15 Ekberg-Tore: THW Kiel mit kurzem Anlauf zum Kantersieg

Bundesliga
Donnerstag, 28.03.2019 // 20:52 Uhr

Die Zebras haben in der DKB Handball-Bundesliga einen deutlichen Erfolg gegen die Eulen Ludwigshafen eingefahren: Vor 10.285 Zuschauern in der Sparkassen-Arena gewann der THW Kiel mit 37:21 (18:10) und holte zwei wichtige Punkte. Überragender Akteur war Niclas Ekberg: Der Schwede erzielte satte 15/6 Treffer und stellte damit eine neue persönliche Bestmarke im THW-Trikot auf. Ebenfalls richtig gut aufgelegt war Torhüter Niklas Landin, der am Ende 20 Paraden auf der Habenseite stehen hatte. 

Landin-Wiencek-Ekberg

War on fire: Patrick Wiencek

Die Kieler, die kurzfristig auf Sebastian Firnhaber (Grippe) und Lukas Nilsson (Magen-Darm-Infekt) verzichten mussten, starteten mit ihrem Erfolgstrio der ersten Viertelstunde furios in die Begegnung: Landin hielt, Patrick Wiencek traf. Landin hielt, und Ekberg verwandelte den Gegenstoß. Doch aus dem 2:0 und dem 4:2 konnten die Kieler zunächst kein Kapital schlagen, weil die Eulen nach langen Angriffen doch immer wieder eine Lücke fanden. Und so gelang den Gästen durch Bührer und Dippe nach elf Minuten sogar die 6:5-Führung, die allerdings wiederum nur wenige Sekunden Bestand hatte. Denn immer, wenn der THW Kiel den Ball hatte, drückten die Zebras ordentlich auf die Tempo-Tube. Als Duvnjak nach 15 Minuten und sechs Ekberg- sowie zwei Wiencek-Treffern die Torschützenliste erweiterte, nahm Eulen-Coach Ben Matschke sofort eine Auszeit.

14 Minuten ohne Gegentor

Starker Rückhalt: Niklas Landin

Da war einer längst richtig on fire: Patrick Wiencek. Der Kieler Kreisläufer holte vorn Strafwürfe heraus, stopfte hinten mit grandioser Beinarbeit Löcher, blockte, dass es eine Freude war, und pushte immer wieder die Fans. Und nach Salgers 9:9 fruchteten die Kieler Bemühungen endlich: Auf schnellen Beinen wurde der Eulen-Angriff unter Druck gesetzt, mit der nötigen Aggressivität in der Defensive kamen die Ballgewinne, Landin schraubte sein Paraden-Konto auf 50 Prozent gehaltener Bälle. Die Folge: 14 Minuten lang kassierten die Zebras kein Gegentor und zogen durch Steffen Weinhold, Duvnjak, Wiencek und immer wieder Ekberg, der allein bis zur Pause neunmal treffen sollte, unaufhörlich davon. Als Valiullin zehn Sekunden vor der Pausensirene doch noch ein Tor für die Eulen erzielen konnte, beantwortete das Duvnjak mit einem krachenden Schlagwurf zum 18:10 - mit einer Viertelstunde Anlauf hatten sich die entschlossenen Kieler doch noch vorentscheidend abgesetzt.

Zebras mit viel Dampf

Voller Einsatz: Rune Dahmke und die Zebras ließen nicht nach

Mit dem Rückenwind der ersten Hälfte starteten die Zebras auch in Durchgang zwei. Weinhold wackelte die komplette Eulen-Abwehr vor dem 19:10 aus, Landin hielt einen Siebenmeter, Ekberg fand mit dem letzten möglichen Pass bei drohendem Zeitspiel Pekeler am Kreis. Rune Dahmke traf per Heber und aus spitzem Winkel, hechtete hinter einem Abpraller hinterher, um ja nicht den Ballbesitz wechseln zu lassen. Szenenapplaus, Anfeuerung, La Ola: Gemeinsam mit ihren Fans schraubten die Zebras an ihrem Torekonto, das nach Ekbergs Steal mit anschließendem Gegenstoß zum 23:13 erstmals plus zehn Treffer aufwies. Doch dabei sollte es nicht bleiben, auch wenn die Eulen wacker dagegen hielten. Aber diese Zebras wollten auf keinen Fall nachlassen, wollten die Dellen der vergangenen Partien vergessen machen. Und das taten sie: Bilyk und Weinhold mit einem furiosen Tempo-Dreierpack erhöhten auf 29:17, Harald Reinkind traf in Unterzahl zum 31:18, Dahmke klaute den Ball vor dem 33:19. Da waren noch fünf Minuten zu spielen.

Kieler Lust auf Tore

Bejubelte einen seiner fünf Treffer: Steffen Weinhold

Diese nutzen die Zebras, um weiter nachzulegen. Nach Falks 21:34 ließen es die Kieler noch dreimal krachen. Ekberg traf von Außen, Ekberg klaute den Ball und vollendete den Gegenstoß, und Wiencek setzte mit seinem sechsten Tor zum 37:21 den Schlusspunkt unter von Kieler Seite entschlossen geführte 60 Minuten. In diesen hatte Ekberg seinen bisherigen persönlichen Tore-Rekord im THW-Trikot, zuvor hatte er zweimal je zwölf Treffer in einer Partie erzielt, pulverisierte. In diesen hatten die Schwarz-Weißen konsequent aufs Tempo gedrückt. In diesen hatten die Spieler und Fans des Rekordmeisters Lust auf eine Torejagd. Und nach diesen 60 Minuten war der THW Kiel der Gewinner des 26. Spieltags, festigte den Rang zwei vor den Rhein-Neckar Löwen, die parallel in Gummersbach Federn ließen, und verkürzte den Rückstand auf den Titelverteidiger aus Flensburg, der in Magdeburg seine erste Saison-Niederlage kassierte, auf vier Punke. Ein Abend ganz nach dem Geschmack der 10285 Fans.

EHF Cup und REWE Final Four

Für die Kieler war die Partie gegen die Eulen aus Ludwigshafen das vorerst letzte Heimspiel für eine lange Zeit: Erst in einem Monat, am 28. April gegen den Bergischen HC (Tickets kaufen), kehren die Zebras zurück in ihre Arena. Doch untätig sind sie deshalb keineswegs: Bereits am Sonnabend treten sie nur rund 42 Stunden nach dem Abpfiff der Bundesliga-Begegnung zum letzten EHF-Cup-Gruppenphasen-Heimspiel bei KS Azoty-Pulawy im polnischen Lublin an. Start der beschwerlichen 1100-Kilometer-Reise mit Bus, Flugzeug und wieder Bus ist am Freitagmittag nach dem Abschlusstraining, Anwurf am Sonnabend (live bei DAZN) um 15 Uhr. Nach der Rückkehr aus Polen gilt dann alle Konzentration dem ersten, großen Saisonhighlight: Am 6. April (18:30 Uhr, live im Free-TV bei Sky Sport News HD) trifft der THW Kiel im Halbfinale um den DHB-Pokal beim REWE Final Four in Hamburg auf die Füchse Berlin. Weiter geht's, Kiel! 

Statistik: DKB Handball-Bundesliga, 26. Spieltag, 28.03.19: THW Kiel - Die Eulen Ludwigshafen: 37:21 (18:10)

THW Kiel: N. Landin (1.-60., 20/1 Paraden), Wolff (n.e.); Duvnjak (3), Reinkind (1), M. Landin (n.e.), Weinhold (5), Wiencek (6), Ekberg (15/6), Rahmel (n.e.), Dahmke (4), Zarabec, Bilyk (1), Pekeler (1); Trainer: Gislason
Eulen Ludwigshafen: Lenz (n.e.), Hanemann (1.-60., 5 Paraden, 1 Tor); Stüber (3), Salger (2), Dietrich (1), Scholz (1), Spiler, Haider, Remmlinger, Falk (4), Hofmann, Durak (1/1), Bührer (2), Müller (3), Dippe (3), Valiullin (1); Trainer: Matschke

Schiedsrichter: Ramesh Thiyagarajah / Suresh Thiyagarajah
Zeitstrafen: THW: 3 (Duvnjak (7.), Pekeler (32.), Weinhold (49.)) / Eulen: 6 (2x Müller (6., 29.), Stüber (12.), Scholz (19.), Dietrich (24.), Hofmann (43.))
Siebenmeter: THW: 7/6 (Hanemann hält Ekberg (9.)) / Eulen: 2/1 (Landin hält Durak (35.))
Spielfilm: 2:0 (3.), 2:2 (4.), 4:2 (6.), 4:4 (8.), 5:4, 5:6 (11.), 7:6 (13.), 9:9 (16.), 17:9 (29.), 18:10;
19:10, 19:12 (33.), 20:13 (37.), 23:13 (40.), 25:15 (43.), 26:17 (45.), 29:17 (47.), 31:19 (53.), 33:19, 34:21 (57.), 37:21. 
Zuschauer: 10285 (ausverkauft) (Sparkassen-Arena, Kiel)

Stimmen zum Spiel:

THW-Trainer Alfred Gislason: Riesenkompliment an meine Mannschaft. Die Eulen haben in den vergangenen Wochen sehr gut und sehr konstant gespielt. Wir sind konzentriert in die Partie gegangen und haben durchgehend angegriffen. Allerdings war die Abwehr in den ersten 15 Minuten oft einen Schritt zu spät, und das haben die Eulen gut genutzt. Ab Mitte der ersten Halbzeit hatten wir dann eine sehr gute Abwehr, hinter der Niklas Landin allein bis zur Pause 50 Prozent der Würfe abgewehrt und sehr konstant war. Für uns hat heute jedes Tor gezählt. Dass Flensburg parallel verliert, ist für uns schön. Aber sie sind immer noch vier Punkte vorn. Mal sehen, was die nächsten Wochen so bringen. 

Eulen-Coach Benjamin Matschke: Glückwunsch an den THW Kiel auch zu dem auch in der Höhe verdienten Sieg. Wir hatten im Angriff permanent Stress, obwohl wir wirklich gut angefangen haben. Aber wir haben es nie geschafft, die zweite Welle und den Gegenstoß der Kieler zu verteidigen. Der THW hat aus einer beweglichen Abwehr alles sofort bestraft - und leider für uns auch nie damit aufgehört. Ich wünsche dem THW Kiel, dass er seine Ziele erreicht, weil ich Alfred sehr schätze und ich mich freuen würde, wenn er seine letzte Saison beim THW Kiel mit dem Erreichen seiner Ziele beendet.

Viktor Szilagyi, Sportlicher Leiter THW Kiel: Ab dem 9:9 haben wir das Maximale aus dieser Partie herausgeholt und konsequent bis zum Schluss durchgezogen. Damit haben wir ein klares Zeichen nach oben gesetzt, wir hoffen auf unsere Chance. Das war ein schöner Tag.

Eulen-Geschäftsführerin Lisa Hessler: Uns fehlte vorne einfach die Durchschlagskraft. Gefühlt waren wir 25 Minuten im Angriff, und der THW fünf. Trotzdem zieht er von 9:9 auf 17:9 davon, weil wir den Rückzug nicht schaffen. Die zweite Halbzeit war ein Ebenbild dessen. Außerdem kassieren wir 19 Tore von außen, das ist zuviel. Jetzt sind es vier Punkte auf den VfL, wir werden in den ausstehenden Spielen alles investieren, damit wir nächstes Jahr wieder hier angtreten können.