KN: Gislasons letztes Aufgebot

Champions League
Samstag, 23.04.2016 // 12:02 Uhr

Kiel. Es ist die "Mutter aller Champions-League-Duelle". Im Viertelfinal-Hinspiel der Königsklasse trifft der THW Kiel auf Titelverteidiger FC Barcelona (Sonntag, 19.30 Uhr), und vor diesem Spiel der Spiele reißen die Probleme von Zebra-Coach Alfred Gislason nicht ab, der vielleicht sogar ohne Rechtsaußen ins Spiel gehen muss. "Wir sind krasser Außenseiter - milde ausgedrückt", sagt der Isländer im Interview mit Tamo Schwarz von den Kieler Nachrichten.

Über Viertelfinal-Gegner Barcelona, Verletzungspech und Perspektiven

KN: Herr Gislason, haben Sie schon ein Wort für diese Saison gefunden? Katastrophen-Saison, Seuchenjahr, ...

Alfred Gislason: In diesem Ausmaß habe ich Verletzungspech noch nicht erlebt. Den Grund würde ich gern herausfinden. Klar ist aber: Wir haben so viele Spiele, dass regeneratives Training kaum möglich ist. Irgendwann muss die Belastung weniger werden. Wir reden seit zehn Jahren davon, aber es passiert immer das Gegenteil.

 

Was war der Grund für die unerwarteten Punktverluste in Hannover und Balingen?

Natürlich kann man dort mehr von uns erwarten. Aber unerwartet? Lackovic ging angeschlagen ins Spiel, Cañellas hat nur Luft für 20 Minuten, Weinhold spielt nur Abwehr, Landin hat mit Dänemark zuletzt drei Spiele in drei Tagen gemacht - wir haben keine Breite, keine zweite Besetzung. Und Balingen hat auch keine schlechte Mannschaft mit vielen Nationalspielern. Wir können unsere Verluste nicht endlos auffangen.

 

Aber 15 Minuten ohne Tor sind bei einer Spitzenmannschaft ein seltenes Phänomen ...

Stimmt. Wir sind in der Phase schlecht mit unseren Chancen umgegangen, haben zwei Siebenmeter vergeben. Hinzu kamen drei deutliche Fehlentscheidungen der Schiedsrichter. Und: Ich muss mich auch drauf verlassen können, dass meine Führungsspieler mehr Verantwortung übernehmen. Cañellas hat das getan.

 

Und jetzt sehen Sie die Chancen gegen Barcelona bei null?

Wir sind krasser Außenseiter - milde ausgedrückt. Aber wir sind der THW und werden mit allem, was wir aufbieten können, alles geben.

 

Was können Sie aufbieten?

So wie es jetzt aussieht: Jaanimaa auf Rechtsaußen, Ekberg ist raus, Sprenger hat seit zwei Wochen nicht trainiert. Auch hinter Wiencek steht ein Fragezeichen. Im Rückraum bleiben mir nur Duvnjak, Cañellas, Vujin und vielleicht Mamelund - auch Williams ist angeschlagen.

 

Ein Not-Aufgebot vor der letzten Titelchance Champions League ...

Man muss sich jede Titelchance verdienen, und wir haben weder die Bundesliga noch die Champions League aufgegeben. Aber gegen Barcelona muss wirklich alles klappen: eine richtig gute Abwehr, zwei starke Torhüter. Nur volles Rohr Tempo können wir nicht gehen. Dafür haben wir nicht die Bank. Barcelona hingegen bereitet sich seit drei Wochen nur auf uns vor, hat eine super Mannschaft. Filip Jicha ist dort wieder zum Führungsspieler geworden. Er ist seit ewiger Zeit mal wieder schmerzfrei.

 

Haben Sie Angst vor der ersten titellosen Saison seit 2003?

Nein! All diese Verluste, die neuen Spieler brauchen Zeit, um reinzukommen. Und dass so viel schiefläuft, ist nicht normal. Außerdem kann man sich in der Vergangenheit suhlen, wie man will, aber wir sind ein normaler Klub ohne zig Millionen im Rücken, wir können nicht nach Paris gehen und Mikkel Hansen wegkaufen. Das ist die Realität.

 

Wie sieht die Perspektive für die neue Saison aus? Sie wollen mit 16 Profis und vier Perspektivspielern starten. Ist der Nachwuchs ein Schlüssel zum Erfolg?

Entscheidend ist die Qualität. Und wenn es um jedes Tor geht, kann ich auch nicht unbegrenzt jungen Spielern eine Chance geben. Aber dieser Schritt ist das einzig Richtige, der 16-Mann-Kader ist zudem ein Muss. Jicha und Palmarsson zu verlieren, war nicht meine Wunschvorstellung. Aber auf lange Sicht haben wir jetzt mit Nilsson, Dissinger, Santos, Bilyk und Wolff eine Qualität im Kader, die wir in den letzten Jahren nicht halten konnten.

(Das Interview führte Tamo Schwarz, aus den Kieler Nachrichten vom 23.04.2016, Foto: Archiv/Sascha Klahn)

 

Mehr zum Thema

Donnerstag DKB Handball-Bundesliga, Samstag VELUX EHF Champions League: Im letzten Heimspiel der Königsklassen-Gruppenphase trifft der THW Kiel auf die mit Stars gespickte polnische Top-Mannschaft PGE Vive Kielce. Eine Partie mit finalem Charakter, denn der polnische Meister ist das einzige Team, das dem THW Kiel noch einen Platz unten den besten vier Mannschaften der Gruppe B - und dem damit...

23.02.2018

27:20-Sieg, zwei Punkte im Kampf um eine gute Platzierung im Gepäck und ein gutes Spiel gezeigt: Die "Zebras" hatten nach dem Abpfiff der "VELUX EHF Champions League"-Partie beim dänischen Meister Aalborg Handbold längst ihr Lächeln wiedergefunden, als sie sich auf den Weg in "ihre" Kurve machten. Dort hatten 500 Kieler Fans als "weiße Wand" mehr als 60 Minuten lang ein echtes Spektakel...

19.02.2018

Aalborg. Fünfter Sieg in Folge - der THW Kiel hat am Sonntagnachmittag bei Aalborg Håndbold seine Siegesserie in der Handball-Champions-League ausgebaut. Das 27:20 (15:11, siehe THW-Spielbericht) hievt die Zebras in der Gruppe B der Königsklasse auf Platz zwei und damit in eine glänzende Ausgangsposition im Hinblick auf das Achtelfinale. Die zwei Punkte am Limfjord gerieten nie in Gefahr. So grau...

19.02.2018

Der THW Kiel hat in der VELUX EHF Champions League einen souveränen Sieg errungen: Beim dänischen Meister Aalborg Handbold gewannen die "Zebras" am Sonntagnachmittag klar mit 27:20 (15:11) und rückten durch diesen Erfolg auf Platz zwei der Vorrundengruppe B vor. Überragender Akteur war Niklas Landin, der 19 Würfe auf sein Tor parierte und einmal selbst erfolgreich war. Niclas Ekberg traf mit 7/3...

17.02.2018

Kiel/Aalborg. Donnerstag Wetzlar, Sonntag (16.50 Uhr, siehe Vorbericht) Aalborg. Donnerstag der nächste Nackenschlag, das Ende der neun Spiele währenden Siegesserie, Sonntag der Traum vom Final Four in der Königsklasse. Die Voraussetzungen sind glänzend: Der THW Kiel blickt auf vier Erfolge in Serie in der Gruppe B, hat Platz drei und vielleicht sogar Platz zwei vor Augen und damit einen...

17.02.2018

Wenig Zeit bleibt den "Zebras", um die bittere Heim-Niederlage gegen die HSG Wetzlar zu verabeiten: Bereits am Sonntag ist der THW Kiel wieder in der VELUX EHF Champions League gefordert. Nach der vorzeitig erreichten Achtelfinal-Qualifikation geht es in den ausstehenden drei Begegnungen in der Gruppenphase nun um eine möglichst gute Platzierung,  um in der Runde der besten 16 Mannschaften Europas...

16.02.2018

Kiel. Alfred Gislason, Trainer des THW Kiel, zögerte nach dem 22:20 am Mittwochabend in der Handball-Champions-League gegen Telekom Veszprém (siehe Spielbericht) keine Sekunde: "Platz drei ist unser Ziel." Das erste Spiel nach der Europameisterschafts-Pause hat endgültig einen Wendepunkt im Zebra-Kosmos dieser Saison zementiert: Man orientiert sich selbstbewusst wieder nach oben.

09.02.2018

Der THW Kiel hat das Jahr 2018 mit einem tollen Sieg begonnen: Gegen den ungarischen Titelfavoriten Telekom Veszprem erkämpften sich die "Zebras" nach einem leidenschaftlichen Auftritt vor 9.500 begeisterten Fans im Hexenkessel Sparkassen-Arena einen 22:20 (14:9)-Erfolg. Die ersatzgeschwächte "Zebraherde" sicherte sich nach der unglücklichen 24:26-Hinspiel-Niederlage durch den Erfolg am Mittwoch...

07.02.2018