KN: Die richtige Richtung

Bundesliga
Dienstag, 16.10.2018 // 09:08 Uhr

Kiel. Harald Reinkind ist kein Mann der lauten Töne. "Ja, das war ganz okay von mir", sagte der Norweger nach dem wichtigen Sieg des THW Kiel bei den Rhein-Neckar Löwen (siehe THW-Spielbericht). Sechs Tore in sechs Versuchen hatte der 26-jährige Handballer erzielt, auch in der Abwehr sicher gestanden. Und das als Alleinunterhalter auf seiner Position ohne Chance auf eine Verschnaufpause. Für Reinkind, der bei den Löwen oft als zu zurückhaltender Werfer kritisiert wurde, war das Wiedersehen mit seinem Ex-Klub ein Durchbruch.

Alfred Gislason sieht Reinkind und seine Zebras auf gutem Weg

"Vielleicht war ich ein bisschen extra motiviert", gab er lächelnd zu. "Ich kannte aber auch die Gegner besser als normal." Vier Jahre lang hatte der Linkshänder bei den Löwen unter Vertrag gestanden und sich die Rückraumposition mit Alexander Petersson geteilt. Neben dem explosiven Isländer erwarb er sich in Mannheim den Ruf, einfach zu nett zu sein. Zurückhaltend, freundlich, ein Teamplayer. Aber keiner, der dem Gegner wirklich wehtun will. Keiner, der jede Chance zum Wurf nutzt.

"Ich kenne diese Kritik", sagt Reinkind. Lächelnd natürlich. "Ich weiß auch selbst, dass ich mich mehr zeigen muss." Durch die Ausfälle von Marko Vujin (Op-Pause) und Steffen Weinhold (Zerrung) auf seiner Position bekommt der 79-fache Nationalspieler nun die Gelegenheit dazu. In Mannheim nutzte er sie, auch wenn nach 50 Minuten ohne Pause in Abwehr und Angriff sowie dem Wetzlar-Spiel vom Donnerstag in den Knochen irgendwann die Kraftreserven aufgebraucht waren. "Ich wusste, es wird hart - besonders in so einem Spiel. Aber dann muss man einfach durchhalten." Und dann sagt Reinkind etwas, das aus seinem Mund wie eine Kampfansage klingt. "Ich möchte mich beim THW durchsetzen, die Nummer eins auf meiner Position werden."

Auch Trainer Alfred Gislason hat den Auftritt seines Spielers wohlwollend registriert. "Das war ein riesiger Schritt in die richtige Richtung", lobt er. Ein Satz der nach dem Sieg über die Löwen für die ganze Mannschaft gelten kann. Zu Beginn der Saison, nach der ersten Auswärts-Niederlage in Flensburg, sprach der 59-Jährige noch von "Dellen" im Spiel seiner Mannschaft. Auch in Magdeburg erlebte der THW eine große Delle, danach aber wurden sie immer kleiner. "Wir hatten auch in Mannheim noch schwierige Phasen - wie in der zweiten Halbzeit, als wir mit vier Toren führen und dann die Löwen wieder auf ein Tor heran kommen lassen", sagt er. Doch die Zebras ließen sich nicht verunsichern, spielten konzentriert weiter und setzten sich als das spielerisch bessere Team durch. "Das etwas Ruhigere, die Abgeklärtheit - das ist eine Entwicklung dieser Saison", so Gislason. "Für die Mannschaft ist das ein sehr, sehr wichtiger Schritt." Überbewerten will er den ersten Sieg in einem der schwersten Auswärtsspiele aber nicht. "Jetzt direkt wieder von der Meisterschaft zu reden, ist natürlich Unsinn", sagt er.

Anders klingt das bei Kreisläufer Patrick Wiencek: "Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, dass wir nicht Meister werden wollen", sagt er. Doch noch sei der Blick auf die Tabelle kein Thema. "Da gucken wir vielleicht in den letzten zehn Spielen drauf." Auch er sieht im Sieg bei den Löwen einen wichtigen Impuls. "Wir sind super stolz auf uns und gehen jetzt noch selbstbewusster in die nächsten Spiele."

Selbstbewusstsein, das die Kieler gut gebrauchen können. Schon am Mittwoch geht es für sie erneut um einen wichtigen Sieg. Im DHB-Pokal empfangen sie den Ligarivalen SC DHfK Leipzig (Anpfiff 19.30 Uhr).

(Von Merle Schaack, aus den Kieler Nachrichten vom 16.10.2018, Foto:Archiv/Sascha Klahn)

Service: Noch Tickets erhältlich

Für die Pokal-Partie am Mittwoch, die ausschließlich live in der Sparkassen-Arena und nicht im TV zu sehen sein wird, gibt es noch Eintrittskarten in allen Kategorien. Weil das Pokal-Heimspiel mitten in den schleswig-holsteinischen Herbstferien liegt, erhalten Kinder und Jugendliche von 6 bis 16 Jahren beim Kauf eines Tickets fünf Euro Ferien-Rabatt. Kinder unter sechs Jahren zahlen gar keinen Eintritt: Für sie gibt es die kostenlosen Kinderkarten (ohne Sitzplatzanspruch, nur solange der Vorrat reicht) im Onlineshop unter www.thw-handball.de/tickets und an der telefonischen Hotline 01806 / 300 234 (gebührenpflichtig). Eintrittskarten für das Achtelfinale im DHB-Pokal, das am Mittwoch um 19:30 Uhr von den Referees Sebastian Grobe und Adrian Kinzel angepfiffen wird, gibt es zum Preis ab 10 Euro an allen bekannten Vorverkaufsstellen, bei den Kieler Nachrichten, bei CITTI, in den famila-Märkten und im Ticketcenter der Sparkassen-Arena, das am Spieltag bis zum Anpfiff geöffnet haben wird. Zum Interview in der Fan-Arena wird nach dem Spiel Assistenz-Trainer Filip Jicha erwartet.