THW mit Drama-Sieg in Leipzig

Bundesliga
Sonntag, 07.10.2018 // 16:01 Uhr

Das war ein dramatisches Happy-end für den THW Kiel: Zehn Minuten lang mussten die Zebras beim Auswärtsspiel beim SC DHfK Leipzig zittern, ehe Kapitäns Domagoj Duvnjak die Kieler und ihren lautstarken Anhang jubeln ließ. Der Nachmittag in der Arena Leipzig hätte für den THW Kiel allerdings wesentlich nervenschonender verlaufen können, denn zwölf Minuten vor dem Ende hatte die Schwarz-Weißen noch mit fünf Toren in Führung gelegen. Doch die kampfstarken Gastgeber kamen noch zum Ausgleich, ehe Duvnjak drei Sekunden vor dem Ende das erlösende Siegtor zum wichtigen 25:24 (15:12)-Erfolg gelang - ehe er in einer Jubeltraube aus feiernden Zebras verschwand. Bester Torschütze war indes einmal mehr Rechtsaußen Niclas Ekberg, der 9/3 Tore erzielte.

Traumstart in der Messestadt

Kiels Trainer Alfred Gislason schickte Niklas Landin, Magnus Landin, Nikola Bilyk, Domagoj Duvnjak, Hendrik Pekeler, Steffen Weinhold und Niclas Ekberg als Startformation gegen Leipzig aufs Feld, und diese sieben gingen von Beginn an konzentriert zu Werke. So war es dann auch der Kieler Duvnjak, der in der zweiten Minute das ersten Tor der Partie erzielte, ein paar Augenblicke später traf Leipzigs Franz Semper dann zwar zum Ausgleich, doch ließen sich die Zebras davon nicht beeindrucken und zogen bis zur zehnten Minute vor allem dank drei Toren von Niclas Ekberg auf 5:1 aus Kieler Sicht davon.

Drei-Tore-Pausenführung

Nikola Bilyk erzielte sechs Treffer für den THW Kiel

Leipzig hatte bis dahin nur wenig Zug zum Tor, so dass Niclas Pieczkowksi in der elften Minute erst als zweiter Leipziger Niklas Landin im Kieler Tor zum 2:5 bezwingen konnte. In der 15. Minute ließ der frisch eingewechselte Lukas Nilsson dann auch das Leipziger Publikum anerkennend mit der Zunge schnalzen, als er seinen Teamkollegen Nikola Bilyk am Kreis mit einem Zuckerpass hinter dem Rücken bediente, der sich mit dem Treffer zum 6:2 aus Kieler Sicht bedankte. In dieser Phase des Spiels standen die Kieler erneut mit doppelter Überzahl auf dem Platz und zogen bis zur 20. Minute auf 10:6 davon, ließen sich danach jedoch zwischenzeitlich nach Toren von Semper und Gebala beinahe wieder von Leipzig einfangen - der Ausgleich gelang den Sachsen jedoch nicht. Nach dem 9:10-Anschluss folgten ein Semper-Lattenschuss beim Siebenmeter und THW-Treffer von Steffen Weinhold und Magnus Landin: Zwei Minuten vor dem Halbzeitpfiff führte der THW wieder mit drei Toren und behielt den Abstand zur Pause dank des Gegenstoßtreffers von Niclas Ekberg, seinem siebten Torerfolg im siebten Versuch, zum 15:12 bei.

Sechs Tore vorn

Die Leipziger ließen sich nicht abschütteln

Die zweite Halbzeit begannen die Zebras in Unterzahl, da Hendrik Pekeler nach einer Zwei-Minuten-Strafe kurz vor dem Pausenpfiff noch von der Kieler Bank aus zuschauen musste. Den ersten Treffer der zweiten Hälfte erzielte der Leipziger Schlussmann Milos Putera, der in der 31. Minute zum 13:15 ins leere Kieler Tor traf. Doch danach verschaffte sich Andreas Wolff im Kasten der Kieler gehörigen Respekt von den Leipzigern, nachdem er erst einen Wurf von Pieczkowksi parierte und direkt anschließend auch den Nachwurf vom ehemaligen Kieler Raul Santos entschärfte. Soweit lief alles nach Plan für die Zebras. Der kurz zuvor eingewechselte Harald Reinkind holte einen Strafwurf heraus, den Niclas Ekberg in der 34. Minute sicher verwandelte, und warf den Ball kurze Zeit später selbst zum 18:14 aus Kieler Sicht in die Maschen. Leipzigs Trainer André Haber sah sich daraufhin bereits in der 35. Spielminute dazu gezwungen, eine Auszeit zu nehmen, die jedoch nicht fruchtete – nur zwei Minuten später führten die Kieler mit sechs Toren und schienen einen klaren Start-Ziel-Sieg einzufahren.

Achterbahnfahrt

Wenige Augenblicke später erwachte aber der Leipziger Mut: Die Grün-Weißen legten im Angriff eine Schippe drauf und machten den Zebras auch in der nun wesentlich aggressiveren Abwehr das Leben schwer, sodass die komfortable Kieler Führung in der 41. Minute auf drei Tore zusammengeschmolzen war. Dank einiger weiterer Wolff-Paraden setzte sich die Achterbahnfahrt aber fort, und die Zebras schraubten die Führung in der 48. Spielminute beim Treffer zum 24:19 wieder auf fünf Tore. Das sollte jedoch noch lange nicht die Entscheidung bringen, denn zehn Minuten vor dem Schlusspfiff wurde es auf dem Spielfeld zusehends hektischer: Die Anspannung beider Teams war bis unter das Hallendach greifbar. Nach dem fünften Treffer vom Leipziger Philipp Weber zum 22:24 gab es im Kieler Tor einen erneuten Tausch und Niklas Landin konnte sich gleich mit einer Parade gegen Weber profilieren. 

Duvnjak lässt Kiel jubeln

Riesen-Jubel: Duvnjak verschwand nach dem entscheidenden Wurf in einer Jubeltraube

Die letzten fünf Minuten der Partie waren dann ein echter Krimi, der niemanden in der Arena auf den Sitzen hielt. Nach einem Doppelpack von Franz Semper stand es fünf Minuten vor dem Ende 24:24 - und Leipzig glaubte an sich und das Wunder. Allerdings: Beide Mannschaften hatten fortan Probleme, das Tor zu treffen, zwangen sich mit leidenschaftlicher Abwehrarbeit um jeden Zentimeter Hallenboden zu unvorbereiteten Würfen. Die Leipziger waren aber am Drücker, spielten ihren letzten Angriff lange aus. Die Kieler Abwehr verteidigte klug und zwang Weber 45 Sekunden vor dem Ende zum Wurf über das Tor. Der Rest war schwarz-weißer Jubel: Denn Domagoj Duvnjak, der die Partie mit seinem Treffer zum 1:0 für den THW eröffnete, übernahm drei Sekunden vor dem Ende die Verantwortung und beförderte mit einem Hüft-Hammer den letzten Wurf der Partie zum 25:24-Siegtreffer ins Leipziger Tor - gefeiert von seinen Mannschaftskameraden und den lautstarken Kieler Fans in der Arena, die zwischenzeitlich - mit 60-köpfiger Unterstützung der Belegschaft des THW-Partners Bauerfeind aus Zeulenroda -  eine echte Heimspiel-Atmosphäre kreiert hatten.

Donnerstag gegen Wetzlar

Drei Spiele in sechs Tagen: Die Zebras haben in dieser Woche ein Hammer-Programm

Nach der Auswärtspartie in Leipzig ging es für die Schwarz-Weißen direkt zurück nach Kiel, denn diese Oktober-Woche hat es in sich: Bevor am Sonnabend das Top-Spiel bei den Rhein-Neckar Löwen auf dem Tourenplan der Kieler steht, kommt am Donnerstag mit der HSG Wetzlar ein Team in die Sparkassen-Arena, mit dem der THW Kiel noch jede Menge Rechnungen offen hat. Denn in der vergangenen Saison gewann die Mannschaft von Kai Wandschneider nicht nur vor eigenem Publikum gegen die "Zebras", sondern auch in Kiel: Das 25:26 gegen die Hessen war in der vergangenen Saison eine von drei Kieler Heim-Niederlagen und zugleich der erste HSG-Sieg überhaupt an der Förde. "Wir wollen jedes Heimspiel gewinnen, also müssen wir auch Wetzlar schlagen", freut sich Patrick Wiencek auf die Partie, die um 19 Uhr angepfiffen wird, "mit unseren Fans, der 'weißen Wand' im Rücken wollen wir die zwei Punkte holen." Für dieses Heimspiel gibt es noch Tickets (ab 14,50 Euro) an allen bekannten Vorverkaufsstellen - unter anderem bei CITTI, in den famila-Märkten, bei den Kieler Nachrichten und im Ticketcenter der Sparkassen-Arena-, im Online-Ticketshop des THW Kiel unter www.thw-handball.de/tickets sowie unter der telefonischen Hotline 01806 / 300 234 (gebührenpflichtig: 0,20 Euro/Anruf aus dem dt. Festnetz, max. 0,60 Euro/Anruf aus dem dt. Mobilfunknetz). Weiter geht's, Kiel#

Text: Rika Finck, Fotos: Angela Grewe

Statistik: DKB Handball-Bundesliga, 8. Spieltag, 07.10.18: SC DHfK Leipzig - THW Kiel: 24:25 (12:15)

SC DHfK Leipzig: Putera (1.-49. Minute/7 Paraden/1 Tor), Villadsen (bei einem 7m und ab 49./3) – Semper 8, Wiesmach 1, Jurdzs n.e., Krzikalla n.e., Binder 1, Janke, Pieczkowski 3, Roscheck, Weber 5, Hellmann n.e., Remke, Gebala 1, Milosevic 2, Santos 2/1; Trainer: Haber

THW Kiel: N. Landin (1.-22. und ab 51. Minute/4 Paraden), Wolff (22.-51./5) – Duvnjak 2, Reinkind 2, M. Landin 2, Firnhaber n.e., Kristjánsson, Weinhold 3, Wiencek, Ekberg 9/3, Rahmel n.e., Dahmke n.e., Zarabec, Bilyk 6, Pekeler 1, Nilsson; Trainer: Gislason

Schiedsrichter: Behrens/Fasthoff (Neuss)
Strafminuten: DHfK 10 (Janke, Pieczkowski, Milosevic, Gebala, Roschek) / THW 8 (Pekeler, Weinhold, Reinkind, Zarabec)
Siebenmeter: DHfK 2/1 (Wiesmach an die Latte) / THW 4/3 (M. Landin scheitert an Putera)
Spielfilm: 0:1, 1:5 (10.), 3:7, 6:9 (19.), 9:10 (23.), 10:11, 11:14 (28.), 12:15 – 13:15, 14:20 (37.), 17:21, 19:22 (47.), 20:24 (49.), 24:24 (55.), 24:25
Zuschauer: 5098  (Arena Leipzig).