Erste Auswärtstour in der Königsklasse führt zum FC Barcelona

Champions League
Donnerstag, 29.09.2016 // 08:00 Uhr

VELUX EHF Champions League, Vorrunden-Teil zwei von 14: Am Sonnabend feiert der THW Kiel, der am Sonntag mit einem Heimsieg gegen Paris Saint-Germain in die Gruppenphase der Königsklasse gestartet war, seine Auswärtspremiere auf europäischer Ebene. Und das gleich mit einem neuerlichen Hammer, kommt es um 19:30 Uhr (live auf Sky Sport) doch zur Neuauflage des letztjährigen Viertelfinal-Rückspiels. Der Gegner ist kein Geringerer als der Rekord-Champion FC Barcelona, und der Spielort ist legendär: Im Palau Blaugrana wird es für die "Zebras" richtig zur Sache gehen.

Valero Rivera ist zurück

Valero Rivera kam aus Nantes

"Bei mir steigt seit dem Schlusspfiff gegen Balingen die Vorfreude auf Barcelona", sagt Christian Zeitz. Der Rückkehrer der "Zebras" wird am Sonnabend beim FC Barcelona ebenfalls auf einen Spieler treffen, der wieder "nach Hause" gekommen ist: Linksaußen Valero Rivera kehrte nach elf Jahren bei diversen spanischen Clubs und dem französischen Verein HBC Nantes zu den Katalanen zurück, bei denen er einst das Handballspielen erlernte. Und das Comeback im FCB-Dress hätte für den 31-jährigen spanischen Nationalspieler, der für den zu den Rhein-Neckar Löwen abgewanderten Gudjon Valur Sigurdsson kam, spektakulärer kaum sein können: Mit sieben Treffern führte er sein Team am ersten Champions-League-Spieltag zum 28:23-Auswärtssieg bei Orlen Wisla Plock. Auch der ehemalige Kieler Wael Jallouz, im vergangenen Jahr zum besten Halblinken der spanischen Liga gewählt, zeigte sich in dieser Partie treffsicher und netzte sechs Mal ein, während Ex-Zebra Filip Jicha torlos blieb.

Barca holt junge Riesen-Talente

Kam aus Kolding: Lasse Andersson

FCB-Trainer Xavier Pascual muss neben Rivera fünf weitere Neuzugänge in seine Mannschaft integrieren. Von KIF Kolding aus Dänemark kam Lasse Andersson. Der 22-Jährige Rechtshänder gilt als eines der größten und begehrtesten Talente auf der Königsposition im linken Rückraum - oder auf der Mitte, auf der Andersson ebenso zuhause ist. Ebenfalls noch jung und auf dem Weg nach oben ist Timothey N'Guessan: Mit herausragenden Leistungen bei Chambery Savoie spielte sich der 24-jährige in den französischen Olympiakader und gewann in Rio Silber. Sein Landsmann, der erst 19-jährige Linkshänder Dika Mem, kam von Tremblay-en-France und erhielt bei den Katalanen einen Sechs(!)-Jahres-Vertrag. "Der Generationswechsel ist offensichtlich", sagt Pascual. "Und er ist eine gut durchdachte Entscheidung."

Victor Tomas bleibt vier weitere Jahre

Vereinsidol: Victor Tomas

Etwas mehr Erfahrung bringen Rechtsaußen Joan Saubich (27, Tremblay-Een-France) und der ehemalige Löwen-Torhüter Borko Ristovski (35) mit. Im Gegenzug verließen große Namen wie Torhüter Danijel Saric (Qatar), Sigurdsson, Marko Kopljar (Veszprem), Sarmiento (Saint Raphael), Gurbindo (Nantes) und Carlos Ruesga (Sporting Lassabon). Neben den Hochkarätern wie Jicha, Raul Entrerrios, Cedric Sorhaindo, Jesper Nöddesbo und Kiril Lazarov sollen es nun also die Jungen richten. Anführer bleibt aber - natürlich - Victor Tomas: Der 31-jährige Rechtsaußen spielt seit 1998 (!) für den FC Barcelona und verlängerte unlängst seinen Vertrag um weitere vier Jahre. "Hoffentlich spielen wir wieder um den Titel mit. Das Trikot, das wir tragen, verpflichtet uns dazu. Vom FC Barcelona wird immer erwartet, dass er uns jeden Titel mitspielt", gab Kapitän Tomas die Marschroute vor. "Über die Offensive mache ich mir keine Gedanken. Hinten hingegen können wir uns sicherlich noch steigern."

Wechselte von den Löwen: Boris Ristovski

In 18 Jahren bei Barca hat Tomas auch jede Menge Duelle mit dem THW Kiel bestritten: Das Spiel am Sonnabend ist die 22. Begegnung der beiden Traditionsvereine auf europäischer Ebene seit dem denkwürdigen Finale 2000 (siehe auch Gegnerstatistik im THW-Archiv), 20 davon fanden in der Königsklasse statt. Die Bilanz ist vollkommen ausgeglichen, beide Teams gewannen - zumeist vor eigenem Publikum - zehn Mal, einmal gab es keinen Sieger. In der vergangenen Spielzeit machten die von Verletzungen gebeutelten Kieler im Viertelfinale nach zwei sensationellen Spielen - dem 29:24 in Kiel folgte eine für das Weiterkommen ausreichende, hochdramatische 30:33-Niederlage in Barcelona - die fünfte Teilnahme am VELUX EHF Final4 in Folge klar - ein Stachel, der bei den Katalanen noch heute tief sitzt.

Sky-Bars öffnen für Handball-Fans

THW-Fans können das Spiel der beiden Traditionsclubs ab 19:30 Uhr live auf Sky Sport verfolgen. Wer lieber gemeinsam mit anderen Fans die Daumen drückt, kann dies in einer der Sky-Bars tun. In Kiel zeigen unter anderem die "Bar Cultura", das Sporthotel Avantage, "McLang's Irish Pub", das Gutenberg, das Pagelsdorf Sportcenter und die Projensdorfer Sportsbar das Spiel der Kieler in Barcelona. Für die "Zebras", die von rund 50 Fans in die Mittelmeer-Metropole begleitet werden, beginnt die erste Königsklassen-Tour der Saison am frühen Freitagmorgen mit der Fahrt im Mannschaftsbus zum Hamburger Flughafen. Von dort aus geht es dann direkt nach Barcelona, wo am Abend noch eine Trainingseinheit - allerdings nicht im Plau Blaugrana - auf dem Programm steht.

Bilyk freut sich auf Premiere

Gespannt auf seine Premiere in einer der bekanntesten Handball-Arenen der Welt, die nach dem Wunsch des Vereins ab 2017 durch einen 12.000-Zuschauer-Neubau ersetzt werden soll, ist der österreichische THW-Neuzugang Nikola Bilyk: "Es war immer mein Traum, in diesen Arenen zu spielen. Jetzt lebe ich ihn und freue mich riesig auf jede einzelne Partie im THW-Trikot." Geleitet wird der Königsklassen-Klassiker von den beiden Slowenen Nenad Krstic und Peter Ljubic. Der EHF-Delegierte Sotiris Migas kommt aus Griechenland. Auf geht's, Zebras!

KN: Vorfreude auf den Druck

Kiel. Nach dem erfolgreichen Auftakt in die Handball-Champions-League gegen Paris folgt eine Woche später gleich der nächste Kracher: Am Sonnabend (19.30 Uhr) ist der THW Kiel beim Rekordchampion FC Barcelona zu Gast. Ein ganz harter Brocken - aber die Zebras haben gute Erinnerungen an ein Gastspiel in Katalonien.

Im Viertelfinale der vergangenen Saison trafen Kiel und Barcelona, diese beiden Giganten des Welthandballs, aufeinander. Der THW fuhr mit einem Fünf-Tore-Vorsprung aus dem Hinspiel in die katalanische Hauptstadt, behauptete sich dort in einem großen Kampf und sicherte mit einer Drei-Tore-Niederlage das Weiterkommen. "Das war ein schönes Erlebnis in der vergangenen Saison", sagt THW-Trainer Alfred Gislason. "Aber wir müssen an die Leistung aus dem Paris-Spiel anknüpfen, um in Barcelona bestehen zu können."

Das 28:27 gegen die Handball-Weltauswahl aus Paris hat den Zebras Auftrieb gegeben, auch wenn das Bundesligaspiel am Dienstag gegen Balingen eine zähe Angelegenheit war. Jetzt heißt es wieder Champions League, eine Partie mit ganz anderen Vorzeichen. Die Vorfreude bei den Kielern steigt von Tag zu Tag - nicht nur auf das gute Wetter in Spanien. "Das sind natürlich die coolsten Spiele, wenn du dich mit den besten Handballern der Welt messen kannst", sagt Rechtsaußen Christian Sprenger.

Die Mannschaft des legendären FC Barcelona ist trotz einiger Abgänge wie Marko Kopljar, Danijel Saric oder Eduardo Gurbindo immer noch mit Stars gespickt, hat zusätzlich einige vielversprechende junge Talente dazubekommen. "Es gab auch in Barcelona einen kleinen Umbruch, aber das ist immer noch eine verdammt starke Mannschaft", sagt Gislason. Der Coach erwartet viel Druck vom Gegner und von den Rängen, ist sich bewusst, dass die Zebras eine sehr gute Leistung zeigen müssen, um Zählbares nach Kiel mitzunehmen. "Es muss alles stimmen. Wir müssen über 60 Minuten den Kopf oben und die Nerven behalten", sagt der Isländer. "Oft schaffst du das in Barcelona über 45 Minuten - aber das reicht nicht."

Bis auf die schon gegen Paris nicht zur Verfügung stehenden Christian Dissinger und Rune Dahmke hat Gislason alle Mann an Bord, auch der gegen Balingen am Dienstag geschonte Niclas Ekberg ist wieder dabei. Auf wem liegt die Hauptlast gegen den FCB? "Nikola Bilyk und Lukas Nilsson sind so gut drauf, sie sind auch am Sonnabend in der Lage, eine Leistung wie gegen Paris abzurufen", ist sich Gislason sicher. Er zählt zusätzlich auf den erfahrenen Blazenko Lackovic. Und auch Marko Vujin könnte in Barcelona wieder eine wichtigere Rolle spielen. "Gegen Teams wie Balingen, die oft mit Sieben gegen Sechs im Angriff spielen, brauche ich die besten Abwehrspieler, da ist Marko nicht die erste Wahl", erklärt der THW-Trainer. "Aber Barcelona füllt eigentlich nur auf, wenn sie in Unterzahl sind, da wird Marko wieder mehr Spielanteile bekommen."

Viele Spielanteile wird zwangsläufig auch der frischgebackene Vater Raul Santos wieder bekommen. Der Österreicher ist durch den Ausfall von Dahmke Alleinunterhalter auf Linksaußen, daher wird der THW im Angriff zwischenzeitlich wohl erneut ohne Linksaußen und mit zwei Kreisläufern agieren. "Das ist die einzige Möglichkeit, Raul zu entlasten", erklärt Gislason. Taktisch variabel, mit starker Deckung und wuchtigem Angriff - das wird auch in Barcelona der Weg zum Erfolg sein, in der teilweise hitzigen Atmosphäre des Palau Blaugrana. Die Vorfreude steigt, auch bei Nikola Bilyk. "Es war immer mein Traum, in diesen Arenen zu spielen. Jetzt lebe ich ihn und freue mich riesig auf jede einzelne Partie im THW-Trikot."

(Von Niklas Schomburg, aus den Kieler Nachrichten vom 30.09.2016)

 

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