Derby-Sieg! Starker THW ringt Flensburg nieder

Champions League
Samstag, 03.10.2015 // 19:00 Uhr

Der THW Kiel hat das 85. Landes-Derby gegen die SG Flensburg-Handewitt für sich entschieden: Am dritten Spieltag der "VELUX EHF Champions League" besiegten die Kieler nach einem 60 minütigen Kampf mit viel Leidenschaft und Wille die SG mit 27:23 (14:13). Die Basis hierfür legten die "Zebras" in einer starken Defensive, hinter der Nikolas Katsigiannis zwölf wichtige Bälle hielt. 10.285 Zuschauern in der restlos ausverkauften Sparkassen-Arena pushten ihr Team auch nach Rückschlägen, wie dem verletzungsbedingten Ausscheiden von Kreisläufer Patrick Wiencek, nach vorn. Bester Torschütze in einer hochklassigen Partie war Joan Canellas mit 7/4 Treffern.

Vujins Fackel zur Vorentscheidung

Emotionen pur: Marko Vujin feiert hier seinen Gewaltwurf zum 24:21 (55.)

Diese eröffnete Katsigiannis, der sich immer mehr zum SG-Schreck aufschwang, quer in der Luft stehend mit einem gehaltenen Gegenstoß von Svan. Eine Monster-Parade, die noch einmal alle Kräfte mobilisierte. Auf der Gegenseite traf Duvnjak aus halbrechter (!) Position ins lange Eck, dann verwandelte Canellas einen von Turbo-Sprenger herausgeholten Siebenmeter - Flensburg nahm die Auszeit. Doch gegen die Kieler Defensive, die bis zum Umfallen rackerte, war nun kein Kraut mehr gewachsen. Katsigiannis schnappte sich einen Mogensen-Wurf, dann musste Rene Toft Hansen für zwei Minuten auf die Bank. Die Unterzahl spielten die "Zebras" mit vereinten Kräften herunter, doch bei angedrohtem Zeitspiel schien Flensburg wieder Oberwasser zu gewinnen: Dann kam Vujin. Der Linkshänder ließ eine Fackel los, und als diese zum 24:21 (55.) im SG-Tor einschlug, riss es die Fans von den Sitzen.

Wiencek verletzt sich schwer

Tragisch: Patrick Wiencek schied mit Verdacht auf Kreuzbandriss aus.

Mit einigen personellen Überraschungen wartete SG-Trainer Ljubomir Vranjes an seinem 42. Geburtstag auf: Er hatte Kevin Möller den Vorzug vor Mattias Andersson gegeben, und statt Anders Eggert sollte Hampus Wanne auf Außen für Tore sorgen. THW-Trainer Alfred Gislason hatte Dragos Oprea aufgeboten, weil der zuletzt so starke Rune Dahmke mit Oberschenkel-Problemen zu kämpfen hatte. Dafür meldete sich Christian Dissinger, der zuletzt erkrankt gefehlt hatte, wieder zurück. Das Derby begann mit einem starken Kieler Start: Der unermüdlicher Antreiber Domagoj Duvnjak erzielte nach einem Wackler das 1:0, dem Christian Sprenger kurz darauf mit einem Dreher das 2:0 folgen ließ. Doch dann entpuppte sich Möller zum THW-Schreck: In kurzer folge parierte er Würfe von Sprenger, Patrick Wiencek und Duvnjak, was die Flensburger mit vier schnellen Toren zur 4:2-Führung bestraften. Dann bediente Landin Sprenger zum 3:4, und nach Duvnjak erzielte den Ausgleich. Was dann folgte, war tragisch: Nach einem harmlos aussehenden unglücklichen Zusammenprall mit Rasmus Lauge bei dessen Treffer zum 6:6 blieb Patrick Wiencek auf dem Feld liegen und schied mit dem Verdacht auf einen Kreuzbandriss im rechten Knie aus. 

Wechselnde Führungen

Joan Canellas machte Dampf.

Ein Schock, der die "Zebras" und ihre Fans noch dichter zusammenrücken lassen schien: Nach Henrik Toft Hansens Rückraumtreffer bei angedrohtem Zeitspiel zeigte die Kieler Defensive Zähne: Nach einer Landin-Parade traf Duvnjak zum Ausgleich, dann tippte Canellas den Ball zu Dragos Oprea, der den Ball zum 9:8 versenkte, ehe Vujin seinen Emotionen nach seinem Tor zum 10:8 (21.) freien Lauf ließ. Das Derby nahm noch einmal an Intensität zu, es wurde um jeden Ball gekämpft - erst einmal konterten die Flensburger nach zwei Offensiv-Fehlern der Kieler binnen 50 Sekunden mit dem Ausgleich und gingen durch Kentin Mahés Siebenmeter und Gottfridssons Wurf ihrerseits wieder mit 12:10 in Führung. 

Mittwoch Spitzenspiel in Mannheim

Für den THW Kiel geht es bereits am Mittwoch weiter: Dann werden die "Zebras" in der Mannheimer SAP-Arena zum Spitzenspiel bei den Rhein-Neckar Löwen erwartet. Die Partie des bisher verlustpunktfreien Tabellenführers gegen den Meister aus Kiel wird um 19 Uhr angepfiffen, Sport1 wird live übertragen. Zwischenstände liefert der Liveticker unter www.thw-handball.de. Von Mannheim aus reist der THW direkt weiter nach Plock: Dort steht am Sonnabend (20:45 Uhr, live auf Sky Sport) das nächste Vorrundenspiel in der "VELUX EHF Champions League" auf dem Programm. Das nächste Heimspiel der Kieler findt am Mittwoch, 14. Oktober (20.15 Uhr) gegen den ThSV Eisenach statt (jetzt Tickets sichern!). Dauerkarten-Inhaber nutzen hierfür bitte die Karte 5 (GWD Minden). Auf geht's, Kiel!

Knapper Pausenvorsprung

Unermüdlicher Antreiber: Domagoj Duvnjak.

Gislason reagierte und brachte Katsigiannis. Ein Schachzug, der sich schon kurz darauf auszahlen sollte: Die "Katze" knüpfte dem frei vor ihm auftauchenden Jakobsson den Ball ab, im Gegenzug vollende Canellas zum 11:12, dem der Spanier kurz darauf vom Siebenmeter-Strich den Ausgleich folgen ließ. Da waren noch etwas mehr als zwei Minuten im ersten Durchgang zu spielen - und beide Teams machten auch diese 120 Sekunden zu einem Handball-Spektakel. Erst zündete Sprenger nach einem Weinhold-Steal den Tempo-Turbo zum 13:12, dann hielt Möller seinen zwölften Ball, was Svan mit dem Ausgleich belohnte. Und dann traf Canellas zum 14:13, seinem dritten Tor in drei Minuen, ehe seine Mannschaftskollegen mit vereinten Kräften den erneuten Gleichstand verhinderten.

THW kann sich nicht absetzen

Joan Canellas markierte sieben wichtige Tore.

Wer von den 10.285 Zuschauern, darunter rund 500 aus Flensburg, geglaubt hatte, intensiver als die ersten 30 Minuten könne es nicht werden, sah sich schnell getäuscht: Es wurde noch härter um jeden Ball gekämpft, und es wurde noch emotionaler -auf den Rängen, und auf dem Feld. Mit einem Canellas-Doppelschlag hatten sich die "Zebras" auf 17:15 (35.) abgesetzt, versäumten es jedoch, aus den Ballgewinnen in der Abwehr noch mehr Kapital zu schlagen. So war es Svan, der nach 42 Minuten das Derby quasi wieder bei null beginnen ließ. Wieder zogen die Kieler mit zwei Toren davon, und wieder kam Flensburg zum Ausgleich (49.). Es ging hin und her - und es sollte eine packende Schlussphase folgen.

"Dule" macht den Deckel drauf

Ausgelassener Jubel: Die "Zebras" feiern den Derby-Sieg.

Die mussten sich nicht mehr hinsetzen, weil Katsigiannis einen Gewaltwurf des in der zweiten Halbzeit groß aufspielenden Glandorf festhielt (!), La Ola und "Schwarz und Weiß" machten die Runde, und als Weinhold Rene Toft Hansen zum 25:21 bediente (56.), schien der Derby-Sieg Gestalt anzunehmen. Flensburg spielte nun mit einer offenen Deckung, die Duvnjak jedoch mit einem Slalomlauf zum 26:22 aushebelte. Selbst die Rote Karte für THW-Kapitän Toft Hansen, der Kentin Mahé im Gesicht getroffen haben soll, brachte die "Zebras" nicht mehr aus dem Konzept - der Rest war schlichtweg ein einziger Jubel mit den THW-Fans, die ihrer Mannschaft 60 Minuten lang mit einem Hexenkessel den Rücken gestärkt hatten. 

 

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