KN: Zwischen Plock-Pleite und Derby-Fieber

Champions League
Freitag, 11.11.2016 // 10:00 Uhr

Plock. Noch lange nach dem Abpfiff saßen Niclas Ekberg, Steffen Weinhold, Raul Santos und Niklas Landin in einem kleinen Kreis auf dem blauen Hallenboden von Plock. Beim Dehnen analysierten sie bereits die vergangenen 60 Minuten, nach denen der THW Kiel als 22:24-Verlierer von der Platte gegangen war. Zwischendurch immer wieder ein Kopfschütteln, ahnungslose Blicke, Stirnrunzeln. Bis auch diese vier Kieler vom Feld schlichen, um sich noch am Abend auf den Weg nach Warschau zu machen, von wo aus der Zebratross am Donnerstagmorgen gen Heimat flog.

THW Kiel vor den "Flensburger Wochen"

"Wir haben zu viele einfache Fehler gemacht und sehr schlecht geworfen", sagte Rechtsaußen Ekberg. "Und dann ist es in der Champions League natürlich sehr, sehr schwer", fügte der Schwede niedergeschlagen hinzu. Die Zebras trauerten ihren vergebenen Chancen nach. Wären sie beim Stand von 15:13 (33.) oder 17:15 (39.) auf drei Tore davongezogen, hätten sie wohl die zwei Punkte aus Polen mitgenommen. Hätten Domagoj Duvnjak, Steffen Weinhold und Co. ihre Chancen besser genutzt, wären sie nicht als Verlierer vom Feld gegangen. Hätte, wenn und aber: "Die erste Halbzeit war gut, und dann kam wieder ein typisches 'Spiel nach der Pause', wie in Wetzlar", sagte THW-Coach Alfred Gislason. "Wir scheitern ständig frei am Torhüter, machen eine Menge technische Fehler - ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal so viele Fehler in einem Spiel gesehen habe", meinte der Isländer. "Die Enttäuschung war dann natürlich groß."

Euphorisch feierte auf der anderen Seite der polnische Vizemeister den ersten Sieg in der diesjährigen Gruppenphase der Champions League. "Wir wollten diesen Sieg unbedingt, wir brauchten ihn auch mehr als Kiel", sagte Maciej Gebala, von 2013 bis 2016 im Trikot des SC Magdeburg. "Platz sechs ist unser Ziel, dafür waren die zwei Punkte extrem wichtig." Zwei Punkte, die Plock in der Abwehr gewann, die den THW mit seinen Weltklasse-Rückraumspielern bei nur 22 Toren hielt. "Wir waren schlecht im Angriff, der Trainer hat gesagt, wir müssen das in der Abwehr gewinnen", erklärt Gebala. "In der zweiten Halbzeit haben wir dann sehr gut gedeckt, und Kiel konnte keine leichten Tore mehr aus der zweiten Reihe machen." Das ist die eine Seite der Medaille.

Die andere ist die fehlende Durchschlagskraft im Kieler Angriff. In vielen Spielen erzielten die Zebras zu wenig Tore, vor allem auswärts. Meist auch gar nicht nötig, denn die Abwehr und das Torhütergespann funktionierten einwandfrei, sicherten so unter anderem die Siege in Berlin und Magdeburg, konnten aber die Niederlagen in Veszprem, Barcelona und Wetzlar nicht verhindern. Und auch in Plock war die Abwehr gut, Niklas Landin im Tor sehr gut - doch aufgrund der schwachen Angriffsleistung und der unglaublich vielen Fehler reichte es auch hier nicht. Der 5:0-Lauf von Wisla zwischen der 39. und 49. Minute brach dem THW das Genick, auch weil die Arena spätestens dann voll da war. "Von den letzten elf Spielen waren neun auswärts, dazu noch die Nationalmannschaft - das geht nicht spurlos an den Spielern vorbei", so Gislason. Vielleicht fehlt auch deshalb die nötige Konzentration vor dem Tor.

Am Sonntag kommt die SG Flensburg-Handewitt in die Kieler Sparkassen-Arena, das Heimspiel in der Bundesliga ist vielleicht das wichtigste Derby der Saison. Schwächen wie in Plock wird die SG den Zebras kaum verzeihen. "Wir müssen da jetzt gegensteuern, lockerer werden und trainieren", sagte Gislason. "Es ist jetzt unsere Aufgabe, alles aus den Köpfen herauszubekommen." Immerhin hat der THW noch heute und morgen Zeit für einige Übungseinheiten, auch das ist in dieser Saisonphase nicht immer garantiert. Umso ärgerlicher, wenn dann externe Einflüsse die Planungen zunichte machen: Auf dem Weg nach Plock saß das Team in Hamburg mehr als zwei Stunden im Flieger am Boden, der Grund waren Probleme bei der Vereisung und unterbesetztes Flughafenpersonal. Immerhin: Auf dem Rückweg klappte alles, gestern Mittag waren die Zebras wieder in Kiel. Und begannen sofort mit der Vorbereitung auf das erste von drei Derbys innerhalb von zehn Tagen - die "Flensburger Wochen" beginnen.

(Von Niklas Schomburg, aus den Kieler Nachrichten vom 11.11.2016, Foto: Wojciech Jabłoński)

 

Mehr zum Thema

Der THW Kiel hat in der "VELUX EHF Champions League" erstmals seit fünf Partien wieder verloren: Nur 45 Stunden nach der harten Bundesliga-Begegnung in Hannover lieferten die "Zebras" vor 10.000 Zuschauern in der Sparkassen-Arena dem polnischen Meister PGE Vive Kielce einen Kampf auf Biegen und Brechen. Selbst der Ausfall von Steffen Weinhold, der mit vier Treffern und etlichen Vorlagen bis zu...

24.02.2018

Donnerstag DKB Handball-Bundesliga, Samstag VELUX EHF Champions League: Im letzten Heimspiel der Königsklassen-Gruppenphase trifft der THW Kiel auf die mit Stars gespickte polnische Top-Mannschaft PGE Vive Kielce. Eine Partie mit finalem Charakter, denn der polnische Meister ist das einzige Team, das dem THW Kiel noch einen Platz unten den besten vier Mannschaften der Gruppe B - und dem damit...

23.02.2018

27:20-Sieg, zwei Punkte im Kampf um eine gute Platzierung im Gepäck und ein gutes Spiel gezeigt: Die "Zebras" hatten nach dem Abpfiff der "VELUX EHF Champions League"-Partie beim dänischen Meister Aalborg Handbold längst ihr Lächeln wiedergefunden, als sie sich auf den Weg in "ihre" Kurve machten. Dort hatten 500 Kieler Fans als "weiße Wand" mehr als 60 Minuten lang ein echtes Spektakel...

19.02.2018

Aalborg. Fünfter Sieg in Folge - der THW Kiel hat am Sonntagnachmittag bei Aalborg Håndbold seine Siegesserie in der Handball-Champions-League ausgebaut. Das 27:20 (15:11, siehe THW-Spielbericht) hievt die Zebras in der Gruppe B der Königsklasse auf Platz zwei und damit in eine glänzende Ausgangsposition im Hinblick auf das Achtelfinale. Die zwei Punkte am Limfjord gerieten nie in Gefahr. So grau...

19.02.2018

Der THW Kiel hat in der VELUX EHF Champions League einen souveränen Sieg errungen: Beim dänischen Meister Aalborg Handbold gewannen die "Zebras" am Sonntagnachmittag klar mit 27:20 (15:11) und rückten durch diesen Erfolg auf Platz zwei der Vorrundengruppe B vor. Überragender Akteur war Niklas Landin, der 19 Würfe auf sein Tor parierte und einmal selbst erfolgreich war. Niclas Ekberg traf mit 7/3...

17.02.2018

Kiel/Aalborg. Donnerstag Wetzlar, Sonntag (16.50 Uhr, siehe Vorbericht) Aalborg. Donnerstag der nächste Nackenschlag, das Ende der neun Spiele währenden Siegesserie, Sonntag der Traum vom Final Four in der Königsklasse. Die Voraussetzungen sind glänzend: Der THW Kiel blickt auf vier Erfolge in Serie in der Gruppe B, hat Platz drei und vielleicht sogar Platz zwei vor Augen und damit einen...

17.02.2018

Wenig Zeit bleibt den "Zebras", um die bittere Heim-Niederlage gegen die HSG Wetzlar zu verabeiten: Bereits am Sonntag ist der THW Kiel wieder in der VELUX EHF Champions League gefordert. Nach der vorzeitig erreichten Achtelfinal-Qualifikation geht es in den ausstehenden drei Begegnungen in der Gruppenphase nun um eine möglichst gute Platzierung,  um in der Runde der besten 16 Mannschaften Europas...

16.02.2018

Kiel. Alfred Gislason, Trainer des THW Kiel, zögerte nach dem 22:20 am Mittwochabend in der Handball-Champions-League gegen Telekom Veszprém (siehe Spielbericht) keine Sekunde: "Platz drei ist unser Ziel." Das erste Spiel nach der Europameisterschafts-Pause hat endgültig einen Wendepunkt im Zebra-Kosmos dieser Saison zementiert: Man orientiert sich selbstbewusst wieder nach oben.

09.02.2018