Drama mit Happyend: Der THW Kiel ist Deutscher Meister!

Bundesliga
Sonntag, 27.06.2021 // 16:55 Uhr

So spannend kann die längste Saison in der Geschichte des THW Kiel zu Ende gehen: Bei den Rhein-Neckar Löwen lieferten sich die Zebras mit den Gastgebern über 60 Minuten einen leidenschaftlichen Kampf. Nachdem Miha Zarabec in der 58. Minute zum 25:25 ausgeglichen hatte, wurde es richtig dramatisch. Am Ende strich ein Freiwurf von Andy Schmid am Pfosten vorbei - der Rest war Kieler Jubel. Durch das Unentschieden sicherten sich die Kieler durch den gewonnenen direkten Vergleich mit Verfolger Flensburg zum 22. Mal die Deutsche Meisterschaft!

Große Geste von Kapitän Duvnjak

Während an der dänischen Grenze Trauer herrschte, knallten in der Mannheimer Arena die Sektkorken, umarmten sich müde, aber überglückliche Kieler Spieler, Trainer, Betreuer und Fans, ergoss sich schließlich ein glitzernder Konfetti-Goldregen über ausgelassene Zebras, die wirklich bis zur allerletzten Sekunde um diesen Erfolg zittern mussten. Zwei Sekunden vor dem Ende hatte Steffen Weinhold Mannheims Rückraum-Ass Andy Schmid mit energischem Einsatz am Torwurf gehindert, den folgenden Freiwurf setzte Schmid dann an fünf Kieler Feldspielern vorbei neben den Pfosten. Kiels Meisterschaft war perfekt, Kapitän Domagoj Duvnjak, auch im letzten Saisonspiel wieder kämpferisches Vorbild für die Seinen, holte den Langzeitverletzten Nikola Bilyk mit aufs Podest, um zusammen mit diesem die Meisterschale in die Luft zu stemmen. Eine schöne Geste vor dem Start in eine lange Partynacht der Kieler.

Palicka ärgert den THW Kiel

Das Hinspiel hatten die Zebras mit 32:23 gegen ausgesprochen zahme Löwen für sich entschieden, im eigenen Käfig agierten die Gastgeber von der ersten Minute an deutlich bissiger, stellten eine sperrige 6:0-Abwehr gegen Kiels Angreifer und legten schnell eine 3:1-Führung vor. Bester Mann auf Seiten der Badener war dabei ausgerechnet ein Ex-Kieler, nämlich Torhüter Andreas Palicka. Der Schwede, der sieben Jahre das THW-Trikot getragen hatte, hielt bereits in den ersten 30 Minuten neun Bälle an, davon zwei Siebenmeter von Sander Sagosen und Magnus Landin. Einen dritten Strafwurf warf Landin zudem an die Querlatte der Löwen. Die vergebenen Siebenmeter waren auch ein Grund für das folgende Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen den Teams, das bis zum Ende einer die Nerven quälenden, stets hochspannenden Partie auf des Messers Schneide bleiben sollte.

THW startet nervös

Den 1:3-Rückstand verwandelten die nervös startenden Kieler durch einen 4:0-Lauf in den ersten eigenen 5:3-Vorsprung bis zum12. Minute. Doch die Zebras  spürten schnell wieder den heißen Löwen-Atem im Nacken, zweimal Gensheimer und Schmid verkürzten auf 6:7, bevor Gensheimer, Kohlbacher, Schmid und Nilsson den Tabellenfünften auf 10:8 (22.) in Front brachten, das Blatt hatte sich gewendet. Filip Jicha ordnete eine Auszeit an, stellte seine Abwehr auf die offensive 3:2:1-Variante mit Duvnjak als Speerspitze um.

Knappe Pausenführung

Es wirkte, der THW fand zurück in die Partie, Niklas Landin nagelte Minuten lang sein Tor zu und Sander Sagosen, mustergültig von Steffen Weinhold bedient, traf zum 9:10, Domagoj  Duvnjak dann per Tempogegenstoß zum 10:10 und erneut Sander Sagosen zur Kieler Führung, die Kirkelögge und Schmid aber postwendend in das 12:11 für Mannheim in der 29. Minute drehten. Die Schlussphase der ersten Hälfte stand dann im Zeichen von Duvnjak, der einen geklauten Ball quer über das gesamte Feld zielsicher im leeren Löwen-Tor versenke. In den Schlusssekunden hielt Landin dann den Wurf von Gensheimer, und als niemand mehr damit rechnete, schmetterte Miha Zarabec die Lederkugel mit dem Pausenpfiff vorbei am dieses Mal chancenlosen Andreas Palicka: 13:12 für Kiel, Halbzeit.

Dramatik bis zur letzten Sekunde

Eine schwierige Situation für die ausgepumpten THW-Akteure, auch das Nervenkostüm fing jetzt an zu flattern. Nachvollziehbar: Für Kiel stand der gesamte Saisonerfolg auf dem Spiel, für die Löwen lediglich ein gutes Abschneiden gegen den alten und neuen (?) Meister. Patrick Groetzki traf von Rechtsaußen zum 20:18, Nilsson und Gensheimer zum 20:20 in der 51. Minute. Kurz zuvor hatte Torhüter David Späth einen weiteren Siebenmeter von Sagosen unschädlich gemacht.Die letzte Kieler Führung in dieser Partie erzielte dann Rune Dahmke, der im Nachwurf eiskalt blieb.  Fortan  aber trabten ausgepumpte Zebras ständig einem Ein-Tore-Rückstand hinterher, egalisierten durch Dahmke, Duvnjak, Weinhold und zuletzt Zarabec (58.) zwar stets und sehr mühevoll, das Heft des Handelns aber hielten in den letzten 41 Sekunden ausschließlich die Mannheimer in Händen. Trainer Martin Schwalb ordnete die letzte Auszeit und den Plan für den letzten Angriff an. Die Kieler stemmten sich mit letzter Kraft entgegen, verloren dabei Hendrik Pekeler 15 Sekunden vor dem Ende mit einer Zeitstrafe - dann folgte die Rettungstat von Steffen Weinhold gegen Andy Schmid. Und der Kieler Handball-Himmel hing voller Geigen.

LIQUI MOLY HBL, 38. Spieltag: Rhein-Neckar Löwen - THW Kiel: 25:25 (12:13)

Rhein-Neckar Löwen: Palicka (1.-60., 16/2 Paraden), Späth (1 Siebenmeter, 1/1 Parade); Schmid (6/1), Gensheimer (6/5), Veigel, Kirkelökke (2), Lagarde (1), Patrail, Tollbring (2), Ahouansou, Abutovic, Groetzki (3), Gislason, Nielsen, Nilsson (2), Kohlbacher (2); Trainer: Schwalb
THW Kiel: N. Landin (1.-56., 60., 8 Paraden), Quenstedt (56.-60. und 2 Siebenmeter, keine Parade; Ehrig (2), Duvnjak (4), Sagosen (5/2), Reinkind (2), M. Landin (1/1), Sunnefeldt, Weinhold (2), Wiencek, Ciudad (n.e.), Dahmke (3), Zarabec (4), Voigt (n.e.), Horak, Pekeler (2); Trainer: Jicha

Schiedsrichter: Robert Schulze / Tobias Tönnies
Zeitstrafen: RNL: 5 (2x Kirkelökke (8., 34.), Kohlbacher (11.), 2x Abutovic (27., 50.)) / THW: 3 (Horak (13.), Duvnjak (35.), Pekeler (60.))
Siebenmeter: RNL: 5/5 / THW: 7/3 (Palicka hält Sagosen (7.), M. Landin (9.), M. Landin an die Latte (27.), Späth hält Sagosen (50.))
Spielfilm: 2:0 (3.), 3:1 (7.), 3:5 (12.), 6:8 (16.), 10:8 (22.), 10:11 (26.), 12:11 (28.), 12:13;
12:15 (34.), 13:16, 15:16 (37.), 17:18 (40.), 17:20 (42.), 20:20 (50.), 24:23 (56.), 25:24 (57.), 25:25 (58.) .
Zuschauer: 250 (SAP-Arena, Mannheim)