Zebras auch durch den 3:4-Anschluss der Mindener nicht aus dem Konzept bringen. Der starke Nikola Bilyk setzte von Halbrechts ein ordentliches Pfund zum 5:3 in die Maschen, Niklas Landin parierte einen Siebenmeter von Doder, und Duvnjak setzte ein erstes Schlagwurf-Glanzlicht - 6:3, kurz darauf 8:4 und 11:6 nach Nilssons erstem Treffer: Die Kieler schienen in der richtigen Spur, erst Frank Carstens Auszeit nach Nilssons 13:8 (17.) sollte Grün-Weiß in die Partie bringen. Er brachte einen siebten Feldspieler, um die starke 3-2-1-Abwehr des THW auf die 6-0-Linie zu zwingen und appellierte an die Emotionen in seiner Mannschaft. Mit Erfolg: Den Zebras unterliefen nun Fehler in Reihe, es war urplötzlich Sand im Getriebe. Mit einem 4:0-Lauf in nur drei Minuten waren die Gastgeber wieder dran. Besonders schmerzhaft war Cederholms Tor zum 13:14 für Bilyk: Beim Zurückeilen war der Österreicher böse umgeknickt und konnte nur noch für wenige Minuten im zweiten Durchgang spielen, humpelte danach aus der Halle.

Duvnjak zum 19:17-Halbzeitstand

Jetzt wurde es das erwartet enge Spiel, auch wenn der THW zunächst durch Harald Reinkind und Nilsson wieder auf 16:13 davon zog. Denn auch Ex-Zebra Kim Sonne-Hansen im GWD-Tor mischte nun mächtig mit, während die THW-Abwehr mit Cederholm und Gullerud ihre liebe Mühe und Not hatte. Die Folge: Mats Korte erzielte nach 27 Minuten den Ausgleich für die Heimmannschaft, den Wiencek mit viel Willen und Duvnjak mit einem Wurf aus 22 Metern aufs leere Tor aber kontern konnten. Weil Weinhold kurz darauf aber den verwaisten Kasten verfehlte und Cederholm traf, drohte eine minimale Kieler Halbzeitführung. Gut, dass Duvnjak quasi mit dem Pausenpfiff und einem fulminanten Wurf aus elf Metern noch das 19:17 erzielen konnte. 

THW läuft Rückstand hinterher

Das Auf und Ab des ersten Durchgangs sollte sich auch nach der Pause fortsetzen: Wiencek hatte zum 20:17 getroffen, dann spielte nur noch GWD: Mit drei schnellen Toren gelang den Ostwestfalen der erneute Ausgleich, nach einem weiteren technischen Fehler der Kieler war es Ramo, der Minden zum ersten Mal in Führung bachte. Und nach Ekbergs verwandelten Siebenmeter zum 22:22 taumelte der THW, was Ramo und Zvizej zum 24:22 für die Gastgeber nutzten. Längst hatte Gislason Wolff in den Kasten beordert, und natürlich nahm auch der Kapitän die Zügel in die Hand: Duvnjak erzielte das erste Feldtor nach neun Minuten Pause zum 23:24, Wolff hielt gegen Michalczik, Duvnjak bediente Wiencek: Ausgleich. Und die Zebras waren nun wieder hellwach. Wolff hielt gegen Savvas, Duvnjak haute den Ball zur Führung in die Maschen. Und als Rambos Wurf Firnhaber im Gesicht traf, sicherten sich die Schwarz-Weißen den abprallenden Ball, was Nilsson mit dem 27:25 belohnte. 

8:1-Lauf zur Entscheidung

Jetzt zeigte der THW Kiel sein stärkstes Gesicht: Wolff entnervte weiterhin die Gegenspieler, verhinderte immer wieder gegen frei vor ihm auftauchende Mindener einen neuerlichen Richtungswechsel auf der Anzeigetafel. Da packte die Abwehr nun fest zu und erzwang Ballgewinne. Und da spielte die Offensive mit der GWD-Deckung wieder Katz' und Maus: Reinkind zum 28:25, Duvnjak nach starkem Eins-Gegen-Eins zum 29:26, Nilsson per Konter nach toller Abwehr-Aktion von Firnhaber zum 30:26, Wiencek zum 31:26 nach Traum-Anspiel von Nilsson, und der 32:26-Hammer des Schwedens sorgten acht Minuten vor dem Ende für klare Verhältnisse. Bis zum Schluss sollten die Kieler nicht mehr nachlassen, sie legten Tor um Tor vor und strebten so einem klaren Auswärtssieg entgegen. Ärgerlich, dass Gisli Kristjansson noch auf den Hallenboden krachte und sich vor Schmerzen wand, aber am Ende wurde trotzdem gefeiert: Mit einer La Ola bedankten sich die Zebras bei ihren Fans, die unter dem Hallendach für ordentlich Alarm gesorgt hatten. Der achte Sieg in Folge war nach einer Achterbahn-Tour eingefahren.

Sonntag Heimspiel gegen Göppingen

Die Partie in Minden war der Auftakt in einen Hammer-Monat für die Zebras, die erstmals in dieser Spielzeit in allen drei Wettbewerben aktiv werden. Am kommenden Sonntag empfangen sie in der DKB Handball-Bundesliga Frisch Auf Göppingen (Anwurf in der Sparkassen-Arena: 16 Uhr), für dieses Spiel gibt es auch dank des Clubsales von Fans für Fans noch Eintrittskarten (direkt zum Onlineshop). Weiter geht es dann am Donnerstag (19 Uhr) im Düsseldorfer ISS Dome mit dem schweren Auswärtsspiel beim Bergischen HC, ehe der THW Kiel sein erstes Heimspiel im EHF-Pokal seit dem Titelgewinn vor 14 Jahren bestreitet: Am Sonntag, 18. November (15 Uhr), empfangen die Zebras den norwegischen Pokalsieger Drammen HK zum Qualifikations-Hinspiel in der Sparkassen-Arena. Für dieses K.o.-Runden-Spiel gibt es noch Tickets (ab 10 Euro) an allen bekannten Vorverkaufsstellen - unter anderem bei CITTI, in den famila-Märkten, bei den Kieler Nachrichten und im Ticketcenter der Sparkassen-Arena-, im Online-Ticketshop des THW Kiel unter www.thw-handball.de/tickets  sowie unter der telefonischen Hotline 01806 / 300 234 (gebührenpflichtig: 0,20 Euro/Anruf aus dem dt. Festnetz, max. 0,60 Euro/Anruf aus dem dt. Mobilfunknetz). Weiter geht's, Kiel!

Fotos: Angela Metge

Statistik: DKB Handball-Bundesliga, 11. Spieltag, 04.11.18: GWD Minden - THW Kiel: 29:37 (17:19)

GWD Minden: Christensen (2 Siebenmeter, keine Parade), Sonne-Hansen (1.-60., 10 Paraden); Mansson (2), Savvas, Rambo (5), Korte (1), Pusica, Gullerud (5), Michalczik (4), Kister, Staar (5), Doder, Cederholm (4), Gulliksen, Zvizej (3/3); Trainer: Carstens

THW Kiel: N. Landin (1.-33., 7/1 Paraden), Wolff (33.-60., 9 Paraden); Duvnjak (8), Reinkind (3), M. Landin (3), Firnhaber, Kristjánsson, Weinhold, Wiencek (7), Ekberg (5/4), Rahmel (n.e.), Dahmke (n.e.), Zarabec, Vujin (n.e.), Bilyk (3), Nilsson (8); Trainer: Gislason

Schiedsrichter: Michael Kilp / Christoph Maier
Strafzeiten: Minden: 3 (Gullerud (27.), Savvas (48.), Michalczik (51.)) / THW:
Siebenmeter: Minden: 4/3 (Landin hält Doder (10.)) / THW: 4/4
Spielfilm: 0:3 (3.), 2:3 (5.), 3:4 (7.), 3:6 (10.), 4:6, 4:8 (12.), 6:9 (14.), 6:11 (15.), 9:14 (18.), 13:14 (22.), 13:16 (25.), 16:16 (27.), 16:18 (28.), 17:19;
17:20, 21:20 (34.), 22:22 (37.), 24:22 (39.), 24:24 (42.), 25:24, 25:28 (48.), 26:28, 26:32 (53.), 27:36 (58.), 29:37. 
Zuschauer: 3.800 (Kampa-Halle, Minden)

Stimmen zum Spiel:

THW-Trainer Alfred Gislason: Das Ergebnis spiegelt nicht ganz den Spielverlauf wider. Wir haben gut begonnen, aber immer wieder einen Vorsprung verspielt. In den letzten 15 Minuten der ersten Halbzeit haben wir ohne Druck und mit zuviel Einzelaktionen gespielt, und auch Anfang der zweiten Halbzeit sah es schlecht aus. Wir liegen mit zwei Toren hinten, dann kommt Andi, der sehr stark gehalten hat, und die Abwehr stand wieder besser. Domagoj Duvnjak und Lukas Nilsson waren stark, Patrick Wiencek hat hinten wie vorne überragend gearbeitet, und auch der junge Sebastian Firnhaber hat seine Abwehraufgaben sehr gut gelöst. Insgesamt ist meine Mannschaft stabiler als vor einem Jahr. Heute hat sie sich konzentriert und mit viel Ruhe aus der schwierigen Situation herausgearbeitet. Leider könnte es sein, dass uns Nikola Bilyk fehlen wird. Das Sprunggelenk ist jetzt angeschwollen. Gisli hat sich wohl eine schmerzhafte Prellung abgeholt...

GWD-Trainer Frank Carstens: Ich kann das Spiel irgendwie nicht einordnen. Wir haben ziemlich viel richtig gemacht, am Ende des Tages zählt aber das Ergebnis. Und das weist eine hohe Niederlage aus. Der THW Kiel hat sehr gut angegriffen, wir haben viel über die Emotionen gelöst. Aber die Kieler waren offensiv zu stabil und in der Abwehr besser als unsere Defensive. Man hat gesehen, dass der THW inzwischen auf einem ganz anderen Level als noch in der vergangenen Saison spielt.

THW-Kapitän Domagoj Duvnjak: Es war ein richtig schweres Spiel. Die ersten 15 Minuten waren wir richtig gut, dann haben wir leider viele Fehler gemacht und über den Gegenstoß viele Treffer kassiert. Minden war richtig stark, und wurde dann in den ersten zehn Minuten der zweiten Halbzeit noch besser. Dann haben wir aber Charakter gezeigt, und ab der 40. Minuten haben wir dann einen überragenden Handball gezeigt. Dann hat alles funktioniert, und wir haben verdient gewonnen. Ich freue mich, dass wir dieses Spiel als Mannschaft gewonnen haben.