Am Sonnabend geht es in Skopje um CL-Punkte

Vorbericht
Donnerstag, 16.10.2014 // 07:45 Uhr

Nach dem deutlichen Auswärtssieg bei den Füchsen Berlin und dem knappen Heimerfolg gegen den TuS N-Lübbecke wollen die „Zebras“ nun in der „VELUX EHF Champions League“ nachlegen. Am Sonnabendabend steht das bereits dritte Auswärtsspiel für den THW Kiel in der Königsklasse an, in einer Neuauflage des letztjährigen Viertelfinals trifft der deutsche Meister auf den mazedonischen, RK Metalurg Skopje. Der Anwurf in der Boris-Trajkovski-Halle erfolgt um 21.00 Uhr, der PayTV-Sender Sky überträgt exklusiv live.

Ewiges Duell mit Stadtrivalen Vardar

Filip Mirkulovski war bei allen sechs Meisterschaften Metalurgs mit dabei.

Seit 2006 machen die beiden Lokalrivalen von Metalurg und Vardar die Handball-Meisterschaft in Mazedonien unter sich aus. Dreimal hatte Rekordmeister Vardar (8 Titel) die Nase vorne, sechs Mal Metalurg – so auch in der vergangenen Saison, als beide Mannschaften punktgleich mit jeweils nur einer Niederlage die Meisterrunde nach Belieben beherrschten. Vardar hatte zwar das bessere Torverhältnis, doch in Mazedonien gilt der direkte Vergleich, den Metalurg (24:25, 30:21) klar für sich entschied. Vardar konnte sich immerhin mit dem neunten nationalen Pokalsieg (30:28 im Finale gegen – natürlich – Metalurg) sowie dem Titel in der prestigeträchtigen SEHA-Liga trösten.

Zweimal Skopje im CL-Viertelfinale

Pavel Atman führte Metalurg in der vergangenen Saison ins Viertelfinale. In der nächsten Spielzeit heuert der Russe bei MKB-MVM Veszprem an.

Sowieso war die vergangene Spielzeit eine, über die Handballfans in Skopje noch lange reden werden: Spielten die beiden Vorzeigeclubs in der Champions League zuvor nie eine große Rolle und scheiterten bis 2012 stets in der Gruppenphase, sorgte Metalurg bereits in der vorletzten Spielzeit für Furore, als man bis ins Viertelfinale vorstieß. Die guten Leistungen honorierte die EHF mit einer Wildcard, so dass in der vergangenen Saison erstmals beide Skopjes gleichzeitig in der Königsklasse an den Start gehen durften. Wie das Schicksal es wollte, wurden die Lokalrivalen in dieselbe Gruppe gelost, wo sie sich nach harter Gegenwehr hinter den Starclubs aus Barcelona und Paris auf die Plätze drei und vier kämpften, im Gleichmarsch das Achtel- und das Viertelfinale erreichten und erst dort an den späteren Finalisten aus Flensburg und Kiel scheiterten. Kämpfte Vardar gegen den späteren Champions-League-Sieger bis zur letzten Rückspiel-Sekunde um das Ticket nach Köln, das die SG schließlich nur dank der mehr erzielten Auswärtstreffer löste, stand Metalurg gegen den THW überraschend deutlich auf verlorenem Posten: Die „Zebras“ gewannen damals bereits das Hinspiel in der ausverkauften Boris-Trajkovski-Halle auswärts deutlich mit 31:21, im folgenden Heimspiel ließen sie beim 34:26-Erfolg keine Zweifel mehr aufkommen.

Besonders die Heimstärke der beiden mazedonischen Spitzenclubs sorgte für Furore: Weder Barcelona noch Flensburg, Paris oder Hamburg konnten in der Boris-Trajkovski-Halle gewinnen. Bis der THW Kiel letztlich diesen Bann brach, gab es nur zwei „Auswärtssiege“ in der Arena – Vardar gewann bei Metalurg, Metalurg bei Vardar.

Kern der Mannschaft blieb zusammen

Nach dem Coup der Vorsaison war es keine große Überraschung, dass die EHF erneut beide Skopjes für die Gruppenphase nominierte. Und die Mannschaft von Trainerfuchs Lino Cervar ging mit breiter Brust in die Saison – kein Wunder, blieben die Leistungsträger wie der serbische Weltklassekeeper Darko Stanic, der russische Spielmacher Pavel Atman und der inzwischen 39-jährige Linkshänder Renato Vugrinec dem Verein treu. Zudem haben die vielen jungen einheimischen Talente wie beispielsweise Linksaußen Dejan Manaskov, Sohn der mazedonischen Legende Pepi, noch viel Potential nach oben. Und: Kapitän Naumce Mojsovski feierte nach langer Verletzungspause zu Saisonbeginn sein Comeback.

Fünf Neuzugänge

Vladan Lipovina spielte zuletzt bei BM Ciudad Encantada in Spanien.

Dennoch wurden fünf Spieler des traditionell breit besetzten Metalurg-Kaders ausgetauscht, mit dem montenegrinischen Linkshänder Vladan Lipovina, dem serbischen Kreisläufer Mijajlo Marsenic und dessen Landsmann Darko Djukic auf Rechtsaußen entschieden sich drei junge Balkan-Talente für den Club. Lino Cervar, Trainer und Manager Metalurgs in Personalunion, gab daher auch ein ambitioniertes Ziel aus: „Unsere Gruppe ist mit Paris St.Germain und dem THW Kiel natürlich sehr stark besetzt. Wir werden dennoch versuchen, den zweiten Platz in Angriff zu nehmen.“ Und auch Kapitän Mojsovski war optimistisch: „Unser Minimalziel ist das Erreichen das Achtelfinals. Danach gucken wir Schritt für Schritt weiter. Wir werden wieder versuchen, um ein Ticket für Köln zu kämpfen.“ Das Vorhaben erhielt aber schon am ersten Spieltag einen Dämpfer: Zum Königsklassen-Auftakt in der eigenen Halle gegen Paris St. Germain hielt Metalurg ohne den gesperrten Vugrinec nur 40 Minuten dagegen und unterlag letztlich chancenlos mit 22:27 (11:11). Der in der vergangenen Saison so legendäre Heimnimbus war diesmal früh dahin.

Finanzielle Sorgen und Stanic-Abschied

Wieder fit: Kapitän Naumce Mojsovski.

Was beim Saisonauftakt noch nicht publik war: Obwohl Vereinsinhaber Minco Jordanov als einer der reichsten Männer Mazedoniens gilt, sollen die Spieler schon seit einigen Monaten kein Gehalt mehr bekommen haben. Daher musste Cervar zum zweiten Spiel auswärts bei HC Meshkov Brest auf seine drei erfahrenen Stars Stanic, Vugrinec und Atman verzichten – ohne das Trio unterlag Metalurg in Weißrussland mit 24:28. Vergangene Woche bestätigte der Verein dann die sofortige Trennung von Darko Stanic: „Ich habe drei wundervolle Jahre hier bei Metalurg verbracht, doch nach einem konstruktiven Gespräch mit dem Management des Vereins haben wir gemeinsam entschieden, dass wir von nun an getrennte Wege gehen“, erklärte Darko Stanic auf der Homepage von Metalurg die Trennung.

Torarme Partie in Zagreb

Trainerlegende Lino Cervar.

Zumindest Pavel Atman kehrte für das Auswärtsspiel am Wochenende in Zagreb in den Kader zurück, doch auch der mit dem HSV Hamburg in Verbindung gebrachte und nächste Saison nach Veszprem wechselnde Russe konnte die dritte Niederlage im dritten Spiel – das 17:19 war das torärmste Königsklassenspiel seit fast genau acht Jahren – nicht verhindern. „Es ist schon schwer, sich auf die Spiele zu konzentrieren“, so Filip Mirkulovski, dienstältester Spieler der Mannschaft, gegenüber balkan-handball.com. „Es gibt zwar ausstehende Gehälter, aber das ist kein Grund zur Beunruhigung. Es gab zuvor nie Probleme, daher bin ich Optimist und glaube, dass letzlich alles in Ordnung sein wird.“

Sky überträgt live

Luka Cindric spielt bislang eine starke Saison.

Trotz und zugleich wegen der bislang 0:6 Punkte steht dem THW Kiel ein schwieriges Spiel bevor – zumal Alfred Gislason weiterhin auf Filip Jicha und Rasmus Lauge verzichten muss und auch der Einsatz des angeschlagenen Aron Palmarsson nicht gesichert ist. Bei Metalurg hingegen wird Pavel Atman aller Voraussicht nach auch gegen die „Zebas“ wieder dabei sein, ihm zur Seite steht der junge Kroate Luka Cindric, mit 15 Treffern bislang erfolgreichster Schütze. Hinter dem Einsatz von Renato Vugrinec hingegen steht ein großes Fragezeichen, zumal der mittlerweile eingebürgerte gebürtige Slowene noch gar nicht in der Königsklasse eingesetzt wurde und somit interessant für andere Spitzenclubs sein könnte. Die Schiedsrichter in der Boris-Trajkovski-Halle sind Péter Horváth und Balázs Marton aus Ungarn, als EHF-Delegierter reist der Österreicher Helmut Wille an. Livebilder aus Mazedonien gibt es beim PayTV-Sender Sky, einen Liveticker zum Spiel finden Sie unter anderem auf den Seiten der Kieler Nachrichten oder auf der THW-Homepage unter Saison/Champions League.

KN: Langsamkeit als Taktik

Skopje. Vierter Spieltag in der Champions League, dritte Reise für den THW Kiel. Nach Zagreb und dem weißrussischen Brest ist nun die mazedonische Hauptstadt Skopje das Ziel. Der Handballmeister, der ursprünglich mit Germanwings reisen wollte, ließ sich vom Pilotenstreik nicht aus der Ruhe bringen. Viel schwerer wiegen vor dem Spiel gegen Metalurg Skopje (heute, 21 Uhr/Sky) die personellen Sorgen.

Mit Kapitän Filip Jicha, der sich vor drei Wochen am Sprunggelenk operieren ließ, rechnet Trainer Alfred Gislason erst wieder Ende November. Ähnliches gilt für Rasmus Lauge, der nach seinem im März erlittenen Kreuzbandriss zwar wieder ins Training eingestiegen ist, aber behutsam herangeführt werden soll. Da mit Domagoj Duvnjak, Joan Canellas und Steffen Weinhold der Rückraum stark aufgepolstert wurde, hatten die Verantwortlichen des Rekordmeisters geplant, Lauge bis zum Saisonende an KIF Kolding-Kopenhagen zu verleihen. Dort, so der Gedanke, sollte er Spielpraxis sammeln, um dann Aron Palmarsson (Veszprem) zu ersetzen. Doch mit dem Jicha-Aus änderten sich die Umstände, Lauge bleibt.

Wie schnell sich auch ein siebenköpfiger Rückraum dezimieren kann, erlebt der THW in diesen Tagen. Beim 24:21 am Mittwoch gegen TuS N-Lübbecke zog sich Palmarsson einen Muskelfaserriss zu und muss vier Wochen pausieren. Somit muss der THW, der am Dienstag im Pokal den TBV Lemgo (19.30 Uhr) erwartet, ohne drei Rückraumspieler zum Liga-Gipfel gegen die Rhein-Neckar Löwen (26. Oktober, 16.15 Uhr) nach Mannheim reisen.

Zukunft. In der Gegenwart treffen die Zebras, die um Andreas Palicka (schwere Ellenbogenprellung) bangen, auf einen Gegner, der auch nicht frei von Sorgen ist. Angeblich haben die Spieler von Metalurg Skopje seit Mai kein Gehalt mehr bezogen, obwohl Vereinsinhaber Minco Jordanov zu den reichsten Männern Mazedoniens zählt. Filip Mirkulovski, dienstältester Spieler in den Reihen von Trainerfuchs Lino Cervar (64), bestätigte gegenüber www.balkan-handball.com den stockenden Zahlungsverkehr. „Es hat noch nie zuvor Probleme gegeben“, sagte der 31-jährige Mittelmann „deshalb bin ich optimistisch, dass letztlich alles in Ordnung sein wird.“

Der serbische Weltklasse-Torhüter Darko Stanic hat den Verein bereits verlassen, der russische Torjäger Pawel Atman soll sich mit Veszprem über einen Wechsel zum Saisonende einig sein, aber auch der HSV Hamburg soll eine Option sein. Linkshänder Renato Vugrinec, in der vergangenen Saison 95-maliger Torschütze in der Champions League, nutzt offenbar eine leichte Handverletzung, um sich nicht mehr aufstellen zu lassen. So erhält sich der 39-Jährige die Option, noch in dieser Serie für einen anderen Champions-League-Teilnehmer starten zu können. Zudem fehlten Naumce Mojsovski (ebenfalls Mittelmann), Vladan Lipovina (Rückraum rechts) und Dejan Manasakov (Linksaußen) zuletzt im Training wegen eines Magen-Darm-Virus’.

Gislason glaubt nicht, dass Geldsorgen die Moral untergraben werden. „Das ist ein Fernsehspiel, da will sich jeder beweisen“, sagte Kiels Trainer, der großen Respekt hat. „Metalurg hat eine sehr kampfstarke Mannschaft, die das Tempo extrem verschleppt.“ Wie sich diese Langsamkeit auswirkt, wurde bei der letzten Begegnung deutlich: Die 17:19-Niederlage in Zagreb war die torärmste Champions-League-Partie der vergangenen acht Jahre.

(von Wolf Paarmann, aus den Kieler Nachrichten vom 18.10.2014)

 

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