35:30 bei GWD Minden: THW Kiel holt nach hitziger Partie zwei Auswärtspunkte

Bundesliga
Samstag, 12.06.2021 // 21:51 Uhr

Der THW Kiel hat in der LIQUI MOLY Handball-Bundesliga seine Hausaufgaben gemacht und bleibt dem Tabellenführer aus dem Norden auf den Fersen: Rund 700 Zuschauer erlebten am Sonnabendabend in der Kreissporthalle Lübbecke eine hitzige Partie, in der die Zebras bei GWD Minden klaren Kopf behielten und mit dem 35:30 (17:13)-Triumph beide Punkte mit zurück an die Förde brachten. Im 55. Pflichtspiel der Saison war Niklas Landin im Kieler Tor ein starker Rückhalt, während Miha Zarabec im Angriff geschickt und auf flinken Beinen die Fäden zog. Bester Torschütze war Sander Sagosen mit 8/2 Treffern. Der Norweger glänzte zudem mit zahlreichen tollen Anspielen. 

Sven Ehrig vertrat Niclas Ekberg

Acht Tore und wunderschöne Anspiele: Sander Sagosen

Sagosen übernahm in Minden auch die Rolle des Siebenmeter-Schützen. Ein Job, den zuletzt Rechtsaußen Niclas Ekberg glänzend ausfüllte. Für den besten Kieler Torschützen ist die Saison allerdings nach einem Bänderriss im Knie aus dem Spiel gegen Magdeburg vorzeitig beendet. Der Schwede wurde auf der Außenbahn von dem jungen Sven Ehrig glänzend vertreten: Das 20-jährige Kieler Eigengewächs trug sich fünfmal  in die Torschützenliste ein, hatte großen Anteil am verdienten Sieg der Zebras im bereits 55. Pflichtspiel der laufenden Handball-Saison. GWD Minden muss nach der Heim-Niederlage gegen den amtierenden Meister dagegen um den Klassenerhalt fürchten, liegt nach der vierten Niederlage in Folge nur noch einen winzigen Zähler vor den Eulen Ludwigshafen und hat ein Spiel mehr auf dem Konto.

Zebras starten im Galopp

Die 60 Minuten bei GWD Minden waren harter Kampf pur

Die Zebras starteten im Galopp, lagen nach acht Minuten und Toren von Hendrik Pekeler, Harald Reinkind, Sven Ehrig und Sander Sagosen bei einem Gegentreffer von Juri Knorr mit 4:1 in Front. GWD Minden kämpfte jedoch verbissen, hatte seine besten Kräfte vor allem im jungen Mittelmann Knorr (6 Tore) und Linkshänder Christoffer Rambo (8/2), die eine ständige Gefahr für das Kieler Gehäuse waren. Rambo brachte die Hausherren in der 13. Minute auf 5:4 heran. Doch immer, wenn GWD den THW Kiel unter Stress setzen wollte, hatte der die besseren Antworten. 

Kiel bleibt vorn

Sven Ehrig erzielte fünf Treffer

Deshalb sollte das 5:4 der engste Spielstand während des gesamten Spieles bleiben. Pekeler nach feinem Zarabec-Anspiel und Ehrig legten wieder drei Treffer Abstand zwischen die Zebras und die Grün-Weißen, und in der Folge konterten die Kieler auch den 9:11-Anschluss. Und das vor allem wegen der starken Kieler Abwehr um Hendrik Pekeler, Patrick Wiencek und Niklas Landin, der in der 27. Minute beim Stand von 16:11 auch einen Siebenmeter von Knorr unschädlich machte und sich einmal mehr im Eins-gegen-Eins als schwer bezwingbar zeigte. Nachdem sich Steffen Weinhold fast mit der Schlusssekunde der ersten Halbzeit in unnachahmlicher Manier zum 17:13 durchgetankt hatte, wechselten beide Teams die Seiten, gingen in die Halbzeit.

Rot für Zeitz

Niklas Landin war seiner Mannschaft ein großer Rückhalt

Die zweite Halbzeit war dann geprägt vom Versuch der Hausherren, den Kieler Vorsprung zu reduzieren, ein kleines Handball-Wunder noch möglich zu machen. Dabei griffen sie beherzt zu, agierten in der Abwehr ohne großartige Zimperlichkeit. Ausgerechnet ein Ex-Kieler übertrieb es aber mit der Härte: Christian Zeitz sah in der 43. Minute von den Schiedsrichterinnen Kuttler/Merz die Rote Karte nachdem er Zarabec bei einer ungestümen Abwehraktion am Kopf traf und hart auf die Platte geschickt hatte. Zeitz nahm die Rote Karte aber beinahe klaglos hin und entschuldigte sich bei Zarabec, der sich nicht beirren ließ und in der zweiten Halbzeit zum überragenden Kieler Antreiber wurde. 

Zebras fighten sich zu zwei Punkten

Harald Reinkind und die Zebras fuhren einen souveränen Erfolg ein

Die Zebras fighteten zurück, ließen trotz der kraftraubenden Spielzeit und schweren Beinen die Mannschaft von Trainer Carstens nie näher als drei Tore auf Tuchfühlung kommen. Das gelang Juri Knorr in der 42. Minute mit dem 21:24 - es folgte die Rote Karte gegen Zeitz und eine konzentrierte THW-Vorstellung, die vor allem im Angriff zum Erfolg führte. Die Vorentscheidung erzwang dann der 3:0-Lauf der Kieler ab der 51. Minute, als Miha Zarabec, der zudem mit zahlreichen furiosen Anspielen die zahlreichen schwarz-weißen Fans in der Halle zum Jubeln brachte, den Ball zum 31:27 in die Maschen wuchtete. Hendrik Pekeler - großartig von Zarabec bedient, traf vom Kreis und Sander Sagosen vollendete schließlich wuchtig zum 33:27. Der 30. Kieler Bundesliga-Sieg im 34. Spiel war war perfekt, mit zwei Punkten im Gepäck machten sich die Zebras im Bus auf die Heimreise gen Norden.

Donnerstag endlich wieder mit Heim-Fans

Die Zebras freuen sich auf Ihre Fans!

Der kommende Donnerstag ist der Tag, auf den sich die Zebras seit dem Hinspiel gegen Minden vor dann 228 Tagen gefreut haben: Erstmals dürfen sie wieder vor ihren Fans in der Wunderino Arena spielen! Für die Partie gegen Frisch Auf! Göppingen, die um 19 Uhr angepfiffen wird, gibt es noch Karten in allen Kategorien im Vorverkauf unter www.thw-tickets.de und der telefonischen Hotline 01806 / 300 234 (gebührenpflichtig: 0,20 Euro/Anruf aus dem dt. Festnetz, max. 0,60 Euro/Anruf aus dem dt. Mobilfunknetz, Öffnungszeiten: 8-18 Uhr). Für den Einlass in die Arena benötigt man nicht mehr als das personalisierte Ticket, einen tagesaktuellen, negativen Corona-Schnelltest oder den Nachweis einer vollständigen Covid19-Impfung (15. Tag nach der entscheidenden, ggf. zweiten Impfung). Die FFP2-Maske gibt's am Einlass. "Das wird ein sehr emotionaler Moment", sagt THW-Kapitän Patrick Wiencek. "Wir haben unsere Fans so lange nicht gesehen und haben diesen Tag herbeigesehnt!" Weiter geht's mit Fans gegen Frisch Auf! Göppingen, Kiel!

Fotos: GWD Minden / Angela Metge

LIQUI MOLY HBL, 34. Spieltag: GWD Minden - THW Kiel: 30:35 (13:17)

GWD Minden: Lichtlein (50.-54. und 1 Siebenmeter, keine Parade), Semisch (1.-50., 54.-60., 9 Paraden); Meister (3), Ritterbach (2), Richtzenhain, Zeitz (1), Rambo (8/2), Korte, Thiele, Janke, Schluroff (1), Strakeljahn, Knorr (6/1), Pehlivan (3), Staar, Gulliksen (6/2); Trainer: Carstens
THW Kiel: N. Landin (1.-57., 13/2 Paraden), Quenstedt (57.-60., 1 Parade); Ehrig (5), Duvnjak (3), Sagosen (8/2), Reinkind (1), M. Landin (5), Sunnefeldt, Weinhold (3), Wiencek (1), Ciudad, Dahmke (n.e.), Zarabec (4), Voigt (n.e.), Horak, Pekeler (5); Trainer: Jicha

Schiedsrichterinnen: Tanja Kuttler / Maike Merz
Zeitstrafen: GWD: 4 (2x Rambo (6., 34.), Pehlivan (23.), Meister (42.)) / THW: 4 (2x Pekeler (35., 41), Wiencek (38.), Horak (45.))
Rote Karte: Zeitz (grobes Foulspiel (43.))
Siebenmeter:  GWD: 7/5 (Landin hält Knorr (26.), Gulliksen (46.)) / THW: 2/2
Spielfilm: 0:1, 1:1 (2.), 1:5 (11.), 4:5 (12.), 4:7 (13.), 5:9 (15.), 6:10 (18.), 7:11, 9:11 (22.), 11:13 (24.), 11:16 (27.), 13:16 (30.), 13:17;
14:17, 15:18, 15:20 (34.), 16:21, 18:21 (38.), 19:22, 19:24 (40.), 21:24, 22:25 (44.), 22:27 (46.), 23:28, 25:28 (48.), 27:30 (51.), 27:33 (54.), 29:35 (58.), 30:35.
Zuschauer: 700 (Kreissporthalle, Lübbecke)

Stimmen zum Spiel:

THW-Spielmacher Miha Zarabec: Wir haben zuletzt zwei schwere Niederlagen kassiert, die weh getan haben. Wir sind alle Profis, aber in den vergangenen Tagen war es im Training sehr leise. Wir haben in Magdeburg alles gegeben, deshalb tut es weh, jetzt einen Punkt hintendran zu sein. Flensburg ist stabil, sie machen keine Fehler. Hut ab, und wenn sie das durchbringen, sind sie verdient Meister. Aber wenn etwas passiert, dann sind wir da! Heute war es ein sehr schweres Spiel für uns, aber wir machen einfach weiter. Gut, dass wir durch die zwei Punkte wieder zurück sind im Endspurt. Heute haben wir ein gutes Spiel gemacht. 

GWD-Kreisläufer Lucas Meister: Wir sind gut zurükgelaufen und hatten - bis auf meine Person - eine gute Quote im Angriff. Wir wollten die Zweikämpfe annehmen und gewinnen, das ist uns auch ganz gut gelungen, aber der THW Kiel hat trotzdem den Ball immer wieder noch an den freien Mann gebracht. 35 Gegentore sind natürlich zuviel, soviele eigene Tore können wir nicht werfen. Jetzt müssen wir gegen Göppingen punkten.