KN: Flensburg gewinnt gegen Paris – Löwen schlagen Barca

Champions League
Montag, 21.09.2015 // 11:58 Uhr

Flensburg/Mannheim. Es schien fast so, als ob Noka Serdarusic seine Entscheidung vom Frühling zumindest ein wenig bereute. "Nach der angenehmen Zeit in der Provence hatte ich schon daran gedacht, dass es an der Zeit sei, in den Ruhestand zu gehen", erzählte der 65-Jährige. "Dann kamen die Gespräche mit Paris, angesichts der Perspektiven konnte man nicht nein sagen." Doch spätestens mit dem Auftakt in der Champions League folgte die Ernüchterung. Nach zwei glanzlosen Siegen in der französischen Liga fing sich das Star-Ensemble von Paris Saint-Germain eine schallende Ohrfeige ein und kassierte eine 32:39 (16:21)-Schlappe bei der SG Flensburg-Handewitt. Die große Schar der Individualisten trat nicht wie eine Einheit auf, der Angriff war - O-Ton Noka Serdarusic - "schlecht wie in den letzten Wochen".

SG lässt Noka verzweifeln

Auch der ehemalige Welthandballer Daniel Narcisse mutierte vor 5800 Zuschauern in der Flens-Arena zum Mitläufer. Er wirkte enttäuscht angesichts der eigenen Vorstellung, schrieb die Niederlage aber auch einem häufiger erlebten Mechanismus zu. "Die Flensburger", erklärte er, "wollten nach zwei Niederlagen in der Bundesliga unbedingt zeigen, was in ihnen steckt." In Flensburg herrschte nach dem doppelten Hessen-Patzer gegen Melsungen und in Wetzlar eine ratlose Stimmung. Doch am Sonnabend war davon nichts zu spüren. "Die ersten 20 Minuten deckten meine Jungs wirklich verdammt gut", sagte SG-Coach Ljubomir Vranjes. "Wenn dann auch der Torwart noch hält, gerät man in einen Lauf."Mattias Andersson war in Weltklasse-Form, Gegenüber Thierry Omeyer ließ sich bereits nach einer Viertelstunde auswechseln. 17:8 hieß es nach 20 Minuten. Ein Polster mit vorentscheidendem Charakter hatte.

In der SG-Truppe steckte viel Leidenschaft. Die insgesamt neun Zeitstrafen waren das eher unrühmliche Kapitel. Das enorme Tempo, die schnellen Kombinationen und die Wurf-Effizienz brachten die schillernden Momente. Mittendrin Rasmus Lauge, der als Akzentgeber in der Offensive und als Halbverteidiger Akzente setzte. "Mental waren wir auf einem ganz anderen Level als zuletzt", freute sich der Neuzugang vom THW Kiel.

Noka Serdarusic staunte auf der Bank. "Die Flensburger gingen in die Gegenstöße und in die zweite Welle wie Kamikaze-Flieger", sagte er. An Einsatzbereitschaft mangelte es auch Nikola Karabatic nicht. Der Top-Star, in Flensburg dauerhaft ausgepiffen, laborierte noch an einem Jochbeinbruch, warf sich dennoch in das Getümmel. Mehr als individuelles Stückwerk konnten Nikola Karabatic und seine Mitstreiter nicht abrufen. "Ich habe hier noch eine Menge Arbeit vor mir", stöhnte Noka Serdarusic. "Auch Spieler mit großen Namen müssen das Kämpfen lernen."

Vizemeister Rhein-Neckar Löwen sorgte am Sonntag für eine weitere große Überraschung. Der Bundesliga-Tabellenführer bezwang Titelverteidiger FC Barcelona in heimischer Halle mit 22:21 (10:9). Die Löwen lieferten dem neunmaligen Champions-League-Gewinner lange einen packenden Kampf und lagen auch meist in Führung. Trainer Nikolaj Jacobsen hatte seine Männer taktisch gut eingestellt. Die Mannheimer agierten aus einer offensiven Deckung heraus und stellten die Spanier damit vor große Probleme. Nach 35 Minuten hatte Barcelona gerade einmal neun Tore geworfen.

Und hinten im Tor machte Mikael Appelgren die Schotten dicht. Der schwedische Keeper, zur Saison vom Ligarivalen MT Melsungen gekommen, hielt seine Mitspieler mit zahlreichen Glanzparaden im Spiel. Den vorentscheidenden Treffer zugunsten der Löwen erzielte der Schweizer Andy Schmid gut eineinhalb Minuten vor Schluss zum 22:20.

(Von Jan Kirschner, aus den Kieler Nachrichten vom 21.09.2015, Foto: Sascha Klahn)

 

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