Zebras mit Anlauf zum souveränen Heimsieg gegen Hannover

Bundesliga
Sonntag, 14.11.2021 // 17:00 Uhr

Der THW Kiel kommt nach der Nationalmannschafts-Pause langsam wieder in Schwung: Dem 24:23-Zittersieg vom Donnerstag gegen den Bergischen HC ließen die Zebras am Sonntagnachmittag gegen die TSV Hannover-Burgdorf ein in der zweiten Halbzeit überzeugendes Spiel mit dem finalen 31:24 (13:11)-Sieg folgen. Damit sind die Spieler von Trainer Filip Jicha auf einem guten Weg, die Leistungs-Dellen aus den vergangenen Wochen wieder auszubügeln. Erfolgreichste Kieler Torschützen vor 9000 begeisterten Fans in der Wunderino Arena waren Niclas Ekberg mit 7/5 Toren und Nikola Bilyk, der sechsmal ins Schwarze traf. In der Mannschaft des ehemaligen Bundestrainers Christian Prokop zeichnete sich vor allem Torhüter Urban Lesjak aus, Ivan Martinovic und Veit Mävers trafen je viermal. 

Alles Kopfsache

Der zweite Sieg in Folge dürfte auch dem  angeknacksten Selbstvertrauen in Reihen des amtierenden Deutschen Meisters gutgetan haben, denn schon am kommenden Donnerstag wartet in der EHF Champions League mit dem letztjährigen Finalisten Aalborg ein ganz schwerer Handball-Brocken. "In der ersten Halbzeit haben wir noch eine Reihe guter Chancen liegengelassen, das haben wir später viel besser gemacht", sagte THW-Kreisläufer Patrick Wiencek. "Mit Reden schaffen wir es nicht, die Probleme zu beseitigen, alles ist reine Kopfsache. Auf die heutige Leistung lässt sich aufbauen."

THW LÄSST MÖGLICHKEITEN UNGENUTZT

Glänzte als Vorbereiter: Sander Sagosen

Kopfsache - das war auch der erste Durchgang aus Sicht der Zebras: In den ersten 30 Minuten taten sich die Kieler gegen die in der Abwehr fest zupackenden Recken schwer, ließen auch gute Möglichkeiten ungenutzt. Zudem hatte Hannover mit dem Slowenen Urban Lesjak einen starken Torhüter zwischen den Pfosten. THW-Kapitän Domagoj Duvnjak eröffnete den Torreigen mit sicher verwandeltem Tempogegenstoß zum 1:0, Mävers glich im Gegenzug aus, und nach zwei Toren von Rune Dahmke, jeweils großartig von Sander Sagosen in Szene gesetzt, legte Niclas Ekberg mit verwandeltem Strafwurf zum 5:3 erstmals zwei Tore zwischen Kiel und die Gäste. 

Bilyk kommt und liefert

Ging auch dahin, wo es weh tut: Nikola Bilyk

Obwohl auch Niklas Landin im THW-Tor glänzte, ließen sich die Gäste nicht abschütteln, glichen durch Büchner erneut aus. Die Zebras bekamen die Partie zwar langsam in den Griff, hatten zunächst aber Pech im Abschluss, trafen Holz, machten technische Fehler. So legten die Gäste durch Fischer (8:7/20. Minute) und Martinovic (9:8/22.) sogar kurzfristig Führungen hin, die aber von den Zebras durch Ekberg und Bilyk prompt egalisiert wurden. Überhaupt Bilyk: Hatte der Österreicher gegen die Bergischen noch 60 Minuten die Bank gedrückt, so wurde er von Filip Jicha gegen den TSV in der 17. Minute gebracht. Bilyk zahlte das Vertrauen seines Trainers schon in der ersten Halbzeit mit zwei Toren und schnellen Beinen zurück, hatte seinen Anteil an der Halbzeitführung. Hendrik Pekeler setzte schließlich den Schlusspunkt der ersten Halbzeit, schnappte sich einen Abpraller und netzte zum 13:11 für den THW ein.

Zebras ziehen davon

Die zupackende THW-Defensive legte den Grundstein zum Sieg

Sander Sagosen überzeugte schon in den ersten 30 Minuten mit viel Spielfreude, wurde so zum Dreh- und Angelpunkt des Kieler Angriffsspiels. In der zweiten Halbzeit bestimmte der Norweger auf der Position des Mittelmannes Tempo und Spiel der Zebras, war an nahezu allen Kieler Toren beteiligt. Grundlage des Kieler Handball-Feuerwerks ab Minute 31 war allerdings das Abwehr-Bollwerk mit Niklas Landin zwischen den Pfosten. Ein Bollwerk, in dem auch Pavel Horak im Mittelblock an der Seite von Hendrik Pekeler eine wichtige Rolle spielte. Der 3:0-Lauf der Kieler, begünstigt durch eine Zeitstrafe gegen Brozovic, gleich nach dem Wechsel drückte dann dem Spiel den Stempel auf. Niclas Ekberg mit verwandeltem Strafwurf, Sander Sagosen aus dem Rückraum und Domagoj Duvnjak mit Blick für das leere Hannoveraner Tor und dem Treffer zum 16:11 in der 34. Minute ließen die Zebras schnell enteilen. 

Harte Arbeit bis zum souveränen Erfolg

Hendrik Pekeler traf viermal und stand auch in der Defensive im Mittelpunkt

Als Ekberg von Rechtsaußen zum 17:12 traf, griff Prokop zur Grünen Karte, hoffte auf eine Reaktion seiner Mannschaft. Der Trainerwunsch blieb unerfüllt, die Recken hatten dem Sturmwirbel der Kieler nichts mehr oder nur noch wenig entgegenzusetzen. Zumal die "weiße Wand" deutlich kräftiger am Unterstützungs-Regler drehte als noch am Donnerstag, wie ein Mann hinter ihrer Mannschaft stand. Die Geräuschkulisse kam an bei Sagosen und Co, die dankbar weiter Gas gaben. Bilyk tanke sich zum 21:15 durch, Pekeler und nochmal Bilyk trafen zum 23:16. Als Rune Dahmke in der 47. Minute seinen Tempogegenstoß zum 25:17 sicher im Tor von Lesjak untergebracht hatte, war die Begegnung entschieden. Auch, weil die Kieler nicht nachließen, weiter befreit aufspielten und so an Sicherheit gewannen. Beim 29:21 durch Pavel Horak legten sie erneut acht Tore zwischen sich und die Gäste. Jicha wechselte durch, ohne dass ein Bruch ins Spiel kam. Am Ende jubelte der THW Kiel über einen sehr souveränen Erfolg.

Donnerstag Spitzenspiel gegen Aalborg

Spielfreudig und sicher: Rune Dahmke

Am kommenden Donnerstag empfangen die Zebras den letztjährigen Finalisten Aalborg Handbold zum Spitzenspiel der EHF Champions League. Die Dänen, die sich im Sommer unter anderem mit dem ehemaligen Kieler Aron Palmarsson verstärkten, sitzen den zweitplatzierten Kieler direkt im Nacken und haben weiterhin Großes vor. In Dänemark sorgt das für Euphorie, rund 200 Fans und das dänische Fernsehen begleiten die Mannschaft an die Förde. Für das Top-Spiel der Gruppenphase gibt es unter www.thw-tickets.de, bei CITTI, in famila-Märkten mit Ticketservice und in der THW-FANWELT noch Eintrittskarten in allen Kategorien. Weiter geht's mit dem Spitzenspiel, Kiel! 

Text: Reimer Plöhn / Fotos: Sascha Klahn

LIQUI MOLY Handball-Bundesliga, 11. Spieltag: THW Kiel - TSV Hannover-Burgdorf: 31:24 (13:11)

THW Kiel: N. Landin (1.-49., 11/2 Paraden), Quenstedt (49.-60., 3 Paraden); Ehrig, Duvnjak (4), Sagosen (2), Reinkind (2), M. Landin (n.e.), Weinhold (1), Wiencek (1), Ekberg (7/5), Ciudad, Dahmke (3), Zarabec, Horak (1), Bilyk (6), Pekeler (4); Trainer: Jicha
TSV Hannover-Burgdorf: Ritschel, (55.-60., keine Parade), Lesjak (1.-55., 14/1 Paraden); Cehte (3), Roschek (1), Martinovic (4), Mävers (4/1), Hansen (2/1), Kuzmanovski (1), Böhm (1), Krone, Hanne (1), Brozovic (2), Fischer (2), Feise, Ayar, Büchner (2); Trainer: Prokop

Schiedsrichter:  Sebastian Grobe / Adrian Kinzel
Zeitstrafen: THW: 1 (Reinkind (42.)) / TSV: 2 (Martinovic (14.), Brozovic (32.))
Siebenmeter: THW: 6/5 (Lesjak hält Ekberg (24.)) / TSV: 4/2 (Landin hält 2x Hansen (5., 42.))
Spielfilm: 1:0, 3:3 (6.), 5:3 (10.), 5:5 (14.), 7:6, 7:8 (20.), 10:10 (25.), 12:10 (28.), 13:11;
16:11 (34.), 18:13 (36.), 19:15 (42.), 21:15 (43.), 23:16 (45.), 25:17, 25:19 (51.), 28:21 (54.), 30:22, 31:24.
Zuschauer: 9000 (Wunderino Arena, Kiel)

Stimmen zum Spiel

THW-Trainer Filip Jicha: Ich bin heute sehr zufrieden, wie wir unsere Aufgaben ingesamt umgesetzt haben. Nicht so zufrieden bin ich mit den vielen technischen Fehlern und unnötigen Ballverlusten im ersten Durchgang. Damit haben wir starke Hannoveraner, die Tempohandball spielen, eingeladen. Wir müssen unsere zweite Welle ausbauen, wir brauchen unseren Tempohandball, um mehr Sicherheit zu bekommen. Das werden wir forcieren. In der zweiten Hälfte haben wir uns besser bewegt und gute Möglichkeiten herausgespielt. Das war ein Schritt in die richtige Richtung, wir freuen uns über die vielen Spiele, um weiter an uns zu arbeiten. Und wir freuen uns auf das nächste Heimspiel gegen Aalborg mit einer großartigen Atmosphäre.

Hannovers Trainer Christian Prokop: Fernab vom sportlichen Geschehen möchte ich sagen, dass es schön war, vor solch einer stimmungsvollen Kulisse zu spielen. Ich habe in den vergangenen Tagen gemerkt, dass sich jeder auf den heutigen Tag gefreut hat. Wir haben heute in der ersten Halbzeit eine sehr gute Deckung gestellt, den Rückraum der Kieler ordentlich angepackt und den Bewegungsradius der Kreisläufer eng gehalten. Dazu war Lesjak ein guter Rückhalt. Man hat sicherlich heute Verunsicherung bei Kiel gespürt. Sie haben mehr Fehler gemacht als gewöhnlich, aber wir haben daraus zu wenig Kapital schlagen können. Der Bruch kam nach der Pause, als wir den Kieler Angriff lange gut verteidigen, dann aber einen Siebenmeter und eine Zeitstrafe kassieren. In Unterzahl haben wir unser Spiel dann sehr schwach und ohne den nötigen Druck gestaltet. Der THW Kiel kehrt zurück zur alten Stärke und bekommt seine Sicherheit zurück, insofern geht der Sieg für den THW völlig in Ordnung. 

THW-Rückraumspieler Steffen Weinhold bei Sky: Wir haben in der ersten Halbzeit zu viele Fehler gemacht und gute Chancen vergeben, deshalb konnten wir uns nicht weiter absetzen. Im zweiten Durchgang sind wir gut reingekommen, haben ein paar schnelle Tore gemacht und konnten so einen sicheren Sieg einfahren. Wir müssen uns jetzt Spiel für Spiel, Minute für Minute das Vertrauen zurückholen und weiter an uns arbeiten. Mit dem knappen Sieg am Donnerstag haben wir den ersten Schritt gemacht, heute dann den zweiten, und jetzt müssen wir jeden Tag wieder Selbstvertrauen aufbauen. Da hilft so ein Spiel wie heute.