Final4-Auslosung: THW trifft in Köln erneut auf MVM Veszprem

Champions League
Dienstag, 03.05.2016 // 10:57 Uhr

Der THW Kiel trifft beim "VELUX EHF Final4" im Halbfinale am 28. Mai in der Lanxess-Arena wie in den beiden Vorjahren auf den ungarischen Serienmeister MVM Veszprem. Im zweiten Halbfinale trifft der polnische Meister KS Kielce auf den französischen Final4-Debütanten Paris Saint Germain. Das ergab die Auslosung am Dienstag in Köln. "Wir kennen die Mannschaft sehr gut, in Veszprem spielen viele Weltklasse-Akteure", kommentierte THW-Rechtasußen Niclas Ekberg die Auslosung. "Das ist eine schwierige Aufgabe, aber im Handball ist alles möglich." 

Gislason: "Reisen nicht als Favorit nach Köln"

Um ihn geht es am 28. und 29. Mai in Köln: Der neue Pokal für den Champions-League-Sieger 2016

Über die genauen Anwurfzeiten entscheidet die EHF nach Absprache mit den übertragenden Fernsehsendern in den kommenden Tagen. Klar ist: Ein Halbfinale wird am Sonnabend um 15:15 Uhr angepfiffen, das zweite Semi-Finale beginnt um 18 Uhr, ebenso das Finale am Sonntag. "Dieses Final4 ist eines der stärksten aller Zeiten", sagte THW-Trainer Alfred Gislason. "Deshalb hatte ich keinen Wunschgegner für das Halbfinale. Klar ist: Wir reisen nicht als Favorit nach Köln." Die Kieler hatten sich im Viertelfinale in zwei begeisternden Spielen gegen den spanischen Titelverteidiger FC Barcelona durchgesetzt und damit die fünfte "VELUX EHF Final4"-Teilnahme in Folge perfekt gemacht. "Köln ist das größte Wochenende im Vereinshandball", freut sich Niclas Ekberg auf die Partien in der Domstadt, "als Handballer willst du die großen Spiele. Und die größten davon gibt es in Köln."

Sechstes Final4 mit dem THW

Die Kieler sind insgesamt zum sechsten Mal seit Einführung des "VELUX EHF Final4" in Köln vor sieben Jahren dabei. Der polnische Meister KS Kielce schaffte es wie der ungarische Meister MKB Veszprem zum dritten Mal zum größten Event des Vereinshandballs. Einziger Debütant im Kreis der Halbfinalisten ist die französische Millionentruppe Paris Saint Germain, die in ihrem Kader neben den ehemaligen Kielern Nikola Karabatic, Thierry Omeyer und Daniel Narcisse aber viele weitere Weltklasse-Akteure mit Köln-Erfahrung hat. "Wir sind sehr glücklich, als erste französische Mannschaft überhaupt in Köln dabei zu sein", sagte Thierry Omeyer. "Wir haben alle große Erwartungen an uns. Wir wollen das Final4 gewinnen!" Ivan Cupic, Rechtsaußen des Pariser Halbfinalgegners aus Kielce, reagierte gelassen auf die Auslosung: "Wir wollen jede Mannschaft schlagen und unbedingt ins Finale. Gegen Paris müssen wir das beste Spiel der Saison machen."

Nilsson: "Unser Ziel ist der Sieg"

Erneutes Duell: Veszprems Manager Zsolt Sevinger und THW-Geschäftsführer Thorsten Storm

Für die Kieler ist die Partie am 28. Mai die zwölfte Halbfinal-Teilnahme in der Geschichte der Königsklasse. Mit Ausnahme des Jahres 2011 waren die Zebras seit 2007 zumindest immer in der Vorschlussrunde vertreten, sechsmal seither sogar im Endspiel. THW-Geschäftsführer Thorsten Storm: "Wir sind wieder in Köln, also wollen wir das Turnier auch wieder gewinnen." Andreas Nilsson, Kreisläufer von MKB Veszprem, freut sich auf das erneute Duell mit dem THW Kiel: "Das wird sehr hart. Wir haben schon in der Gruppenphase und letztes Jahr in Köln gegen Kiel gespielt. Zwei Partien haben wir gewonnen, und nur einmal verloren. Wir werden in Köln von vielen Fans unterstützt, und wir haben viel Selbstvertrauen: Unser Ziel ist der Sieg beim Final4." Für Veszprems Manager Zsolt Sevinger ist es "verrückt, dass wir zum dritten Mal gegen Kiel spielen. Der THW ist definitiv stärker als im Herbst, als wir gegen ihn gewonnen haben."

14. Aufeinandertreffen beider Mannschaften

EHF-Generalsekretär Michael Wiederer zog den THW Kiel als zweites Los.

Das Halbfinale zwischen Kiel und Veszprem ist beinahe schon ein Klassiker in Köln: Sowohl beim "VELUX EHF Final4" 2014 als auch im vergangenen Jahr trafen beide Mannschaften aufeinander. Im vergangenen Jahr unterlag der THW Kiel mit 27:31 (siehe Spielbericht), zuvor hatten die "Zebras" das bessere Ende für sich: 2014 gewannen die Kieler das Halbfinale mit 29:26 (siehe Spielbericht im THW-Archiv). Auch in der diesjährigen Gruppenphase kreuzten der deutsche und der ungarische Rekordmeister die Klingen: In Veszprem verlor der THW Kiel nach großem Kampf knapp mit 27:29, das dramatische Rückspiel ging mit 25:24 an die Schwarz-Weißen (siehe Spielbericht). Insgesamt trafen sich beide Mannschaften bereits 13 Mal in der Königsklasse des Handballs, sieben Mal gewannen die "Zebras", sechs Mal ihr Halbfinal-Kontrahent (alle Ergebnisse im THW-Archiv). 

ESC-Gewinner Måns Zelmerlöw beim Final4

Das "VELUX EHF Final4" wird am 28. und 29. Mai ausgetragen. EHF-Generalsekretär Michael Wiederer kündigte an, dass beim "VELUX EHF Final4" erstmals der Video-Beweis getestet werde: "Die Schiedsrichter können in speziellen Situationen auf das Videomaterial zugreifen. Auch die Torlinien-Technik wird in Köln angewandt."An beiden Tagen werden 20.000 Fans in der ausverkauften Lanxess-Arena erwartet. "Für Top-Handball brauchen wir die besten Arenen. Die Lanxess-Arena bietet uns dafür beste Voraussetzungen", sagte Wiederer und fügte mit einem Schmunzeln an: "Auch wenn sie inzwischen fast ein wenig zu klein für das 'VELUX EHF Final4 ist." Die Handball-Fans hätten in den vergangenen Jahren eine emotionale Bindung zum Finalort Köln aufgebaut, so Wiederer. "Die einzigartige Kombination aus Sport und Unterhaltung zahlt sich aus. Auch deshalb ist das Turnier so früh ausverkauft." Musikalischer Stargast der diesjährigen Auflage ist derschwedische Eurovision-Song-Contest-Gewinner Måns Zelmerlöw.

KN: Aller guten Dinge sind drei

Kiel. Der THW Kiel trifft im Halbfinale der Handball-Champions-League auf MVM Veszprem - mal wieder. Beide Teams sind schon in der Gruppenphase zweimal aufeinander getroffen, mit Sieg und Niederlage. Aller guten Dinge sind drei!

Auch in den Semifinals der beiden vergangenen Final-Four-Turniere standen die beiden Mannschaften sich gegenüber. "Nimmt man die letzten beiden Halbfinals, müssten wir eigentlich gewinnen", sagt Dominik Klein über das Gesetz der Serie. 2014 gewann der THW mit 29:26, im vergangenen Jahr setzte sich Veszprem mit 31:27 durch. "Allerdings hat sich Veszprem seitdem punktuell gut verstärkt", sagt Klein, der eine ganz besondere Beziehung zu diesem Gegner hat: Am 6. Dezember feierte der Linksaußen nach neun Monaten Pause wegen eines Kreuzbandrisses gegen die Ungarn sein Comeback im Zebratrikot - und entschied das dramatische Spiel durch sein Tor kurz vor Schluss zum 25:24. "Dieses Comeback war echt unglaublich", sagt Klein. "Es war der Auftakt zu vielen Momenten, die ich in den letzten Monaten genießen konnte."

Dass das Los nun erneut auf Veszprem fiel, ist dem 32-Jährigen nicht unrecht. Er hält den polnischen Vertreter Vive Tauron Kielce für den "wohl unangenehmsten Gegner. Die dürfen sich beim Final Four etwas ausrechnen". Der THW - das sagt auch Trainer Alfred Gislason - sei in diesem Vierervergleich, den Paris St. Germain komplettiert, nicht der Favorit.

Die Außenseiterrolle nahmen die Zebras auch schon im Viertelfinale gegen den FC Barcelona ein. Und sie spielten sie perfekt. Ein Rezept für das Final Four? "Wir müssen die Spiele gegen Barcelona so im Kopf und im Herzen abspeichern, dass wir sie in Köln vergolden können", sagt Klein. "Wenn wir das Barcelona-Gefühl weiterentwickeln, gewinnen wir an Qualität, sind noch unberechenbarer für den Gegner."

In die gleiche Kerbe schlägt THW-Geschäftsführer Thorsten Storm. "Vor den Barcelona-Spielen haben viele gedacht, wir würden es nicht schaffen", sagt er. "Mit uns hat in diesem Final Four niemand gerechnet." Storm sieht in Paris St. Germain den Favoriten, ist sich bewusst, dass auch Kielce und Veszprem nach zwei erfolglosen Teilnahmen endlich den Titel wollen. Und trotzdem ist die Marschrichtung für den Geschäftsführer klar: "Wir sind wieder in Köln, also wollen wir auch wieder gewinnen."

Der Großteil der Fans in der Lanxess-Arena dürften dem einzigen deutschen Team die Daumen drücken. "Die Fans können uns ins Finale tragen", sagt Klein und erinnert an das Jahr 2010, als der THW im Finale den FC Barcelona schlug. Seit 2007 waren die Zebras mit einer Ausnahme (2011) immer unter den letzten Vier dabei, sechsmal gar im Finale. Zahlt sich diese Erfahrung gegen so starke Gegner aus? "Unsere Mannschaft hat sich seit dem verlorenen Hinspiel in Veszprem enorm verändert und entwickelt", sagt Klein.

Dass das Team sich immer wieder aus schwierigen Situationen herausgekämpft hat, stimmt auch Storm positiv. Seien es die fehlende Vorbereitung von Torhüter Niklas Landin, die langen Verletzungen von Patrick Wiencek, René Toft Hansen, Dominik Klein, Christian Dissinger, Steffen Weinhold sowie aktuell erneut der an derhand operierte Weinhold und Niclas Ekberg - "wir haben in dieser Saison so viele Nackenschläge erhalten, wurden immer wieder zurückgeworfen. Aber wir stehen immer wieder auf, wir kommen immer wieder", sagt Storm. "Deshalb sind wir schwer zu schlagen."

Die Stimmung in der Mannschaft ist nach dem Triumph gegen Barcelona hervorragend, das Selbstbewusstsein groß. "Wir haben Barcelona geschlagen, also können wir auch Paris, Veszprem und Kielce schlagen", erklärt Abwehr-Hüne Erlend Mamelund. "Es sind nur noch zwei Spiele, es ist alles möglich", sagt Rechtsaußen Niclas Ekberg. Dener Jaanimaa ergänzt: "Wenn man es schon schafft, zum Final Four zu fahren, dann will man es auch gewinnen."

War schon das Weiterkommen gegen Barcelona ein Erfolg des Willens, wird es dem THW in Köln nicht daran mangeln. "Wenn du viel gibst, bekommst du auch viel zurück", so lautet das Motto von Dominik Klein. Am 28. und 29. Mai werden die Zebras alles für den vierten Stern auf dem Königsklassen-Trikot geben. Für Klein wäre das nicht nur einfach ein Sieg. "Es wäre die Krönung der vergangenen zehn Jahre."

(von Niklas Schomburg, aus den Kieler Nachrichten vom 04.05.2016)

 

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