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Geschlossenheit besiegt individuelle Klasse

Riesen-Jubel nach dem Schlusspfiff: Domagoj Duvnjak & Co. feierten den Sieg ausgelassen mit ihren Fans

Bester Torschütze der Kieler war Lukas Nilsson (5), für Paris traf ebenfalls ein Neuzugang am häufigsten: Uwe Gensheimer netzte 10/4 Mal ein. Der Auftakt in die VELUX EHF Champions League hätte für die Kieler nicht schöner sein können: Ausgelassen feierten die "Zebras" nach dem Schlusspfiff mit den Fans in der naheuz ausverkauften Sparkassen-Arena, herzten dabei vor allem die Neuzugänge, die bei ihrem Königsklassen-Debüt allesamt einen starken Eindruck hinterlassen hatten. Die Fans feierten mit "Oh wie ist das schön" den Sieg gegen das Starensemble Paris Saint-Germain, das mit seiner individuellen Klasse dem Kampfgeist und der mannschaftlichen Geschlossenheit der Kieler unterlegen gewesen war. Ein Indiz dafür: Alle im Feld eingesetzten "Zebras" hatten sich nach 60 nervenaufreibenden Minuten in die Torschützenliste eingetragen und das Torhütergespann Landin/Wolff das Duell mit Omeyer/Skof für sich entschieden.

Paris mit Traumstart

Dabei war THW-Trainer Alfred Gislason durchaus mit Sorgenfalten auf der Stirn in die Partie gegangen: Neben dem Langzeitverletzten Christian Dissinger musste der Kieler Coach gegen Paris auch auf Rune Dahmke verzichten, den ein Riss des Delta-Bandes im linken Fuß aus dem Minden-Spiel außer Gefecht gesetzt hatte. So musste der ebenfalls angeschlagene Raul Santos von Beginn an ran - und erlebte wie seine Mitspieler, wie schnell man in der Königsklasse ins Hintertreffen gelangen kann. Denn PSG bstrafte anfangs jeden Kieler Fehler eiskalt, ging in der vierten Minute durch den anfangs überragenden Luka Stepancic mit 4:1 in Führung. Es sollte der deutlichste Abstand sein, den beide Mannschaften an diesem Abend herauswerfen konnten.

Das Schluss-Drama in vier Akten

Starker Auftritt: Christian Zeitz erzielte wichtige Tore

Erster Akt: Hansen glich aus, zwei Minuten waren da noch zu spielen. Zweiter Akt. Christian Zeitz erzielte 25 Sekunden vor dem Ende das 28:27, auf der anderen Seite stoppten Sprenger und Wiencek Nikola Karabatics Schnelle Mitte. Wiencek blieb von Krämpfen geplagt liegen, erhielt eine Zwei-Minuten-Strafe für das Foul an Karabatic. Dritter Akt: Mit letzter Energie verhindern die "Zebras" einen Wurf aufs Tor, die Zeit lief ab. Aber: Noch gab es den Freiwurf, den vierten und letzten Akt der unglaublichen Schlussphase eines irren Spiels: Als Christian Zeitz den Hansen-Wurf blockte, verwandelte er damit die Sparkassen-Arena in ein Tollhaus. 28:27, der erste Erfolg gegen das neuformierte Paris. Den Titel-Favoriten. Was für ein Hammer-Auftakt in die Königsklasse!

Dienstag gegen Balingen

Während Paris schon eine Dreiviertelstunde nach dem Abpfiff gen Flughafen Holtenau aufbrauch, um kurze Zeit später per Chartermaschine in die französische Hauptstadt zurückzukehren, nahmen sich die "Zebras" viel Zeit für ihre Fans. Die können bereits am Dienstag ihrer Mannschaft wieder den Rücken stärken, wenn der HBW Balingen-Weilstetten zu Gast in der Sparkassen-Arena ist. Anpfiff für diese Partie ist um 19 Uhr, das Spiel wird nicht im Fernsehen gezeigt. Noch gibt es Karten an allen bekannten Vorverkaufsstellen und online (auch zum Selbstausdrucken) im THW-Ticket-Shop. Am Dienstag hat die Tageskasse am Ticketcenter durchgehend bis zum Anpfiff geöffnet. Auf geht's, Zebras!

THW dreht die Partie in vier Minuten

Steffen Weinhold trieb seine Mannschaft vor allem im ersten Durchgang nach vorn

Denn urplötzlich waren auch die "Zebras" im Spiel, nutzten ihrerseits die Fehler der Kontrahenten von der Seine. Ganze vier Minuten benötigten sie, um durch zwei Santos-Treffer, ein Hüftgeschoss von Duvnjak und einen von Landin parierten freien Ball von Luka Karabatic mit anschließendem Gegenstoß von Marko Vujin aus dem Drei-Tore-Rückstand eine 6:4-Führung zu machen - das Publikum stand Kopf. Der THW nahm den Kampf an, machte in der Abwehr die Räume eng für das Welthandballer-Duo Mikkel Hansen/Nikola Karabatic, der nach einigen Einlagen ein heftiges Pfeifkonzert über sich ergehen lassen musste. Vorne setzten die "Zebras" ihrem ebenso beweglichen Gegner mit schnellen Vorstößen über die Halbpositionen zu. Überragend: Steffen Weinhold. Der Linkshänder ackerte und traf dreimal bis zur Pause.

Unentschieden zur Pause

Doch nur den Linkshänder aus dem überragenden Kollektiv der Kieler herauszuheben, wäre deutlich zu kurz gegriffen: Da setzte sich Nikola Bilyk ein ums andere Mal eindrucksvoll in Szene, da drosch Lukas Nilsson direkt nach seiner Einwechslung den Ball in die lange Ecke, da rieben sich Rene Toft Hansen und Patrick Wiencek im Mittelblock auf, da kam Ilija Brozovic als Linksaußen-Ersatz und Unruheherd am Kreis zu Ehren. Kurzum: Es entwickelte sich eine packende Partie, die beim 11:10 durch Nikola Karabatic die Gäste wieder vorn sah, ehe Nilsson, Weinhold und erneut Nilsson den THW mit 15:13 in Führung brachten. Weil den "Zebras" danach bis zur Pause fünf Minuten lang kein Torerfolg mehr gelang, ging es dennoch "nur" mit einem 15:15 in die Kabine.

Blatt wendet sich erneut

Nikola Bilyk erzielte bei seinem Königsklassen-Debüt vier Tore

Doch dieses Spiel sollte die wahren Höhepunkte erst noch erleben. Denn auch nach der Pause schenkten sich beide Mannschaften nichts. Bei den Gästen sorgte Gensheimer für die "einfachen" Tore vom Siebenmeterstrich und mit traumwandlerischer Sicherheit auch von Außen, beim THW tänzelte Bilyk die komplette PSG-Defensive aus und traf zum 19:17 (36.). Wie stark sich die Kieler Abwehr nun auf ihre Gegenüber eingestellt hatte, bewies der Umstand, dass Paris satte sieben Minuten für das erste Feldtor im zweiten Durchgang benötigte. Und dich neigte sich das Blatt langsam aber sicher zugunsten der Franzosen, auch weil die Zeitspiel-Regelung bei ihnen äußerst großzügig ausgelegt wurde und sie sich oft die Abpraller sicherten. Gensheimer traf zum 22:21 (48.) und zum 23:22, dem Stepancic mit einem unglaublichen Wurf ins lange Eck das 24:22 (52.) folgen ließ. PSG, und das war auch den Fans auf den Rängen klar, war am Drücker.

Nilsson und Zeitz holen den Hammer raus

Wirbelwind gegen starke Abwehr: Lukas Nilsson

Und doch fanden die "Zebras" wieder in die Partie zurück, was vor allem an der jugendlichen Unbekümmertheit von Lukas Nilsson und der Erfahrung von Christian Zeitz lag: Während Nilsson den Ball erst mit 105, dann mit 106 km/h in den Winkel drosch und so die Kieler im Spiel hielt, machte Zeitz im Eins-gegen-Eins das 25:25, tanzte nach Gensheimers erneuter PSG-Führung Mikkel Hansen mit einer Drehung zum 26:26 aus, um dann das 27:26 von Christian Sprenger aufzulegen (59.) - die Partie steuerte auf ihr dramatisches Finale zu. 

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