Zebras mit Start-Ziel-Sieg in Lemgo

Bundesliga
Sonntag, 06.10.2019 // 17:14 Uhr

Nicht einen Ausgleich des Gastgebers zugelassen und in den richtigen Momenten kühlen Kopf bewahrt: Der THW Kiel hat in der LIQUI MOLY Handball-Bundesliga einen Start-Ziel-Sieg beim TBV Lemgo eingefahren. Allerdings verpassten es die Kieler beim 30:27 (17:12)-Erfolg in der ausverkauften Phoenix Contact-Arena, frühzeitig den Sack zuzumachen, konnten sich aber in der Schlussphase einmal mehr auf ihren coolen Siebenmeterschützen verlassen: Niclas Ekberg avancierte mit 10/6 Treffern zum besten Torschützen seiner Mannschaft, auf der Gegenseite traf Bjarki Mar Elisson sogar 13/7 Mal. In der noch etwas "schiefen" Tabelle rückte der THW Kiel vor dem Heimspiel gegen die HSG Nordhorn-Lingen am kommenden Donnerstag (jetzt Tickets sichern!) auf Platz fünf vor. 

Furioser Start der Kieler

Die Kieler starteten furios in die Begegnung: Die Abwehr mit Pavel Horak und Patrick Wiencek im Mittelblock stand felsenfest, dahinter machte Niklas Landin die Angriffsbemühungen der Lemgoer oft zunichte. Die Folge: Ein schnelles 2:0, das 3:1 von Horak nach zweiter Welle, dem Niclas Ekberg nach einem tollen Angriff das 4:1 folgen ließ. Dazu kam ein Nikola Bilyk, der erneut groß aufspielte: Dreimal in Folge traf der Kieler Österreicher in einer Phase, in der sich einige Fehler einschlichen. Und doch setzte sich der THW weiter ab: Doamgoj Duvnjaks Traum-Wackler zum 8:4 war zum Zungeschnalzen, Harald Reinkinds abgefälschter Wurf zum 9:4 einer der Marke "Glück muss man sich erarbeiten". Und die Gastgeber? Die hatten vor allem Bjarki Mar Elisson, der im ersten Durchgang acht Treffer erzielte.

Fünf Tore Vorsprung zur Pause

Gegen Bjarki Mar Elisson war kein Kraut gewachsen: 13 Mal traf der Linksaußen

Aber auch er konnte nicht verhindern, dass die Zebras durch Bilyks Kracher und Ekbergs feinem Schnelle-Mitte-Dreher beim 12:6 erstmals mit sechs Treffern vorne lagen (20.). THW-Trainer Filip Jicha wechselte konsequent durch, zwischenzeitlich standen mit den beiden Landin-Brüdern nur noch zwei Spieler der Startformation auf dem Feld. Enger wurde es erst, als nach Ole Rahmel auch Hendrik Pekeler für zwei Minuten auf die Bank musste. Mit zwei Eilsson-Toren verkürzte der Gastgeber auf 10:14 (26.), ehe Ekberg nach tollem Miha-Zarabec-Anspiel auf 15:10 für den THW erhöhte. Ein Vorsprung, der bis zur Pause Bestand haben sollte. Mit einer 17:12-Führung für die laustark von gut einhundert Fans angefeuerten Kieler ging es in die Kabine.

Kieler haben die besseren Antworten

Auch nach dem Wechsel behielten die Kieler die Oberhand - auch wenn mit Dani Bajens und Jonathan Carlsbogard auf Seiten der Lemgoer nun deutlich mehr Torgefahr vorherrschte. Aber immer dann, wenn der TBV Höhenluft bekam, holten ihn die Zebras wieder zurück auf den Boden. In Person von Nikola Bilyk, der nach einem Doppelpack der Lemgoer zum 20:15 traf. Oder von Patrick Wiencek, der in Unterzahl und dem 17:20-Anschluss der Gastgeber traf. Oder in Person von Kapitän Duvnjak, der kurz darauf einen furiosen Schlagwurf-Hammer zum 22:17 ins Netz jagte. Auch Lukas Nilsson, der trocken das 24:20 (48.) erzielte, reihte sich in diese Riege ein, in der Niclas Ekberg nach einer rasend schnellen Mitte zum 26:21 ebenfalls den Stimmungskiller mimte.  

Ekbergs sichere Siebenmeter zum Sieg

Überragender Kieler Torschütze: Niclas Ekberg

Die Kieler dominierten also weiter das Geschehen, gerieten trotzdem aber noch durch eigene Unzulänglichkeiten einmal arg in Bedrängnis: Zwei Fehlpässe führten direkt zu Gegentoren, beim 24:26 (54.) waren die Gastgeber den Zebras wieder dicht auf das Fell gerückt. Die reagierten aber abgezockt, spielten ruhig und mit Bedacht ihre Kreisläufer frei, die nur noch durch Fouls zu stoppen waren. Die Folge: Drei Siebenmeter in vier Minuten, die Ekberg sicher verwandelte. So waren letzte Zweifel an den zwei wichtigen Auswärtspunkten nach dem Strafwurf-Doppelpack zum 28:24 (56.) ausgeräumt, endgültig den Deckel auf die Partie machte Ekberg mit seinem zehnten Treffer zum 29:24. Durch die zwei Auswärtspunkte rückte der THW Kiel in der Tabelle auf Rang fünf vor, hat allerdings zwei Partien weniger ausgetragen als die anderen Teams im oberen Drittel des Klassements.

Donnerstag endlich wieder Heimspiel

Nach der Rückkehr aus Lemgo kann sich Kiel endlich wieder auf ein Heimspiel der Zebras freuen: Am kommenden Donnerstag ist der Aufsteiger HSG Nordhorn-Lingen zu Gast in der Sparkassen-Arena. Die Niedersachsen sind nach zehn Jahren Abstinenz wieder zurück in der LIQUI MOLY HBL und haben in Robert Weber, 2015 Torschützenkönig der Liga, ihren bekanntesten Akteur. Für das Heimspiel, eines von insgesamt nur zwei im Oktober, gibt es noch Karten an allen bekannten Vorverkaufsstellen, in der THW-FANWELT und im THW-Online-Ticketshop. Wichtig: Für diese Begegnung zählt das 2.Welle-Abo noch nicht! Weiter geht's, Kiel!

Fotos: Paul Cohen

LIQUI MOLY HBL, 8. Spieltag, 06.10.2019: TBV Lemgo Lippe - THW Kiel: 27:30 (12:17)

TBV Lemgo Lippe: Wyszomirski (1.-19., 48.60., 4 Paraden), Johannesson (19.-48. und 1 Siebenmeter, 4 Paraden) ; Elisson (13/7), Guardiola, Carlsbogard (3), van Olphen (1), Schagen, Zerbe (1), Cederholm (1), Hangstein, Engelhardt, Rose, Reimann, Klimek (1), Bajens (7); Trainer: Kehrmann

THW Kiel: N. Landin (1.-60., 13 Paraden), Quenstedt (2 Siebenmeter, keine Parade); Duvnjak (2), Reinkind (4), M. Landin, Kristjánsson (n.e.), Wiencek (3), Ekberg (10/6), Rahmel, Dahmke (1), Zarabec (1), Horak (1), Bilyk (5), Pekeler (1), Nilsson (2); Trainer: Jicha

Schiedsrichter: Christian vom Dorff / Fabian vom Dorff
Strafzeiten: TBV: 1 (Bajens (35.)) / THW: 4 (Rahmel (25.), Pekeler (26.), Dahmke (39.), Reinkind (46.))
Siebenmeter: TBV: 7/7 / THW: 6/6
Spielfilm: 0:2 (3.), 1:2, 1:4 (6.), 2:5, 4:6 (12.), 4:9 (16.), 6:10 (18.), 6:12 (19.), 8:14 (25.), 10:14 (26.), 12:16 (29.), 12:17;
13:17, 13:19 (35.), 15:19 (37.), 17:20 (39.), 17:22 (41.), 18:23, 20:23 (47.), 21:24, 21:26 (51.), 24:26 (54.), 24:28 (56.), 26:30 (59.), 27:30.
Zuschauer: 4.027 (Phoenix Contact-Arena, Lemgo)

Stimmen zum Spiel:

THW-Rückraumspieler Nikola Bilyk bei Sky: Das war ein sehr souveränes Spiel von uns. Schade war nur, dass wir uns nicht noch mehr absetzen konnten. Jetzt müssen wir uns auf Nordhorn konzentieren, das wird kein einfaches Spiel. Und auch in diesem müssen wir Vollgas geben, bevor wir uns dann um Skopje kümmern. Das wird ein Top-Spiel in einer wunderschönen Halle - aber erst einmal spielen wir bei uns gegen Nordhorn. Dass Hannover Punkte gelassen hat, ist in Ordnung. Allerdings konzentrieren wir uns nur auf uns und schauen nicht auf andere. Wir müssen unsere Leistung bringen.  

TBV-Trainer Florian Kehrmann bei Sky: Ich kann meiner Mannschaft eigentlich keinen Vorwurf machen, außer, dass wir bis zur 20. Minute nicht richtig an einen Erfolg gegen Kiel geglaubt haben. Wir haben alles investiert, wir haben super gekämpft und waren in der 54. Minute bis auf zwei Tore dran. Da zeigt sich die Klasse des THW Kiel, die Spieler bewahren die Ruhe, spielen ein zwei Dinge auf den Punkt. Das ist halt eine Spitzenmannschaft, und da muss auch alles klappen, wenn wir sie schlagen wollen. Insgesamt war eine gute Leistung, darauf müssen wir aufbauen,

TBV-Außen Bjarki Mar Elisson bei Sky: Der THW gehört nach ganz oben, wir sind derzeit ein wenig angeschlagen. Wir haben gut gekämpft, aber um gegen den THW Kiel Punkte zu holen, darf man sich nicht so viele Fehler erlauben. Schade. Bei mir läuft es gut, aber es ist ärgerlich, wenn es dann nicht zu Punkten reicht.