KN-Doppelinterview: "Die Fans sind ein entscheidender Faktor"

Champions League
Samstag, 14.03.2015 // 18:24 Uhr

Kiel. Vor dem ersten Teil des Achtelfinals der Champions League zwischen Kiel und Flensburg haben die Kieler Nachrichten die beiden Kapitäne Filip Jicha (THW) und Tobias Karlsson (SG) - unabhängig voneinander - befragt.

Wie frisch sind noch die Erinnerungen an das CL-Finale?

Karlsson: Das war natürlich ein Highlight für uns. Aber die Wahrheit ist, dass wir nun mit einer ganz anderen Mannschaft antreten – wie auch die Kieler. Deshalb wird das jetzt eine ganz andere Geschichte.

Jicha: Im Laufe der Zeit haben sich die schmerzhaften Erinnerungen abgebaut, und es bleiben die schönen an eine aufregende Saison. Es war ein großer Moment, in diesem nationalen Finale zu stehen. Flensburg hat toll gespielt, schwamm noch auf der Welle der Euphorie nach dem gewonnenen Halbfinale gegen Barcelona. Uns fehlte nach der Aufholjagd nach dem schwachen Start am Ende die Kraft. Aber das Final4 war ein tolles Wochenende mit einem verdienten Sieger.

Spielt das Finale in diesem Duell noch eine Rolle?

Jicha: Nein. Die Emotionen sind weg, und das Achtelfinale lebt von neuen Emotionen. Ein Finale in Köln ist etwas anderes als die Spiele in Schleswig-Holstein. Hier kommt der Derby-Charakter viel stärker heraus. Wer in der Vergangenheit lebt, der sollte aufhören zu spielen.

Karlsson: Für das Selbstbewusstsein ist es immer wichtig, Titel zu gewinnen. Aber die Kieler haben viele Spieler, die viele Titel gewonnen haben. Deshalb werden sie selbstbewusst in das Duell gehen.

Was spricht diesmal für Ihre Mannschaft?

Karlsson: Die Gründe hat man in der Bundesliga gesehen. Wir müssen gut vorbereitet sein und hinten sicher stehen. Mit der richtigen Hilfe von Mattias (Andersson, d. Red.) können wir das Spiel offen gestalten und eine gute Grundlage schaffen. Aber die Favoriten sind die Kieler.

Jicha: Die Qualität unseres Spiels spricht für uns. Wir müssen nur verstehen, unser Spiel auch durchzuziehen, dürfen uns davon nicht abbringen lassen. Cool und locker bleiben und auf die Qualitäten besinnen, das ist das Geheimnis.

Wovor haben Sie bei den Gegnern Respekt?

Jicha: Die Flensburger Abwehr und die Zusammenarbeit mit den Torhütern läuft einfach auf Weltniveau. Und Mattias Andersson ist gegen seinen Ex-Verein, den THW, immer besonders motiviert. Wenn wir nicht in die richtige Position kommen, wird es schwierig.

Karlsson: Die individuelle Stärke jedes Einzelnen in Kiel ist sehr hoch. Auf allen Positionen haben sie einen Spieler, der ein Match entscheiden kann.

Mit welchem Ergebnis wollen Sie aus dem Hinspiel gehen?

Karlsson: Man kann nicht sagen, vier Tore reichen nicht, sechs aber schon. Wichtig ist, dass wir ein gutes Gefühl aufbauen. Dann haben wir auch in Kiel eine Chance.

Jicha: Wir wollen gegen Flensburg den Sprung in die nächste Runde schaffen. Und das heißt, insgesamt müssen wir im Zweifel um ein Tor besser sein. Aber im Handball gibt es keine taktischen Spielchen wie im Fußball. Wir werden also auch in Flensburg auf Sieg spielen und über 120 Minuten 100 Prozent geben.

Wie wichtig ist der Fan-Faktor?

Jicha: Das ist einfach unglaublich prickelnd. Diese Derbys sind Spiele, die man sehr gern spielt, weil die Fans noch mehr dahinter stehen als sonst. Die Energie überträgt sich in eigener Halle von der Tribüne auf das Feld – ein riesiger Faktor.

Karlsson: Die Fans sind sehr wichtig. Das sieht man in der Bundesliga, wo beide Mannschaften in den vergangenen Jahren jeweils ihre Heimspiele gewonnen haben.

Und welches Team ist bei den Fans im Vorteil?

Karlsson: Die Zuschauerzahl ist in der Sparkassen-Arena höher, aber die Stimmung in der Flens-Arena besser.

Jicha: Ich spiele in Kiel und habe noch kein besseres Publikum in der ganzen Welt erlebt.

(Interviews: Ralf Abratis, aus den Kieler Nachrichten vom 14.03.2015, Foto: Sascha Klahn)

 

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