Achtelfinal-Derby, Teil 1: Auf nach Flensburg!

Champions League
Freitag, 13.03.2015 // 09:11 Uhr

Die Handball-Welt schaut einmal mehr auf Schleswig-Holstein: In der "VELUX EHF Champions League" kommt es zur Neuauflage des letztjährigen Finales – und das bereits in der Runde der letzten 16. Für das Handball-Land zwischen den Meeren bedeutet das Hochspannung, Emotionen und packende Duelle im Doppelpack. Am Sonntag steigt an der dänischen Grenze das 81. Derby - für den THW Kiel geht es dabei um eine gute Ausgangsposition für das Rückspiel eine Woche später vor den eigenen Fans. sky zeigt beide Partien live ab 19.30 Uhr, die THW-Homepage bietet einen Liveticker an.

Storm: "Zwei sportliche Höhepunkte"

Es ist ein Duell wie aus dem Bilderbuch. Ein Derby, wie gemalt. Nur rund 80 Kilometer liegen zwischen der Landeshauptstadt Kiel und Flensburg. Der Nord-Ostsee-Kanal trennt das Land, das doch eigentlich "Up ewig ungedeelt" sein sollte, handballerisch in zwei Teile: Im Norden hat vor allem Flensburg seine Anhänger, südlich des Kanals regiert der THW Kiel. "Das werden zwei sportliche Höhepunkte hier in Schleswig-Holstein. In Flensburg haben wir die letzten Jahre nicht gut ausgesehen. Viel wird darauf ankommen, wie man sich dort im Hinspiel schlägt", sagt THW-Geschäftsführer Thorsten Storm.

600 Fans begleiten den THW Kiel

"Derbys haben immer ein speziellen Charakter. Den muss man spüren und damit umgehen können", freut sich das dienstälteste "Zebra" Dominik Klein auf die beiden Partien gegen den Nordrivalen. "Und für unsere Fans ist es das Spiel der Spiele." Rund 600 Schwarz-Weiße werden den THW am Sonntag zum ersten Teil des Derbys begleiten - dreimal so viele wie im Bundesliga-Alltag. "Wir hoffen natürlich, dass unsere Fans unserer Mannschaft in beiden Spielen ordentlich Rückenwind geben werden", erwartet THW-Geschäftsführer Thorsten Storm eine richtige Derby-Atmosphäre an beiden Spielorten.

Mogensen und Svan wieder fit

Wieder fit: Thomas Mogensen.

SG-Geschäftsführer Dierk Schmäschke war "nicht glücklich darüber, gegen Kiel zu spielen. Sportlich macht Kiel allerdings für uns keinen großen Unterschied, alle Lose wären sehr schwer gewesen." Allerdings: Nachdem der Kader der Flensburger zuletzt arg von Verletzungen gebeutelt war, meldeten sich Thomas Mogensen und Lasse Svan rechtzeitig zum Derby wieder fit. Mogensen ist mit 57 Toren bisher bester SG-Torschütze in der "VELUX EHF Champions League". Zudem kann die SG, deren Kader wir Ihnen bereits im Vorbericht zum Bundesliga-Spiel ausführlich vorgestellt hatten, auf den ägyptischen Top-Torschütze Ahmed El Ahmar bauen, den die Flensburger nach der Verletzung von Holger Glandorf verpflichtet hatten. "Das werden zwei Spiele voller Emotionen und Leidenschaft", erwartet Schmäschke ein enges Rennen.

Weinhold erwartet enge Spiele

"Ohne das große Verletzungspech hätte Flensburg in der Gruppenphase mit Sicherheit besser abgeschnitten als auf Platz vier", sagt Nationalspieler Steffen Weinhold, der vor dieser Spielzeit aus Flensburg nach Kiel gewechselt war. "Jetzt sind fast alle Spieler wieder an Bord, das wird sehr, sehr schwierig." Zumal die Kieler zunächst in Flensburg antreten müssen, wo sie zuletzt dreimal in Folge zum teil deutlich verloren haben. "In Flensburg ist eine besondere Stimmung", freut sich Weinhold auf die erneute Rückkehr an alte Wirkungsstätte. "Als Auswärtsmannschaft muss man dort alles dafür tun, dass die Halle der SG nicht so viel Rückenwind geben kann. Als Gruppenerster wollen wir natürlich weiter kommen, denn wir wollen nach Köln!" 

Nahezu ausgeglichene Bilanz

Neuverpflichtung: Ahmed Elhamar.

In der langen, bisher 80 Spiele umfassenden Dergy-Geschichte ging es beinahe immer hoch her. Auf europäischer Ebene trafen beide Teams bisher acht Mal aufeinander, das erste Mal im EHF-Pokal-Finale 1998, das der THW Kiel auf der Jagd nach seinem ersten Triple gewann. Ebenfalls legendär sind die beiden Champions-League-Finalspiele 2007, die am Ende von 120 dramatischen Minuten die Landeshauptstadt in einen tagelangen Jubelrausch versetzten. Insgesamt ist die Bilanz zwischen den beiden Landesrivalen auf europäischer Eben nahezu ausgeglichen: Vier Mal siegte der THW Kiel, einmal gab es ein Unentschieden, und dreimal gewann die Mannschaft von der dänischen Grenze – zuletzt Anfang Juni das Finale (siehe auch Gegner-Statistik SG Flensburg-Handewitt im THW-Archiv).

SG-Vorrunde mit Licht und Schatten

"Das haben wir nicht vergessen", sagt Kapitän Filip Jicha. "Flensburg ist von den drei möglichen Achtelfinal-Gegnern sicherlich der schwerste." Denn dass die SG die Gruppenphase lediglich auf Platz vier abschießen würde, war vor dem Start der aktuellen Spielzeit von keinem Experten erwartet worden. Gebeutelt von Verletzungen wechselten sich allerdings bei den Flensburgern in der Vorrunde Licht und Schatten ab. Deutlichen Heimsiegen gegen Plock (35:28), Alingsas (31:21) und Kopenhagen (27:20) standen ebenfalls deutliche Niederlagen in der dänischen Hauptstadt (21:35)  und Barcelona (27:36) gegenüber. Den möglichen dritten Platz verspielte die SG durch die 29:31-Niederlage am letzten Vorrundenspieltag bei Wisla Plock. 

sky-Bars zeigen Auswärtsspiel

Teil eins des Derby-Doppelpacks elektrisiert wieder die Fans. Die Flensburger Halle wird mit 6.300 Zuschauern ausverkauft sein. Wer nicht live dabei sein kann, wenn die Neuauflage des letztjährigen Champions-League-Finales steigt, kann die Partie ab 19.30 Uhr im Fernsehen bei sky oder in einer der sky-Bars live erleben: In Kiel wird das Nordduell unter anderem im "Sporthotel Avantage" (Braunstrasse 40), in "Mc Lang’s Irish Pub" (Lange Reihe), im "Hillstreet" (Bergstraße), im Fußballcenter Pagelsdorf (Göteborgring 83), im "Gutenberg" (Gutenbergstraße 66) und in der "Bar Cultura" (Kirchhofallee 83) zu sehen sein. THW-Fans in Neumünster können das Spiel im "Fun Fabrik Bowl" auf Großbildleinwand sehen. Die Vorberichterstattung zum Derby beginnt im Fernsehen bereits um 18.30 Uhr. Schiedsrichter der Partie sind die beiden Schweden Michael Johansson und Jasmin Kliko, als EHF-Delegierter ist der Ungarn Sandor Andorka vor Ort. Es ist Derby-Zeit, auf geht's, Kiel!

KN: Nur ein Tempo zählt: Vollgas

Kiel. Rechtzeitig zum 81. Handball-Landesderby zwischen dem THW Kiel und der SG Flensburg-Handewitt werden sie herausgekramt: die Statistiken. Doch Aussagekraft haben die 49 Kieler Triumphe, die vier Unentschieden und die 29 Flensburger Siege nicht. In diesen Duellen gelten andere Gesetze: Kampfgeist, Emotionen und Tagesform entscheiden morgen (19.30 Uhr, live auf Sky) in Flensburg über den ersten Part im Achtelfinale der Champions League (Rückspiel: 22. März, 19.30 Uhr).

Zahlenspiele hin, Favoritenrolle her: THW-Trainer Alfred Gislason wischt dieses ganze Gerede vom Tisch: "Flensburg war das schwerstmögliche Los für das Achtelfinale. Der aktuelle Champions-League-Sieger ist sicherlich nicht in der Außenseiterrolle." Trotz der Verletztenliste der Flensburger in den vergangenen Wochen, erwartet Gislason einen starken Gegner: "Inzwischen sind fast alle wieder dabei. Und mit Ahmed Elahmar haben sie einen starken Ägypter nach der WM verpflichtet." Doch der Respekt vor dem Gegner sorgt nicht dafür, dass der deutsche Meister mit Zurückhaltung nach Flensburg fährt: "Wir sind noch nie den leichten Weg gegangen. Und diese Spiele sind das, wofür wir spielen. Das wird einfach Handball pur mit einer super Stimmung in der Halle. Aber wir sind der THW Kiel, und wir gehen nach Flensburg, um zu gewinnen." Ein Fragezeichen steht aber hinter dem Einsatz von Patrick Wiencek, der sich im Spiel am Donnerstag eine Zerrung der seitlichen Rumpfmuskulatur zugezogen hat.

Auf taktische Spielchen und Hoffnungen wegen des Heimrechts im Rückspiel will sich Gislason nicht einlassen: "Auch mit einem Sieg in Flensburg sind wir bei weitem noch nicht weiter. In der K.o.-Runde kann alles passieren."

Selbstvertrauen wird auch bei der SG zur Schau gestellt: "Es ist mir egal, gegen wen wir im Achtelfinale spielen. Vorteil ist definitiv: Wir kennen unseren Gegner sehr genau, und auch die Fans werden uns bei Heim- und Auswärtsspiel kräftig unterstützen. Wir nehmen diese Aufgabe gern an", sagt SG-Trainer Ljubomir Vranjes, der mit der Entwicklung seines Teams nach der Rückkehr der Verletzten sehr zufrieden ist.

Vranjes erwartet hoch emotionale Duelle, vor allem nach dem Ausscheiden der Kieler aus dem DHB-Pokal: "Ein Nachteil ist das für den THW sicherlich nicht. Ich hätte eher noch mehr Hunger auf ein Weiterkommen." Die Erinnerung an das Champions-League-Finale am 1. Juni vergangenen Jahres, als die SG dem THW mit 30:28 den Titel entriss, spielt für Vranjes dagegen keine Rolle mehr: "Aber natürlich wollen wir jedes Spiel gewinnen und wenn uns das gelingt, dann können wir wieder den Titel holen."

(Von Ralf Abratis, aus den Kieler Nachrichten vom 14.03.2015)

KN: 600 Kieler in Flensburg

Kiel. Dieses Duell wollen sich die größten THW-Fans nicht entgehen lassen: 600 Kieler haben sich Karten für das Achtelfinal-Hinspiel der Champions League in Flensburg besorgt: "Die Stimmung in der Flensburger Halle ist immer super – mit den Gesängen und dem Hissen des Trikots für den achten Mann", sagt Volker Lorenzen, Vorsitzender des Fanclubs "Zebrasprotten", der allein mit zwei Bussen anreist. Auch vor der SG-Mannschaft haben die Kieler Fans höchsten Respekt. Den würden sie sich mitunter auch von einigen SG-Anhängern wünschen.

Hochstimmung dürfte bei dem Spiel auch in Kiel herrschen. Die Sky-Bars, die das Spiel übertragen, sind auf der Homepage des THW (www.thw-handball.de) aufgelistet. Der Bezahlsender beginnt seine Übertragung mit Vorberichten bereits ab 18.30 Uhr. 

(Von Ralf Abratis, aus den Kieler Nachrichten vom 14.03.2015)

 

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