Abschluss der Gruppenhase: Donnerstag kommt RK Zagreb nach Kiel

Champions League
Dienstag, 01.03.2016 // 11:18 Uhr

Der THW Kiel sicher auf Platz vier, RK Zagreb ebenfalls im Achtelfinale: Vor dem Kieler Vorrunden-Finale in der "VELUX EHF Champions League" am kommenden Donnerstag sind die Entscheidungen in der Gruppe A gefallen. Ein Grund, die letzte Partie, die um 19:30 Uhr (live auf Sky) angepfiffen wird, locker anzugehen? Nein, sagt THW-Trainer Alfred Gislason, und verspricht: "Wir haben nach der Hinspiel-Niederlage in Zagreb noch eine Rechnung offen. Wir werden Vollgas geben." Dabei können die Kieler Fans die "Zebras" in der Sparkassen-Arena unterstützen: Im freien Vorverkauf sind noch Tickets erhältlich.

Zagreb nach Thriller im Achtelfinale

Bester Torschütze: Domagoj Pavlovic

Auch die Kroaten haben inzwischen ihr erstes Ziel erreicht: Vor 10.000 Zuschauern in der "Zagreb-Arena" besiegte der RK Zagreb am vergangenen Spieltag RK Celje mit 24:23 (8:9) und sicherte sich damit endgültig die Achtelfinal-Teilnahme. Gleichzeitig war dieser Thriller auch das Ende aller Hoffnungen in Celje, doch noch in die nächste Runde einzuziehen. Zagrebs Halblinker Stipe Mandalinic war in dieser Partie nicht zu stoppen: Gleich zehn Treffer aus zehn Versuchen steuerte er zum für die Kroaten erfreulichen Resultat bei, mit dem sie sich zudem Platz fünf in der Vorrunden-Gruppe A holten. Haupttorschütze von RK Zagreb ist aber weiterhin der erst 23 Jahre alte linke Rückraumspieler Domagoj Pavlovic, der bisher 45 Treffer erzielte und das interne Ranking vor Routinier Horvat (38 Tore) anführt. Auf Platz drei folgt Luka Stepancic (36), und das, obwohl der im nächsten Jahr nach Paris wechselnde Linkshänder seit November verletzt zuschauen muss.

Zagreb mit Licht und Schatten

Exzentrischer Trainer: Veselin Vujovic

Vor dem erfolgreichen Thriller gegen Celje hatte die Mannschaft des exzentrischen Trainers Veselin Vujovic, die wir Ihnen bereits im Vorbericht zum Hinspiel ausführlich vorstellten, in der Gruppenphase mit Licht und Schatten zu kämpfen. Nach dem Auftaktsieg gegen den THW Kiel brachten die Kroaten MVM Veszprem (20:21), die SG in Flensburg (27:28) und Paris Saint Germain (25:27) jeweils an den Rand einer Niederlage, verpassten aber weitere Punkte gegen die Spitzenteams. Dafür verlor RK Zagreb in Istanbul und sorgte so für den einzigen Besiktas-Sieg in der Gruppenphase. Auffällig: Vier seiner fünf Erfolge verbuchte der kroatische Rekordmeister in Heimspielen, auswärts siegte er nur in Celje und holte einen Punkt in Plock. Dennoch: Das Ziel Achtelfinale wurde erreicht. 

"Spiele hatten wenig mit Handball zu tun"

Den Kieler Akteuren sind die Szenen bei der 22:29-Niederlage zum Auftakt in Zagreb noch präsent: Mit übertriebener Härte waren die Gastgeber damals zu Werke gegangen, die letztlich in einem brutalen Foul von Zlatko Horvat an Rene Toft Hansen mit anschließender Rudel-Bildung und einer Tätlichkeit Horvats eskalierte. Der Routnier sah die Rote Karte, ließ sich beim Verlassen der Arena von den Fans feiern und wurde für ein Spiel gesperrt. "Sowohl das Vorbereitungsspiel in Ehingen als auch das Hinspiel in Zagreb hatten zeitweise mit Handball wenig zu tun", erinnert sich THW-Torhüter Nikolas Katsigiannis an die zwei Aufeinandertreffen mit Zagreb in dieser Saison. Deshalb werden die "Zebras", so Katsigiannis, am Donnerstag alles daran setzen, die Vorrunde mit einem Sieg zu beenden: "Es gibt gegen diesen Gegner keinen 'Schongang', und wir spielen vor unseren großartigen Fans: Das ist Ansporn genug!"

Absolut ausgeglichene Bilanz

Den THW Kiel und Zagreb eint eine bisher absolut ausgeglichene Bilanz: Von bisher 13 Begegnungen beider Teams gewannen sowohl die "Zebras" als auch die Zagreber "Wölfe" jeweils fünf, dreimal gab es ein Unentschieden (siehe auch Gegnerstatistik RK Zagreb). Tolle Voraussetzungen also für ein spannendes Spiel am Donnerstag, das von den Unparteiischen Michal Badura und Jaroslav Ondogrecula aus der Slowakei geleitet werden wird. Die EHF schickt mit Gunnar K. Gunnarsson einen Isländer als Delegierten in die Sparkassen-Arena, die zum Vorrunden-Abschluss fast ausverkauft sein wird: Mehr als 9.300 Karten setzte der deutsche Rekordmeister im Vorverkauf ab, es gibt aber noch Sitz- und Stehplatztickets ab 13,50 Euro (Jetzt direkt Karte kaufen!, Tageskasse hat am Donnerstag bis zum Anpfiff geöffnet). Eine tolle Kulisse wird die "Zebras" also unterstützen: Auf geht's zum Vorrunden-Finale, Kiel!

KN: Eine Frage der Ehre

Kiel. Es geht um nichts, und doch geht es um alles. Um die Ehre – mindestens. Der THW Kiel beendet heute (19.30 Uhr, Sparkassen-Arena) die längste Königsklassen-Gruppenphase aller Zeiten. Platz vier ist für die Zebras gesichert, und auch der heutige Gegner RK Zagreb benötigt nichts Zählbares mehr, um als Fünfter der Gruppe A ins Achtelfinale der Champions League einzuziehen. Perfekte Rahmenbedingungen also für einen friedlich-freundschaftlichen Vorrundenausklang? Das Gegenteil ist der Fall. "Wir werden spielen, als ginge es um den Gruppensieg", kündigt THW-Trainer Alfred Gislason an.

Wir erinnern uns: Unter der Überschrift "Handgreiflichkeiten" subsumierten die Kieler Nachrichten am 18. September 2015 die 22:29-Hinspielniederlage und damit ein Handballspiel, das dem litauischen Schiedsrichter-Duo Mazeika/Gatelis komplett entglitten war. Eine Reihe regelwidriger Attacken der Gastgeber mündete in einer Roten Karte gegen Zlatko Horvat. Gislason sprach am Folgetag von einer "Schande für unsere Sportart". Folgerichtig, dass der isländische Chefcoach des THW fast ein halbes Jahr und eine Gruppenphase später trocken konstatiert: "So wie sich RK Zagreb im Hinspiel bei dieser Prügelei aufgeführt hat, geht es jetzt auch um die Ehre. Ich kann und werde niemanden schonen. Alle sind dabei."

Alle, das sind auch die derzeit glänzend aufgelegten Torhüter Niklas Landin und Nikolas Katsigiannis. Der Däne musste zuletzt in Istanbul aufgrund einer Fingerverletzung passen, wuchs dann gegen die Füchse Berlin über sich hinaus und freut sich auf das letzte Gruppenspiel: "Man spürt in der Mannschaft, dass da noch eine Rechnung aus dem Hinspiel offen ist. Auch aus Respekt vor unseren Fans werden wir alles geben", sagt Landin. Alles geben - anders geht es laut Kreisläufer Igor Anic auch gar nicht: "Zagreb spielt einen so aggressiven Handball. Da darfst du nicht zu locker herangehen, denn dann tut es weh. Sehr weh."

So weh wie im Hinspiel. Damals avancierte Linkshänder Luka Stepancic mit sechs Treffern zum besten Schützen aus dem Feld. Am Saisonende wechselt der Torjäger zum Millionen-Ensemble von Paris St. Germain, laboriert derzeit jedoch an einem Kreuzbandriss und konnte nur mitfiebern, als seine Mannschaft erst am vergangenen Spieltag durch ein knappes 24:23 gegen RK Celje endgültig die Achtelfinal-Teilnahme sicherte. "Sowohl unser Vorbereitungsspiel in Ehingen als auch das Hinspiel in Zagreb hatten zeitweise mit Handball wenig zu tun", erinnert sich auch THW-Keeper Nikolas Katsigiannis, der Niklas Landin in Istanbul mit einer Glanzleistung vertrat. Von Schongang will Katsigiannis nichts wissen.

Im Achtelfinale wird der THW dann auf den Fünften der Gruppe B treffen. Einen Wunschgegner habe er nicht, sagt Alfred Gislason. "Alles läuft eigentlich auf Pick Szeged hinaus", so der Trainer. Die Ungarn seien "sehr schwer zu spielen".

Umso besser, dass Rückraum-Ass Christian Dissinger nach überstandener Adduktorenverletzung dann vielleicht schon wieder mit von der Partie ist. Der 24-Jährige, der für den Europameister-Titel mit der Sportplakette seines Heimat-Bundeslandes Rheinland-Pfalz ausgezeichnet wurde, verkündete am Wochenanfang: "Schmerzfrei trainieren ist etwas unglaublich Schönes." Bleibt nur die Frage: Wie schmerzhaft verläuft der heutige Abend?

(Von Tamo Schwarz, aus den Kieler Nachrichten vom 03.03.2016)

 

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