KN: Ein Pflichtsieg in Zeitlupe

Bundesliga
Montag, 01.10.2018 // 08:53 Uhr

Kiel. Einen Pflicht-Heimsieg in der Handball-Bundesliga feierte der THW Kiel am Sonntag über den HC Erlangen. Mit 27:21 (12:7, siehe THW-Spielbericht) bezwangen die Zebras die verletzungsgebeutelten Franken und bissen sich durch eine phasenweise zähe Partie. Einzig mit ihrer Chancenverwertung hatten sie zu hadern.

Schwächen in der Chancenverwertung

"Sehr schön war's" - mit diesen Worten verließ Adalsteinn Eyjolfsson, Trainer des HC Erlangen, die Halle nach dem Schlusspfiff. Wohlgemerkt: als Trainer des Verlierers. Doch eine Sechs-Tore-Niederlage war für die Gäste fast ein Erfolg. Fünf Rückraum-Stammspieler, darunter die Spielmacher Michael Haaß und Dominik Mappes, hatten sie verletzt zu Hause lassen müssen. Stattdessen waren Mit Jonas Schletterer und Jakob Hoffmanns zwei U 23-Spieler dabei.

In dieser Besetzung hatte der Tabellen-13. nur ein Ziel: Nicht wie Melsungen in die Tempo-Handball-Falle laufen. In aller Ruhe trug er seine Angriffe vor, denen der THW erneut eine 3:2:1-Abwehr mit Domagoj Duvnjak an der Spitze entgegen stellte. 13 Minuten hielt der HC Erlangen mit. Dann schien die Tempo-Falle doch zuzuschnappen. Nach einem Stürmerfoul durch Nikolai Link brach Patrick Wiencek in der Mitte mit Tempo durch, in der Abwehr fing Steffen Weinhold einen Pass ab, und auch wenn HCE-Keeper Nikolas Katsigiannis den Gegenstoß von Nikola Bilyk entschärfte - den Nachwurf verwandelte Ole Rahmel. Nächster Ballverlust von insgesamt zehn des HC Erlangen in der ersten Hälfte, langer Pass an den Kreis, wo schon Rune Dahmke wartete, 8:4 (16.) - der THW schien wieder auf die Überholspur abzubiegen.

Doch dann geriet im Angriff der Motor ins Stottern. Nach dem 9:6 (19.) durch HCE-Linksaußen Christopher Bissel mussten sich die Zuschauer acht Minuten bis zum nächsten Treffer gedulden. Stattdessen scheiterte Rahmel einmal von außen und einmal per Gegenstoß an Ex-Zebra Katsigiannis, produzierte außerdem ein Stürmerfoul. Auch Niclas Ekberg, der Rahmel in der 24. Minute ersetzte, fand beim Strafwurf zweimal seinen Meister in Katsigiannis. Mit insgesamt 16/2 Paraden und zwei Treffern aufs leere THW-Tor avancierte der Keeper zum besten Erlanger. Drei Tore betrug der THW-Vorsprung deshalb trotz guter Abwehr-Leistung zwei Minuten vor dem Halbzeitpfiff. Magnus Landin übernahm das Zepter an der Siebenmeterlinie und baute die Führung von dort noch auf 12:7 aus.

Zweite Halbzeit, gleiches Spiel. Nach einem 3:1-Lauf des THW zu Beginn sah es aus, als könnten die Zebras sich absetzen. Doch Erlangens Zeitlupen-Handball bremste den THW aus. Und wieder stellte sich Katsigiannis in den Weg. Besonders die Wurfbilder der Außen schien er gepaukt zu haben. Nachdem Dahmke sein viertes Tor erzielt hatte, unterlief ihm auch sein vierter Fehlwurf. Beim Stand von 18:14 (44.) musste der Linksaußen Platz für Magnus Landin machen. Und den hatte "Katze" nicht auf dem Schirm. Der Däne wurde mit 8/4 Toren bester THW-Schütze.

Bis die Kieler den Sack zumachen konnten, dauerte es dennoch bis zu den Schlussminuten. Weil dem THW im Angriff Fehler unterliefen, kamen die Gäste beim 20:17 (51.) und 23:20 (56.) immer wieder bis auf drei Tore heran. Dann traf Bilyk mit einem kraftvollen Freiwurf zum umjubelten 24:20 (57.) und Landin sorgte mit einem Ballgewinn und drei weiteren Toren dafür, dass das Kräfteverhältnis sich am Ende auch im Ergebnis widerspiegelte.

"Ein eigenartiger Spielverlauf", fand THW-Kreisläufer Patrick Wiencek. Und Rune Dahmke ergänzte: "Aber dass wir solche Spiele am Ende mit sechs Toren gewinnen und nicht bis zum Schluss zittern müssen, zeigt, dass wir uns im Vergleich zur letzten Saison gesteigert haben."

(Von Merle Schaack und Tamo Schwarz, aus den Kieler Nachrichten vom 01.10.2018, Foto: Nick Jürgensen/saschaklahn.com)

Stimmen zum Spiel in den Kieler Nachrichten

Alfred Gislason, THW-Trainer, in den KN: Wir sind selber schuld, dass es noch einmal eng wurde und wir Erlangen nie distanzieren konnten: Abwehr und Torhüter spielen in der ersten Halbzeit eigentlich gut, aber wir scheitern bei zwei Siebenmetern und allein sechsmal freistehend an „Katze“ im HCE-Tor. Er war der beste Mann in der Halle. Wir haben nicht besonders gut gespielt und uns über unsere Fehler geärgert.

Adalsteinn Eyolfsson, HCE-Trainer, in den KN: Mit unserer Performance bin ich sehr zufrieden. Meine Spieler haben fast das Maximum herausgeholt. Vier Minuten vor dem Ende steht es 23:20, und dann geht leider eine Rakete der Kieler in die lange Ecke. Am Ende verlieren wir trotz der vielen Verletzten nur mit sechs Toren Unterschied – ich muss meiner Mannschaft ein Kompliment machen.

Nikolas Katsigiannis, HCE-Torwart, in den KN: Es hat vielleicht perfekt ausgesehen, aber wir haben trotzdem Fehler gemacht. Aber dann war Niklas (Torhüter Landin, d. Red. ) da. Er war überragend. Als es dann 7:1 stand, hatten wir schon ein gutes Gefühl. In der Kabine haben wir uns vorgenommen, mal richtig durchzuziehen und sind in die zweite Halbzeit genau wie in die erste reingegangen.

Niclas Ekberg, THW-Rechtsaußen, in den KN: Ein typisches Spiel, wo einer alles zu gewinnen und einer alles zu verlieren hat. Erlangen hat das Tempo verschleppt, wir haben "Katze" warmgeworfen. Aber: Wir sind gut drauf und gewinnen ja trotzdem mit sechs Toren.