Liga-Auftakt: THW Kiel gewinnt hart umkämpfte Partie

Bundesliga
Sonntag, 04.10.2020 // 15:30 Uhr

Ein Spiel mit Haken und Ösen, insgesamt zehn Zeitrafen, ebenso vielen Siebenmetern und drei Disqualifikationen: Dieser Liga-Auftakt gegen den HC Erlangen hatte es für den Deutschen Meister wahrlich in sich. Am Ende von 60 hart umkämpften und zum Teil nickeligen Minuten feierte der THW Kiel beim 36:30 (20:15) einen letztlich souveränen Erfolg, zu dem Rechtsaußen Niclas Ekberg 13/7 Tore beisteuerte. Wermutstropfen für die Zebras: Neuzugang Sander Sagosen schied nach seinem fünften Treffer mit dem Verdacht auf eine Adduktorenzerrung aus. Sein Einsatz am Dienstag gegen Hannover ist deshalb stark gefährdet.

Triple-Ekberg zum Auftakt

"Block-Monster" Pavel Horak traf zum 5:3

1418 Zuschauer freuten sich auf den ersten Liga-Auftritt der Zebras - und machten schon vor Anpfiff ordentlich Stimmung im weiten Rund. Die Kieler schien das zu beflügeln: Anders als noch zur Heimpremiere gegen Nantes gingen sie dieses Mal von Beginn an hochkonzentriert zu Werke. Vor allem die Abwehr mit den "Block-Monstern" Pavel Horak und Hendrik Pekeler in der Mitte hatte sich einiges vorgenommen, vorne sorgte erst einmal nur Ekberg für Zählbares: Er erzielte das erste THW-Bundesliga-Tor der Saison per Siebenmeter nach 2:13 Minuten, legte dann noch einen Strafwurf nach und sicherte sich auch noch den inoffiziellen Titel des ersten schwarz-weißen Feld-Torschützen in der LIQUI MOLY Handball-Bundesliga: Nach 6:40 traf der Rechtsaußen vom Kreis zum 3:2, ehe wenig später Horak per Tempogegenstoß beim 5:3 die erste Zwei-Tore-Führung für den THW Kiel mit 103 km/h ins Netz drosch (9.).

Klare Pausenführung im torreichen Spiel

Unterstützung gab es von den Tribünen und der eigenen Bank

Es lief bei den Kielern vor allem immer dann, wenn der THW-Express Tempo aufnehmen konnte. Wie zwischen der 12. und 14. Minute, als der THW durch einen aufmerksamen Rune Dahmke, einen Traum-Dreher von Hendrik Pekeler nach No-Look-Pass von Sagosen und einem Konter des Norwegers von 6:5 auf 9:5 davon zog - und nur 90 Sekunden später durch einen Dahmke-Doppelpack gar auf 11:6 erhöhte. Abschütteln konnten die Zebras den HC Erlangen indes nicht, weil vor allem der Ex-Flensburger Simon Jeppsson sich einiges vorgenommen hatte. Sechs seiner acht Treffer erzielte Jeppson vor dem Wechsel - und so blieben die Franken stets in Reichweite. Nach der harten roten Karte für Duvnjak, der Metzner in den Arm griff, brauchten die Zebras etwas, um sich neu zu sortieren: Erlangen verkürzte auf 13:14. Aber immer dann, wenn es richtig eng zu werden drohte, war der THW hellwach: Sagosen bediente Wiencek zum 15:13, Ekberg klaute hinten den Ball, was Sagosen zum 16:13 veredelte. Und dann ging es in Überzahl Schalg auf Schlag: Ekberg, Weinhold, Dahmke und wieder Ekberg erhöhten auf 20:14, ehe Metzner mit der Sirene den Halbzeitstand markierte.

Sagosen muss verletzt raus

Fünf Tore: Sander Sagosens Liga-Premiere endete leider frühzeitig

Auch der Start in Durchgang zwei wurde schwarz-weiß eingefärbt: Nach Jeppssons Anschluss waren es Zarabec und Ekberg (Siebenmeter), die auf 22:16 stellten. Dann schnappte sich "Eki" den Ball und zirkelte aufs leere HCE-Tor - sein Wurf an den Pfosten wurde zur perfekten Vorlage für den nachsetzenden Sagosen, der das 23:16 erzielte. Trotz der deutlichen Führung wollte sich aber keine wirkliche Entspannung im weiten Rund breitmachen, denn die Gäste blieben gefährlich. Brenzlig wurde es für den THW nach Sagosens 28:22: Bei der Landung nach dem krachenden Wurf verzog der Norweger schmerzverzerrt das Gesicht und verließ kurz darauf in Begleitung der Kieler Mannschaftsärzte das Feld: Verdacht auf Adduktorenzerrung. Ohne Sagosen und Duvnjak musste sich der Kieler Rückraum neu sortieren: Linkshänder Weinhold übernahm die Mitte, Zarabec wich auf Halblinks aus, und Reinkind kam über rechts.

Ehrig feiert seine Tor-Premiere

Filip Jichas Auszeit ordnete das Kieler Angriffsspiel

Die weiterhin robust zu Werke gehenden Gäste nutzten die kurze Unordnung in der Kieler Offensive, um mit einem 3:0-Lauf beim 25:28 wieder an Auswärtspunkten schnuppern zu können. Eine Viertelstunde vor dem Ende nahm Filip Jicha die Auszeit, um seine Mannschaft auf den Schlussspurt einzuschwören. Mit Erfolg: Binnen fünf Minuten wuchs der Vorsprung wieder auf fünf Treffer an, und spätestens nach Reinkinds krachendem 34:28 (54.) war der Widerstand der Erlanger gebrochen. Sven Ehrig feierte beim 35:28 seine Tor-Premiere im THW-Trikot, und Patrick Wiencek sorgte mit seinem Heber für Jubel auf den Rängen: Längst hatten sich die Zebra-Fans von ihren Plätzen erhoben und feierten den ersten doppelten Punktgewinn des THW in der 54. Saison der LIQUI MOLY Handball-Bundesliga. Die Kieler Handballer indes bedankten sich lange und innig bei ihren Fans, die sie über 60 Minuten so großartig unterstützt hatten.

Dienstag: Top-Spiel gegen Hannover

Vier Tore - und schon am Dienstag wieder gefordert: Rune Dahmke

Die Zeit, den Liga-Start in Ruhe aufzuarbeiten, ist den Zebras nicht vergönnt: Bereits am Dienstagabend sind sie schon wieder richtig gefordert. Im dritten Spiel innerhalb von nicht einmal 100 Stunden empfängt der THW Kiel die TSV Hannover-Burgdorf zur Spitzenpartie des zweiten Spieltags in der LIQUI MOLY Handball-Bundesliga. Für diese Begegnung bauen die Kieler Handballer auch auf die Unterstützung von den Rängen: "Wir zählen auf unsere Fans", sagt Steffen Weinhold. Für die Begegnung gibt es unter www.thw-tickets.de, telefonisch unter der THW-Tickethotline 01806 / 300 234 (gebührenpflichtig: 0,20 Euro/Anruf aus dem dt. Festnetz, max. 0,60 Euro/Anruf aus dem dt. Mobilfunknetz) sowie in der THW-FANWELT (Montag 10-15 Uhr, Dienstag ab 10 Uhr bis Anpfiff) noch Karten in allen Kategorien. Weiter geht's schon am Dienstag, Kiel! 

LIQUI MOLY Handball-Bundesliga: THW Kiel - HC Erlangen: 36:30 (20:15)

THW Kiel: Saggau (n.e.), Quenstedt (1.-60., 8 Paraden), Andersson (n.e.); Ehrig (1), Duvnjak, Sagosen (5/1), Reinkind (4), M. Landin (2), Weinhold (1), Wiencek (2), Ekberg (13/7), Wäger, Dahmke (4), Zarabec (1), Horak (1), Pekeler (2); Trainer: Jicha
HC Erlangen: Ziemer (43.-60. und 1 Siebenmeter, 2 Paraden), Ferlin (1.-43., 7 Paraden); Jaeger, Overby (2), Fäth (1), Kellner, Firnhaber (2), Ivic (6/3), Büdel, Bissel (3), Schäffer, Metzner (5), Link, von Gruchalla, Jeppsson (8), Olsson (3); Trainer: Haaß

Schiedsrichter: Colin Hartmann / Stefan Schneider
Zeitstrafen: THW: 1 (Pekeler (38.))/ HCE: 9 (3x Link (23., 27., 41.), Schäffer (25.), 3x Firnhaber (33., 48., 51.), 2x Overby (38., 52.))
Disqualifikation: Duvnjak (THW Kiel, grobes Foulspiel (23.)), Link (HCE, 3. Zeitstrafe (41.)), Firnhaber (HCE, 3. Zeitstrafe (51.))  
Siebenmeter: THW: 7/7 / HCE: 3/3
Spielfilm: 1:0 (3.), 2:1 (5.), 3:3 (6.), 5:3, 6:5 (12.), 9:5 (14.), 11:6, 11:8 (16.), 13:10, 14:11 (22.), 14:13 (24.), 16:13, 20:14 (30.), 20:15;
20:16, 23:16 (34.), 24:18, 24:20 (38.), 25:21, 27:21 (41.), 28:22, 28:25 (45.), 29:26, 30:27 (49.), 32:27 (51.), 32:28, 35:28 (56.), 36:30.
Zuschauer: 1418 (Wunderino Arena, Kiel)

Stimmen zum Spiel

THW-Trainer Filip Jicha: Das war ein Bundesliga-Auftakt, wie wir ihn erwartet hatten: Es war eine unglaublich hart umkämpfte Partie. In dieser hat uns Erlangen uns mit ihrer Defensive vor immer neue Aufgaben gestellt. Was mir gefallen hat: Wir sind gut reingekommen in diese Begegnung, waren gleich fokussiert. Dass wir unterwegs zwei bis drei Bälle verlieren, war der unglaublichen Qualität des Gegners und dem Anfang der Saison geschuldet. In der zweiten Halbzeit gab es eine Phase, in der wir uns neu sortieren mussten, weil wir vorne mit zwei Linkshändern im Rückraum gespielt haben. Aber ansonsten bin ich sehr zufrieden mit dem Spiel heute. 

HCE-Trainer Michael Haaß: Der Kieler Sieg war sehr verdient, der THW hat das souverän herunter gespielt. Trotz der Niederlage bin ich aber nicht unzufrieden. Im Sechs gegen Sechs waren wir gut, und auch die Abwehr hat das heute gut gemacht. Die vielen Zeitstrafen brechen uns dann das Genick, aber daran sieht man auch, mit welcher Qualität der THW Kiel auf unsere Abwehr zugerannt kam. Wir hätten die Begegnung gerne länger ausgeglichen gestaltet, dafür waren wir im ersten Durchgang aber etwas zu wild und haben deshalb zu viele Fehler gemacht.