KN: Rudi gegen den Rest der Liga

THW Kiel in den Medien
Donnerstag, 25.04.2019 // 16:27 Uhr

Solingen. Ein Nordlicht sorgt im Bergischen Land für Furore. „Rudi! Rudi!“, schallt es durch die Klingenhalle (Solingen) und Unihalle (Wuppertal). Und mittlerweile ist Rudi sogar „Bundes-Rudi“. Die Rede ist von Christopher Rudeck, Torwart beim Bergischen HC. Der Aufsteiger – am Sonntag (13.30 Uhr) Gast beim THW Kiel in der Sparkassen-Arena – rockt die Handball-Bundesliga. Und wie!

Torhüter Christopher Rudeck sorgt beim Aufsteiger Bergischer HC für Furore

Aufsteiger? Wirklich? Wirklich! Der BHC kehrte nach dem Betriebsunfall Abstieg sofort wieder ins Oberhaus zurück und liegt momentan auf einem fulminanten sechsten Tabellenplatz mit 31:23 Punkten. Nur einen Punkt hinter der MT Melsungen (32:22), nur einen Punkt entfernt von Europa, denn weil die Pokalfinalisten THW Kiel und SC Magdeburg ohnehin in den Top Vier vertreten sein werden, wird voraussichtlich auch Platz fünf für die Teilnahme am EHF-Cup berechtigen. BWL-Student (Fern-Uni) Rudeck bremst: „Es macht Spaß, die Stimmung ist super, aber wir denken von Spiel zu Spiel.“ Klar, kennt man ja. Aber ein echt „großes Ding“ sei ihnen da am Osterwochenende doch gelungen mit dem dramatischen 25:24 gegen die MT Melsungen. „Natürlich wollen wir gern da oben bleiben. Aber Ziel war erst einmal ein früher Puffer zu den Abstiegsregionen“, sagt Rudeck.

Puffer. Understatement pur. Die kleinen Löwen der Liga begehren auf gegen das Handball-Establishment der Eliteliga. Sie ärgern die Großen, zwangen die Rhein-Neckar Löwen im Pokal in die Verlängerung (29:32). Sie spielen stabil, bewegen sich sicher in ihrem System aus einer den Gegner nervenden 6:0-Deckung und immensem Tempospiel. „Wir finden immer schnelle Antworten, laufen ohne Rücksicht auf Verluste“, so Rudeck weiter.

Der 24-jährige gebürtige Hamburger, der in Bargteheide aufwuchs, bei der SG Flensburg-Handewitt ausgebildet wurde, A-Jugend-Bundesliga spielte, seinen ersten Profivertrag unterschrieb und 2014 bis 2015 in seinem letzten Jahr im Norden nach Dänemark (Mors-Thy Håndbold) ausgeliehen wurde, hat von hinten die beste Sicht. Der Zwei-Meter-Schlaks genießt das volle Vertrauen von BHC-Trainer Sebastian Hinze. „Ich bin sehr dankbar. So viel Spielzeit ist in meinem für einen Torhüter jungen Alter ein Privileg, dazu das Vertrauen, die stabile Abwehr – das brauche ich.“

Gegen die Zebras wusste Rudeck in den Heimspielen des BHC oft zu glänzen: 15 Paraden im Oktober 2016 (31:25 für den THW), sogar 19 im November 2018 (27:23 für den THW). Momentan ist er mit 230 Paraden (32,67 %) Fünfter im Liga-Ranking hinter Bitter (256), Green (247), Heinevetter (247) und Katsigiannis (236). Die Belohnung: sein erstes Länderspiel im März gegen die Schweiz (27:29). „Eine tolle Auszeichnung“, sagt der U 18- und U 20-Europameister (2012 und 2014) sowie Bronzemedaillengewinner bei der U 19- und U 21-WM (2013 und 2015).

Rudi will mehr davon, sich für Bundestrainer Christian Prokop („Wir haben hinter Wolff und Heinevetter zwei, drei starke Keeper, die ihre Chance bekommen werden“) anbieten. Aber der kluge Schlussmann überdreht nicht, hat im Oktober erst einmal seinen Vertrag beim BHC bis 2021 verlängert. „Ein Wechsel war kein Thema. So oft wie möglich 60 Minuten lang auf dem Feld zu stehen, bringt mir in meiner Entwicklung momentan mehr.“

Ruhig, besonnen argumentiert Rudeck, dem das Meer im Bergischen Land allerdings fehlt. „Ich liege lieber am Meer als am See, auch wenn es hier ansonsten in Köln, Düsseldorf und im Ruhrgebiet viel mehr Möglichkeiten gibt.“ Versteht sich von selbst, dass sich Rudeck und seine Verlobte Nele in Flensburg nach einer Location für die Hochzeit im Sommer 2020 umschauen.

Im Meisterrennen sieht sich der ehemalige Flensburger übrigens als „neutraler Beobachter“. Am letzten Spieltag gastiert die SG Flensburg-Handewitt beim BHC im Düsseldorfer ISS Dome. „Dann bin ich Spieler des BHC und werde die SG bestimmt nicht durchwinken.“ Rudeck lacht: „Wenn wir da und auch in Kiel gewinnen, wäre es in Ordnung, dann sind wir nicht das Zünglein an der Waage.“

(Von Tamo Schwarz, aus den Kieler Nachrichten vom 28.04.2019, Foto: Andreas Fischer)