Kantersieg mit Anlauf: THW schlägt Bietigheim

Bundesliga
Sonntag, 16.09.2018 // 16:48 Uhr

Die Rückkehr in heimische Gefilde verlief für die "Zebras" erfolgreich: Der THW Kiel feierte am Sonntagnachmittag einen nie gefährdeten 34:20 (13:10)-Kantersieg gegen die SG BBM Bietigheim. Dabei benötigten die Kieler gegen den diszipliniert spielenden Aufsteiger 30 Minuten Anlauf, um am Ende deutlich zu gewinnen. Beste Torschützen auf Kieler Seite waren Nikola Bilyk mit zehn Treffern und Ole Rahmel (9). Riesenjubel in der ausverkauften Sparkassen-Arena gab es nicht nur bei den vielen Toren im zweiten Durchgang: In der 54. Minute feierte der 19-jährige Isländer Gisli Thorgeir Kristjansson, mit einer schweren Schulterverletzung an die Förde gekommen, sein Bundesliga-Debüt, holte einen Siebenmeter heraus und traf zum 33:19-Zwischenstand.

Gäste diszipliniert

Treffsicher: Ole Rahmel erzielten neun Tore

THW-Trainer Alfred Gislason musste gegen den Aufsteiger auf die erkrankten Christian Dissinger und Marko Vujin verzichten: Der serbische Rückraumspieler verpasste nach 340 Einsätzen in Folge für die "Zebras" sein erstes Spiel überhaupt im THW-Trikot. Da zudem einige weitere Spieler grippegeschwächt waren, rotierte Gislason viel und ließ zudem mit Tempo spielen. Das wollte die SG BBM Bietigheim aber unbedingt verhindern - und so zeigte gleich der erste Angriff der Baden-Württemberger, was sie sich vorgenommen hatten. Mehr als 1:40 Minute waren gespielt, bis der THW Kiel zum ersten Mal an den Ball kam. Dann ging es fix: Bilyk sorgte für das 1:0. Doch die Gäste ließen sich davon nicht beirren, spielten in der Offensive weiter lange Angriffe und stellten die Kieler Abwehr damit vor eine Geduldsprobe. Bis zur siebten Minute blieb die SG BBM dran, dann traf Patrick Wiencek aus der Drehung, klaute Rahmel den Ball und versenkte den Konter zum 5:3, ehe Magnus Landin einen seiner insgesamt vier Siebenmeter sicher verwandelte: 6:3 stand es nach zehn Minuten. Doch richtig abschütteln konnten die Schwarz-Weißen ihren Gegner nicht: Der traf ebenso sicher vom Siebenmeterstrich und hatte in Domenico Ebner einen Schlussmann dabei, der den Kieler Schützen den einen oder anderen Ball abkaufte.

Drei-Tore-Führung zur Pause

Nach einer Viertelstunde waren die Bietigheimer beim 6:7 wieder dran - doch die Kieler wurden dadurch nicht hektisch. Sie konnten sich auf das Duo Rahmel/Bilyk und Andreas Wolff zwischen den Pfosten verlassen: Rahmel traf nach Wolff-Parade vom eigenen Kreis ins aufgrund einer Unterzahl verwaiste SG BBM-tor, kurz darauf legte der Rechtsaußen im Gegenstoß nach: 10:7. Doch es blieb zäh - auch wenn die "Zebras" den Abstand durch Bilyk und Magnus Landin auf vier Tore anwachsen ließen. Nach Jonas Links 10:13 verpuffte der letzte Kieler Angriff vor dem Seitenwechsel.

Vorentscheidung in elf Minuten

Sechsfacher Torschütze: Magnus Landin

Die ersten Minuten nach dem Wiederanpfiff glichen der ersten Halbzeit: Der THW legte vor, die Gäste zogen konzentriert nach - durch Schäfer sogar einmal nach Schneller Mitte zum 12:15. Gislason beorderte seine Defensive daraufhin in die 3-2-1-Variante: Stresstest für die junge Gäste-Mannschaft. Die Umstellung zeigte sofort Wirkung: Landin traf zum 16:12, dann klaute sich der junge Linksaußen in der Abwehr den Ball und bediente Rahmel zum 17:12. Ein Pass ins Aus durch die SG BBM ließ Landin zum 18:12 durchstarten - jetzt lief die Tempo- und Angriffsmaschinerie beim THW Kiel auf Hochtouren. Als Gäste-Coach Ralf Bader in der 41. Minute bereits seine zweite Auszeit nahm, war durch die schnellen Kieler Abwehrhände und einem Bilyk-Dreierpack inklusive fantastischem Wackler und wuchtigem Gegenstoß beim Stand von 23:14 bereits eine Vorentscheidung gefallen. Diese manifestierte sich, als Bietigheims bester Torschütze Schäfer den Kieler Torhüter bei einem Siebenmeter im Gesicht traf und dafür die Rote Karte erhielt (42.).  

Kristjanssons gelungenes Debüt

Letzte Instruktionen vor dem Debüt: Gisli Kristjansson

Auch die zeitweise aufkommende Konfusion wegen Wechselfehlern auf beiden Seiten und einer doppelten Kieler Unterzahl konnte den Lauf der "Zebras" nicht mehr stoppen: Weinhold traf zur ersten Zehn-Tore-Führung, Wiencek und Zarabec hielten den Vorsprung konstant. Nach Landins Siebenmeter, Pekelers Steal mit anschließendem Rahmel-Gegenstoß wuchs das Torekonto auf 29:17 an. Nach 53:13 Minuten dann feierte Gisli Kristjansson sein umjubeltes Bundesliga-Debüt, holte 30 Sekunden später den Siebenmeter zum 30:19 heraus, umd dann nach 57:09 Minuten auch sein erstes Tor in der DKB Handball-Bundesliga zu erzielen: Die Kieler Fans feierten eine starke Leistung ihrer Mannschaft, der Nikola Bilyk mit seinem zehnten Treffer zum 34:20-Endstand die Krone aufsetzte. 

Kurze Verschnaufpause für die Zebras

Patrick Wiencek war dreimal wuchtig erfolgreich

Nach dem Sieg gegen die Baden-Württemberger und zuletzt vier Spielen in zwölf Tagen können die Kieler Handballer kurz durschnaufen: Weiter geht es mit dem Heimspiel-Doppelpack gegen die MT Melsungen (Donnerstag, 27.9., 19 Uhr, Tickets) und den HC Erlangen (Sonntag, 30.9., 16 Uhr, Tickets). Für beide Begegnungen gibt es noch Sitz- und Stehplätze an allen bekannten Vorverkaufsstellen - unter anderem bei CITTI, in den famila-Märkten, bei den Kieler Nachrichten und im Ticketcenter der Sparkassen-Arena-, im Online-Ticketshop des THW Kiel unter www.thw-handball.de/tickets sowie unter der telefonischen Hotline 01806 / 300 234 (gebührenpflichtig: 0,20 Euro/Anruf aus dem dt. Festnetz, max. 0,60 Euro/Anruf aus dem dt. Mobilfunknetz).Weiter geht's, Kiel!

Statistik: DKB Handball-Bundesliga, 5. Spieltag, 16.09.18: THW Kiel - SG BBM Bietigheim: 34:20 (13:10)

THW Kiel: N. Landin (2 Siebenmeter, 1/1 Parade), Wolff (1.-60., 13/1 Paraden); Duvnjak, Reinkind, M. Landin (6/4), Firnhaber, Kristjansson (1), Weinhold (2),  Wiencek (3), Ekberg (n.e.), Rahmel (9), Dahmke, Zarabec (1), Bilyk (10), Pekeler (1), Nilsson (1); Trainer: Gislason
SG BBM Bietigheim: Ebner (1.-41., 7 Paraden), Müller (41.-60., 2 Paraden); Haller (2), Vlahovic (1), Rentschler (2), Claus, Schäfer (7/5), Schmidt (1/1), Oehler, Link (1), Asmuth, Döll (2), Schwarz (1), Weber (1), Marcec, Fischer (1); Trainer: Bader

Schiedsrichter: Christoph Immel / Ronald Klein
Zeitstrafen: THW: 3 (Weinhold (43.), 2x Dahmke (44., 46.)) / Bietigheim: 6 (Haller (2.), 2x Link (9., 49.), Rentschler (17.), 2x Oehler (47., 54.))
Rote Karte: Schäfer (Bietigheim, grobes Foulspiel (42.))
Siebenmeter: THW: 4/4 / Bietigheim: 8/6 (Landin hält Schäfer (42.), Wolff hält Schmidt (60.))
Spielfilm: 1:0, 1:1, 3:3 (7.), 6:3 (10.), 7:4 (12.), 7:6 (15.), 8:7, 10:7 (19.), 10:8, 12:8 (27.), 13:9 (29.), 13:10;
14:11, 15:12 (33.), 18:12 (36.), 18:13, 21:13 (39.), 21:14, 24:14 (42.), 26:26, 27:17 (49.), 29:17 (52.), 30:19, 33:19 (58.), 34:20.   
Zuschauer: 10.285 (ausverkauft) (Sparkassen-Arena, Kiel)

Stimmen zum Spiel:

THW-Trainer Alfred Gislason: In der ersten Halbzeit haben wir in der Abwehr gegen einen Gegner, der mit sehr viel Geduld gespielt hat und immer wieder den Ball bekam, gut gestanden. Wenn man dann aber vorn fünf bis sechs Mal freistehend scheitert, um dann wieder zwei bis drei Minuten in der Abwehr zu stehen, ist das ärgerlich. Aber Kompliment an meine Jungs: Nach der wichtigen Umstellung auf die 3-2-1-Abwehr haben wir sehr gut gespielt. Wir wollten Bietigheim dadurch zu mehr Risiko zwingen - das lief ganz gut. Ich bin zufrieden.

Bietigheims Trainer Ralf Bader: Der Sieg war auch in der Höhe verdient. Wir hatten uns heute Zwischenziele gesetzt. Eines davon war, im Angriff lange den Ball zu halten und auf unsere Chance zu warten. Das hat in der ersten Halbzeit und kurz nach dem Wechsel vernünftig funktioniert - leider aber in den letzten 15 Minuten nicht, als wir gegen die 3-2-1-Deckung zu viele Bälle verloren haben. Das wird hier bestraft.

Viktor Szilagyi, Sportlicher Leiter THW Kiel: Kompliment an unsere Mannschaft, die heute gut durchgezogen hat. Kompliment aber auch an Bietigheim für die erste Halbzeit, in der sie uns das Leben schwer gemacht haben. Die 3-2-1-Abwehr hat uns mit den Ballgewinnen sehr geholfen, dadurch konnten wir Gegenstöße laufen und den Vorsprung ausbauen. Es ist ein tolles Ergebnis, die Pause jetzt wird uns gut tun. Fünf bis sechs Spieler sind angeschlagen, die Grippe grassiert. Jetzt können sich die Jungs auskurieren, und dann wird sich auf Melsungen konzentriert.