THW holt in Celje den dritten Auswärtspunkt

Champions League
Samstag, 28.11.2015 // 19:40 Uhr

Der THW Kiel hat am Samstagabend seinen dritten Auswärtspunkt in der "VELUX EHF Champions League" geholt. In der Arena Dvorana Zlatorog verpassten die "Zebras" beim 23:23 (14:14)-Unentschieden gegen den slowenischen Meister RK Celje Pivovarna Lasko allerdings einen Sieg und verspielten eine zwischenzeitliche Drei-Tore-Führung. Bester Torschütze in einer umkämpften und zerfahrenen Partie, in der der THW auf Niclas Ekberg (Magen-Darm) verzichten musste, war THW-Linksaußen Rune Dahmke mit sechs Treffern. Für die Gastgeber trafen Blaz Janc und Sime Ivic je viermal. Domagoj Duvnjak sah kurz vor Schluss die rote Karte.

Ekberg musste zu Hause bleiben

Einen personellen Rückschlag musste THW-Trainer Alfred Gislason bereits beim Abflug am Freitagmorgen verkraften: Zwar ging Kapitän Rene Toft Hansen, zuletzt beim Bundesliga-Spitzenspiel gegen Melsungen gesperrt, mit an Bord und meldete sich einsatzbereit, dafür fehlte Rechtsaußen Niclas Ekberg: Mit einer Magen-Darm-Grippe blieb der Schwede genauso zu Hause in Kiel wie die verletzten Torsten Jansen und Patrick Wiencek.

Bissige Gastgeber

THW-Trainer Alfred Gislason setzte in der Startsieben auf Niklas Landin im Tor, Rune Dahmke und Christian Sprenger auf den Außenpositionen, Rene Toft Hansen am Kreis sowie Spielmacher Domagoj Duvnjak, Steffen Weinhold und Christian Dissinger im Rückraum. Wie schon im Hinspiel, in dem sich die Zebras nach zwischenzeitlichem Rückstand ein 35:32 erkämpften, traten die "jungen Wilden" vom slowenischen Abonnement-Meister quirlig und bissig auf. Die 2:1-Führung der Kieler, für die Dissinger und Duvnjak den Torreigen eröffneten, sollte lange die letzte für den deutschen Rekordmeister bleiben. 

Dahmke erzielt den Ausgleich

Blaz Blagotinsek, Luka Dobelsek und Celjes Youngster Blaz Janc brachten ihre Farben zum 4:2 in Front. Der THW, der mit einer offensiven 3:2:1-Deckung mit Duvnjak an der Spitze startete, stellte auf die 6:0-Formation um, als Dahmke zum 5:5 ausgeglichen hatte. Doch allzu oft scheiterten die Kieler selbst an der beweglichen Abwehr der Slowenen und Ivan Gajic im Tor dahinter. Nach erneutem Zwei-Tore-Rückstand und einer Auszeit von Trainer Alfred Gislason war es wieder Dahmke, dem es nach einem langen Gegenstoß-Traumpass von Landin gelang, den 8:8-Ausgleich zu erzielen.

Drei Tore vorn

Im Gegenzug fing Dissinger einen Gegenstoß-Pass ab und brachte den THW nach knapp 20 Minuten wieder in Führung. Als dann auch noch Steffen Weinhold seinen ersten Treffer per Stemmwurf markierte und zum 10:8 aus Kieler Sicht traf, sah Celjes Trainer Branko Tamse sich gezwungen, seine erste Auszeit zu nehmen. Der THW-Express, so schien es, nahm allmählich Fahrt auf, auch wenn er bei jedem Angriff gellend ausgepfiffen wurde. Das Tor zum 11:9 für den THW hatte Seltenheitswert, war es doch Rene Toft Hansen, bisher nicht für Sprinterqualitäten bekannt, der für die Zebras per Gegenstoß traf. Trotz einer Zeitstrafe gegen Steffen Weinhold behaupteten die Kieler ihre Führung, Joan Canellas baute sie mit seinem ersten Treffer zum 10:13 sogar aus. 

Unentschieden zur Pause

Die Slowenen, bei denen die Hälfte der Mannschaft dabei war, als ihr Land 2014 Gold bei der Jugendolympiade und 2015 Silber bei der U19-WM holte, ließen aber nicht abreißen, sondern warteten geduldig auf ihre Chance, das Blatt wieder zu wenden. Die kam in der letzten Minute vor der Pause, als Duvnjak auf die Strafbank musste. Gal Marguc, Ziga Mlakar und Tilen Kodrin sorgten für einen 3:0-Lauf zum 14:14, während der THW aus dem Tritt geriet und wegen Fehlern im Angriff drei Minuten ohne Tor blieb.

Weiter geht's in Stuttgart

Die "Zebras" bestiegen direkt nach der Partie den Bus und fuhren nach Graz. Von dort geht es am Sonntagmorgen mit dem Flugzeug via Zürich zurück nach Hamburg. Am Nachmittag werden die Kieler zum "Klamotten-Wechsel" wieder zurück in der Landeshauptstadt erwartet, in der sie nur kurz verweilen: Bereits am Montagmorgen steigen sie wieder in den Flieger, Ziel ist Stuttgart: Dort trifft der THW Kiel am Dienstag um 20:15 Uhr (live auf tv.sport1.de und im Ticker auf der THW-Homepage) auf den Aufsteiger TVB 1898 Stuttgart. Weiter geht's, Kiel!

(Von Isabella Norén)

Viele Strafen

Nach Wiederanpfiff kam der THW schneller aus den Startlöchern. Mit einem Doppelschlag durch Weinhold und Duvnjak eroberten die Zebras die Drei-Tore-Führung zurück. Auf Seiten der Gastgeber hagelte es Sanktionen. Zuerst kassierte Blaz Blagotinsek eine Zeitstrafe, drei Minuten später Vid Poteko. Kaum wieder auf dem Feld sah Blagotinsek Rot wegen einer Tätlichkeit, dann musste auch Luka Zvizej nach einem Ringkampf mit Toft Hansen für zwei Minuten runter, so dass Celje zwischenzeitlich mit nur vier Mann auf der Platte stand. Als mit Joan Canellas in der 41. Minute das nächste Zebra ebenfalls eine Strafe abbrummen musste, weil er beim Freiwurf nicht genug Abstand gehalten hatte, hatten die russischen Schiedsrichter Evgeny Zotin/Nikolay Volodkov ebenso viele Strafen verteilt, wie Tore seit Wiederanpfiff gefallen waren. 

Zerfahrene Partie

Das Spiel war nun zerfahren, von schönen Spielzügen kaum eine Spur. Einzig die Torhüter konnten sich auf beiden Seiten mehrmals auszeichnen. Kiels Zwei-Tore-Führung hatte auch beim 17:19 (45.) noch Bestand, das Spiel war inzwischen ein einziger Kampf. Weinhold rückte für Sprenger auf Rechtsaußen, Erlend Mamelund kam im Abwehrzentrum zum Einsatz und Niklas Landin hielt seiner Mannschaft unter anderem mit einem gehaltenen Strafwurf von Marguc den Rücken frei. 

Offensive Deckung der Slowenen

Celje hatte aber noch nicht alle Asse ausgespielt. Die Slowenen stellten den THW mit einer sehr offensiven Deckung vor neue Herausforderungen und zauberten schließlich in Überzahl (Zeitstrafe für Toft Hansen) das 19:21 per Kempa-Trick. Der Lautstärke-Pegel in der Arena erreichte ungekannte Dimensionen, erst recht, als Simic sieben Minuten vor Schluss zum 20:20-Ausgleich traf. Auf THW-Seite hingegen herrschte Torflaute. Neun Minuten lang blieben die "Zebras" ohne Treffer, scheiterten vorne an Torlatte und Gajic und mussten wieder eine Zeitstrafe (Weinhold) hinnehmen.

Partie wird zum Thriller

Die letzten fünf Minuten boten die Spannung auf Thriller-Niveau. Ivic traf zum 21:20, der ersten Führung der Gastgeber seit der 16. Minute. Der zurückgekehrte Sprenger glich aus, Poteko legte wieder vor, ehe Vujin sich trotz Bedrängnis von der Rechtsaußen-Position ein Herz fasste und das 22:22 markierte. Die letzten Tore des Abends blieben aber den Youngsters überlassen: Der 19-jährige Janc traf, Poteko bekam die zweite Zeitstrafe, und Celje versuchte sich wieder an unorthodoxen Abwehrmethoden. Niklas Landin rettete die Chance auf den Ausgleich mit einer Parade gegen Zarabec, nachdem Canellas Schritte abgepfiffen bekommen hatte. Im Gegenzug konnte noch einmal Rune Dahmke glänzen: Der 22-Jährige traf aus spitzem Winkel zum 23:23 Endstand. 

Rot für Duvnjak

Die letzten Sekunden waren auch ohne weitere Tore ereignisreich. Vujin bekam eine Zeitstrafe, obwohl er gar nicht auf dem Feld stand, sondern weil er außerhalb mit dem Ball in Berührung kam. Den letzten Angriff der Gastgeber konnte Duvnjak nur entschärfen, indem er sich von hinten an Zabarec klammerte, der Fahrt in Richtung Kieler Tor aufnahm. Dafür sah der Kroate Sekunden vor Schluss Rot. Ob er gesperrt wird, entscheidet eine Kommission der Europäischen Handball Föderation (EHF) in den nächsten Tagen.

 

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