KN: THW feiert Abwehr-Sieg der Extraklasse

Bundesliga
Montag, 15.10.2018 // 10:24 Uhr

Mannheim. Die Uhr in der SAP Arena zeigte noch 15 Sekunden und den Stand von 27:24 (11:12, siehe THW-Spielbericht) für den THW Kiel. "Oh wie ist das schön", sangen die rund 400 THW-Fans. Da ließ Löwe Steffen Fäth den Ball einfach fallen. Zum ersten Mal in dieser Spielzeit der Handball-Bundesliga waren die Mannheimer geschlagen. THW-Trainer Alfred Gislason eilte zu seinen Spielern. "Jawoll!", brach es aus dem Isländer heraus, bevor er jeden einzelnen herzte.

27:24-Sieg bei den RN Löwen ein Signal

Szenen eines Sieges, mit dem der THW Kiel in beeindruckender Manier den Abstand auf die Tabellenspitze verringerte und ein Signal an die Liga schickte: Seht her, wir können jeden schlagen. Auch auswärts. Dabei hatte sich eine der Kieler Stärken, die Möglichkeit, zwischen zwei starken Abwehrsystemen wechseln zu können, kurz vor dem Spiel zerschlagen. Der Ausfall von Steffen Weinhold (Zerrung) bedeutete das Aus für die 3:2:1-Deckung, in der der Halbrechte auf seiner Position derzeit unersetzlich ist.

Doch das spielte keine Rolle am Sonnabend, an dem zwei Kieler in den Mittelpunkt rückten, mit denen nicht jeder gerechnet hatte. Miha Zarabec, der schon gegen Wetzlar das Spiel geordnet hatte, führte von Anfang an Regie. Mit viel Ruhe und Übersicht - und flinken Nadelstichen in den richtigen Momenten. Und Harald Reinkind, durch die Ausfälle von Weinhold und Marko Vujin (urologischer Eingriff) einziger Rückraum-Linkshänder, schien beflügelt von der Chance, in seiner ehemaligen Heim-Arena zu gewinnen.

Der Löwen-Rückraum hingegen stolperte schon zu Spielbeginn. Kapitän Andy Schmid und Steffen Fäth scheiterten an Niklas Landin, während Zarabec und Reinkind vorlegten - 2:0 für den THW (3.). Doch auch Löwen-Keeper Andreas Palicka fand schnell in die Partie, kaufte Niclas Ekberg einen Wurf ab. Als Patrick Wiencek für zwei Minuten vom Feld musste, nutzte Jannik Kohlbacher die Überzahl zum 2:2-Ausgleich für die Löwen (10.).

Schon da war klar, was das Spiel entscheiden würde: die bessere Abwehrreihe. Doch die waren sich zunächst ebenbürtig – und zwar auf Weltklasse-Niveau. Bei den Löwen feierte Ilija Abutovic im Innenblock neben Jesper Nielsen sein Comeback nach einem Muskelfaserriss. Der THW hatte seine 6:0-Formation auf die wendigen Löwen-Rückraumspieler ausgerichtet, achtete penibel darauf, sich nicht im Eins-gegen-Eins überrumpeln zu lassen.

So konnte sich keine der Mannschaften bis zur Pause mit mehr als einem Tor absetzen. Der THW legte vor, die Löwen glichen aus und griffen beim 11:11 (29.) tief in die Trickkiste: Kempa-Anspiel von Patrick Groetzki auf Gudjon Valur Sigurdsson, zwei erfolglose Angriffe des THW, dann nutzte Schmid mit noch drei Sekunden auf der Uhr einen seiner unnachahmlichen Schlagwürfe zur 12:11-Halbzeitführung.

Eigentlich ein Ausrufezeichen, dessen Wirkung aber schnell verpuffte. Nach der Pause leisteten sich die Löwen einen fünfminütigen Aussetzer. In dieser Zeit drehten Reinkind mit seinem fünften Treffer, Zarabec, Duvnjak und Pekeler die Vorzeichen um. 16:12 (35.), die höchste Führung in der umkämpften Partie. Die Löwen reagierten, stellten Nielsen an die Spitze einer 5+1-Abwehr und kamen durch ihre besten Schützen Schmid und Kohlbacher (beide 6 Tore) wieder heran.

Beim 20:21 (46.) hätte die Partie wieder kippen können. Doch die Gastgeber wackelten. Sigurdsson und Schmid warfen Siebenmeter über das Tor, Zarabec konnte durch die RN-Abwehr tanzen, Mads Mensah Larsen und Steffen Fäth fehlte im linken Rückraum die Durchschlagskraft. Der THW durfte auch noch auf das Glück des Tüchtigen zählen: Zwei Minuten vor Schluss drohte bei zwei Toren Vorsprung Zeitspiel. Abgefälscht vom Löwen-Block trudelte der Wurf von Nikola Bilyk zum 27:24-Sieg ins Tor - die Entscheidung. "Das waren zwei richtig wichtige Punkte", jubelte Niklas Landin, der im zweiten Durchgang auch das Torhüter-Duell gegen Palicka gewann. "Miha (Zarabec, d.Red .) hat das Spiel überragend geleitet."

(Von Merle Schaack, aus den Kieler Nachrichten vom 15.10.2018, Foto: AS Sportfoto / Soerli Binder)

Stimmen zum Spiel in den Kieler Nachrichten

Alfred Gislason, THW-Trainer, in den KN: Wir sind sehr zufrieden, das waren zwei wichtige Punkte, die wir verdient gewonnen haben. Wichtig war, dass wir sehr konzentriert geblieben sind, auch wenn wir schwierige Phasen hatten. Auch die starke Abwehr war entscheidend. Pekeler und Wiencek waren überragend im Innenblock, und Reinkind hat ein Riesenspiel gemacht.

Löwen-Trainer Nikolaj Jacobsen in den KN: Kiel war heute immer einen kleinen Schritt vor uns, auch wenn wir mit einem Tor Vorsprung in die Pause gegangen sind. Gefühlt waren wir nicht 100-prozentig im Spiel. Verloren haben wir wegen der ersten fünf Minuten in der zweiten Halbzeit. Trotzdem waren wir wieder dran. Dann entscheiden Kleinigkeiten wie Bilyks Glücks-Tor.

THW-Toptorschütze Harald Reinkind in den KN: Ich war schon ein bisschen extra motiviert in meiner alten Heim-Arena. Es war etwas Besonderes, gegen ehemalige Teamkollegen und Freunde auf der anderen Seite zu spielen. Natürlich kannte ich die Löwen-Abwehr ganz gut. Entscheidend waren heute unsere Abwehr und Niklas Landin, der stark gehalten hat.

Löwen-Rechtsaußen Patrick Groetzki in den KN: Nach Minuspunkten sind wir zwar noch vor Kiel, aber das ist gerade auch das einzig Positive. Wir hatten Probleme gegen Pekeler und Wiencek, und die Kieler haben sich einfacher zu guten Chancen gespielt. Zum ersten Mal seit Jahren waren sie spielerisch wieder besser als wir. Diese Erkenntnis tut weh.

THW-Kapitän Domagoj Duvnjak in den KN: Keine Ahnung, was heute entscheidend war - wir haben einfach ein richtig gutes Spiel gemacht. Es war völlig offen, aber wir sind besser in die zweite Halbzeit gestartet. Miha Zarabec war überragend, unser Motor im Spiel. Er hat alles richtig gemacht. Das war der sechste Sieg in Folge für uns, richtige Big Points.