THW gewinnt auch zweites Duell gegen Paris

Champions League
Samstag, 22.11.2014 // 22:40 Uhr

Der THW Kiel hat einen riesigen Schritt Richtung Gruppensieg in der "VELUX EHF Champions League" gemacht. Am Sonnabendabend besiegten die "Zebras" im Spitzenspiel der Gruppe A das französische Starensemble von Paris St. Germain mit 33:29 (14:15). Über 10.000 Zuschauer in der Sparkassen-Arena erlebten eine intensive Partie, die dank der Paraden Thierry Omeyers lange Zeit von den Gästen bestimmt wurde. Doch Mitte des zweiten Durchgangs übernahmen die Kieler, angeführt vom starken Joan Cañellas (9/4 Tore), die Führung und ließen sie sich nicht mehr nehmen.

Herzlicher Empfang für Narcisse und Omeyer

Daniel Narcisse wurde herzlich begrüßt und spielte danach eine starke erste Halbzeit.

Zum Duell zweier heißer Anwärter auf einen Platz im „VELUX EHF Final4“ in Köln war die Sparkassen-Arena am Sonnabend nahezu ausverkauft. Die Kieler Fans waren gekommen, auch um die beiden „Heimkehrer“ gebührend zu empfangen: Thierry Omeyer und Daniel Narcisse wurden bei der Mannschaftsvorstellung von Paris St. Germain mit Ovationen begrüßt, Gänsehautstimmung war in der Arena so schon vor dem Anpfiff garantiert. Neben Omeyer hatte Gästetrainer Philippe Gardent auch Sprungwunder Luc Abalo wieder mit dabei, doch der angeschlagene Linkshänder sollte nicht zum Einsatz kommen. Beim THW Kiel hingegen fehlten mit Kapitän Filip Jicha und Spielmacher Aron Palmarsson weiterhin zwei wichtige Rückraumsäulen, Alfred Gislason hatte dennoch eine Menge Gesellschaft auf der Bank: Torhüter Kim Sonne-Handen und Kreisläufer Finn Ranke aus der zweiten Mannschaft, die am Sonntag beim VfL Potsdam gefordert sein wird, durften erneut Königsklassenluft schnuppern.

Paris mit besserem Start

Thierry Omeyer brillierte an alter Wirkungsstätte mit 20 Paraden.

Die Gäste begannen – beflügelt durch eine frühe Parade Omeyers gegen Marko Vujin – stark: Igor Vori erzielte den ersten Treffer, und nach einem Fehlwurf von Joan Cañellas erhöhte Narcisse auf 2:0 für Paris. Zwar konnten die „Zebras“ zunächst durch Domagoj Duvnjak und Niclas Ekberg egalisieren, doch nachdem Kiels Kroate eine frühe Zeitstrafe kassierte, legten die Franzosen zunächst weiter vor: Xavier Barachet tankte sich durch die dezimierte Kieler Deckung, Omeyer parierte zwei weitere Würfe, und als Abwehrchef Jakov Gojun, der zusammen mit Zacharia N'diaye einen schwer zu überwindenden Mittelblock bildete, per zweiter Welle auf 5:3 für die Gäste erhöhte, war spätestens allen Kieler Fans in der Arena klar, dass dieses Heimspiel kein Spaziergang für den THW werden würde.

THW dreht in Unterzahl auf

Dessen 3:2:1-Deckung gelang es im ersten Durchgang zu selten, an die starken Abwehrleistungen der vergangenen Partien anzuknüpfen – so traf der an den Kreis aufgelöste Narcisse zum 6:4 aus Sicht der Franzosen. Doch ausgerechnet eine Zeitstrafe gegen René Toft Hansen weckte die Kieler nun auf: Angefeuert vom angestachelten Publikum überstanden die „Zebras“ die Unterzahl schadlos – auch weil Andreas Palicka, der sonst allerdings keinen Ball zu fassen bekam, einen Gegenstoß von Jeffrey M'tima entschärfte. Als Vujin trotz Unterzahl zum 6:6 egalisierte und wenig später Duvnjak per Sprungwurf beim 7:6 die erste THW-Führung erzielte, stand die Sparkassen-Arena erstmals Kopf.

Paris mit knapper Pausenführung

Die gesamte Kieler Bank fieberte beim Spiel gegen Paris mit.

Doch Paris St. Germain blieb unbeeindruckt, angetrieben von weiteren starken Paraden Omeyers legten die Gäste durch einen Narcisse-Doppelschlag wieder vor. Alfred Gislason reagierte, brachte mit Johan Sjöstrand einen neuen Torhüter und beorderte Rasmus Lauge auf die Rückraummitte. Allerdings blieb Paris weiter vorne, weil Vujin und Gojun am Kreis gefunden wurden, während Ekberg zweimal aus aussichtsreicher Position an Omeyer scheiterte. So bekam der französische Vizemeister sogar die Chance, beim Stand von 12:10 erstmals auf drei Tore davonzuziehen. Diesmal aber unterband die THW-Deckung das Kreisanspiel Mikkel Hansens, und nach weitem Sjöstrand-Pass auf Dominik Klein konnten die Gastgeber wieder verkürzen. Im Anschluss traf William Accambray den Pfosten, während Patrick Wiencek per Gegenstoß den 12:12-Ausgleich erzielte. Doch auch Vujins bereits vierter Treffer zur 13:12-Führung brachte keine Sicherheit ins Kieler Spiel – wieder drehte Paris dank starker Deckung den Spieß direkt um und führte nach einem Treffer Melics wieder mit 15:13. Nur gut, dass der mittlerweile für Ekberg eingewechselte Christian Sprenger gegen seinen langjährigen Mannschaftskameraden Omeyer die Nerven behielt und aus spitzem Winkel noch zum 14:15-Pausenstand verkürzen konnte.

Große Hansen-Show

Mikkel Hansen war zu Beginn der zweiten Halbzeit nicht zu stoppen.

Nach Wiederanpfiff vertraute Alfred Gislason wie schon zum Ende des ersten Durchgangs auf eine 6:0-Deckung. Doch ein Spieler von Paris St. Germain drehte nun auf: Mikkel Hansen erzielte die ersten fünf Gästetreffer nach dem Seitenwechsel und hielt seine Farben damit quasi im Alleingang vorne. Immerhin aber spielte der THW im Angriff nun schneller und flüssiger, so dass Vujin und Cañellas die Partie weiterhin eng halten konnten. Nach Mikkel Hansens insgesamt achten Treffer zum 20:19 aus Pariser Sicht wechselte Alfred Gislason wieder zurück auf die 3:2:1-Formation, zudem brachte er noch einmal Palicka für den ebenfalls glücklosen Sjöstrand zurück.

Palicka und Cañellas bringen THW nach vorne

Andreas Palicka sorgte mit seinen Paraden dafür, dass sich der THW absetzen konnte.

Dies sollte sich auszahlen: Zwar traf N'diaye nach einem Stürmerfoul Wienceks zunächst zum 21:19 für die Gäste, doch diese taten sich aus dem gebundenen Spiel nun immer schwerer gegen die Kieler Deckung. Besonders Mikkel Hansen war nun wieder aus dem Spiel. Der deutsche Rekordmeister gelang durch zwei Cañellas-Treffer zum Ausgleich. Vori brachte Paris per Nachwurf noch einmal in Front, doch nachdem Duvnjak Hansen den Ball wegspitzelte, Sprenger per Gegenstoß zum 22:22 traf und sich wenig später einmal mehr Cañellas durchsetzte, lag der THW erneut vorne. Paris hatte zuvor immer postwendend eine Antwort parat, wenn sich der Gastgeber kurzzeitig die Führung ergattern konnte. Jetzt aber nicht mehr: Andreas Palicka zeigte gegen Melic, Hansen und Barachet nun drei wichtige Paraden innerhalb kürzester Zeit, während Klein per Gegenstoß und Cañellas vom Siebenmeterstrich auf 25:22 erhöhten.

THW bringt Sieg nach Hause

Ganz starke Partie: Joan Cañellas erzielte 9/4 Treffer.

Die Sparkassen-Arena kochte, doch Paris gab sich noch nicht geschlagen: Als William Accambray in Unterzahl einnetzte, war der Kieler Vorsprung kurzzeitig wieder auf einen Treffer geschmolzen. Doch Cañellas mit seinem achten Treffer, ein Ballgewinn des auf der Spitze der 3:2:1-Deckung jetzt stark spielenden Duvnjak und das resultierende Kontertor durch Wiencek stellte den Drei-Tore-Vorsprung beim 28:25 wieder her, ehe Vujin sogar auf 29:25 erhöhte. Der Kieler Sieg nahm Konturen an, und obwohl Omeyer noch einige starke Paraden zeigte und Sprenger einen Gegenstoß „abkaufte“, geriet er auch nicht mehr in Gefahr. Spätestens als Duvnjak einen Sprungwurf zum 32:27 in den Winkel jagte, waren die letzten Zweifel weggewischt, die Fans erhoben sich von ihren Sitzen und feierten ihren THW, der damit das dritte Spitzenspiel binnen sieben Tagen für sich entscheiden konnte.

Am Mittwoch kommt Zagreb

Mit nun 10:2 Punkten haben die „Zebras“ beste Karten auf den Sieg in der Champions-League-Gruppe A. Der direkte Vergleich gegen Paris St. Germain (8:4 Zähler) wurde gewonnen, so dass sich der THW in den verbleibenden vier Gruppenspielen sogar noch eine Niederlage leisten könnten. Bereits am kommenden Mittwoch können die Kieler ihren Vorsprung weiter ausbauen, wenn RK Zagreb in der Sparkassen-Arena zu Gast ist. Allerdings sollte die Mannschaft von Trainer Alfred Gislason gewarnt sein, brachte der kroatische Serienmeister ihr doch bislang die einzige Niederlage im Wettbewerb bei.

 

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