KN: Beim Favoriten knirscht es nur neben der Platte

Bundesliga
Mittwoch, 12.09.2018 // 15:11 Uhr

Magdeburg. Vier Spiele, vier Siege, Tabellenplatz zwei. Beim SC Magdeburg, dem nächsten Auswärts-Gegner des THW Kiel in der Handball-Bundesliga (Donnerstag, 19 Uhr, siehe THW-Vorbericht), könnte es sportlich nicht besser laufen. Doch neben dem Feld knirscht es in der Börde-Stadt. Rechtsaußen Robert Weber gab bekannt, dass er den Verein nach zehn Jahren am Saisonende verlassen wird. Einer seiner Gründe: fehlende Wertschätzung. Gegen den THW, dessen letzter Sieg in Magdeburg zwei Jahre her ist, wollen trotzdem alle zusammenhalten.

THW-Gegner Magdeburg noch ohne Niederlage

Torhüter Jannick Green ist mit 49 Paraden aus drei Spielen derzeit bester Keeper der Liga, die Torschützen-Liste führt Linksaußen Matthias Musche mit 36 Treffern an - die wichtigen Bausteine des SC Magdeburg für seinen erfolgreichen Tempo-Handball funktionieren in dieser Spielzeit von Beginn an und kosteten bereits die MT Melsungen, den SC DHfK Leipzig, die HSG Wetzlar und den Bergischen HC beide Punkte. Siege, die alle Experten bestätigen, die Magdeburg vor Saisonbeginn neben den Rhein-Neckar Löwen, Flensburg und dem THW als Geheimfavorit ausgemacht hatten.

"Dass wir so gut reinkommen, habe ich nicht erwartet. Das wäre vermessen gewesen", sagt SCM-Trainer Bennet Wiegert. Der 36-Jährige sieht den THW trotz der Niederlage in Flensburg weiterhin als Top-Anwärter auf die Meisterschaft. "Die Qualität der Mannschaft und der Hunger nach der letzten Saison, die ja nicht so erfolgreich war - das ist eine gefährliche Mischung." Wiegert befürchtet eine Trotzreaktion der Zebras. "Mir wäre es lieber gewesen, wenn sie in Flensburg gewonnen hätten." Zumal beim SCM, dessen Kader der Vorsaison weitestgehend zusammen blieb, Fragezeichen hinter den Einsätzen der angeschlagenen Rückraumspieler Michael Damgaard, Christian O'Sullivan und Marko Bezjak stehen.

Die Favoritenrolle will Wiegert dem THW trotzdem nicht zuschieben. "Wir spielen zu Hause, das ist ein Vorteil, den wir nicht abstreiten", sagt er. Die Getec Arena ist bekannt für hitzige Stimmung und leidenschaftliche Fans. Zwei Tage vor dem Spiel gegen Kiel war sie ausverkauft. "Wir wollen dem THW Leidenschaft, Herz und Kampf entgegensetzen - und eine Symbiose aus Fans und Mannschaft", so Wiegert.

Die Stimmung beim SCM sieht Wiegert auch nach der hohe Wellen schlagenden Nachricht vom Weber-Abgang nicht gefährdet. Der dienstälteste Spieler, zweifelsohne Identifikationsfigur, aber mit seinen 32 Lenzen auch nicht mehr der Jüngste, sucht sich frustriert einen neuen Klub zur nächsten Saison. Der Österreicher, der als erster Magdeburger Liga-Torschützenkönig wurde, mit dem SCM 2016 den DHB-Pokal gewann und Rekordtorschütze des Vereins ist, sagt: "Mein Traum war es, in Magdeburg meine Karriere zu beenden." Doch statt der erhofften Vertragsverlängerung über mehrere Jahre bot der SCM ihm nur einen Ein-Jahres-Vertrag an - nach Aussage Webers mit "ordentlich" Gehaltseinbußen. "Es ging mir nicht um das Geld. Aber daran habe ich gemerkt, dass der Verein nicht zu 100 Prozent hinter mir steht", so Weber geknickt. "Nach zehn Jahren und all dem, was ich für den Verein geleistet habe, hätte ich mir mehr Loyalität gewünscht."

"Ich sehe das Thema nicht so emotional", sagt SCM-Trainer Wiegert, der seit 2009 gemeinsam mit Weber für die Magdeburger auf Torejagd ging. "Die Planungen für die Mannschaft sind andere. Und mehr Wertschätzung als über zehn Jahre hinweg 95 Prozent der Spielanteile zu bekommen, kann es für einen Spieler eigentlich nicht geben."

Mannschaftsintern spielt die von den Fans diskutierte Personalie laut Nationalspieler Matthias Musche keine Rolle. "Wir verlieren jedes Jahr Leute und wissen, dass das dazu gehört." Für die Begegnung mit dem THW sieht er sein Team gut gerüstet. "Seit 2011 geht die Kurve des SCM peu à peu nach oben", sagt der 26-Jährige, der seinen Vertrag beim Vorjahresvierten der Liga unlängst bis Sommer 2024 verlängerte. "Das macht mich glücklich und stimmt mich optimistisch. Wir wollen jedes Spiel gewinnen."

Auch Weber will den Zwist auf dem Feld vergessen. "Wenn ich spiele, gebe ich mein Bestes - bis zum Schluss." Sein Traum ist es, sich mit einem Titel von den Fans zu verabschieden. "Und wir haben in dieser Saison die Qualität, in allen Wettbewerben weit zu kommen."

(Von Merle Schaack, aus den Kieler Nachrichten vom 12.09.2018, Foto: Archiv/ Sascha Klahn)