THW Kiel mit hart erkämpftem Erfolg in Stuttgart

Bundesliga
Donnerstag, 21.03.2019 // 20:42 Uhr

Das war ein richtig hartes Stück Arbeit: Der THW Kiel hat am Donnerstagabend beim heimstarken TVB 1898 Stuttgart mit 30:27 (16:16) gewonnen und damit zwei wichtige Auswärtspunkte in der DKB Handball-Bundesliga geholt. Vor über 5700 Zuschauern in der Porsche-Arena fanden die Kieler über weite Strecken der vor allem im ersten Durchgang temporeichen Partie ihren Meister in TVB-Torhüter Johannes Bitter, der seine Mannschaft mit 17 Paraden im Spiel hielt. Erst in der Schlussphase konnten sich die Zebras, auch dank einiger starker Aktionen von Andreas Wolff, etwas absetzen. Bester Torschütze der Kieler Mannschaft, in der bis auf Wolff alle eingesetzten Spieler trafen, war Niclas Ekberg, der 6/3 Treffer erzielte.

Stuttgart kontert Kieler Traumstart

Glänzte auch als Passgeber: Domagoj Duvnjak

Die Zebras starteten dieses Mal von Beginn an mit Miha Zarabec auf der Mitte, Domagoj Duvnjak rückte in den linken Rückraum. Vor allem der Kieler Kapitän sprühte vor Spielfreude, und sorgte mit seinen Störmanövern auf der Spitze der offensiven Abwehr zudem für Druck auf die Gastgeber. Die lagen schnell mit 0:3 zurück - ein Traumstart des THW Kiel, zu dem auch Niklas Landin mit einigen tollen Paraden beitrug. Dann allerdings zeigte Bitter bei einem Gegenstoß von Rune Dahmke, der zuvor spektakulär getroffen hatte, erstmals sein Können. Und nach zwei weiteren technischen Fehlern stand es plötzlich 3:3 - drei schnelle Gegentore in weniger als zwei Minuten sollten ein Fingerzeig für die nun rasante erste Halbzeit sein.

Tempo, Tempo, Tempo

Traf dreimal vor der Pause: Miha Zarabec

Beide Teams drückten auf die Tempo-Tube. Nachdem Bitter eine Schnelle Mitte von Hendrik Pekeler vereitelt hatte, traf Schagen im Gegenstoß zur ersten Stuttgarter Führung. Der THW konterte mit Duvnjak, die Süddeutschen brachten den siebten Feldspieler, was Patrick Wiencek prompt mit dem 6:5 für die Zebras bestrafte. Duvnjak bediente Zarabec zum 7:6, von Deschwanden unterlief einer der wenigen TVB-Fehler in den ersten 30 Minuten, und auch Niklas Landin traf in den verwaisten Kasten des Gegners: 8:6. Doch wie schon in der Anfangsphase verpassten es die Zebras, konsequent nachzulegen. Und das lag auch an Jogi Bitter: Ekberg warf einen Siebenmeter an den Pfosten, Bitter hielt den Gegenstoß von Wiencek, Bitter hielt gegen Duvnjak, Bitter hielt gegen Zarabec - und in der eigenen Abwehr fehlte dem THW Kiel die Aggressivität. Die Folge: Aus dem 7:9-Rückstand machten die Gastgeber eine 11:9-Führung. 

Unentschieden zur Pause

Starker Auftritt: Steffen Weinhold

Dabei spielten die schwarz-weißen im Angriff durchaus gefällig - und schnell. Wie in der Überzahlsituation nach Schimmelbauers Zwei-Minuten-Strafe, die die Zebras durch Treffer des starken Steffen Weinhold, Nikola Bilyk und des mit schnellen Bewegungen die Abwehr auseinanderziehenden Zarabec mit 3:1. Und als die Kieler aus einem 13:14-Rückstand durch Bilyk von Halbrechts, Weinhold von Halblinks sowie Dahmkes Gegenstoß ein 16:14 machten, schien die erste Halbzeit doch noch zu ihren Gunsten auszufallen. Allerdings: Wieder blieben die Zebras vier Minuten ohne Torerfolg, und so mussten sie in ein 16:16-Unentschieden zur Pause einwilligen.

THW bekommt Partie unter Kontrolle

Nikola Bilyk erzielte drei Treffer

Der zweite Durchgang begann wie der erste: Mit einem starken THW Kiel. Die Abwehr war von Beginn an präsent, und auch die Körpersprache der Schwarz-Weißen war deutlich. Wiencek holte einen Siebenmeter heraus, den Ekberg verwandelte. Duvnjak versenkte einen Gegenstoß nach einem Stuttgarter Stürmerfoul, Weinhold hechtete nach einer Bitter-Parade den Ball zu Ekberg, der zum 19:16 traf. Doch leider glichen auch die folgenden Minuten dem ersten Durchgang: Bitter hielt gegen Pekeler, Magnus Landin traf nur die Latte und fand kurz darauf bei einem Konter auch in Bitter seinen Meister, was der TVB erneut zum Ausgleich nutzen konnte. Doch ausgerechnet knapp vier Minuten Unterzahl - Pekeler und Ekberg hatten Zeitstrafen kassiert - wendete sich wieder das Blatt. Kurz vor der Hinausstellung verwandelte Ekberg einen Siebenmeter zum 20:19, dann zeigte der nach dem Wechsel gekommene Wolff die Zähne, und Bilyk erhöhte auf 21:19 (42.). Der THW Kiel bekam Stück für Stück die Begegnung wieder unter Kontrolle.

Zwei Punkte geholt

Lukas Nilsson sorgte mit viel Druck für die Vorentscheidung

Das lag auch an Wolff, der sich nun ebenfalls nachhaltig in den Köpfen des Gegners einnistete, einen Siebenmeter von von Derchwanden parierte, Häfner bei einem weiteren Strafwurf so verunsicherte, dass dieser den Aufsetzer über das Tor warf. Oder sich spektakulär ins Gedächtnis der bis dato sicheren Rückraumschützen rief. Und weil im Angriff nun auch die Abpraller von den Zebras gesichert werden konnten, setzten die Zebras ihren Gegnern nun richtig zu. Ekberg traf zum 24:21, und der nun immer mehr aufdrehende Nilsson sorgte mit dem 25:21 (52.) für ein Raunen auf den Rängen. Allerdings: Den sprichwörtlichen Sack machten die Zebras auch jetzt nicht endgültig zu, kassierten nach Nilssons 29:25 (56.) in Unterzahl zwei weitere Gegentreffer, ehe Magnus Landin mit dem 30:27 letzte leise Zweifel am Kieler Auswärtssieg beseitige. Nach harten 60 Minuten hatten sich die Zebras mit zwei Punkten für ihre Mühen belohnt - und blicken nun den kommenden drei Begegnungen in den folgenden acht Tagen entgegen. 

Jetzt zwei Heimspiele

Niclas Ekberg jubelte erneut am häufigsten

Der THW Kiel geht in den nächsten beiden Partien mit der Unterstützung seiner Fans ins Rennen: Bereits am Samstag, und damit nur knapp 45 Stunden nach dem Abpfiff in Stuttgart, wollen die Zebras gemeinsam mit der "weißen Wand" ihre weiße Weste im EHF-Cup wahren: Zu Gast zum letzten Gruppenphasen-Heimspiel ist BM Fraikin Granollers, nach dem FC Barcelona der zweiterfolgreichste Club aller Zeiten in Spanien. Die Partie in der Sparkassen-Arena wird um 18 Uhr angepfiffen. Danach gilt alle Konzentration wieder der DKB Handball-Bundesliga: Am kommenden Donnerstag sind um 19 Uhr die Eulen Ludwigshafen zu Gast in der Sparkassen-Arena. Für beide Begegnungen gibt es noch Tickets an allen bekannten Vorverkaufsstellen - in Kiel zum Beispiel im Ticketcenter der Arena, bei CITTI und in den famila-Märkten mit Ticketverkauf – mit der Print@Homevariante sogar bis zum Anpfiff des jeweiligen Spiels im THW-Online-Ticketshop unter www.thw-handball.de/tickets und an der telefonischen Hotline 01806 / 300 234 (gebührenpflichtig: 0,20 Euro/Anruf aus dem dt. Festnetz, max. 0,60 Euro/Anruf aus dem dt. Mobilfunknetz). "Vier Spiele in neun Tagen - wir freuen uns darauf, dass uns unsere Fans Samstag und am Donnerstag helfen werden", gibt Kapitän Wiencek die Marschroute für die kommenden Tage vor. Weiter geht's, Kiel!

Fotos: Bernd Dunstheimer

Statistik: DKB Handball-Bundesliga, 25. Spieltag, 21.03.19: TVB 1898 Stuttgart - THW Kiel: 27:30 (16:16)

TVB 1898 Stuttgart: Bitter (1.-60., 17 Paraden), Maier (n.e.); Schimmelbauer (5), Häfner (1/1), Weiß (5), Schagen (5/1), Späth, Baumgarten, Röthlisberger, Öhler (n.e.), Föge(n.e.), von Deschwanden (2/1), Pfattheicher (3), Schmidt (5); Trainer: J. Schweickhardt

THW Kiel: N. Landin (1.-30., 6/1 Paraden, 1 Tor), Wolff (31.-60., 7/1 Paraden) ; Duvnjak (2), Reinkind (n.e.), M. Landin (1), Firnhaber (n.e.), Weinhold (4), Wiencek (1), Ekberg (6/3), Rahmel (n.e.), Dahmke (3), Zarabec (3), Bilyk (3), Pekeler (3), Nilsson (3); Trainer: Gislason


Schiedsrichter: Lars Geipel / Marcus Helbig
Strafzeiten: TVB: 2 (Schimmelbauer (20.), Späth (60.)) / THW: 3 (Pekeler (39.), Ekberg (41.), Wiencek (57.))
Siebenmeter: TVB: 5/2 (Landin hält Schagen, Nachwurf verwandelt (16.), Wolff hält von Deschwanden (48.), Häfner überweg (51.)) / THW: 4/3 (Ekberg an den Pfosten (14.))
Spielfilm: 0:3 (4.), 3:3 (6.), 3:4, 5:4 (7.), 5:6 (9.), 6:8 (11.), 7:9 (13.), 11:9 (18.), 12:10, 12:12 (21.), 14:13 (23.), 14:16 (26.), 16:16 (30.);
16:19 (35.), 19:19 (39.), 19.21 (42.), 20:22 (43.), 21:23 (47.), 21:25 (52.), 24:28 (55.), 25:29, 27:29 (60.), 27:30. 
Zuschauer: 5.760 (Porsche-Arena, Stuttgart)

Stimmen zum Spiel:

THW-Trainer Alfred Gislason: Es war ein schwieriges Spiel, weil wir soviele Chancen verschossen haben. Dann wird es immer schwer. In der ersten Halbzeit fehlte die Aggressivität in der Abwehr, vorne spielen wir tolle Chancen heraus, aber machen diese nicht rein. In der zweiten Halbzeit steht die Abwehr besser, und vorne spielen wir wieder recht ordentlich. Aber dann scheitern wir regelmäßig an Jogi Bitter. Wenn er anfängt, sich die klaren Chancen zu holen, macht das natürlich die eigene Mannschaft stärker. Ohne seine Superleistung hätten wir heute hier früher den Sack zugemacht. 

TBV-Torhüter Jogi Bitter: Es wäre mir lieber gewesen, wir hätten dieses Spiel gewonnen. Du hast nicht oft die Chance zu einem Sieg gegen Kiel. Du glaubst zwar oft, dass du sie hast, aber dann schlägt der THW zurück. So war es heute. Kiel konnte im richtigen Moment etwas drauflegen, und uns fehlte zum Beispiel gegen Nilsson die Kraft. Trotzdem war das ein toller Auftritt unserer Mannschaft, und ich fiebere solchen Spielen immer entgegen. Es ist doch wunderschön, vor dieser tollen Halle performen zu können - und wenn es dann noch so läuft, wie heute, ist das toll. 

THW-Toptorschütze Niclas Ekberg: Im Hinspiel habe ich gegen Jogi überhaupt nicht getroffen, deshalb war ich heute gute auf ihn vorbereitet. Aber meistens ist es besser, nicht so viel nachzudenken, sondern einfach zu machen. Bei mir läuft es in dieser Saison, das gibt viel Selbstvertrauen. Dass es heute so eng war, lag an dem überragenden Jogi Bitter. Durch seine Paraden haben wir viele Gegenstöße kassiert. Wir haben die zwei Punkte und müssen weiter unseren Job erledigen - und dann sehen, was dabei heraus kommt.