THW kassiert unglückliche Niederlage im Derby

Bundesliga
Samstag, 08.09.2018 // 19:22 Uhr

Der THW Kiel hat im dritten Saisonspiel seine erste Niederlage einstecken müssen: Im 98. Landes-Derby unterlagen die Zebras am Samstagabend bei der SG Flensburg-Handewitt unglücklich mit 25:26 (13:15). Vor 6300 Zuschauern in der ausverkauften Flensburger Arena waren Hendrik Pekeler (6) und Niclas Ekberg (6/3) die besten Kieler Torschützen. Nach einer 11:8-Führung (18.) leisteten sich die Kieler zu viele Fehler und hatten mit zahlreichen Innenpfosten-Treffern auch Pech. So gerieten sie bis zur Pause ins Hintertreffen und liefen auch im zweiten Durchgang meist einem Rückstand hinterher. Letztlich entschied der fünffache Torschütze Holger Glandorf mit seinem Tor zum 26:23 (57.) die Partie für den Titelverteidiger, der damit auch im vierten Spiel ungeschlagen blieb.

Nervöser Beginn

Ein intensives Derby - über 60 Minuten.

Die Stimmung vor dem 98. Derby: Aufgeheizt wie immer. Mit einem gellenden Pfeifkonzert wurden die "Zebras" in der Flensburger Arena empfangen. Die hatten von Beginn an auch mit Pech zu kämpfen: Steffen Weinhold tankte sich durch, überwand Buric, aber scheiterte am Innenpfosten. Eine Szene, die sich im weiteren Spielverlauf häufig wiederholen sollte. Es schien, als ob die SG einen Pakt mit ihren Torpfosten gegen den THW geschmiedet hatte. Insgesamt gab es für die Fans beider Mannschaften in der von Fehlern geprägten Anfangsphase nicht viel zu jubeln: Beim Titelverteidiger tankte sich Lauge gleich dreimal in Folge durch und war damit maßgeblich für die knappe Führung, die die Gastgeber aber in der elften Minute einbüßen: Patrick Wiencek hatte mit einem unglaublichen Tipp-out Hendrik Pekeler zum 5:4 auf die Reise geschickt - die Kieler Führung in Unterzahl. Jetzt entwickelte sich ein offener Schlagabtausch, in dem der THW Kiel durch Duvnjak und Pekeler meist vorlegte, die SG aber postwendend zum Ausgleich kam. Nach dem 8:8 durch einen Siebenmeter von Jöndahl drehte sich das Blatt aber zunächst in Richtung der Zebras. 

THW geht in Führung

Duvnjak hatte in Unterzahl einen Strafwurf herausgeholt, den Niclas Ekberg verwandelte. Dann schnappte der immer besser in die Partie kommende Niklas Landin zu, parierte gegen Jeppsson und Gottfridsson und fing aufmerksam einen Pass ab. Vorne bediente Lukas Nilsson Hendrik Pekeler zum 10:8, um es danach selbst krachen zu lassen: Mit 11:8 führten die "Zebras" nach 18 Minuten - und hatten die Arena zum ersten Mal ruhig gespielt. SG-Trainer Maik Machulla reagierte und brachte den jungen Johannes Golla für das Abwehrzentrum neben Tobias Karlsson - und die Gastgeber schöpften neuen Mut. Auch, weil der THW Fehler machte, überhastet den Abschluss suchte, Pässe an den Kreis keinen Abnehmer fanden oder Torwürfe, wie der Heber von Pekeler an die Latte, nicht konsequent zum Erfolg geführt wurden.

Knappe Halbzeitführung für die Gastgeber

Holger Glandorf traf fünf Mal gegen den THW

Die Folge: Mit einem 4:0-Lauf ging die SG in Führung und legte weiter nach: Unter Druck leistete sich der THW einen Ballverlust, Golla traf zum 13:11. Satte acht Minuten hatten die Kieler zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr getroffen. Den Bann durchbrach Wiencek mit der Schnellen Mitte, doch die Gastgeber blieben am Drücker. Duvnjak verfehlte in Unterzahl knapp den Pass auf Glandorf, der zum 14:12 traf. Und die Zeitstrafe für Pekeler tat gleich noch einmal weh: Vorn wurde der Ball verloren, und Svan traf ins leere Kieler Tor zum 15:12. Gut, dass Ekberg nach einem geblockten Wurf des weiterhin unglücklich agierenden Weinhold sich einen Steal holte: Statt einer Vier-Tore-Führung für Flensburg hinterherlaufen zu müssen, schaffte es Ekberg per Siebenmeter, noch auf 13:15 zu verkürzen.

Kiel gleicht aus und verliert Niklas Landin

Niklas Landin schied nach 40 Minuten verletzt aus

Nach dem Wechsel begann der THW mit Harald Reinkind im rechten Rückraum. Und der Kieler Derby-Novize führte sich hervorragend ein, traf krachend zum 14:15 und kurz darauf von Halblinks zum 15:16. Als Pekeler dann Lauge den Ball grandios aus der Hand spitzelte und zum 16:16 einnetzte, war das Derby urplötzlich wieder spannend. Auch, weil Nilsson in Unterzahl - insgesamt kassierten die Kieler sieben, die Flensburger drei Zeitstrafen - zum 17:17 traf, was Glandorf aber postwendend konterte. Es folgten die großen Minuten der Torhüter: Buric hielt gegen die frei vor ihm auftauchenden Reinkind und Pekeler, Niklas Landin hielt gegen Lauge, Gottfridsson, Glandorf, ehe ihn Svan zum 19:17 (39.) bezwingen konnte. Dem erneuten Kieler Anschluss stellte sich bei Reinkinds Wurf einmal mehr der Pfosten in den Weg, und zu allem Unglück kollidierte Niklas Landin beim Ballholen mit einer Werbebande. Für den in dieser Phase überragenden Kieler Torhüter ging es nicht weiter: Mit dem Verdacht auf Bänderzerrung machte Landin Platz für Andreas Wolff.

14 torlose THW-Minuten

Und es ging ärgerlich weiter: Ekbergs Wurf sprang vom Innenpfosten zurück ins Feld, kurz darauf vernaschte Golla Wiencek, der auch noch eine Zeitstrafe für den Abwehrversuch erhielt. Auf der Gegenseite wurde Ekberg gefoult, trotzdem erhielten die Gastgeber den Ball. Und nach Duvnjaks fantastischem No-Look-Pass scheiterte Neuzugang Magnus Landin freistehend vor Buric. Auf der anderen Seite gewann Wolff das Siebenmeter-Duell mit Jöndahl und schnappte sich kurz darauf einen freien Wurf von Svan. Allerdings: Wieder gab es ein Missverständnis im Kieler Angriff, und Svan netzte einen Einwurf ins verwaiste Kieler Tor ein: Beim 21:17 schien eine Vorentscheidung gefallen, obwohl noch zwölf Minuten zu spielen waren. Denn mittlerweile hatte sich die torlose THW-Zeit auf satte 14 Minuten gesteigert, ehe Ekberg per Siebenmeter endlich wieder ein Kieler Treffer gelang. Weil Wolff gegen Gottfridsson Sieger blieb und Nilsson aus dem Stand den Ball ins Tor hämmerte, durften die Kieler aber wieder hoffen,

Kleinigkeiten fehlten

Doch um den sprichwörtlichen Bock umzustoßen, fehlte an diesem Derby-Tag immer eine Kleinigkeit: Ekberg scheiterte auf dem Weg zum 20:21 an Buric, auf der Gegenseite machte es Gottfridsson mit einem Strich besser. Jetzt ging es richtig rund auf dem Parkett - allerdings blieb die SG vorn, hatte zudem das Glück, nach verworfenen Bällen immer wieder in Ballbesitz kommen zu dürfen. Nach Ekbergs 23:25 (57.) ließ sich die THW-Defensive von Glandorf überlaufen, nach Weinholds 24:26 (58.) hatte man die SG fast ins Zeitspiel gezwungen, bis eine Strafe gegen Christian Dissinger den Flensburgern wichtige Zeit verschaffte. Wolff hielt gegen Svan, aber Buric machte es ihm auf der Gegenseite gegen Pekeler nach - als Machulla 30 Sekunden vor Schluss die Auszeit-Karte zog, war das Derby beim 26:24 für Flensburg entschieden. Die verbliebene Zeit reichte nur noch zur Ergebniskosmetik durch Ekberg: Der THW Kiel hatte unglücklich zwei Punkte in Flensburg liegengelassen. Zu lange ärgern dürfen sich die Zebras darüber allerdings nicht: Bereits am Donnerstag wartet mit dem SC Magdeburg die nächste schwere Auswärtshürde auf die Kieler.

Statistik: DKB Handball-Bundesliga, 4. Spieltag, 08.09.18: SG Flensburg-Handewitt - THW Kiel: 26:25 (15:13)

SG Flensburg-Handewitt: Buric (1.-60., 10 Paraden), Bergerud (1 Siebenmeter, keine Parade); Karlsson, Golla (3), Hald, Glandorf (5), Svan (3), Wanne (5/1), Jeppsson (1), Jöndahl (3/3), Steinhauser (n.e.), Zachariassen Gottfridsson (2), Lauge (4), Baijens, Röd; Trainer: Machulla

THW Kiel: N. Landin (1.-40., 11 Paraden), Wolff (41.-60. und 1 Siebenmeter, 5/1 Paraden); Duvnjak (3), Reinkind (2), M. Landin, Weinhold (1), Dissinger, Wiencek (2), Ekberg (6/4), Rahmel (n.e.), Dahmke, Zarabec, Vujin, Bilyk, Pekeler (6), Nilsson (5); Trainer: Gislason

Schiedsrichter: Robert Schulze / Tobias Tönnies

Zeitstrafen: SG: 3 (Lauge (18.), Golla (51.), Karlsson (58.)) / THW: 7 (Weinhold (9.), 2x M. Landin (14., 34.), Pekeler (28.), 2 x Wiencek (42., 46.), Dissinger (59.))
Siebenmeter: SG: 5/4 (Wolff hält Jöndahl (46.)) / THW: 4/4
Spielfilm: 0:1 (2.), 2:1 (6.), 3:2 (7.), 4:3, 4:5 (11.), 6:7, 8:8 (14.), 8:11 (18.), 13:11 (26.), 13:12, 15:12 (29.), 15:13;
15:14, 16:14, 16:16 (33.), 17:17 (34.), 20:17 (42.), 21:17 (48.), 21:19 (50.), 23:21, 24:22 (55.), 25:23 (57.), 26:24 (58.), 26:25 (60.).   
Zuschauer: 6.300 (ausverkauft) (Flens-Arena, Flensburg)

Stimmen zum Spiel:

THW-Trainer Alfred Gislason: Ein Derby wird durch zwei, drei Fehler entschieden. Und diese haben wir heute zuviel gemacht. Bestes Beispiel war die erste Hälfte: Wir führen mit drei Toren, machen vier Fehler, kassieren Gegenstöße und geben Flensburg Selbstvertrauen. Ich ärgere mich auch über die Entscheidungen in den kniffligen Phasen, unsere ausgelassenen Chancen über Außen und vom Kreis. Das alles hat uns die Möglichkeit gekostet, hier einen Punkt mitzunehmen. Beide Torhüter haben heute gut gehalten, leider ist Niklas Landin umgeknickt beim Ballholen und konnte nicht mehr weiter machen.

SG-Trainer Maik Machulla: Wir bekommen in den ersten 15 Minuten keinen Zugriff, mit der Einwechslung von Johannes Golla kam Stabilität rein. Es war Wahnsinn, wie schnell wir uns da zurückkämpfen konnten. Ich bin froh, dass wir jetzt acht Punkte haben. So können wir in Ruhe weiterarbeiten. Wir werden dadurch aber nicht übermütig.

SG-Linkshänder Holger Glandorf: Wir haben heute in der Abwehr zusammen mit Buric sehr gut gespielt und haben die Kieler zu Würfen von genau dort gewzungen, von wo aus sie wir werfen lassen wollten. Insgesamt hatten wir das glücklichere Ende bei uns, aber die zwei Punkte waren das Ziel - und die haben wir geholt.

SG-Torhüter Benjamin Buric: Das war ein richtig gutes Derby. Ein enges Spiel, aber wir haben es gewonnen. Solch eine Atmosphäre wie heute habe ich in Deutschland noch nie erlebt.